{"id":3377,"date":"2020-10-23T09:28:08","date_gmt":"2020-10-23T06:28:08","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/donald-trump-gegen-joe-biden-sie-konnen-auch-anders\/"},"modified":"2020-10-23T09:28:08","modified_gmt":"2020-10-23T06:28:08","slug":"donald-trump-gegen-joe-biden-sie-konnen-auch-anders","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/donald-trump-gegen-joe-biden-sie-konnen-auch-anders\/","title":{"rendered":"Donald Trump gegen Joe Biden: Sie k\u00f6nnen auch anders"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/a3d7fc22-2c46-4128-b873-c2b37cd7bd58_w948_r1.77_fpx20_fpy38.jpg\" title=\"Donald Trump und Joe Biden trafen in Nashville aufeinander\" alt=\"Donald Trump und Joe Biden trafen in Nashville aufeinander\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Donald Trump und Joe Biden trafen in Nashville aufeinander<\/p>\n<p>  Foto:\u2002POOL \/ REUTERS  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Wieder Chaos, wieder Durcheinander und brutales Geschrei? Was war nicht alles bef\u00fcrchtet worden im Vorfeld dieses zweiten TV-Duells zwischen Donald Trump und Joe Biden, dem letzten vor der Wahl am 3. November. Doch dann das: Die Kontrahenten gaben sich auf der B\u00fchne in Nashville, Tennessee, \u00fcberraschend zivil, fast schon handzahm.<\/p>\n<p>&quot;Sie machen das wirklich hervorragend&quot;, s\u00e4uselte Donald Trump zwischendurch der Moderatorin Kristen Welker zu. Joe Biden l\u00e4chelte freundlich und schaute auf die Uhr, wie ein netter alter Herr, der auf den Bus wartet.<\/p>\n<p>Hinter der scheinbar freundlichen Fassade kamen gleichwohl immer wieder die vollkommen unterschiedlichen Temperamente, Charaktere und politischen Ansichten der beiden Kandidaten zum Vorschein. In der Sache wurde mindestens genauso hart, ja, erbarmungslos gestritten wie beim ersten TV-Duell Ende September. Und auch diesmal war die tiefe gegenseitige Abneigung zwischen Trump und Biden klar zu sp\u00fcren.<\/p>\n<h3>Wie schlug sich Donald Trump?<\/h3>\n<p>F\u00fcr den Pr\u00e4sidenten stand bei diesem Aufeinandertreffen klar mehr auf dem Spiel. Trump liegt in fast allen wichtigen Umfragen landesweit und in wichtigen Einzelstaaten hinter seinem Kontrahenten Biden. Das TV-Duell war vielleicht seine letzte Chance, unentschlossene W\u00e4hler f\u00fcr sich zu gewinnen.<\/p>\n<p>Trump schlug einen ruhigeren Ton an. Offenkundig hatte er sich vorgenommen, ausnahmsweise auf einige seiner Berater zu h\u00f6ren. Sie warnen ihn schon seit Wochen davor, dass sein aggressiver Stil vor allem weibliche W\u00e4hler abschrecke. So versuchte der Pr\u00e4sident, pr\u00e4sidial zu wirken. Meist lie\u00df er sowohl die Moderatorin als auch Biden ausreden und hielt sich an die zuvor verabredeten Redezeiten.<\/p>\n<p>Mehrfach konnte der ruhigere Trump auch Punkte gegen Biden setzen: Wie schon im Wahlkampf 2016 gegen Hillary Clinton pr\u00e4sentierte sich Trump als der politische Au\u00dfenseiter, der den Politikbetrieb in Washington aufmischen wolle. Er zeichnete Biden als typischen Karrierepolitiker, der viel rede, aber wenig zustande bringe. &quot;Sie sind doch seit Jahrzehnten in der Politik, warum haben Sie die Pl\u00e4ne, die Sie immer vorstellen, nicht l\u00e4ngst umgesetzt?