{"id":3715,"date":"2020-11-08T10:44:00","date_gmt":"2020-11-08T07:44:00","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/us-wahl-2020-die-usa-zwischen-joe-biden-und-donald-trump\/"},"modified":"2020-11-08T10:44:00","modified_gmt":"2020-11-08T07:44:00","slug":"us-wahl-2020-die-usa-zwischen-joe-biden-und-donald-trump","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/us-wahl-2020-die-usa-zwischen-joe-biden-und-donald-trump\/","title":{"rendered":"US-Wahl 2020: Die USA zwischen Joe Biden und Donald Trump"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/0da94587-c864-41c3-bea8-e6cf3454163d_w948_r1.77_fpx49_fpy59.jpg\" title=\"Fahne der Trump-Kampagne: &quot;Gefeuert&quot;\" alt=\"Fahne der Trump-Kampagne: &quot;Gefeuert&quot;\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Fahne der Trump-Kampagne: &quot;Gefeuert&quot;<\/p>\n<p>  Foto:\u2002KYLE GRILLOT\/EPA-EFE\/Shutterstock  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Er sprintet auf die B\u00fchne, im Gesicht eine schwarze Maske, allein das markiert den Unterschied zu dem Mann, den er besiegt hat. Es ist schon dunkel in seiner Heimatstadt Wilmington, als Joe Biden seine erste Rede als &quot;President-elect&quot; h\u00e4lt. Und er macht gleich klar, dass er ein anderes Amerika will.<\/p>\n<p>&quot;Ich verspreche, dass ich ein Pr\u00e4sident sein werde, der das Land einigt und nicht spaltet&quot;, sagt Biden. Er sei ein stolzer Demokrat, aber als Pr\u00e4sident werde er f\u00fcr alle Amerikaner da sein. &quot;Es ist Zeit, die scharfen Worte hinter uns zu lassen und Amerika wieder mit sich selbst zu vers\u00f6hnen.&quot;<\/p>\n<p>Es ist eine Ansprache, die den Moment trifft. Biden ist auch deshalb gew\u00e4hlt worden, weil die Amerikaner die r\u00fcde und spalterische Rhetorik Donald Trumps satt hatten. Er betrachte jene Amerikaner, die f\u00fcr den Pr\u00e4sidenten gestimmt haben, nicht als Feinde, sagt Biden. Er sehe es als seine Aufgabe an, die Hand auszustrecken und mit Republikanern zusammenzuarbeiten. Es sei kein Naturgesetz, dass sich die Parteien im Kongress feindlich gegen\u00fcberst\u00fcnden, sagt Biden: &quot;Lasst uns gegenseitig eine faire Chance geben.&quot;<\/p>\n<p>Joe Biden will einen Neuanfang, soviel ist nach seiner knapp 20-min\u00fctigen Rede klar. &quot;Lasst und die \u00c4ra der gegenseitigen Verteufelung beenden&quot;, sagt er. Biden ist der Mann, f\u00fcr den mehr als 74 Millionen Amerikanern votierten; er hat damit so viele Stimmen auf sich vereint wie noch kein Kandidat vor ihm in der Geschichte der USA.<\/p>\n<p>Es ist ein Sieg, der Euphorie ausl\u00f6ste um liberalen Amerika. In Washington D.C. fuhren den ganzen Samstag \u00fcber Autokorsos hupend durch die Stra\u00dfen. In den Vororten der amerikanischen Hauptstadt wurden kleine Nachbarschaftsfeten organisiert, um den Machtwechsel zu feiern. Vor dem weitr\u00e4umig abgeriegelten Wei\u00dfen Haus trafen sich tausende Menschen, die &quot;Trump is over&quot; und &quot;You are fired&quot;-Schilder in die H\u00f6he reckten. Der Times Square in New York glich einer Partymeile, die nur ein Thema kannte: das Ende der Pr\u00e4sidentschaft Donald Trumps.<\/p>\n<p>Dennoch machte der Pr\u00e4sident keine Anstalten, die Niederlage einzur\u00e4umen. An dem Tag, als alle Fernsehsender meldeten, dass Trump nach vier Jahren das Wei\u00dfe Haus r\u00e4umen muss, verbreitete dieser eine Presseerkl\u00e4rung, in der es hie\u00df: &quot;Wir wissen alle, warum sich Joe Biden f\u00e4lschlicherweise als Sieger darstellt und warum ihm die Medien dabei helfen. Sie wollen, dass die Wahrheit unter der Decke bleibt. Diese Wahl ist noch lange nicht vorbei.