{"id":371,"date":"2020-06-09T17:58:11","date_gmt":"2020-06-09T14:58:11","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/borse-das-verruckteste-borsen-comeback-aller-zeiten\/"},"modified":"2020-06-09T17:58:11","modified_gmt":"2020-06-09T14:58:11","slug":"borse-das-verruckteste-borsen-comeback-aller-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/borse-das-verruckteste-borsen-comeback-aller-zeiten\/","title":{"rendered":"B\u00f6rse: Das verr\u00fcckteste B\u00f6rsen-Comeback aller Zeiten"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/5a3bb66e-3ea2-42a7-957c-81cc1a058074_w948_r1.77_fpx52.74_fpy44.87.jpg\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption> Frank Rumpenhorst\/ dpa <\/figcaption><\/figure>\n<p>Noch nie wurde an den B\u00f6rsen eine Wirtschaftskrise so schnell abgehandelt wie in den vergangenen Monaten. Erst brachen die M\u00e4rkte wegen des Corona-Ausbruchs so rasant ein wie nie zuvor: Der Dax verlor in gerade einmal 28 Tagen 39 Prozent seines Wertes, der schnellste Verlust in seiner mehr als 30-j\u00e4hrigen Geschichte.<\/p>\n<p>Und nun geht es in einem ebenso rasanten Tempo wieder nach oben: Seit seinem Tiefpunkt am 18. M\u00e4rz hat das wichtigste deutsche B\u00f6rsenbarometer bis zum Beginn dieser Woche unglaubliche 52 Prozent gewonnen, ist damit nur noch knapp sieben Prozent von seinem Vorkrisenstand entfernt. Das ist der schnellste Aufschwung des Aktienmarkts, den es in Deutschland nach einem schweren B\u00f6rsencrash je gab (siehe Grafik). Zum Vergleich: Nach der Finanzkrise 2008 brauchte der Dax rund 100 Tage l\u00e4nger f\u00fcr solch eine Kurserholung.  <\/p>\n<p>In den USA war die Erholungsrallye sogar noch wahnwitziger. Die Indizes Nasdaq, in dem Amerikas wichtigste Techfirmen enthalten sind, und der breit gefasste S&amp;P 500 haben zum Beispiel die Verluste seit Jahresbeginn inzwischen wieder wettgemacht und befinden sich nahe dem Rekordniveau.<\/p>\n<p>Und all das obwohl die Wirtschaftskrise noch lange nicht ausgestanden ist: Im April sind die deutschen Exporte um 31 Prozent eingebrochen &#8211; von einem solchen Absturz erholt man sich nicht so schnell. Noch immer sind hierzulande Millionen Menschen in Kurzarbeit, in den USA ist die Zahl der Arbeitslosen so hoch geschossen wie noch nie in der Geschichte. Da fragt man sich, wie das mit einem B\u00f6rsenboom zusammenpasst.   <\/p>\n<p>Ausgel\u00f6st wurde der Boom (mal wieder) von der Geldpolitik der Zentralbanken und den Hilfsma\u00dfnahmen der Regierungen. Die US-Notenbank Fed senkte den Leitzins auf Null und kaufte seit Anfang M\u00e4rz Anleihen und Wertpapiere f\u00fcr mehr als zwei Billionen Dollar, die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) stockte ihr im M\u00e4rz extra f\u00fcr die Krise aufgelegtes PEPP-Anleihekaufprogramm zuletzt um 600 Millionen auf 1,35 Billionen Euro auf und die Regierungen schn\u00fcrten Konjunkturma\u00dfnahmen in Billionenh\u00f6he. &quot;Diese Ma\u00dfnahmen sind enorm und \u00fcbertreffen die Aktionen der Zentralbanken und Regierungen, die wir nach der Finanzkrise 2008 gesehen haben, bei weitem&quot;, sagt Martin L\u00fcck, Chefanlagestratege f\u00fcr Deutschland beim weltgr\u00f6\u00dften Verm\u00f6gensverwalter Blackrock.  <\/p>\n<p>Im Gegensatz zur damaligen Finanzkrise kann das billige Zentralbankgeld zudem jetzt viel schneller ins Wirtschaftssystem flie\u00dfen. Die Banken sind vergleichsweise stabil, vertrauen sich untereinander und vergeben ausreichend Kredite an Unternehmen. Weil angesichts niedriger Zinsen au\u00dferdem weiterhin die Alternativen fehlen, geben Investoren das viele billige Zentralbankgeld aus, um Aktien zu kaufen. Das treibt die Kurse in schwindelerregende H\u00f6hen.