&quot;, hielt er Biden vor. Es war seine wohl wirksamste Attacke an diesem Abend.<\/p>\n<p>Zugleich nutzte Trump seine Redezeiten dazu, vor allem sich selbst zu loben. Er nannte das Management seiner Regierung in der Coronakrise vorbildlich und versprach eine Impfung gegen das Virus, die schon in wenigen Wochen zur Verf\u00fcgung stehen werde.<\/p>\n<p>Wirklich konkrete, neue Pl\u00e4ne zur Bek\u00e4mpfung der Coronakrise, zur Gesundheitspolitik oder zum Wiederaufbau der Wirtschaft blieb der Pr\u00e4sident indes &#8211; wieder einmal &#8211; schuldig. Auch Fragen nach seiner Steuererkl\u00e4rung, die er seit Jahren nicht ver\u00f6ffentlichen will, wich er erneut aus.<\/p>\n<p>Wie eine Verzweiflungstat wirkten Trumps wiederholte Attacken auf Joe Bidens Sohn Hunter: Seit Tagen versuchen Trump-treue Medien wie die &quot;New York Post&quot; mithilfe dubioser E-Mails, die von Bidens Sohn Hunter stammen sollen, eine Korruptionsaff\u00e4re um den Biden-Clan nachzuweisen. Trump warf Biden vor, alles in der Sache deute darauf hin, dass er ein &quot;korrupter Politiker&quot; sei.<\/p>\n<p>Was Trump nicht sagte: Andere Medien konnten die Echtheit der E-Mails bisher nicht best\u00e4tigen, und Fachleute \u00e4u\u00dferten zuletzt erhebliche Zweifel an ihrem Wahrheitsgehalt, einige vermuten dahinter eine russische Desinformationskampagne.<\/p>\n<h3>Wie schlug sich Joe Biden?<\/h3>\n<p>F\u00fcr gro\u00dfe Begeisterung bei seinen Anh\u00e4ngern und einen knallenden Startschuss zum Wahlkampf-Endspurt d\u00fcrfte Biden mit diesem Auftritt nicht gesorgt haben. Die gute Nachricht f\u00fcr ihn und die Demokraten: Das musste er gar nicht. Der Ex-Vizepr\u00e4sident konnte sich dank seines Vorsprungs in den Umfragen auf die Abwehrarbeit konzentrieren.<\/p>\n<p>Dabei musste er sich einer Frage den Erwartungen zum Trotz gar nicht stellen: Er kam drumherum, darzulegen, wie er es mit einer m\u00f6glichen Aufstockung der Richterposten am Supreme Court h\u00e4lt. Weder Trump noch die Moderatorin Welker machten dies zum Thema. Biden hatte in einem kurz vor der Debatte ver\u00f6ffentlichten Interview gesagt, dass er eine Kommission einsetzen werde, um die Frage einer Gerichtsreform zu pr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Biden vermied zudem &#8211; bei ihm immer ein Grund zur Sorge &#8211; gr\u00f6\u00dfere verbale Patzer und geistige Aussetzer.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus galt es f\u00fcr den Demokraten, die Attacken gegen seinen Sohn Hunter zu parieren. Biden tat dies, indem er in die Offensive ging: Trumps Vertrauter Rudy Giuliani, der die Ver\u00f6ffentlichungen \u00fcber Hunter Biden ins Rollen gebrachte hatte, sei eine &quot;russische Marionette&quot;, \u00e4tzte Biden in Richtung des Pr\u00e4sidenten.<\/p>\n<p>Von dort war es aus Bidens Sicht ein nahtloser \u00dcbergang zur Au\u00dfenpolitik, seinem vielleicht st\u00e4rksten Gebiet an diesem Abend. Sein Sohn Hunter habe kein Geld in China verdient, so Biden. Das habe nur einer: Trump selbst. Die &quot;New York Times&quot;, der einige von Trumps Steuererkl\u00e4rungen zugespielt worden waren, machte zuletzt \u00f6ffentlich, dass Trump \u00fcber ein bisher nicht bekanntes chinesisches Bankkonto verf\u00fcgt.