{"id":3363,"date":"2020-10-22T19:01:39","date_gmt":"2020-10-22T16:01:39","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/karl-lauterbach-fordert-arztekammer-prasident-klaus-reinhardt-zum-rucktritt-auf\/"},"modified":"2020-10-22T19:01:39","modified_gmt":"2020-10-22T16:01:39","slug":"karl-lauterbach-fordert-arztekammer-prasident-klaus-reinhardt-zum-rucktritt-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/karl-lauterbach-fordert-arztekammer-prasident-klaus-reinhardt-zum-rucktritt-auf\/","title":{"rendered":"Karl Lauterbach fordert \u00c4rztekammer-Pr\u00e4sident Klaus Reinhardt zum R\u00fccktritt auf"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/8f40c944-9935-41e5-b6da-f012833f4df0_w948_r1.77_fpx85_fpy27.jpg\" title=\"SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Lauterbach\" alt=\"SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Lauterbach\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Lauterbach<\/p>\n<p>  Foto:\u2002<\/p>\n<p>via www.imago-images.de \/ imago images\/Political-Moments<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bringt die Alltagsmaske etwas &#8211; ja oder nein? Dar\u00fcber wurde vor allem am Anfang der Pandemie h\u00e4ufig gestritten. Inzwischen gibt es immer mehr wissenschaftliche Belege daf\u00fcr, dass Alltagsmasken bei richtigem Gebrauch zumindest einen Teil der Viren abwehren k\u00f6nnen. Der Pr\u00e4sident der deutschen \u00c4rztekammer, Klaus Reinhardt, diskutierte nun am Mittwochabend in der ZDF-Talkshow &quot;Markus Lanz&quot; genau dar\u00fcber, was mittlerweile eigentlich als gesichert gilt: \u00fcber die Wirksamkeit von Alltagsmasken.<\/p>\n<p>Am Morgen danach forderte der SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Karl Lauterbach den R\u00fccktritt von Reinhardt &#8211; &quot;wenn er das nicht sofort zur\u00fccknimmt&quot;.<\/p>\n<p>Auch im Gespr\u00e4ch mit dem SPIEGEL bekr\u00e4ftigte Lauterbach seine Aussage: &quot;Ich bleibe bei der Forderung, dass Herr Reinhardt als \u00c4rztekammer-Pr\u00e4sident nicht mehr haltbar w\u00e4re, es sei denn, er distanziert sich von diesen \u00c4u\u00dferungen&quot;, sagte er am Telefon. Was Reinhardt bei &quot;Lanz&quot; vorgetragen habe, sei wissenschaftlich unhaltbar. Alle Fachverb\u00e4nde h\u00e4tten sich eindeutig positioniert, was die Wirksamkeit von Alltagsmasken angehe. &quot;Die Maskenpflicht ist in deutschen Fachkreisen nicht strittig&quot;, sagte Lauterbach. &quot;Sie sch\u00fctzen denjenigen, der sie tr\u00e4gt, und sie k\u00f6nnen vor Aerosol- und Tr\u00f6pfchen\u00fcbertragungen sch\u00fctzen &#8211; nat\u00fcrlich zusammen mit anderen Ma\u00dfnahmen.&quot;<\/p>\n<p>Der SPD-Politiker ist bekannt f\u00fcr seine stark wissenschaftliche Perspektive in der Coronakrise. Nicht nur auf Twitter, sondern auch in zahlreichen Medien wirbt der Epidemiologe f\u00fcr eine st\u00e4rkere Vernetzung von Wissenschaft und Politik und beruft sich in seinen Einsch\u00e4tzungen stets auf die aktuelle Studienlage.<\/p>\n<p>Bei &quot;Markus Lanz&quot; war Reinhardt da anderer Auffassung, er ist seit 2019 Pr\u00e4sident der Bundes\u00e4rztekammer ist und hatte sich im M\u00e4rz selbst mit dem Coronavirus infiziert. Er sagte: Von Alltagsmasken sei er nicht \u00fcberzeugt, da es keine wissenschaftliche Evidenz f\u00fcr deren Wirksamkeit gebe, sagte er. &quot;Schon gar nicht im Selbstschutz und wahrscheinlich ganz wenig im Schutz von anderen. Die Viren werden dadurch nicht aufgehalten.