{"id":372,"date":"2020-06-09T19:00:38","date_gmt":"2020-06-09T16:00:38","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-who-ausert-sich-zu-asymptomatischen-fallen-bei-covid-19\/"},"modified":"2020-06-09T19:00:38","modified_gmt":"2020-06-09T16:00:38","slug":"coronavirus-who-ausert-sich-zu-asymptomatischen-fallen-bei-covid-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-who-ausert-sich-zu-asymptomatischen-fallen-bei-covid-19\/","title":{"rendered":"Coronavirus: WHO \u00e4u\u00dfert sich zu asymptomatischen F\u00e4llen bei Covid-19"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/d1b03318-f96f-462e-83a0-bd881c5d2cc9_w948_r1.77_fpx45_fpy44.jpg\" title=\"Abstand halten auf dem Leipziger Wochenmarkt: Social Distancing soll \u00dcbertragungen vermeiden, das w\u00e4re vor allem bei F\u00e4llen ohne klare Symptome wichtig\" alt=\"Abstand halten auf dem Leipziger Wochenmarkt: Social Distancing soll \u00dcbertragungen vermeiden, das w\u00e4re vor allem bei F\u00e4llen ohne klare Symptome wichtig\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Abstand halten auf dem Leipziger Wochenmarkt: Social Distancing soll \u00dcbertragungen vermeiden, das w\u00e4re vor allem bei F\u00e4llen ohne klare Symptome wichtig<\/p>\n<p>Jan Woitas\/ dpa<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wer sich krank f\u00fchlt, bleibt zu Hause. So einfach ist das. Wenn potenziell an Covid-19 Erkrankte sich selbst isolieren, sinkt das Infektionsrisiko f\u00fcr den Rest der Gesellschaft erheblich.<\/p>\n<p>Verkompliziert wird diese effektive Schutzma\u00dfnahme allerdings dadurch, dass es auch Infizierte ohne Krankheitssymptome gibt, die sogenannten asymptomatischen F\u00e4lle. Eine aktuelle, als Preprint ver\u00f6ffentlichte \u2013 also nicht von Fachkollegen begutachtete \u2013 Studie gibt deren Anteil unter den Infizierten mit 20 Prozent an. Das ist ein entscheidender Unterschied etwa zum Sars-Ausbruch, wo Infizierte den Erreger erst nach dem Ausbruch der Krankheitszeichen weitergaben. Wer nicht wei\u00df, dass er das Sars-CoV-2-Virus in sich tragen k\u00f6nnte, kann andere damit sehr wohl anstecken.<\/p>\n<p>Die Ansteckung ohne Symptome k\u00f6nnte einer der Gr\u00fcnde sein, warum die Pandemie so schwer in den Griff zu kriegen war und ist. Nur: Wie gro\u00df ist die Gefahr durch die asymptomatischen F\u00e4lle tats\u00e4chlich? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat gerade mit der Aussage f\u00fcr Aufsehen gesorgt, dass diese Art der Verbreitung der Krankheit in Wahrheit &quot;selten&quot; auftrete.<\/p>\n<h3>Asymptomatisch ist etwas anderes als pr\u00e4symptomatisch<\/h3>\n<p>Die amerikanische WHO-Epidemiologin Maria Van Kerkhove erkl\u00e4rte bei einem Pressetermin am Montag, aus vielen L\u00e4ndern gebe es Berichte \u00fcber eine asymptomatische Verbreitung der Krankheit. Wenn man aber genauer nachfrage, dann zeige sich: Eigentlich gehe es eher um F\u00e4lle mit milden oder ungew\u00f6hnlichen Symptomen. Aber eben nicht ohne.<\/p>\n<p>Zahlreiche Studien hatten zuvor nahegelegt, dass die Pandemie entscheidend auch durch asymptomatische Verbreitung mitgetragen wird. Aber diese Arbeiten basieren oft auf Computermodellen oder einzelnen, unsystematischen Fallberichten. Van Kerkhove sagte, man analysiere die verf\u00fcgbaren Informationen zu dieser Art der \u00dcbertragung: &quot;Wir schauen st\u00e4ndig auf diese Daten und versuchen, mehr Informationen aus den L\u00e4ndern zu bekommen, um diese Frage wirklich zu beantworten&#039;&quot;, so die Epidemiologin. &quot;Es scheint immer noch selten zu sein, dass asymptomatische Personen tats\u00e4chlich \u00dcbertr\u00e4ger sind.&quot;<\/p>\n<p>Van Kerkhove verwies auf Twitter au\u00dferdem auf eine \u00dcbersichtsarbeit, die kurz in einem WHO-Dokument zu Atemmasken erw\u00e4hnt wird. Demnach k\u00f6nnten etwa 16 Prozent aller \u00dcbertragungen durch Personen ohne Symptome erfolgen. Allerdings sei es schwierig, das Ph\u00e4nomen umfassend und systematisch zu untersuchen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem m\u00fcsse man tats\u00e4chlich asymptomatische Patienten unterscheiden von solchen, die nur zum Zeitpunkt der Ansteckung noch keine Beschwerden entwickelt haben (&quot;pr\u00e4symptomatisch&quot;). Solche Ansteckungen, das hatte eine Studie der Oxford University gezeigt, k\u00f6nnten ein Drittel bis die H\u00e4lfte der Infektionen ausmachen. Andere Studien hatten eine \u00e4hnliche Gr\u00f6\u00dfenordnung ergeben.