{"id":35,"date":"2020-04-21T15:24:27","date_gmt":"2020-04-21T12:24:27","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-krise-gastronomie-und-hoteliers-hoffen-auf-steuersenkung\/"},"modified":"2020-04-21T15:24:27","modified_gmt":"2020-04-21T12:24:27","slug":"corona-krise-gastronomie-und-hoteliers-hoffen-auf-steuersenkung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-krise-gastronomie-und-hoteliers-hoffen-auf-steuersenkung\/","title":{"rendered":"Corona-Krise: Gastronomie und Hoteliers hoffen auf Steuersenkung"},"content":{"rendered":"<p>Vom Imbiss bis zur Sternek\u00fcche: Gastwirte sind hart von der Coronakrise betroffen. Nun fordern die Branche und Politiker konkrete Hilfen &#8211; nach einem umstrittenen Modell.  <\/p>\n<p>&quot;Unsere Branche wird stranguliert&quot;, sagt Caroline von Kretschmann. Die 52-J\u00e4hrige ist Chefin des Hotels Europ\u00e4ischer Hof in Heidelberg &#8211;  eines der wenigen noch privat gef\u00fchrten F\u00fcnf-Sterne-Stadthotels. Kretschmanns Familie betreibt das 155 Jahre alte Haus in der vierten Generation, f\u00fcr Parallelen zum Corona-Lockdown muss sie weit zur\u00fcckblicken. Die Lage sei &quot;wohl nur vergleichbar mit der Situation zum Ende des Zweiten Weltkriegs oder der Nachkriegszeit, als das Haus von den Amerikanern besetzt worden war&quot;.<\/p>\n<p>Seit dem 23. M\u00e4rz sei das 122-Zimmer-Hotel quasi &quot;auf null&quot; gestellt, berichtet Kretschmann. &quot;Innerhalb von vier Tagen ist uns f\u00fcr M\u00e4rz und April Umsatz in H\u00f6he von 400.000 Euro storniert worden.&quot; Jetzt k\u00e4men schon Absagen f\u00fcr Juni, Juli und August, und man habe &quot;quasi null neue Buchungen&quot;. In der Branche herrsche blanke Existenznot.<\/p>\n<p>Durch die beh\u00f6rdlichen Auflagen ist das Gastgewerbe weitgehend zum Erliegen gekommen. Laut Branchenverband Dehoga droht einem Drittel der deutschlandweit gut 223.000 Betriebe die Pleite. &quot;Die Hotellerie war die erste Branche, die von der Coronakrise durchgesch\u00fcttelt wurde&quot;, sagt Markus Luthe, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Hotelverbands Deutschland. Im Gegensatz zu anderen Branchen lie\u00dfen sich die verlorenen Ums\u00e4tze sp\u00e4ter nicht wieder aufholen. Das Gastgewerbe insgesamt ben\u00f6tige deshalb &quot;schnell einen wirksamen Rettungsfonds und Steuererleichterungen&quot;.  <\/p>\n<p>Mit ihrem Ruf nach Steuersenkungen hat die Branche nun einen prominenten F\u00fcrsprecher: Nach Ansicht von Bayerns Ministerpr\u00e4sidenten Markus S\u00f6der (CSU) muss die Mehrwertsteuer f\u00fcr die Gastronomie von den regul\u00e4ren 19 Prozent &quot;dringend runter auf sieben Prozent&quot;. Unterst\u00fctzung f\u00fcr diese Forderung kommt unter anderem vom s\u00e4chsischen Ministerpr\u00e4sidenten Michael Kretschmer (CDU) und der rheinland-pf\u00e4lzischen Finanzministerin Doris Ahnen (SPD), die sich f\u00fcr eine zeitlich befristete Absenkung ausspricht.<\/p>\n<h3>&quot;Sensationeller Schritt&quot;<\/h3>\n<p>F\u00fcr Hotelbetreiberin Kretschmann w\u00e4re die Steuersenkung f\u00fcr die Gastronomie ein &quot;sensationeller und hilfreicher Schritt&quot;. Gut drei Millionen Euro betr\u00e4gt der Umsatz des Europ\u00e4ischen Hofs mit Essen und Trinken in normalen Jahren. &quot;Ich h\u00e4tte etwa 350.000 Euro mehr liquide Mittel und k\u00f6nnte damit auch Kredite zur\u00fcckzahlen.&quot;<\/p>\n<p>Insgesamt k\u00f6nnte die Absenkung die Gastronomen um j\u00e4hrlich rund 6,5 Milliarden Euro entlasten, sch\u00e4tzt Stefan Bach, Steuerexperte am Deutschen Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW), anhand von Zahlen des Vorjahres. Vorerst d\u00fcrfte das Volumen aber deutlich kleiner ausfallen, da die Ums\u00e4tze der Branche in diesem Jahr pulverisiert werden. Sp\u00fcrbare Wirkung wird die Steuersenkung also erst haben, wenn die Gesch\u00e4fte wieder anziehen.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich h\u00e4lt Bach den Schritt f\u00fcr sinnvoll. &quot;Die Branche ist stark belastet, das w\u00fcrde ihr schon helfen.