{"id":3487,"date":"2020-10-28T13:13:04","date_gmt":"2020-10-28T10:13:04","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-masnahmen-und-debatte-uber-mini-shutdown-wir-haben-jetzt-zwei-moglichkeiten\/"},"modified":"2020-10-28T13:13:04","modified_gmt":"2020-10-28T10:13:04","slug":"corona-masnahmen-und-debatte-uber-mini-shutdown-wir-haben-jetzt-zwei-moglichkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-masnahmen-und-debatte-uber-mini-shutdown-wir-haben-jetzt-zwei-moglichkeiten\/","title":{"rendered":"Corona-Ma\u00dfnahmen und Debatte \u00fcber Mini-Shutdown: &#8220;Wir haben jetzt zwei M\u00f6glichkeiten&#8221;"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/32c58ea7-c645-4672-81fb-c3e708757bb3_w948_r1.77_fpx50_fpy66.jpg\" title=\"N\u00e4chster Schritt Mini-Shutdown? (Bild vom Mai 2020)\" alt=\"N\u00e4chster Schritt Mini-Shutdown? (Bild vom Mai 2020)\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">N\u00e4chster Schritt Mini-Shutdown? (Bild vom Mai 2020)<\/p>\n<p>  Foto:\u2002<\/p>\n<p>Tom Weller \/ dpa<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es scheint fast so, als k\u00f6nnte dem Virus gerade nichts etwas anhaben: Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland geht unabl\u00e4ssig nach oben, die Ampel-Landkarte verf\u00e4rbt sich zunehmend rot bis dunkelrot, und die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, liegt seit Anfang Oktober klar \u00fcber eins. Jeder Infizierte steckt also deutlich mehr als eine Person an, das Virus breitet sich in der Bev\u00f6lkerung exponentiell aus (siehe Grafiken unten).<\/p>\n<p>&quot;Derzeit verdoppelt sich die Zahl der t\u00e4glichen Neuinfektionen ungef\u00e4hr alle sieben bis zehn Tage&quot;, sagte Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut f\u00fcr Dynamik und Selbstorganisation in G\u00f6ttingen in einer Gespr\u00e4chsrunde mit Journalisten. &quot;Wenn sich der Trend fortsetzt, haben wir in drei bis vier Wochen 100.000 Neuinfektionen am Tag.&quot;<\/p>\n<p>Am Mittwoch wollen sich die Ministerpr\u00e4sidenten erneut virtuell zu einer Runde im Kanzleramt zusammenschalten, um dar\u00fcber zu beraten, wie der Lage beizukommen ist. Die entscheidende Frage dabei ist, was die steigenden Zahlen f\u00fcr die Gesellschaft bedeuten und was daraus folgt.<\/p>\n<h3>Priorit\u00e4t: Risikogruppen sch\u00fctzen<\/h3>\n<p>G\u00e9rard Krause, Leiter der Abteilung Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Infektionsforschung in Braunschweig, kommt in der Debatte derzeit der direkte Schutz von Risikogruppen zu kurz. Es sei eine Herausforderung, diese Menschen besonders effektiv vor einer Ansteckung zu bewahren, ohne sie von der gesellschaftlichen Teilhabe auszuschlie\u00dfen, sagte er dem SPIEGEL. Gerade deswegen verdiene das Thema mehr Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p>Man m\u00fcsse zum Beispiel darauf hinwirken, dass station\u00e4re und mobile Pflegedienste mit ausreichend FFP2-Schutzmasken ausgestattet w\u00fcrden. Auch im Fall begrenzter Kapazit\u00e4ten beim Kontaktpersonenmanagement oder beim Einsatz von Schnelltests m\u00fcssten diese auf die Bereiche fokussiert werden, bei denen das Risiko f\u00fcr schwere Krankheitsverl\u00e4ufe besonders hoch sei.<\/p>\n<p>&quot;Wir m\u00fcssen die Ausbreitung des Virus in der Gesamtbev\u00f6lkerung begrenzen und zugleich den direkten Schutz bei den Menschen st\u00e4rken, die besonders h\u00e4ufig einen schweren Krankheitsverlauf haben&quot;, sagte Krause. Hygieneregeln, Abstand halten, Maske tragen und Kontakte reduzieren sei weiterhin unerl\u00e4sslich.<\/p>\n<h3>In der Debatte geht es um einen zweiten Shutdown<\/h3>\n<p>Die Debatte der vergangenen Tage fokussierte sich allein aufs Ausbremsen des Virus. SPD-Politiker Karl Lauterbach brachte am Wochenende einen erneuten Shutdown ins Spiel. Am Mittwoch wurde bekannt, dass der Bund plant, das \u00f6ffentliche Leben in den kommenden Wochen herunterzufahren. Hintergrund der Debatte ist, dass die Ausbreitung des Virus in zahlreichen Regionen zunehmend au\u00dfer Kontrolle ger\u00e4t oder bereits geraten ist.