{"id":373,"date":"2020-06-09T20:19:05","date_gmt":"2020-06-09T17:19:05","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-satellitenbilder-sollen-fruheren-virus-ausbruch-in-china-belegen\/"},"modified":"2020-06-09T20:19:05","modified_gmt":"2020-06-09T17:19:05","slug":"corona-satellitenbilder-sollen-fruheren-virus-ausbruch-in-china-belegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-satellitenbilder-sollen-fruheren-virus-ausbruch-in-china-belegen\/","title":{"rendered":"Corona: Satellitenbilder sollen fr\u00fcheren Virus-Ausbruch in China belegen"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/7ba50e25-107a-491d-95ea-1ef9b58f5f12_w948_r1.77_fpx55.43_fpy50.jpg\" title=\"Wuhan von oben: Die Stadt, aus der das Virus stammt\" alt=\"Wuhan von oben: Die Stadt, aus der das Virus stammt\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Wuhan von oben: Die Stadt, aus der das Virus stammt<\/p>\n<p> Maxar Technologies\/ AFP <\/figcaption><\/figure>\n<p>Die leer gefegten Stra\u00dfen des Basars von Kabul, der kaum bev\u00f6lkerte Sandstrand an der Copacabana in Rio, das Feldlazarett im New Yorker Central Park: Auf Satellitenbildern der vergangenen Wochen und Monate l\u00e4sst sich die weltweite Coronakrise eindr\u00fccklich nachvollziehen.<\/p>\n<p>Die Folgen von Ausgangsbeschr\u00e4nkungen, wirtschaftlichem Stillstand und dem &#8211; oft improvisierten &#8211; Kampf gegen das Virus waren aus vielen Hundert Kilometer H\u00f6he gut zu fotografieren. Andere Instrumente von Satelliten zeigten au\u00dferdem, wie die Luft durch weniger Verkehr und stillgelegte Fabriken sauberer wurde oder wie kaum mehr Flugzeuge Kondensstreifen in den Himmel malten.<\/p>\n<p>Forscher um John Brownstein vom Boston Children&#039;s Hospital haben Satelliten nun aber nicht nur f\u00fcr einen Blick auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie genutzt. Sie glauben, mithilfe der Technik auch bestimmen zu k\u00f6nnen, wann das Infektionsgeschehen in der chinesischen Stadt Wuhan seinen Anfang nahm. In einer noch nicht von Fachkollegen begutachteten Arbeit, die auf dem Preprint-Server der Harvard University ver\u00f6ffentlicht wurde, kommen sie dabei zu einer spektakul\u00e4ren Schlussfolgerung: Der mittlerweile Sars-CoV-2 getaufte Erreger hatte die Stadt wom\u00f6glich bereits im Herbst des vergangenen Jahres im Griff.<\/p>\n<p>Wann China von dem Ausbruch der damals neuartigen Lungenkrankheit in der Provinz Hubei wusste, ob es wom\u00f6glich die internationale Gemeinschaft zu sp\u00e4t informiert hat, um diese Frage wird seit Wochen erbittert gestritten. Vor allem US-Pr\u00e4sident Donald Trump greift die Regierung in Peking immer wieder auf das Sch\u00e4rfste an. Wom\u00f6glich auch, um von eigenen Fehlern abzulenken. Aber selbst bei der \u00f6ffentlich eher chinafreundlichen Weltgesundheitsorganisation (WHO), so ist zu lesen, gab es massive Frustration \u00fcber die Informationspolitik des Landes.<\/p>\n<p>Nach einem Bericht der &quot;South China Morning Post&quot; aus Hongkong haben die chinesischen Beh\u00f6rden Erkenntnisse zu einem Mann aus Hubei, der sich zumindest schon am 17. November 2019 mit dem Erreger infiziert haben soll. Offiziell erstattete China dann am 31. Dezember dem WHO-Landesb\u00fcro Bericht \u00fcber mehrere F\u00e4lle einer &quot;Lungenentz\u00fcndung unbekannter Ursache&quot;, die in Wuhan aufgetreten sei. Bei einer deswegen ins Krankenhaus eingelieferten Person sei dabei ein neuartiges Coronavirus identifiziert worden. Wenig sp\u00e4ter erkl\u00e4rten die Beh\u00f6rden, ein Gro\u00dfmarkt in der Stadt, auf dem Fisch und Gefl\u00fcgel verkauft worden seien, habe eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des Erregers gespielt. Er wurde am 1. Januar 2020 &quot;zwecks Sanierung und Desinfektion&quot; geschlossen.