{"id":3725,"date":"2020-11-08T23:20:22","date_gmt":"2020-11-08T20:20:22","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/usa-warum-wall-street-und-silicon-valley-von-joe-bidens-sieg-profitieren\/"},"modified":"2020-11-08T23:20:22","modified_gmt":"2020-11-08T20:20:22","slug":"usa-warum-wall-street-und-silicon-valley-von-joe-bidens-sieg-profitieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/usa-warum-wall-street-und-silicon-valley-von-joe-bidens-sieg-profitieren\/","title":{"rendered":"USA: Warum Wall Street und Silicon Valley von Joe Bidens Sieg profitieren"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/04286539-5733-4d98-a5fd-0eac7721bb15_w948_r1.77_fpx46_fpy20.jpg\" title=\"Biden im Wahlkampf: Aktienkurse schossen nach der US-Wahl nach oben.\" alt=\"Biden im Wahlkampf: Aktienkurse schossen nach der US-Wahl nach oben.\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Biden im Wahlkampf: Aktienkurse schossen nach der US-Wahl nach oben.<\/p>\n<p>  Foto:\u2002<\/p>\n<p>ANGELA WEISS \/ AFP<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Fr\u00fcher galt der Grundsatz: Demokratische US-Pr\u00e4sidenten sind eher schlecht f\u00fcr die Wirtschaft. Denn linke Projekte wie Steuerh\u00f6hungen, Umverteilung und mehr Regulierung schm\u00e4lern die Gewinne der Konzerne, so die simple Begr\u00fcndung.<\/p>\n<p>Und dieser Logik folgend, war Donald Trump lange der Liebling der Wall Street: Seine Unternehmenssteuerreformen und die massive Deregulierung sorgten daf\u00fcr, dass die Gewinne der US-Konzerne in den vergangenen Jahren erheblich wuchsen. Parallel dazu boomten die US-B\u00f6rsen. Lange galt Trump deshalb als Wunschkandidat der M\u00e4rkte.<\/p>\n<p>Nun aber haben Wirtschaftsbosse und Investoren den Wahlsieg des demokratischen Herausforderers Joe Biden erstaunlich gelassen zur Kenntnis genommen. Als sich sein Wahlsieg vergangene Woche bereits abzeichnete, stiegen an der Wall Street die Aktienkurse. Dass die B\u00f6rsen nach diesem Wochenende mit gro\u00dfen Verlusten in den Handel starten, ist unwahrscheinlich.<\/p>\n<p>All das bedeutet aber keineswegs, dass Wirtschaftsvertreter pl\u00f6tzlich linke Positionen guthei\u00dfen. Ihre Gelassenheit \u00fcber den Ausgang der Wahl l\u00e4sst sich wohl eher damit begr\u00fcnden, dass den Demokraten kein Sieg auf ganzer Linie gelungen ist: Denn die Republikaner d\u00fcrften ihre Mehrheit im Senat behaupten. Viele Konzernlenker d\u00fcrften nun erleichtert sein, weil anders als bef\u00fcrchtet, der neue Pr\u00e4sident mit einer Reihe von Vorhaben eher nicht durchkommen wird. &quot;Deshalb ist die Wall Street recht positiv gestimmt&quot;, sagte Trumps Ex-Kommunikationschef Anthony Scaramucci dem SPIEGEL.<\/p>\n<p>Die US-Wirtschaftszeitung Wall-Street Journal bewertete Bidens Wahlsieg gar als ein &quot;Traumszenario f\u00fcr die Wirtschaft&quot;: Ein moderater, verl\u00e4sslicher Pr\u00e4sident an der Macht, der sich mit seinen Vorhaben im Senat nicht wird durchsetzen k\u00f6nnen. Investoren und Wirtschaftsbosse bekommen also quasi das Beste aus beiden Welten.<\/p>\n<p>Biden hatte etwa angek\u00fcndigt, die Steuern f\u00fcr Konzerne und Wohlhabende zu erh\u00f6hen &#8211; eins seiner Hauptanliegen im Wahlkampf. Sein Plan: Die K\u00f6rperschaftsteuer, die die Republikaner von 35 auf 21 Prozent gesenkt hatten, soll auf 28 Prozent angehoben werden. Auch Kapitalertr\u00e4ge und Einkommen \u00fcber 400.000 Dollar j\u00e4hrlich sollen st\u00e4rker besteuert werden.