<\/p>\n<p>&quot;Unsere Modelle zeigen, dass es im Sommer relativ wenige unentdeckte Infektionen gab&quot;, so Expertin Priesemann. Sie untersucht den Verlauf der Pandemie in mathematischen Simulationen. Die Gesundheits\u00e4mter seien in den warmen Monaten in der Lage gewesen, Infektionsketten schnell zu finden und Kontakte in Quarant\u00e4ne zu schicken.<\/p>\n<p>Das h\u00e4lt sie f\u00fcr einen wichtigen Baustein beim Schutz der Risikogruppen. Dadurch sei es weitgehend gelungen, das Virus aus den Alten- und Pflegeheimen rauszuhalten und die Sterberate zu dr\u00fccken.<\/p>\n<p>Die Kontaktverfolgung auf bestimmte Bereiche zu begrenzen, sei keine L\u00f6sung: &quot;Wir m\u00fcssen sowohl Einzelf\u00e4lle als auch Superspreader-Ereignisse nachverfolgen und Infektionsketten durchbrechen. Das l\u00e4sst sich nicht trennen, denn aus jedem unentdeckten Einzellfall wird potenziell ein gr\u00f6\u00dferes Cluster.&quot; Es seien die unbemerkt Infizierten, die die Pandemie nun antrieben.<\/p>\n<p>&quot;Wir haben jetzt zwei M\u00f6glichkeiten&quot;, erkl\u00e4rte Priesemann. &quot;Entweder n\u00e4hern wir uns der Belastungsgrenze der Krankenh\u00e4user an und hangeln uns dann mit dauerhaften Einschr\u00e4nkungen des \u00f6ffentlichen Lebens an dieser entlang, oder wir dr\u00fccken die Zahlen einmal durch kurze, starke Ma\u00dfnahmen so sehr in den Keller, dass wir Ausbr\u00fcche wieder kontrollieren k\u00f6nnen.&quot;<\/p>\n<h3>Kurzfristige, strenge Ma\u00dfnahmen gegen den Fl\u00e4chenbrand<\/h3>\n<p>Die erste Variante habe zur Folge, dass sich die Menschen dauerhaft deutlich st\u00e4rker einschr\u00e4nken m\u00fcssten als jetzt. Jeder m\u00fcsse seine Kontakte noch einmal um 50 Prozent reduzieren, um auf eine stabile Anzahl Neuinfektionen und damit auf einen R-Wert von ungef\u00e4hr eins zu kommen. Dennoch w\u00fcrde es mehr Todesf\u00e4lle geben, weil es schwerer sei, die Risikogruppen zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Priesemann sch\u00e4tzt, dass die Kapazit\u00e4ten der Krankenh\u00e4user irgendwo zwischen 20.000 und 100.000 Neuinfektionen pro Tag in Deutschland liegen. Der Wert schwanke stark, je nach Altersstruktur der Infizierten.<\/p>\n<p>Die zweite Variante w\u00fcrde einen Shutdown bedeuten. Lauterbach warb am Dienstag explizit f\u00fcr einen sogenannten &quot;Wellenbrecher-Shutdown&quot;. Das Prinzip ist auch als Mini-Shutdown oder Circuit-Breaker bekannt.<\/p>\n<p>Circuit-Breaker ist eigentlich ein Begriff aus der Elektronik und beschreibt eine Sicherung, die einen Stromkreis bei \u00dcberlastung unterbricht. Auf die Corona-Pandemie \u00fcbertragen bedeutet das, durch zeitlich begrenzte, strenge Ma\u00dfnahmen einen immer gr\u00f6\u00dferen Fl\u00e4chenbrand zu verhindern.<\/p>\n<p>Damit lie\u00dfe sich Zeit kaufen, um die Ausbreitung des Virus einzud\u00e4mmen. Das exponentielle Wachstum w\u00fcrde f\u00fcr eine Weile unterbrochen und die Zunahme der Infektionen verz\u00f6gert werden. Gleichzeitig w\u00e4re die Hoffnung, dass die klare, zeitliche Begrenzung den wirtschaftlichen Schaden im Vergleich zu einem breiten Shutdown wie im Fr\u00fchjahr geringer halten w\u00fcrde.<\/p>\n<h3>&quot;Die Situation ist ernst&quot;<\/h3>\n<p>Christian Drosten, Virologe an der Charit\u00e9 in Berlin, hatte das Konzept k\u00fcrzlich auf Twitter ins Gespr\u00e4ch gebracht. Sein Beitrag basiert auf einem von britischen Forschern vorab im Netz ver\u00f6ffentlichten Beitrag. Sie haben modelliert, welche Auswirkungen Mini-Shutdowns haben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Ihr Fazit: Je fr\u00fcher die Ma\u00dfnahmen ergriffen werden, umso st\u00e4rker wirken sie sich auf das Ausbreitungsgeschehen aus. Bei bereits stark steigenden Infektionszahlen k\u00f6nnten sie &quot;die dringend notwendige Unterbrechung&quot; herbeif\u00fchren, damit andere Ma\u00dfnahmen &#8211; wie etwa die Kontaktverfolgung &#8211; wieder greifen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Deutsche Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft und die Max-Planck-Gesellschaft haben am Dienstag eine gemeinsame Stellungnahme ver\u00f6ffentlicht, die ein solches Vorgehen nahelegt: &quot;Die Situation ist ernst&quot; ist der Titel. Das Papier fasst Erkenntnisse aus Modellrechnungen, auch von Priesemann, zusammen.