{"id":3367,"date":"2020-10-22T23:09:17","date_gmt":"2020-10-22T20:09:17","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/deutschland-im-party-modus\/"},"modified":"2020-10-22T23:09:17","modified_gmt":"2020-10-22T20:09:17","slug":"deutschland-im-party-modus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/deutschland-im-party-modus\/","title":{"rendered":"Deutschland im Party-Modus"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/67d0c7ec-30c6-45eb-957b-7ecaab6dddad_w948_r1.77_fpx50.67_fpy50.jpg\" title=\"Bar in Berlin: &quot;Fast 45 Prozent der Befragten waren in den vergangenen vier Wochen mindestens einmal bei privaten Treffen mit mehr als zehn Personen&quot;\" alt=\"Bar in Berlin: &quot;Fast 45 Prozent der Befragten waren in den vergangenen vier Wochen mindestens einmal bei privaten Treffen mit mehr als zehn Personen&quot;\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Bar in Berlin: &quot;Fast 45 Prozent der Befragten waren in den vergangenen vier Wochen mindestens einmal bei privaten Treffen mit mehr als zehn Personen&quot;<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Stefanie Loos \/ AFP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Es sei inzwischen m\u00f6glich, dass sich das Coronavirus regional unkontrolliert ausbreite, sagte RKI-Chef Lothar Wieler bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Zuvor hatte das Robert Koch-Institut 10.000 Neuinfektionen an einem Tag erfasst und damit f\u00fcr viele eine magische Grenze \u00fcberschritten. Wieler appellierte einmal mehr an die Bev\u00f6lkerung, die Hygieneregeln einzuhalten.<\/p>\n<p>Dabei funktioniert das bislang verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gut, zeigt die j\u00fcngste Umfrage von Forschern um die Psychologin Cornelia Betsch von der Universit\u00e4t Erfurt. Zuletzt gab darin ein Gro\u00dfteil der Befragten in Deutschland an, mindestens h\u00e4ufig Maske zu tragen, wenn dies angezeigt ist. Der Wert ist mit 93 Prozent so hoch wie noch nie seit Beginn der Auswertung. Auch an die anderen Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen h\u00e4lt sich ein Gro\u00dfteil der Menschen meistens, es sind aber nicht mehr so viele wie noch im Fr\u00fchjahr.<\/p>\n<p>86 Prozent halten mindestens h\u00e4ufig den Abstand von 1,5 Metern ein. Bis zum Mai waren es noch \u00fcber 90 Prozent. Zudem f\u00e4llt es den Menschen in Deutschland offenbar zunehmend schwerer, ihre sozialen Kontakte einzuschr\u00e4nken.<\/p>\n<h3>Party, Party, Party<\/h3>\n<p>Private Feiern waren im Fr\u00fchjahr noch bei rund 90 Prozent der Befragten tabu, zuletzt vermieden sie nur noch rund zwei Drittel der Menschen (60 Prozent) mindestens h\u00e4ufig, obwohl bereits Mitte Oktober viele der Festivit\u00e4ten in Innenr\u00e4umen stattgefunden haben d\u00fcrften. Laut RKI geh\u00f6ren private Zusammenk\u00fcnfte zu den h\u00e4ufigsten Ansteckungsszenarien.<\/p>\n<p>&quot;Fast 45 Prozent der Befragten waren in den vergangenen vier Wochen mindestens einmal bei privaten Treffen mit mehr als zehn Personen&quot;, schreiben Betsch und Kollegen. Besonders brisant dabei: Bei privaten Treffen zeigen die Menschen laut der Auswertung weniger Schutzverhalten als in anderen Situationen, etwa beim Aufeinandertreffen mit Kollegen.<\/p>\n<p>Das gilt offenbar auch f\u00fcr Aufenthalte in Bars und Kneipen im Vergleich zum Besuch von Restaurants und Caf\u00e9s. Durchschnittlich drei von zehn Menschen (30 Prozent) waren in den vier Wochen vor der Befragung mindestens einmal in Bars oder Kneipen.<\/p>\n<h3>Niedrigster Wert beim Vertrauen in die Bundesregierung<\/h3>\n<p>Im Covid-19 Snapshot Monitoring (Cosmo) befragen Betsch und Kollegen regelm\u00e4\u00dfig einen repr\u00e4sentativen Querschnitt der Bev\u00f6lkerung aus rund tausend Menschen, wie sie die Risiken in der Pandemie wahrnehmen, wie sie sich sch\u00fctzen und wie gro\u00df die Akzeptanz von Ma\u00dfnahmen ist.<\/p>\n<p>Die letzte Auswertung stammt vom 13.\/14. Oktober, also ungef\u00e4hr aus der Zeit, zu der sich die Menschen mit dem Coronavirus angesteckt haben, deren Infektionen nun beim RKI erfasst werden und die Statistik nach oben treiben (mehr zu Verz\u00f6gerungen in der Erfassung der Ansteckungen lesen Sie hier).<\/p>\n<p>&quot;Das Vertrauen in die Bundesregierung hat den niedrigsten Wert seit Beginn der Erfassung erzielt&quot;, schreiben die Forscher darin. \u00c4rger aufgrund der Ma\u00dfnahmen und deren Ablehnung sei seit der vorangegangenen Auswertung signifikant gestiegen.