{"id":3695,"date":"2020-11-07T09:40:00","date_gmt":"2020-11-07T06:40:00","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/republikaner-nach-donald-trump-lohn-der-schamlosigkeit\/"},"modified":"2020-11-07T09:40:00","modified_gmt":"2020-11-07T06:40:00","slug":"republikaner-nach-donald-trump-lohn-der-schamlosigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/republikaner-nach-donald-trump-lohn-der-schamlosigkeit\/","title":{"rendered":"Republikaner nach Donald Trump: Lohn der Schamlosigkeit"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/1eda27de-a854-4748-a9b4-af527eafcfb3_w948_r1.77_fpx62.67_fpy50.jpg\" title=\"Ein Trump-Anh\u00e4nger vor einem Wahllokal in Philadelphia w\u00e4hrend der Stimmenausz\u00e4hlung\" alt=\"Ein Trump-Anh\u00e4nger vor einem Wahllokal in Philadelphia w\u00e4hrend der Stimmenausz\u00e4hlung\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Ein Trump-Anh\u00e4nger vor einem Wahllokal in Philadelphia w\u00e4hrend der Stimmenausz\u00e4hlung<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Rebecca Blackwell \/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Auf den ersten Blick ist die Wahl f\u00fcr die Republikaner ein Desaster. Die Pr\u00e4sidentschaft ist nach menschlichem Ermessen verloren, die Mehrheit im Senat gef\u00e4hrdet. Die &quot;blaue Mauer&quot; der Demokraten im mittleren Westen steht wieder. Selbst Georgia und Arizona wenden sich mehrheitlich von Donald Trump ab.<\/p>\n<p>Doch die Lage der Konservativen ist nicht so schlecht wie es scheint. Der von vielen Demokraten erhoffte Erdrutschsieg Joe Bidens ist ausgeblieben. Sein Vorsprung in den entscheidenden Staaten ist knapp.<\/p>\n<p>Die meisten konservativen Hochburgen stehen zum Pr\u00e4sidenten. In Texas, Ohio und North Carolina, wo die Demokraten sich Hoffnungen gemacht haben, verloren sie zum Teil deutlich. In Florida, einem wichtigen Swing State, hat Trump sogar zugelegt.<\/p>\n<p>Die W\u00e4hler haben sich nach vier Jahren Trump nicht in Scharen von den Republikanern abgewendet \u2013 im Gegenteil.<\/p>\n<h3>Mehr Stimmen als 2016<\/h3>\n<p>Trump hat 2020 mehr Stimmen bekommen als im Jahr 2016. Nach einer Amtszeit voller L\u00fcgen, anti-demokratischer Grenz\u00fcberschreitungen, einem Amtsenthebungsverfahren und Hunderttausenden Corona-Toten, findet knapp die H\u00e4lfte der amerikanischen W\u00e4hler, dass vier weitere Jahre davon ihrem Land gutt\u00e4ten.<\/p>\n<p>Trump hat es im Verbund mit rechten Medien wie Fox News geschafft, einen Gro\u00dfteil seiner Anh\u00e4nger von der Wirklichkeit zu isolieren. Wer sich, wie der Senator Lindsey Graham aus South Carolina, voll auf die Seite des Pr\u00e4sidenten schlug, wurde belohnt. Graham, dessen Senatssitz die Demokraten im Visier hatten, siegte problemlos.<\/p>\n<p>Es ist viel Aufhebens um die W\u00e4hlerkoalition gemacht worden, die die Dominanz der Demokraten auf Jahre hinaus sichern soll: junge Leute, Frauen, W\u00e4hler aus den Vorst\u00e4dten, Schwarze, Latinos. In Georgia und Arizona ist es Biden tats\u00e4chlich gelungen, in konservatives Kernland einzudringen.<\/p>\n<h3>Die demokratische Koalition ist br\u00fcchig<\/h3>\n<p>Aber diese Koalition ist br\u00fcchig. Latinos haben Trump in Florida zum Sieg verholfen. Der Anteil der Frauen und der schwarzen M\u00e4nner an seinen W\u00e4hlern ist laut Exitpolls gestiegen. Selbst der Einbruch bei \u00e4lteren W\u00e4hlern ist ausgeblieben, trotz Corona.<\/p>\n<p>Bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus blieb die erwartete blaue Welle aus. Stattdessen gewannen die Republikaner Sitze hinzu. Die demokratische Mehrheitsf\u00fchrerin Nancy Pelosi wird es schwer haben, ihre ideologisch disparate Truppe beisammen zuhalten.