&quot;<\/p>\n<h3>F\u00fcr eine Schlacht fehlen Trump die Truppen<\/h3>\n<p>Trump k\u00fcndigte an, am Montag eine juristische Schlacht zu beginnen, die ihm das Amt retten soll. Allerdings machte der Pr\u00e4sident nicht den Eindruck, als glaube er selbst an einen Sieg. Statt sich auf den juristischen Kampf vorzubereiten, ging er erst einmal eine Runde Golf spielen. W\u00e4hrend er in Virginia den Golfschl\u00e4ger schwang, gab sein Vertrauter, der ehemalige New Yorker B\u00fcrgermeister Rudy Giuliani, in Philadelphia eine Open-Air-Pressekonferenz, in der er behauptete, dass republikanische Wahlbeobachter systematisch davon abgehalten worden seien, ihren Job zu tun. Er verbreitete auch die Theorie, dass die Demokraten massenhaft Wahlbriefe gef\u00e4lscht h\u00e4tten, um Biden den Weg ins Wei\u00dfe Haus zu ebnen.<\/p>\n<p>Das Problem ist nur: Bisher konnten Trump und sein Team daf\u00fcr nicht den geringsten Beweis vorlegen. Selbst der konservative Sender Fox News, der in den vergangenen Jahren treu an der Seite des Pr\u00e4sidenten gestanden hatte, machte keinerlei Anstalten, Giulianis wilde Theorien zu untermauern, im Gegenteil.<\/p>\n<p>Schon am Freitagabend hatte Laura Ingraham, einer der Stars des Senders, Trump recht unverhohlen dazu aufgerufen, im Falle einer Niederlage Gro\u00dfmut zu zeigen und seinem Nachfolger zu gratulieren. Ein Abgang in W\u00fcrde, so Ingraham, w\u00fcrde Trump zum &quot;Elder Statesman&quot; und zum &quot;K\u00f6nigsmacher&quot; der republikanischen Partei bef\u00f6rdern. Nur wenige Stunden sp\u00e4ter rief Fox News Joe Biden zum 46. Pr\u00e4sidenten der Vereinigten Staaten aus.<\/p>\n<p>Trumps gr\u00f6\u00dftes Problem ist, dass ihm f\u00fcr eine Schlacht um das Wei\u00dfe Haus schlicht und einfach die Truppen fehlen. Mitch McConnell, der Mehrheitsf\u00fchrer der Republikaner im US-Senat, hat sich in den vergangenen Tagen auff\u00e4llig still verhalten. Auch andere einflussreiche Republikaner vermieden es, sich an die Seite des Pr\u00e4sidenten zu stellen, und die eher unabh\u00e4ngigen K\u00f6pfe im konservativen Lager z\u00f6gerten nicht, Biden zum Wahlsieg zu gratulieren: Mitt Romney etwa, der Senator aus Utah. Oder der ehemalige Gouverneur von Florida, Jeb Bush.<\/p>\n<p>Es spricht also wenig daf\u00fcr, dass Trump in der Lage sein wird, den W\u00e4hlerwillen zu ignorieren und sich im Amt festzukrallen. Bis zum Tag der Vereidigung Joe Bidens vergehen zwar noch mehr als 70 Tage, in denen Trump mit seiner Macht viel Unheil anrichten kann. Aber der Pr\u00e4sident hat die Stimmung in weiten Teilen des Landes gegen sich, ihm fehlt eine kraftvolle Unterst\u00fctzung durch die eigene Partei &#8211; und auch international wenden sich die Regierungen von Trump ab: Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron gratulierte auch der britische Premierminister Boris Johnson dem Demokraten Biden zum Wahlsieg.<\/p>\n<h3>Bidens Herkulesaufgabe<\/h3>\n<p>F\u00fcr den 77-J\u00e4hrigen sind das alles gute Nachrichten. Trotz des L\u00e4rms, den Trump veranstaltet, kann sich Biden auf die Arbeit konzentrieren, die vor ihm liegt. Und die wird nicht einfach. In den USA sind mehr als zehn Millionen Menschen arbeitslos. Der &quot;President-elect&quot; muss das Vertrauen der alten Partner wiedergewinnen. Vor allem aber muss er schnell ein Team zusammenstellen, das entschlossen die Corona-Pandemie in den Vereinigten Staaten bek\u00e4mpft. In den vergangenen Tagen eilte das Land bei den Infektionszahlen von einem Rekord zum n\u00e4chsten, regelm\u00e4\u00dfig steckten sich 100.000 Menschen mit dem Virus an &#8211; pro Tag.