&quot; Zudem lie\u00dfe sich die Entlastung leicht beschlie\u00dfen. &quot;Bundestag und Bundesrat k\u00f6nnten das schnell mit einem Federstrich im Gesetz umsetzen.&quot;<\/p>\n<p>Bei anderen Corona-Hilfen fallen Betriebe wie der Europ\u00e4ische Hof mit seinen 165 Mitarbeitern dagegen bislang in die &quot;Mittelstandsl\u00fccke&quot;: Sie sind zu gro\u00df f\u00fcr direkte Zusch\u00fcsse und zu klein f\u00fcr Rettungsschirme, die nun f\u00fcr Konzerne wie TUI gespannt werden. Ein Kredit der Staatsbank KfW wurde Kretschmann vorerst verweigert. Einer der Gr\u00fcnde: Die Fortf\u00fchrungsperspektive sei nicht gut, die Kapitaldienstf\u00e4higkeit fraglich. Bedeutet: Das Hotel wirft nicht genug Gewinn ab. Kretschmann h\u00e4lt die Logik f\u00fcr absurd. &quot;Wir haben ja nur deswegen keine fetten Polster, weil wir das verdiente Geld immer reinvestiert haben.&quot;<\/p>\n<p>Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat Gastronomen und Hoteliers zus\u00e4tzliche Hilfen in Aussicht gestellt. Zu einer m\u00f6glichen Mehrwertsteuersenkung aber h\u00e4lt er sich bislang bedeckt. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) \u00e4u\u00dferte sich zur\u00fcckhaltend. Das Thema werde am Mittwoch im Koalitionsausschuss besprochen. &quot;Wir m\u00fcssen jetzt nur aufpassen, dass wir nicht jede Woche eine Ma\u00dfnahme uns vornehmen und in der n\u00e4chsten Woche wieder eine andere.&quot;<\/p>\n<h3>Eine ber\u00fcchtigte Wohltat<\/h3>\n<p>Grund zur Vorsicht gibt es bei Steuerforderungen aus dem Gastgewerbe durchaus. Im Jahr 2009 senkte die schwarz-gelbe Bundesregierung bereits den Steuersatz f\u00fcr Hotel\u00fcbernachtungen. Diese Wohltat ist mittlerweile als &quot;M\u00f6venpick-Steuer&quot; ber\u00fcchtigt, weil die FDP zuvor eine Gro\u00dfspende vom Haupteigent\u00fcmer der gleichnamigen Hotelgruppe erhalten hatte. Schon damals wurde die Steuersenkung als Krisenmittel verkauft, und schon damals war neben der FDP die CSU von Markus S\u00f6der treibende Kraft. Nur dass es diesmal eben nicht ums \u00dcbernachten geht, sondern ums Essen in Restaurants, Caf\u00e9s oder Bistros.<\/p>\n<p>Die Steuersenkung sei &quot;grotesk&quot; und &quot;reine Klientelpolitik&quot; gewesen, urteilte das Kieler Institut f\u00fcr Weltwirtschaft sp\u00e4ter \u00fcber die M\u00f6venpick-Steuer. Hinzu kam der Eindruck, dass die Steuersenkung von vielen Hoteliers nicht weitergegeben wurde &#8211; ein Ph\u00e4nomen, das teilweise auch nach Senkung der sogenannten Tamponsteuer zu beobachten war. \u00dcbersichtlicher wurde der Dschungel deutscher Mehrwertsteuerregeln damals auch nicht. In diesem gilt der erm\u00e4\u00dfigte Satz schon heute f\u00fcr Speisen zum Mitnehmen &#8211; weshalb f\u00fcr die Currywurst im Sitzen 19 Prozent f\u00e4llig werden, im Stehen hingegen sieben Prozent.<\/p>\n<p>Die Bedenken gegen eine weitere Reform k\u00f6nnten allerdings dadurch reduziert werden, dass die Mehrwertsteuer diesmal nur tempor\u00e4r abgesenkt wird. Ein solches Vorgehen wurde bereits in Gro\u00dfbritannien erprobt: Dort senkte die Regierung in der Finanzkrise f\u00fcr 13 Monate den regul\u00e4ren Mehrwertsteuersatz um 2,5 Prozentpunkte. Laut einer Studie gaben Unternehmen diesen Vorteil vor allem in den ersten Monaten an die Kunden weiter, was den Konsum ankurbelte.<\/p>\n<p>Zweck der jetzigen Steuersenkung w\u00e4re freilich prim\u00e4r, die gebeutelte Branche zu entlasten. Insofern lie\u00dfe es sich wohl auch verschmerzen, wenn Unternehmer die Entlastung anderweitig verwenden &#8211; so wie Unternehmerin Kretschmann, die Kredite zur\u00fcckzahlen will.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Imbiss bis zur Sternek\u00fcche: Gastwirte sind hart von der Coronakrise betroffen. Nun fordern die Branche und Politiker konkrete Hilfen &#8211; nach einem umstrittenen Modell. &quot;Unsere Branche wird stranguliert&quot;, sagt Caroline von Kretschmann. Die 52-J\u00e4hrige ist Chefin des Hotels Europ\u00e4ischer Hof in Heidelberg &#8211; eines der wenigen noch privat gef\u00fchrten F\u00fcnf-Sterne-Stadthotels. 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