<\/p>\n<p>Die Hoffnung der Demokraten, die Mehrheit im Senat zu \u00fcbernehmen, hat sich ebenfalls nicht erf\u00fcllt. Allenfalls ein Gleichstand ist noch m\u00f6glich. Daf\u00fcr m\u00fcssten allerdings beide demokratischen Kandidaten in Georgia die Stichwahlen im Januar gewinnen. Bei einem Patt im Senat w\u00fcrde die Stimme einer Vizepr\u00e4sidentin Kamala Harris den Ausschlag geben.<\/p>\n<p>Konservative Trump-Gegner hatten auf eine Spaltung der Republikaner in einen radikalen und einen moderaten Fl\u00fcgel gehofft. Das w\u00e4re nur plausibel gewesen, wenn die W\u00e4hler Trumps Politik gr\u00fcndlich diskreditiert h\u00e4tten. Aber so ist das Ergebnis nicht ausgefallen<\/p>\n<h3>Die F\u00fchrung der Partei schweigt<\/h3>\n<p>Wer sollten auch die Moderaten sein? Nach vier Jahren Trump gibt es sie nicht mehr. Kein f\u00fchrender Republikaner hat sich Trumps Angriffen auf die Demokratie am Wahlabend und in den Tagen danach offen entgegengestellt.<\/p>\n<p>Der republikanische Mehrheitsf\u00fchrer im Senat, Mitch McConnell, der Trump f\u00fcr einen n\u00fctzlichen Idioten h\u00e4lt, twitterte, alle &quot;legalen Stimmen&quot; m\u00fcssten gez\u00e4hlt werden. Das konnte man als Distanzierung von Trump verstehen \u2013 oder als das Gegenteil.<\/p>\n<p>Trump hat seine Partei trotz der Niederlage noch immer im Griff. Als ein rechter Trump-Anh\u00e4nger sich beschwerte, dass von Lindsey Graham nichts zu h\u00f6ren sei, kommentierte Trumps Sohn Donald Jr. das mit den Worten: &quot;Das \u00fcberrascht niemanden.&quot;<\/p>\n<p>Die Botschaft kam an: Wenig sp\u00e4ter erkl\u00e4rte Graham in einem Interview mit Fox News, er werde 500.000 Dollar f\u00fcr den juristischen Kampf Trumps gegen das Wahlergebnis spenden. &quot;Ich stehe zum Pr\u00e4sidenten, weil er zu mir gestanden hat.&quot;<\/p>\n<p>Die nackten Zahlen spiegeln nicht wider, wie g\u00fcnstig die Situation f\u00fcr die Republikaner ist. Der Supreme Court wird auf absehbare Zeit eine solide konservative Mehrheit haben, die Bundesgerichte sind ebenfalls gespickt mit konservativen Richtern. Vieles von dem, was die Republikaner politisch nicht blockieren k\u00f6nnen, werden die Gerichte verhindern.<\/p>\n<p>Beh\u00e4lt die Partei ihre Mehrheit im Senat, dann wird Biden von seinem Programm nur wenig durchsetzen. Es wird keine umfassende Gesundheitsreform geben, kein Klimapaket und keinen Umbau des Steuersystems, das vor allem die Reichen beg\u00fcnstigt. Das Erbe Trumps wird bleiben.<\/p>\n<h3>Gerrymandering: Undemokratische Schieflage<\/h3>\n<p>Auf einer anderen Ebene haben die Konservativen ihre Ziele erreicht: Die Demokraten hatten gehofft, in mehreren Staaten die Mehrheit in den Parlamenten zu \u00fcbernehmen. Das ist ihnen nicht gelungen.<\/p>\n<p>Es ist ein Scheitern mit weitreichenden Konsequenzen. Die Wahlkreise werden im kommenden Jahr f\u00fcr die n\u00e4chsten zehn Jahre festgelegt. In zahlreichen Staaten ist die Mehrheitspartei daf\u00fcr verantwortlich.<\/p>\n<p>Die Vergangenheit bietet einen Hinweis darauf, wie die Republikaner diese Verantwortung wahrzunehmen gedenken: Sie werden die Wahlkreise weiterhin so zuschneiden, dass dies die eigene Partei beg\u00fcnstigt.<\/p>\n<p>Schon jetzt brauchen die Demokraten wegen dieses sogenannten Gerrymanderings mehr Stimmen, um eine Mehrheit im Repr\u00e4sentantenhaus zu gewinnen. An dieser undemokratischen Schieflage wird sich nichts \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Die Republikaner werden bleiben, was sie unter Trump geworden sind: eine Partei ohne Anstand, Scham und Ehrgef\u00fchl. Und damit im hohen Ma\u00dfe wettbewerbsf\u00e4hig.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Ein Trump-Anh\u00e4nger vor einem Wahllokal in Philadelphia w\u00e4hrend der Stimmenausz\u00e4hlung Foto:\u2002Rebecca Blackwell \/ dpa Auf den ersten Blick ist die Wahl f\u00fcr die Republikaner ein Desaster. 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