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p><strong>Lesen Sie hier:<\/strong> Das k\u00f6nnten Bidens erste Amtshandlungen werden<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>In seiner Rede in Wilmington k\u00fcndigt Biden an, schon am Montag ein zw\u00f6lfk\u00f6pfige Arbeitsgruppe pr\u00e4sentieren, die sich dem Kampf gegen die Pandemie widmen wird. Dem Team steht eine Herkulesaufgabe bevor &#8211; vor allem, weil Trumps Stabschef Mark Meadows &#8211; der inzwischen selbst an Covid-19 erkrankt ist &#8211; vor wenigen Tagen zugab, dass die Trump-Regierung jeden Versuch eingestellt habe, das Virus unter Kontrolle zu halten.<\/p>\n<p>Biden muss nun die Zeit bis zu seiner Amtseinf\u00fchrung am 20. Januar daf\u00fcr nutzen, ein Regierungsteam zusammenzustellen. Er wird dabei auf erfahrene Leute setzen: Sein au\u00dfenpolitischer Berater Tony Blinken k\u00f6nnte nationaler Sicherheitsberater werden; als neue Pentagon-Chefin wird Mich\u00e8le Flournoy gehandelt, die schon unter den Pr\u00e4sidenten Bill Clinton und Barack Obama im Verteidigungsministerium gedient hat. Eine interessante Frage wird sein, ob es Biden seinem fr\u00fcheren Chef Obama gleich tun und wie dieser einen Republikaner in sein Kabinett holen wird. Obama \u00fcbernahm nach seinem Wahlsieg im November 2008 Verteidigungsminister Robert Gates von seinem Vorg\u00e4nger George W. Bush.<\/p>\n<p>Biden hatte im Wahlkampf kurz mit dem Gedanken gespielt, sich einen Republikaner als Kandidaten f\u00fcr das Amt des Vizepr\u00e4sidenten an seine Seite zu holen, verwarf dann aber die Idee und nominierte Kamala Harris, die Senatorin aus Kalifornien. Sollte sich Biden nun durchringen und einem Republikaner einen prominenten Posten geben, w\u00e4re dies ein Zeichen der Vers\u00f6hnung &#8211; und gleichzeitig das Eingest\u00e4ndnis, wie sehr er trotz seines Sieges die Partei Donald Trumps braucht. Denn nach Lage der Dinge werden die Republikaner wahrscheinlich auch weiter die Mehrheit im Senat halten &#8211; und damit die Macht haben, die Euphorie des Triumphes schnell platzen zu lassen.<\/p>\n<p><em>Anmerkung: In einer fr\u00fcheren Version waren die Heimatstadt Joe Bidens und der Stabschef Donald Trumps falsch bezeichnet. Wir haben die Fehler korrigiert.<\/em><\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Fahne der Trump-Kampagne: &quot;Gefeuert&quot; Foto:\u2002KYLE GRILLOT\/EPA-EFE\/Shutterstock Er sprintet auf die B\u00fchne, im Gesicht eine schwarze Maske, allein das markiert den Unterschied zu dem Mann, den er besiegt hat.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3716,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3715","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3715","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3715"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3715\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3716"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3715"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3715"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3715"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}