<\/p>\n<h3>Auf eine schnelle Entscheidung kommt es an<\/h3>\n<p>Um einen \u00e4hnlichen Verlauf der Pandemie wie in vielen Nachbarstaaten noch verhindern zu k\u00f6nnen, m\u00fcssten jetzt klare Entscheidungen getroffen und schnell umgesetzt werden, hei\u00dft es darin. Je fr\u00fcher und konsequenter das geschehe, desto k\u00fcrzer k\u00f6nnten die Beschr\u00e4nkungen sein.<\/p>\n<p>&quot;Im Fr\u00fchjahr haben wir gesehen, dass sich die Zahl der Neuinfektionen jede Woche ungef\u00e4hr halbiert hat, sobald ein Shutdown Wirkung zeigte&quot;, sagte Priesemann. Anders gesagt: &quot;Jedes Mal, wenn sich die Zahl der Neuinfektionen verdoppelt, braucht es rund eine zus\u00e4tzliche Woche starke Einschr\u00e4nkungen, um sie wieder zu halbieren.&quot;<\/p>\n<p>Ein Schaubild aus der Stellungnahme der wissenschaftlichen Fachgesellschaften (oben) zeigt, wie sich die Infektionszahlen voraussichtlich ver\u00e4ndern, abh\u00e4ngig vom Zeitpunkt, zu dem Kontakte auf ein Viertel, also um 75 Prozent, reduziert werden.<\/p>\n<p>Welche Ma\u00dfnahmen einen wie gro\u00dfen Effekt bringen, wissen Forscher allerdings noch nicht. &quot;Jeder nicht stattgefundene Kontakt hat einen Effekt, egal ob sich die Menschen nicht in der Schule, nicht in der Uni, nicht im B\u00fcro oder nicht im Restaurant begegnen&quot;, erkl\u00e4rte Priesemann. Wo Einschr\u00e4nkungen in welchem Ausma\u00df angemessen seien, m\u00fcsse die Politik auch unter Ber\u00fccksichtigung wirtschaftlicher und sozialer Aspekte abw\u00e4gen. Derzeit gibt es die Tendenz, die Schulen offenzuhalten, aber etwa Bars zu schlie\u00dfen.<\/p>\n<h3>Regional schon angewendet<\/h3>\n<p>Im Kleinen gibt es Mini-Shutdowns in Deutschland bereits. Nach dem lokalen Corona-Ausbruch im Berchtesgadener Land gelten dort seit dem 20. Oktober und bis zum 2. November harte Corona-Regeln: Die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger d\u00fcrfen ihre Wohnungen nur mit triftigem Grund verlassen, Ferieng\u00e4ste mussten abreisen. Restaurants d\u00fcrfen nur noch Essen zum Mitnehmen anbieten, B\u00e4der und Seilbahnen sind geschlossen, Sch\u00fcler und Kindergartenkinder sollen erst nach den Herbstferien zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>Wie gut die Ma\u00dfnahmen greifen, wird sich erst nach einiger Zeit zeigen. Weil es mehrere Tage dauert, bis nach einer Infektion Symptome auftreten, steigen die Zahlen zu Beginn eines Mini-Shutdowns zun\u00e4chst weiter. &quot;Es dauert ein bis drei Wochen, bis sich die Folgen einzelner Ma\u00dfnahmen in der Statistik zeigen&quot;, erkl\u00e4rte Priesemann.<\/p>\n<p>Unklar ist auch, wie nach einem Mini-Shutdown gew\u00e4hrleistet werden kann, dass die Situation nicht erneut au\u00dfer Kontrolle ger\u00e4t, vor allem dann, wenn das Virus in anderen L\u00e4ndern Europas weiter gro\u00dffl\u00e4chig grassiert. Epidemiologe Krause zweifelt, dass es m\u00f6glich und zielf\u00fchrend ist, Deutschland wie eine Insel abzuschotten. &quot;Das Virus wird immer wieder zur\u00fcckkommen.&quot; Nach dem Shutdown w\u00e4re dann vor dem Shutdown.<\/p>\n<p>Priesemann und die Forschungsgemeinschaften argumentieren dagegen auf Basis von Modellrechnungen, dass aus dem Ausland eingetragene F\u00e4lle bis zu einem gewissen Grad mithilfe der Kontaktverfolgung eingegrenzt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern N\u00e4chster Schritt Mini-Shutdown? 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