{"id":374,"date":"2020-06-09T21:29:09","date_gmt":"2020-06-09T18:29:09","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-beeinflusst-die-blutgruppe-den-krankheitsverlauf\/"},"modified":"2020-06-09T21:29:09","modified_gmt":"2020-06-09T18:29:09","slug":"coronavirus-beeinflusst-die-blutgruppe-den-krankheitsverlauf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-beeinflusst-die-blutgruppe-den-krankheitsverlauf\/","title":{"rendered":"Coronavirus: Beeinflusst die Blutgruppe den Krankheitsverlauf?"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/27ad84e4-c6d8-4dc6-b3d9-7ae417c61feb_w948_r1.77_fpx46_fpy51.jpg\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption> Sciepro\/ Science Photo Library RF\/ Getty Images <\/figcaption><\/figure>\n<p>Warum sp\u00fcren manche Menschen kaum etwas von einer Infektion mit Sars-CoV-2 und andere erkranken schwer? Warum haben die einen nur leichte Halsschmerzen, w\u00e4hrend die anderen beatmet werden m\u00fcssen oder sogar an Covid-19 sterben? Auch nach rund sechs Monaten, die das Virus mindestens schon zirkuliert, k\u00f6nnen Wissenschaftler diese Frage noch nicht abschlie\u00dfend beantworten.<\/p>\n<p>Aber sie haben Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze zusammengetragen &#8211; und es kommen neue hinzu: Neben dem Alter, Vorerkrankungen und Rauchen, neben einem \u00fcberreagierenden Immunsystem und einer ver\u00e4nderten Blutgerinnung, die offenbar den Verlauf einer Covid-19-Erkrankung beeinflussen k\u00f6nnen, bringen Wissenschaftler jetzt einen weiteren Faktor ins Spiel: die Blutgruppen.<\/p>\n<p>Wie Forscher um den Molekularbiologen Andre Franke von der Universit\u00e4t Kiel und den norwegischen Internisten Tom Karlsen von der Universit\u00e4t Oslo jetzt in einem sogenannten Preprint berichten, haben Menschen mit der Blutgruppe A ein h\u00f6heres Risiko f\u00fcr einen schweren Verlauf und jene mit der Blutgruppe 0 das geringste. Bei einer Preprint-Ver\u00f6ffentlichung handelt es sich um vorl\u00e4ufige Studienergebnisse, da diese noch nicht von unabh\u00e4ngigen Wissenschaftlern begutachtet wurden.<\/p>\n<h3>Zwei auff\u00e4llige Genabschnitte<\/h3>\n<p>F\u00fcr ihre Analysen suchten die Forscher im Erbgut von 1610 schwer erkrankten Patienten aus Italien und Spanien, die entweder eine Sauerstofftherapie ben\u00f6tigten oder beatmet wurden, nach Hinweisen auf genetische Auff\u00e4lligkeiten. Das gelang durch den Vergleich mit der DNA von 2205 gesunden Menschen aus der Bev\u00f6lkerung. Die Forscher analysierten dabei mehr als 8,5 Millionen sogenannte SNPs (sprich Snips), Abschnitte auf der DNA, die nat\u00fcrlicherweise von Mensch zu Mensch variieren und in den Varianten unterschiedlich h\u00e4ufig in verschiedenen Bev\u00f6lkerungsgruppen auftreten.<\/p>\n<p>Zwei SNPs fielen bei den Untersuchungen auf: Der erste liegt auf Chromosom 3 in der N\u00e4he jenes Gens, das f\u00fcr die Herstellung des Enzyms ACE verantwortlich ist. Dieses reguliert unter anderem den Blutdruck mit. In mehreren Studien hatten Forscher bereits Hinweise darauf gefunden, dass die Rezeptoren f\u00fcr dieses Enzym eine Rolle spielen k\u00f6nnten bei der Infektion mit Sars-CoV-2.<\/p>\n<p>Der zweite auff\u00e4llige SNP liegt auf Chromosom 9 an jener Stelle, die dar\u00fcber entscheidet, welche Blutgruppe der Tr\u00e4ger hat. Die Studienteilnehmer mit Blutgruppe A hatten demnach ein rund 50 Prozent erh\u00f6htes Risiko, dass die Erkrankung einen schweren Verlauf nimmt. Teilnehmer mit der Blutgruppe 0 hingegen scheinen einen gewissen Schutz zu haben. Der Arzt und SPD-Bundestagabgeordnete Karl Lauterbach twitterte dazu:<\/p>\n<p>Die Untersuchung best\u00e4tigt Analysen aus anderen L\u00e4ndern: Bereits im M\u00e4rz waren chinesische Wissenschaftler in einer Genanalyse von mehr als 2000 Covid-19-Erkrankten zu dem Ergebnis gekommen, dass Patienten mit Blutgruppe A ein h\u00f6heres Risiko haben k\u00f6nnten. Sie hatten damals aber darauf verwiesen, dass die Daten durch weitere Untersuchungen best\u00e4tigt werden m\u00fcssten.