<\/p>\n<p>Doch diese Vorhaben kann der k\u00fcnftige Pr\u00e4sident wohl vergessen, wenn die Republikaner ihre Mehrheit im Senat behaupten. Vor allem der republikanische Mehrheitsf\u00fchrer, Mitch McConnel, k\u00f6nnte Bidens Pl\u00e4ne zunichtemachen. Nach Worten von Scaramucci ist er deshalb &quot;gut f\u00fcr die Brieftasche&quot;. Genauso wenig d\u00fcrften sich Bidens Pl\u00e4ne f\u00fcr eine umfassende Gesundheitsreform oder Forderungen nach niedrigeren Medikamentenpreisen durchsetzen lassen.<\/p>\n<h3>Tech-Konzerne als die gro\u00dfen Gewinner?<\/h3>\n<p>Von der eingeschr\u00e4nkten Handlungsf\u00e4higkeit der Regierung werden auch Technologieriesen wie Apple, Amazon, Facebook oder Google profitieren: Sie werden weiterhin enorme Gewinne machen, ohne h\u00f6here Abgaben f\u00fcrchten zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Tech-Branche k\u00f6nnte auch aus weiteren Gr\u00fcnden als der gro\u00dfe Gewinner aus der Wahl hervorgehen. Zum einen d\u00fcrfte Biden im Handelsstreit mit China mildere T\u00f6ne anschlagen, neue Z\u00f6lle sind unter seiner \u00c4gide wohl vom Tisch: Das entlastet Firmen wie Apple, die eine Reihe von Bauteilen aus Asien beziehen. Zum anderen k\u00f6nnte er es f\u00fcr Tech-Konzerne wieder einfacher machen, hochqualifizierte Arbeitskr\u00e4fte aus dem Ausland zu rekrutieren. Er will Einreisevisa der Klasse H-1B reformieren, Trump hatte in seiner Amtszeit per Dekret hoch qualifizierten Wissenschaftlern, Ingenieuren und Programmierern die Einreise erschwert.<\/p>\n<p>Auch d\u00fcrften gr\u00f6\u00dfere Regulierungsvorhaben im Senat schwieriger durchzusetzen sein. Zwar sehen beide Parteien die enorme Marktmacht der Tech-Konzerne inzwischen kritisch, doch unterscheiden sich Republikaner und Demokraten in ihrer Analyse erheblich. Das zeigt sich etwa im Streit \u00fcber den Umgang mit Nutzerinhalten. Biden sagte in einem Interview mit der &quot;New York Times&quot;, dass er den Artikel 230 des Communications Decency Acts widerrufen wolle, der Unternehmen wie Facebook und Twitter davor sch\u00fctzt, f\u00fcr Meinungsbeitr\u00e4ge ihrer Nutzer haftbar gemacht zu werden. Unternehmen m\u00fcssten das Verbreiten von Unwahrheiten eind\u00e4mmen, in dem sie die Moderation von Beitr\u00e4gen auf den Plattformen verst\u00e4rken. Trump wirft den Plattformen hingegen vor, die Verbreitung konservativer Ansichten einzuschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Bis in den USA dar\u00fcber Konsens herrscht, wie die Tech-Konzerne zu regulieren sind, d\u00fcrfte es also noch dauern. Der Siegeszug der Tech-Konzerne d\u00fcrfte weitergehen.<\/p>\n<p>Nach Ansicht von Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, ist die Tatsache, wer der n\u00e4chste US-Pr\u00e4sident ist, deshalb gar nicht der wichtigste Faktor, der die Wirtschaft und die Kapitalm\u00e4rkte in den n\u00e4chsten Wochen und Monaten bestimmen wird. &quot;Die wieder stark angezogene Covid-19-Pandemie d\u00fcrfte in den n\u00e4chsten Monaten das Geschehen an den M\u00e4rkten sehr viel intensiver beeinflussen als die US-Pr\u00e4sidentschaft&quot;, sagt er. Und in diesem Punkt waren die Aussichten f\u00fcr die Unternehmen zuletzt deutlich weniger rosig.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Biden im Wahlkampf: Aktienkurse schossen nach der US-Wahl nach oben. Foto:\u2002 ANGELA WEISS \/ AFP Fr\u00fcher galt der Grundsatz: Demokratische US-Pr\u00e4sidenten sind eher schlecht f\u00fcr die Wirtschaft. 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