&quot; &#8211; &quot;Ernsthaft?&quot;, fragte Moderator Markus Lanz ungl\u00e4ubig nach. Das sei seine pers\u00f6nliche Auffassung, zu der gebe es auch wissenschaftliche Studien, entgegnete Reinhardt.<\/p>\n<p>Als Lanz dann auf wissenschaftliche Studien aus Hongkong hinwies, die den positiven Effekt von Mund-Nasen-Schutz darlegen, lenkte Reinhardt ein: Man k\u00f6nne den Mund-Nasen-Schutz dort tragen, wo ein ausreichender Abstand nicht m\u00f6glich sei. &quot;Von mir aus im \u00f6ffentlichen Nahverkehr, in kleinen Gesch\u00e4ften oder R\u00e4umlichkeiten, wo man eng beieinander ist, dann will ich mir das gefallen lassen&quot;, sagte Reinhardt.<\/p>\n<p>Jedoch halte er die aktuelle Diskussion, Masken im \u00f6ffentlichen Raum an der frischen Luft zu tragen, f\u00fcr medizinischen Unsinn (lesen Sie hier mehr zu den neuen Corona-Ma\u00dfnahmen und deren Sinnhaftigkeit). &quot;Ich glaube nicht, dass das etwas bringen wird, das ist meine pers\u00f6nliche Meinung&quot;, sagte Reinhardt.<\/p>\n<h3>Marburger Bund stellt sich gegen Reinhardt<\/h3>\n<p>Mit seiner Meinung zum Tragen von Masken auf der Stra\u00dfe ist er nicht allein: Auch der Vizepr\u00e4sident der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Krankenhaushygiene, Walter Popp, h\u00e4lt nichts von einer Maskenpflicht in Innenst\u00e4dten. &quot;Wenn Sie an jemandem vorbeigehen, fangen Sie sich kein Coronavirus ein&quot;, sagte er vor einer Woche dem SPIEGEL. Einfach durch die Stadt zu gehen, stelle kein Risiko dar. Das \u00e4ndere sich jedoch, wenn man eng und lang zusammen sei. &quot;Bei Wochen- oder Weihnachtsm\u00e4rkten oder auf Trib\u00fcnen im Fu\u00dfballstadion k\u00f6nnen Masken sinnvoll sein, um Ansteckungen zu verhindern&quot;, sagte Popp.<\/p>\n<p>Gegenwind bekam Reinhardt nun jedoch auch aus den eigenen Reihen: &quot;Leider hat der Pr\u00e4sident der Bundes\u00e4rztekammer j\u00fcngst den Eindruck erweckt, dass f\u00fcr ihn Alltagsmasken zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus nur von geringem Wert sind&quot;, sagte Susanne Johna, Vorsitzende des Marburger Bunds, laut einer Pressemitteilung. &quot;Diese pers\u00f6nliche Auffassung des Bundes\u00e4rztekammer-Pr\u00e4sidenten steht im Widerspruch zur aktuellen Studienlage und ist geeignet, das seit Monaten wirksame und evidenzgest\u00fctzte Konzept zur Minimierung von Infektionen zu diskreditieren.&quot;<\/p>\n<p>Gerade in der jetzigen Phase der Pandemie komme es darauf an, mit klaren Botschaften die Bev\u00f6lkerung \u00fcber den notwendigen Infektionsschutz aufzukl\u00e4ren. &quot;F\u00fcr uns als Verband der angestellten und beamteten \u00c4rztinnen und \u00c4rzte steht au\u00dfer Frage, dass Alltagsmasken das Risiko einer \u00dcbertragung reduzieren&quot;, machte Johna die Position des Bundesverbands deutlich. &quot;In Kombination mit den anderen Ma\u00dfnahmen &#8211; Abstand halten, H\u00e4ndehygiene, L\u00fcften von Innenr\u00e4umen und Corona-Warn-App &#8211; dienen auch Alltagsmasken dem Schutz vor einer unkontrollierten Ausbreitung des Virus und tragen dazu bei, dass weniger Menschen infiziert werden und weniger Menschen schwer erkranken.