<\/p>\n<p>Eine US-amerikanische Gruppe hatte dann im April ebenfalls ein Preprint ver\u00f6ffentlicht. Auch diesem zufolge haben Blutgruppe-A-Tr\u00e4ger ein h\u00f6heres Risiko f\u00fcr einen schweren Verlauf als Blutgruppe-0-Tr\u00e4ger. In dieser Untersuchung hatten die Forscher auch noch nach dem Rhesusfaktor unterschieden. Einen Zusammenhang konnten sie ihren Analysen zufolge nur bei Patienten mit positivem Rhesusfaktor finden.<\/p>\n<p>&quot;In allen Studien ist belegt, dass Blutgruppe A bei Covid-19 Patienten signifikant h\u00e4ufiger vorkommt als bei Gesunden&quot;, sagt Peter Bugert vom Institut f\u00fcr Transfusionsmedizin und Immunologie an der Universit\u00e4t Heidelberg. Ein urs\u00e4chlicher Zusammenhang ist dadurch allerdings nicht bewiesen, auch wenn die Autoren der verschiedenen Untersuchungen so gut wie m\u00f6glich andere Einflussfaktoren wie etwa das Alter oder Vorerkrankungen herausgerechnet haben.<\/p>\n<h3>Botenstoffe, Antik\u00f6rper, Gerinnungsfaktoren<\/h3>\n<p>Doch warum sollte die Blutgruppe beeinflussen, wie stark ein Mensch erkrankt? An dieser Stelle sind die Wissenschaftler noch auf der Suche und gehen bereits Hinweisen nach. So beschreibt die Gruppe um Franke und Karlsen, dass der SNP am Genort f\u00fcr die Blutgruppe ebenfalls assoziiert ist mit bestimmten Entz\u00fcndungsbotenstoffen, den sogenannten Interleukinen. Von diesen ist aus anderen Studien bekannt, dass sie bei manchen Patienten bei einer \u00dcberreaktion des Immunsystems in extremen Mengen ausgesch\u00fcttet werden. Das kann f\u00fcr die Betroffenen t\u00f6dlich enden.<\/p>\n<p>Auch k\u00f6nnte das Gerinnungssystem eine Rolle spielen, so eine These. Genetische Variationen an der Stelle, die \u00fcber die Blutgruppe entscheiden, seien auch mit gerinnungsf\u00f6rdernden Faktoren verbunden, schreiben die Wissenschaftler. Seit Jahren ist bekannt, dass Menschen mit der Blutgruppe 0 eine geringere Konzentration an bestimmten Gerinnungsfaktoren haben. Wenn das Gerinnungssystem aktiviert wird und weniger Gerinnungsfaktoren vorhanden sind, k\u00f6nnten dadurch m\u00f6glicherweise auch die Auswirkungen geringer ausfallen. Bekannt ist, dass Sars-CoV-2-Infektionen das Risiko f\u00fcr Herzinfarkte, Schlaganf\u00e4lle oder Lungenembolien erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Die Chinesen spekulieren in ihrer Studie zudem dar\u00fcber, ob auch die Antik\u00f6rper, die im Blut der jeweiligen Blutgruppentr\u00e4ger zirkulieren, eine Rolle spielen k\u00f6nnten. Die Theorie dahinter ist, dass die Antik\u00f6rper, die Menschen mit der Blutgruppe 0 in sich tragen, m\u00f6glicherweise auch das Virus beeinflussen.<\/p>\n<p>Sollten die Ergebnisse aus den Preprint-Studien haltbar sein, k\u00f6nnten sich daraus verschiedene Konsequenzen f\u00fcr die Patienten ergeben, folgern die Autoren der chinesischen Untersuchung: Menschen mit Blutgruppe A k\u00f6nnten sich verst\u00e4rkt sch\u00fctzen und ein Blutgruppentest in Zukunft m\u00f6glicherweise bei der Versorgung von Sars-CoV-2-Infizierten helfen. Zudem br\u00e4uchten Covid-19-Patienten mit Blutgruppe A m\u00f6glicherweise eine engmaschigere \u00dcberwachung und intensivierte Therapie.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Sciepro\/ Science Photo Library RF\/ Getty Images Warum sp\u00fcren manche Menschen kaum etwas von einer Infektion mit Sars-CoV-2 und andere erkranken schwer? Warum haben die einen nur leichte Halsschmerzen, w\u00e4hrend die anderen beatmet werden m\u00fcssen oder sogar an Covid-19 sterben? 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