<\/p>\n<p>37 Prozent der Befragten haben demnach (eher) geringes Vertrauen in die Regierung. Das ist der h\u00f6chste Wert seit Beginn der Zeitreihe Anfang April. &quot;Vertrauen hat besonders in der gro\u00dfen Gruppe der Indifferenten abgenommen&quot;, so die Forscher.<\/p>\n<p>Dazu beitragen d\u00fcrften unter anderem auch Streitereien zwischen den Bundesl\u00e4ndern, zuletzt auch mit Blick auf Beherbergungsverbote: Nur 41 Prozent stimmten der Ma\u00dfnahme zu. Gleichzeitig w\u00fcnschen sich drei Viertel der Befragten deutschlandweit die gleichen Regeln f\u00fcr Risikogebiete.<\/p>\n<h3>Menschen nehmen die Situation weniger riskant wahr<\/h3>\n<p>Die Belastung der Menschen ist im Vergleich zur vorangegangenen Auswertung zudem deutlich gestiegen, &quot;besonders bei j\u00fcngeren unter 30, \u00e4lteren \u00fcber 65 und Personen in Risikogebieten&quot;, schreiben die Forscher. 45 Prozent der Befragten empfinden ihre pers\u00f6nliche Situation laut der Auswertung als belastend. Individuelle wirtschaftliche Sorgen sind laut den Forscher derzeit dagegen &quot;eher stabil gering ausgepr\u00e4gt&quot;.<\/p>\n<p>Gleichzeitig nehmen die Menschen die Situation in der Studie noch nicht als so riskant wahr, wie noch zur Hochphase der ersten Welle. 38 Prozent bewerten das gef\u00fchlte Risiko, Experten sprechen vom affektiven Risiko, als (eher) hoch. Zwischen dem 17. und 31. M\u00e4rz war es noch etwa die H\u00e4lfte. Mit 41 Prozent gibt es aktuell einen gro\u00dfen Teil Unentschlossener. Es bleibt abzuwarten, wie sie sich bei der n\u00e4chsten Befragung \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>&quot;Das affektive Risiko ist f\u00fcr Schutzverhalten und die Akzeptanz der Ma\u00dfnahmen relevant. Die steigenden Fallzahlen brachten einen kurzzeitigen Anstieg des gef\u00fchlten Risikos im August mit sich, dann setzte wieder Gew\u00f6hnung ein&quot;, schreiben Betsch und Kollegen. Aktuell gingen die Zahlen wieder leicht nach oben.<\/p>\n<p>Das gilt insbesondere f\u00fcr die Gruppe der unter 30-J\u00e4hrigen: &quot;Die affektive Risikobewertung ist gerade \u00e4hnlich hoch wie bei den \u00fcber 30-J\u00e4hrigen&quot;, schreiben die Forscher. &quot;Man kann daher zumindest bezogen auf die Risikowahrnehmung nicht von einem &#039;neuen Ph\u00e4nomen&#039; der Sorglosigkeit der unter 30-J\u00e4hrigen reden.&quot;<\/p>\n<h3>Von Furchtappellen wird abgeraten<\/h3>\n<p>Auff\u00e4llig ist, dass die Akzeptanz von Einschr\u00e4nkungen sich bislang abh\u00e4ngig von den Fallzahlen entwickelt hat. Je mehr neue Infektionen es gab, desto gr\u00f6\u00dfer war die Akzeptanz f\u00fcr gesetzliche Vorgaben. Zuletzt haben sich die Aspekte jedoch entkoppelt.<\/p>\n<p>&quot;Die Akzeptanz der Einschr\u00e4nkung von Freiheitsrechten ist auf einem mittleren Niveau stabil&quot;, so Betsch und Kollegen. Allerdings sei die Zustimmung zu restriktiveren Ma\u00dfnahmen in der j\u00fcngsten Befragung nicht angestiegen. Zuletzt fanden 19 Prozent der Befragten die Ma\u00dfnahmen \u00fcbertrieben. So hoch war der Wert zuletzt Anfang Juni. Etwa die H\u00e4lfte der Menschen ist unentschieden.<\/p>\n<p>Die Forscher sehen vor allem M\u00e4nner und junge Menschen als &quot;Zielgruppen f\u00fcr potenzielle Interventionen&quot;. Unter ihnen m\u00fcsse Wissen vermittelt werden. Gleichzeitig seien aber auch emotionale Aspekte wichtig, da sie &quot;das Verhalten aktivieren&quot;.<\/p>\n<p>&quot;Hierbei wird jedoch von Furchtappellen abgeraten, die darauf abzielen, Angst auszul\u00f6sen, da diese eher zu Gegenreaktionen f\u00fchren k\u00f6nnen&quot;, so Betsch und Kollegen. Stattdessen sollten die Zielgruppen in die Ma\u00dfnahmenentwicklung mit einbezogen werden. &quot;Ein Appell an die R\u00fccksicht k\u00f6nnte auch in der Covid-19-Pandemie Schutzverhalten weiter bef\u00f6rdern.&quot;<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Bar in Berlin: &quot;Fast 45 Prozent der Befragten waren in den vergangenen vier Wochen mindestens einmal bei privaten Treffen mit mehr als zehn Personen&quot; Foto:\u2002Stefanie Loos \/ AFP<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3368,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3367","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3367","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3367"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3367\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3368"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3367"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3367"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3367"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}