<\/p>\n<p>Biden, nun in seinem Element, attackierte Trump als Nichtstaatsmann, der bestens mit Diktatoren wie Kim Jong Un oder Autokraten wie Wladimir Putin klarkomme, aber die eigenen Freunde und Verb\u00fcndeten verprelle. Er selbst hingegen, so Bidens Vortrag, werde als Besch\u00fctzer amerikanischer Souver\u00e4nit\u00e4t auftreten: Ob Russland, China oder Iran, wer immer sich in US-Wahlen einmische, werde &quot;einen Preis zahlen&quot;.<\/p>\n<p>Biden versuchte, sich auch nach innen als pr\u00e4sidiale Figur zu pr\u00e4sentieren: als jemand, der das Land einen und heilen w\u00fcrde, ein Pr\u00e4sident f\u00fcr alle Amerikaner. Auf einem wichtigen Gebiet gelang es ihm w\u00e4hrend der Debatte aber nicht, eine Vision f\u00fcr die Zukunft zu pr\u00e4sentieren: Bei der Coronakrise beschr\u00e4nkte der Demokrat sich darauf, Trumps Politik anzugreifen. Die Gelegenheit, genauer darzulegen, weshalb er der Richtige sei, um das Land aus der Krise zu f\u00fchren, lie\u00df er weitestgehend verstreichen. Er hielt nur zwei Mal seine Maske in die H\u00f6he und erkl\u00e4rte, seiner Meinung nach, sollte jeder Amerikaner diese st\u00e4ndig tragen.<\/p>\n<p>Beim Thema Rassismus konnte Biden einen wunden Punkt nicht wirksam verteidigen. Er hatte in den Neunzigerjahren als Senator an einer Versch\u00e4rfung des Strafrechts mitgewirkt, die vor allem Schwarze bis heute hart trifft. Seine Verteidigung gegen diese Attacken Trumps blieb das, was sie schon seit Monaten ist: wenig \u00fcberzeugend.<\/p>\n<h3><strong>Kann Trump so noch aufholen?<\/strong><\/h3>\n<p>F\u00fcr Trump war es sicherlich ein Pluspunkt, dass er sich diesmal benahm. Er wirkte schon deshalb deutlich pr\u00e4sidialer als beim ersten Duell der beiden. Ein Erfolg f\u00fcr ihn. Bidens Auftritt war wenig inspirierend. Er leistete sich aber keine gr\u00f6\u00dferen Patzer und lie\u00df sich auch nicht von Trump in die Defensive bringen. Er hat damit sein Soll erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Das Duell blieb so im Gleichgewicht. Es d\u00fcrfte auf den letzten Metern des Wahlkampfs keine gr\u00f6\u00dferen Bewegungen nach sich ziehen, weder in die eine noch in die andere Richtung. Falls doch, wird man das sp\u00e4testens Anfang n\u00e4chster Woche in den ersten, qualitativ hochwertigeren Umfragen sehen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Trump wird die Zeit immer knapper: Viele Millionen US-W\u00e4hler haben ihre Stimme schon abgegeben, jeden Tag werden es beim sogenannten Early Voting mehr. Und: Umfragen zeigen, dass es diesmal deutlich weniger unentschlossene W\u00e4hler gibt als 2016. Damals konnte Trump nach dem letzten TV-Duell gegen Hillary Clinton viele dieser W\u00e4hler noch zu sich her\u00fcberziehen.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Donald Trump und Joe Biden trafen in Nashville aufeinander Foto:\u2002POOL \/ REUTERS Wieder Chaos, wieder Durcheinander und brutales Geschrei? 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