<\/p>\n<p>Diese Patienten zeigen aber eben sehr wohl Symptome. Nur passiert das eben zu sp\u00e4t, um eine Ansteckung anderer durch Selbstisolation komplett auszuschlie\u00dfen. Eine dritte Kategorie, die davon noch einmal unterschieden werden m\u00fcsse, so Van Kerkhove, seien Infizierte mit milden Symptomen.<\/p>\n<p>Ob asymptomatisch, pr\u00e4symptomatisch oder mit nur leichten Symptomen \u2013 diese Formen der Erkrankung sind ein entscheidender Grund f\u00fcr die Ma\u00dfnahmen zum Social Distancing. Wenn jemand nicht wei\u00df, dass er krank ist, soll wenigstens Abstand zwischen ihm und seinen Kontakten herrschen. Dann kann es nicht zu \u00dcbertragungen kommen. Diskussionen \u00fcber das Ma\u00df der Gefahr durch solche F\u00e4lle sind also wichtig f\u00fcr die politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen, welche Ma\u00dfnahmen gegen die Pandemie bestehen bleiben sollen.<\/p>\n<h3>&quot;Irref\u00fchrendes PR-Desaster&quot;<\/h3>\n<p>Das Problem: Die aktuellen Einsch\u00e4tzungen der WHO helfen da kaum weiter. Der Biologe A. Marm Kilpatrick von der University of California in Santa Cruz \u00e4u\u00dferte sich auf Twitter kritisch zu den \u00c4u\u00dferungen Van Kerkhoves. Er beklagte, dass die zugrunde liegenden Studien zur Kontaktverfolgung methodisch schwierig seien.<\/p>\n<p>Im Nachhinein l\u00e4sst sich n\u00e4mlich nur schwer zur\u00fcckverfolgen, wer wen angesteckt hat &#8211; unabh\u00e4ngig davon, ob die Betroffenen Symptome hatten oder nicht. Sogenannte PCR-Tests k\u00f6nnen eine Infektion mit dem Coronavirus nur zu einem gewissen Zeitpunkt aufsp\u00fcren. Liegt die Ansteckung schon zu lange zur\u00fcck, l\u00e4sst sich das Virus im Rachen nicht mehr nachweisen. Das hei\u00dft, die Betroffenen bekommen ein negatives Testergebnis, obwohl sie an Covid-19 erkrankt waren. Bei Patienten mit Symptomen ist das etwa zehn Tage nach dem Auftreten der Symptome der Fall. Wie lange diese Zeitspanne bei asymptomatischen Patienten ist, kann noch niemand mit Gewissheit sagen.<\/p>\n<p>Insgesamt, so Kilpatrick, reichten die Beweise der WHO nicht aus, um die Behauptung aufzustellen, asymptomatische Infektionen seien tats\u00e4chlich selten. Das Ganze sei ein &quot;irref\u00fchrendes PR-Desaster&quot;.<\/p>\n<p>Der Epidemiologe Marcel Salath\u00e9 von der Eidgen\u00f6ssischen Technischen Hochschule im schweizerischen Lausanne schrieb auf Twitter etwas vers\u00f6hnlicher, die WHO habe wohl sagen wollen, dass die Ansteckung &quot;von Personen ausgehend, die nie Symptome entwickeln, sehr selten ist.&quot; Die Problematik sei aber, &quot;dass man nat\u00fcrlich erst im Nachhinein wei\u00df, ob eine Person Symptome entwickelte oder nicht&quot;.<\/p>\n<p>Nachdem ihre Bemerkung f\u00fcr weltweite Schlagzeilen gesorgt hatte, meldete sich am Dienstag auch noch einmal WHO-Expertin Van Kerkhove zu Wort. Es sei ein &quot;Missverst\u00e4ndnis&quot; zu sagen, dass asymptomatische \u00dcbertragung weltweit selten stattf\u00e4nden. Sie habe au\u00dferdem nur im Pressegespr\u00e4ch auf eine Frage geantwortet, und keine offizielle WHO-Linie referiert. Die Frage der asymptomatischen Ansteckungen sei und bleibe &quot;eine gro\u00dfe offene Frage&quot;.<\/p>\n<p><em>Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde nach der ersten Ver\u00f6ffentlichung um die Reaktion der WHO-Expertin Van Kerkhove erg\u00e4nzt.<\/em><\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Abstand halten auf dem Leipziger Wochenmarkt: Social Distancing soll \u00dcbertragungen vermeiden, das w\u00e4re vor allem bei F\u00e4llen ohne klare Symptome wichtig Jan Woitas\/ dpa Wer sich krank f\u00fchlt, bleibt zu Hause. So einfach ist das. Wenn potenziell an Covid-19 Erkrankte sich selbst isolieren, sinkt das Infektionsrisiko f\u00fcr den Rest der Gesellschaft erheblich. 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