<\/p>\n<h3>Bis zu 70 Zentimeter kleine Objekte lassen sich erkennen<\/h3>\n<p>Doch bis heute ist nicht klar, wie der Corona-Ausbruch ablief. Die Forscher um Brownstein haben sich f\u00fcr ihre Studie nun mehr als hundert Satellitenbilder aus der Zeit weit vor dem offiziellen Bekanntwerden angesehen. Die Aufnahmen stammen von einem kommerziellen Anbieter und sind so hochaufl\u00f6send, dass sich auf ihnen bis zu 70 Zentimeter kleine Objekte erkennen lassen. Spezifisch in den Blick nahm das Team die Parkpl\u00e4tze vor sechs Krankenh\u00e4usern in Wuhan.<\/p>\n<p>Dabei konnten sie auf den Fotos aus dem Sp\u00e4tsommer und Herbst deutlich mehr Autos an den Hospit\u00e4lern z\u00e4hlen als an Vergleichstagen im Vorjahr. Beginnend im August 2019 sei die Zahl der Fahrzeuge im Mittelwert angestiegen. Der H\u00f6chststand sei dann im Dezember erreicht worden, so die Wissenschaftler. Ein Beispiel: Auf einem Satellitenbild aus dem Oktober 2018 identifizierten die Forscher 171 Autos auf dem Au\u00dfengel\u00e4nde des Tianyou Hospital, des gr\u00f6\u00dften Krankenhauses von Wuhan. Ein Jahr sp\u00e4ter seien es dann 285 Fahrzeuge gewesen, also 67 Prozent mehr.<\/p>\n<p>Die Forscher schauten sich neben den Satellitenbildern noch einen weiteren m\u00f6glichen Fr\u00fchindikator f\u00fcr das Infektionsgeschehen an. Daf\u00fcr analysierten sie die Anfragen bei der chinesischen Suchmaschine Baidu spezifisch nach den Begriffen &quot;Durchfall&quot; und &quot;Husten&quot;. Aus ihrer Sicht gibt es eine Korrelation zwischen vollen Krankenhausparkpl\u00e4tzen und verst\u00e4rkten Internetrecherchen zu den m\u00f6glichen Symptomen der neuen Krankheit.<\/p>\n<h3>&quot;Ein kompliziertes Puzzle&quot;<\/h3>\n<p>&quot;Hier geht es darum zu versuchen, ein kompliziertes Puzzle dessen zusammenzusetzen, was sich zu dieser Zeit abspielte&quot;, hat Studienautor Brownstein im Gespr\u00e4ch mit CNN erkl\u00e4rt. Der Epidemiologe ist Chief Innovation Officer am Bostoner Kinderkrankenhaus und hat nach eigenen Angaben neben der WHO auch verschiedene US-Ministerien und auch das Wei\u00dfe Haus beraten. &quot;Wir haben vor Jahren eine Publikation dar\u00fcber ver\u00f6ffentlicht, in der wir zeigten, dass die Krankenh\u00e4user in Lateinamerika w\u00e4hrend der Grippesaison sehr voll waren. Man konnte die Grippesaison allein durch einen Blick auf die Parkpl\u00e4tze vorhersagen&quot;, sagt er.<\/p>\n<p>Die Frage ist nun, ob der Ansatz in Wuhan auch funktioniert. Ein hieb- und stichfester Beweis f\u00fcr einen Ausbruch des Virus bereits im Sp\u00e4tsommer ist die neue Studie nicht. Die Autoren schreiben, dass sie &quot;nicht best\u00e4tigen&quot; k\u00f6nnen, ob die erh\u00f6hte Zahl von Autos &quot;in direktem Zusammenhang mit dem neuen Virus stand&quot;. Man liefere aber zus\u00e4tzliche Belege, die andere Arbeiten erg\u00e4nzten, wonach der Erreger bereits vor seinem Nachweis auf dem Tiermarkt aufgetreten sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Das Team will seine Erkenntnisse