<\/p>\n<p>Die Sorge, dass die B\u00f6rsen nur von dem vielen billigen Geld angetrieben werden und realwirtschaftliche Daten nicht mehr z\u00e4hlen, ist aber nur zum Teil begr\u00fcndet. Denn die Gewinne der Unternehmen, die ja nun mal Grundlage f\u00fcr die Bewertung der Firmen an den B\u00f6rsen sind, sind w\u00e4hrend der Coronakrise bisher viel weniger stark eingebrochen als w\u00e4hrend der Finanzkrise und sollen in Zukunft auch schnell wieder steigen &#8211; so zumindest die Prognosen der Unternehmen selbst. Die im US-Leitindex S&amp;P 500 gelisteten US-Firmen etwa erwarten f\u00fcr das kommende Jahr gerade einmal einen Gewinneinbruch von 20 Prozent. Zum Vergleich: Bei der Finanzkrise 2008 war der Gewinneinbruch etwa doppelt so hoch.<\/p>\n<p>Klar ist aber auch: Der Markt preist gerade die beste aller Welten ein. &quot;Er geht davon aus, dass wir den schlimmsten Punkt \u00fcberschritten haben und es von nun an bergauf geht&quot;, sagt L\u00fcck. Aber vielleicht passiere das ja auch. An der B\u00f6rse werde nun mal die Zukunft gehandelt.<\/p>\n<p>Wenn eine zweite Pandemiewelle kommt, oder die Wirtschaft sich doch nicht wie erwartet erholt, k\u00f6nnte das den derzeitigen B\u00f6rsenboom aber j\u00e4h beenden. Anlagestratege L\u00fcck h\u00e4lt deshalb auch einen w-f\u00f6rmigen Verlauf f\u00fcr denkbar. Nach dem derzeitigen Aufschwung w\u00fcrde es dann wieder bergab gehen, bevor sich die Wirtschaft endg\u00fcltig erholt. Je nach Verlauf einer zweiten Welle, k\u00f6nnte es auch ein schiefes W geben: Der zweite Einbruch w\u00e4re dann nochmal schlimmer als der erste.<\/p>\n<p>Doch auch in diesem Fall w\u00e4re der Abschwung wohl nur vor\u00fcbergehend, weil die Regierungen und Notenbanken bereitstehen, um einen erneuten Kollaps der Wirtschaft zu verhindern.  <\/p>\n<p>Thomas Mayer, Direktor des Flossbach von Storch Research Instituts, spricht deshalb von einem &quot;free lunch&quot;. Investoren und Unternehmen k\u00f6nnten momentan das Geld in Aktien investieren, ohne die Risiken ber\u00fccksichtigen zu m\u00fcssen. &quot;Am Ende k\u00f6nnen sich ja alle darauf verlassen, dass die Zentralbanken einspringen, um die Sch\u00e4den zu beseitigen.&quot; Doch auf Dauer k\u00f6nne es einen solchen &quot;free lunch&quot; nicht geben. Am Ende hafteten wohl k\u00fcnftige Generationen f\u00fcr die h\u00f6heren Staatsschulden, die mit Hilfe der ultralockeren Geldpolitik der Zentralbanken finanziert werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Gesellschaftssystem k\u00f6nnte die Kluft zwischen steigenden Aktienkursen auf der einen und wachsenden Staatsschulden auf der anderen Seite eine enorme Belastungsprobe darstellen. Denn es profitieren nur diejenigen, die ohnehin schon in Aktien investiert sind. So werden nach der Krise die Verm\u00f6gen noch ungleicher verteilt sein als bisher. Wenn durch das viele billige Geld dann auch noch die Inflation steigen sollte, wie es manche \u00d6konomen vorhersagen, werden Menschen ohne Verm\u00f6genswerte noch st\u00e4rker leiden.<\/p>\n<p>Um das zu verhindern, m\u00fcsste die EZB das Geld &quot;wieder einsammeln&quot;, wenn die Krise \u00fcberstanden ist, in dem sie die angekauften Staatsanleihen wieder verkauft, sagt Mayer. Das aber w\u00fcrde \u00fcberschuldete Staaten wie Italien wohl schnell in den Bankrott treiben. &quot;Die Zentralbanken haben sich in eine v\u00f6llig perverse Situation hineinman\u00f6vriert, aus der sie nicht mehr herauskommen, weil sie in den vergangenen Jahren den Ausstieg verpasst haben&quot;, sagt der \u00d6konom.  <\/p>\n<p>Doch selbst in einem solch d\u00fcsteren Szenario wie Mayer es entwirft, gibt es f\u00fcr Anleger zu Aktien wohl kaum eine Alternative. Sogar im Fall einer Hyperinflation w\u00e4ren Beteiligungen an Unternehmen nun mal die bessere Wahl als Geld auf dem Sparbuch, weil sie ja einen Anteil an Maschinen, Immobilien oder Patenten von Firmen verbriefen. Und so k\u00f6nnte der B\u00f6rsenboom trotz aller Krisen weitergehen.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Frank Rumpenhorst\/ dpa Noch nie wurde an den B\u00f6rsen eine Wirtschaftskrise so schnell abgehandelt wie in den vergangenen Monaten. 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