&quot;<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund der Proteste gegen die Corona-Ma\u00dfnahmen der Regierung, bei denen viele Demonstrierende &#8211; aus Protest &#8211; keinen Mund-Nasen-Schutz trugen, wirken die Aussagen des \u00c4rztekammer-Pr\u00e4sidenten Reinhardt besonders provokant.<\/p>\n<p>Dessen schien er sich bei &quot;Lanz&quot; bewusst zu sein: &quot;Ich m\u00f6chte mich auf gar keinen Fall in diesen Maskenkrieg einmischen&quot;, sagte er. &quot;Ich finde nur, dass wir dar\u00fcber nachdenken m\u00fcssen in dieser Gesellschaft, ob die Vermummung ein Standardgebot werden soll und muss.&quot; Er wolle die Diskussion auf eine philosophische Ebene heben, das Thema sollte diskutiert werden. &quot;Wenn wir dar\u00fcber nachdenken, dass in den Siebzigerjahren ein Vermummungsverbot ausgesprochen wurde, und jetzt haben wir ein Vermummungsgebot, dann glaube ich, dass das etwas mit einer Gesellschaft macht&quot;, sagte Reinhardt.<\/p>\n<p>Als Beispiel nannte er einen Patienten mit psychischen Problemen, der dem Arzt in der Praxis nicht ins Gesicht schauen k\u00f6nne. Das sei auch wichtig bei der Behandlung von Patienten, sagte Reinhardt. &quot;Es ist ein seltsames Gef\u00fchl, vermummt voreinander zu sitzen.&quot;<\/p>\n<h3>Begriff grenzwertig, Inhalt inakzeptabel<\/h3>\n<p>&quot;Auch an der Begrifflichkeit &#039;Vermummungsgebot&#039; habe ich mich gest\u00f6rt&quot;, sagte Lauterbach. &quot;Das empfinde ich als grenzwertig. Vor allem aber ging es mir um den Inhalt seiner Aussage &#8211; der ist inakzeptabel.&quot; Lauterbach kritisierte, dass Reinhardt in einer \u00f6ffentlich ausgestrahlten Sendung seine pers\u00f6nliche Meinung kundtat. &quot;Er repr\u00e4sentiert die deutsche \u00c4rzteschaft, wenn er \u00f6ffentlich in Talkshows auftritt&quot;, sagte er. &quot;Dort ist er dann keine Privatperson.&quot;<\/p>\n<p>Der SPD-Politiker scheint schon l\u00e4nger unzufrieden mit Reinhardts Arbeit zu sein: &quot;Es ist nicht seine erste Fehl\u00e4u\u00dferung&quot;, sagte er. Unter anderem habe Reinhardt dem politischen Berlin auch schon indirekt Panikmache oder \u00dcbertreibung vorgeworfen. &quot;Man kann durchaus kritisch gegen\u00fcber einzelnen Ma\u00dfnahmen sein, aber sie als Panikmache zu bezeichnen, halte ich f\u00fcr verantwortungslos&quot;, sagte Lauterbach. &quot;Er sollte dann sein Amt lieber geeigneteren Personen zur Verf\u00fcgung stellen.&quot;<\/p>\n<p>Egal, wie der Streit nun ausgehen mag, er signalisiert vor allem eines: die Uneinigkeit vieler wichtiger Akteurinnen und Akteure im Umgang mit der Pandemie. Nicht nur scheint jedes Bundesland inzwischen seine eigenen Entscheidungen zu treffen und damit gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliches Chaos zu stiften. Auch sorgen solche Eklats f\u00fcr eine Verunsicherung der Bev\u00f6lkerung &#8211; und gef\u00e4hrden damit die Akzeptanz der Ma\u00dfnahmen, die tats\u00e4chlich helfen, die Infektionszahlen einzud\u00e4mmen.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Lauterbach Foto:\u2002 via www.imago-images.de \/ imago images\/Political-Moments Bringt die Alltagsmaske etwas &#8211; ja oder nein? 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