im Fachmagazin &quot;Nature Digital Medicine&quot; ver\u00f6ffentlichen. Im Moment werden sie im sogenannten Peer-Review-Prozess von Fachkollegen begutachtet. Sie werden sich einige methodische Fragen genau ansehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>So gibt es laut den Forschern von mindestens einem Krankenhaus gar keine Satellitenaufnahmen. Und von den anderen ist die Zahl auch vergleichsweise \u00fcberschaubar. Das d\u00fcrfte zum einen damit zu tun haben, dass manchmal einfach das Wetter nicht gepasst hat. Durch Wolken k\u00f6nnen optische Satelliten keine Bilder machen. Zum anderen sind kommerzielle Satellitenbilder auch schlicht teuer.<\/p>\n<p>Wom\u00f6glich war das auch ein Grund daf\u00fcr, dass Brownstein und seine Kollegen nur eine kurze Zeitreihe mit wenigen Datenpunkten als Beleg f\u00fcr ihre Hypothese anf\u00fchren. &quot;Das pr\u00e4sentierte Signal ist dadurch nicht besonders stark&quot;, sagt Stefan Dech, Direktor des Deutschen Fernerkundungsdatenzentrums am Deutschen Zentrum f\u00fcr Luft- und Raumfahrt (DLR), dem SPIEGEL. Auch sei die Streuung bei der Zahl der Autos recht hoch: Mal ist bei demselben Krankenhaus der Parkplatz leer, mal ist er wenige Tage sp\u00e4ter voll.<\/p>\n<p>Dech war an der Studie nicht beteiligt. Im Gespr\u00e4ch weist er darauf hin, dass Satellitenfotos stets Momentaufnahmen sind. Sie bilden eine Situation in einem Augenblick ab, die kurze Zeit sp\u00e4ter ganz anders aussehen kann. Das Team hat aber nicht angegeben, zu welcher Zeit die Aufnahmen jeweils gemacht wurden.<\/p>\n<p>&quot;Man muss sicherstellen, dass man wei\u00df, was im Krankenhaus zu dem Zeitpunkt passiert, an dem die Bilder gemacht werden&quot;, sagt Dech. Vor, w\u00e4hrend und nach einer Mittagspause sehe der Parkplatz wom\u00f6glich ganz anders aus. Das Gleiche gelte f\u00fcr die Besuchszeit. \u00dcber die Vergleichbarkeiten der Aufnahmen machen die Forscher aber keine Angaben.<\/p>\n<h3>Mittlerweile mehr als 400.000 Tote<\/h3>\n<p>Dass Wuhan also tats\u00e4chlich fr\u00fcher als bisher bekannt war, belegt die neue Studie nicht. Sie weist aber in eine Richtung, die Pr\u00e4sident Trump wom\u00f6glich gefallen d\u00fcrfte: China k\u00f6nnte nicht rechtzeitig reagiert haben. Auch wenn das Forscherteam klargestellt hat, dass ein Ausbruch zu dieser Zeit vielleicht auch in den USA nicht bemerkt worden w\u00e4re. Die Forscher sehen \u00fcbrigens keinen Hinweis darauf, dass das Virus aus einem Labor entwichen sein k\u00f6nnte. Chinas Regierung hat das ohnehin stets dementiert. Ihre Erkenntnisse, so schreiben die Forscher nun, st\u00fctzten die These, dass der Erreger auf nat\u00fcrliche Weise im S\u00fcden des Landes zirkulierte.<\/p>\n<p>Was auch immer in Wuhan oder Umgebung passiert ist, wann auch immer es passiert ist: Mittlerweile wurde der Erreger weltweit bei mehr als 7,1 Millionen Menschen nachgewiesen, mehr als 400.000 von ihnen sind gestorben.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Wuhan von oben: Die Stadt, aus der das Virus stammt Maxar Technologies\/ AFP Die leer gefegten Stra\u00dfen des Basars von Kabul, der kaum bev\u00f6lkerte Sandstrand an der Copacabana in Rio, das Feldlazarett im New Yorker Central Park: Auf Satellitenbildern der vergangenen Wochen und Monate l\u00e4sst sich die weltweite Coronakrise eindr\u00fccklich nachvollziehen. 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