{"id":3324,"date":"2020-10-21T00:37:41","date_gmt":"2020-10-20T21:37:41","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/google-was-bedeutet-die-kartellklage-der-us-regierung-gegen-den-suchmaschinen-konzern\/"},"modified":"2020-10-21T00:37:41","modified_gmt":"2020-10-20T21:37:41","slug":"google-was-bedeutet-die-kartellklage-der-us-regierung-gegen-den-suchmaschinen-konzern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/google-was-bedeutet-die-kartellklage-der-us-regierung-gegen-den-suchmaschinen-konzern\/","title":{"rendered":"Google: Was bedeutet die Kartellklage der US-Regierung gegen den Suchmaschinen-Konzern"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/5fe5d2c3-dd48-4081-8905-595d31f80bbe_w948_r1.77_fpx56.87_fpy54.99.jpg\" title=\"Google-Zentrale in Kalifornien: Die Regierung in Washington und elf Bundesstaaten klagen\" alt=\"Google-Zentrale in Kalifornien: Die Regierung in Washington und elf Bundesstaaten klagen\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Google-Zentrale in Kalifornien: Die Regierung in Washington und elf Bundesstaaten klagen<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Marcio Jose Sanchez \/ AP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Es ist ein Angriff kurz vor dem Abpfiff. Zwei Wochen vor der Pr\u00e4sidentschaftswahl hat die Regierung Trump am Dienstag Kartellklage gegen Google eingereicht. Wenn sich die Richter am Bundesgericht in Washington in den kommenden Monaten \u00fcber die 64-seitige Klageschrift beugen, werden Donald Trump und sein Justizminister William Barr wom\u00f6glich nicht mehr im Amt sein.<\/p>\n<p>Was also treibt die US-Regierung? Kritiker argw\u00f6hnen, dass hinter dem Man\u00f6ver schlicht Trumps \u00c4rger \u00fcber die Tech-Firmen steckt, von denen er sich notorisch schlecht behandelt f\u00fchlt. Andere vermuten, dass der Amtsinhaber der W\u00e4hlerschaft auf den letzten Metern Handlungsf\u00e4higkeit demonstrieren will. Aber auch eine dritte Erkl\u00e4rung ist denkbar: Der einstige Telekommunikations-Jurist Barr will in die Geschichtsb\u00fccher als derjenige eingehen, der die Macht der Silicon-Valley-Giganten gebrochen hat. Oder es zumindest versucht hat.<\/p>\n<p>Was auch immer die Motive sind &#8211; die Auswirkungen d\u00fcrften nicht nur den Suchmaschinenanbieter, sondern auch die anderen Tech-Riesen wie Facebook und Amazon treffen. Sp\u00e4testens jetzt muss der Branche klar sein, dass der Wind gedreht hat. Lange war ihr Gesch\u00e4ftsgebaren vor allem in Europa auf Widerstand gesto\u00dfen, w\u00e4hrend zu Hause eine Laissez-faire-Haltung herrschte. Doch auch im Heimatmarkt sind Google &amp; Co inzwischen nicht mehr Jedermanns Darling. Sondern misstrauisch be\u00e4ugte Gro\u00dfkonzerne.<\/p>\n<h3>Auch die Demokraten begr\u00fc\u00dfen den Vorsto\u00df<\/h3>\n<p>Der Klage der Regierung haben sich die Staatsanw\u00e4lte von elf Bundesstaaten angeschlossen. Und auch die Demokraten sind sich in der Sto\u00dfrichtung dieses eine Mal mit der Trump-Administration einig. So rang sich selbst die demokratische Senatorin Elizabeth Warren eine Art Lob ab: Zwar sei &quot;Bill Barr ein korrupter Trump-Kumpel, der nicht Justizminister sein sollte&quot;, sagte sie dem Technikblog Recode. Das Justizministerium aber verfolge, &quot;eine legitime, sich seit langem abzeichnende Klage gegen Google wegen wettbewerbsfeindlichem, manipulativen und oft illegalem Verhalten&quot;, f\u00fcgte Warren hinzu:<\/p>\n<p>Doch es war vor allem Barr selbst, der das Verfahren vorantrieb, w\u00e4hrend seine Juristen vor einem \u00fcberst\u00fcrzten Vorgehen warnten. Viele Leute w\u00fcrden sich wundern,  &quot;wie diese riesigen Unget\u00fcme, die heute im Silicon Valley existieren, ihre Gestalt unter den Augen der Wettbewerbsh\u00fcter angenommen haben&quot;, rechtfertigte der Minister seine Eile.<\/p>\n<p>Das Ministerium konzentriert sich nun auf einen Vorwurf: Dass die Alphabet-Tochter Google dank eines Quasimonopols bei Suchanfragen j\u00e4hrlich 40 Milliarden Dollar bei Anzeigenkunden einnimmt \u2013 und dass sie aus diesen Einnahmen die Handybetreiber daf\u00fcr bezahlt, standardm\u00e4\u00dfig Google als Suchmaschine einzurichten. Nach Sch\u00e4tzungen der Analysefirma Sanford C. Bernstein kassiert allein Apple j\u00e4hrlich rund acht Milliarden Dollar.  Insgesamt laufen der Klageschrift zufolge 95 Prozent aller Suchanfragen auf mobilen Ger\u00e4ten heute \u00fcber Google. Faktisch ein Monopol also.<\/p>\n<h3>Google erkl\u00e4rt die Klage f\u00fcr zutiefst &quot;fehlerhaft&quot;<\/h3>\n<p>Fraglich ist, ob diese Dominanz mit fairen oder unfairen Marktmitteln erreicht wird. Google erkl\u00e4rte die Klage am Dienstag f\u00fcr &quot;zutiefst fehlerhaft&quot;. Die Menschen w\u00fcrden die Suchmaschine nutzen, &quot;weil sie sich daf\u00fcr entscheiden \u2013 nicht weil sie dazu gezwungen sind oder keine Alternativen finden&quot;, erkl\u00e4rte das Unternehmen auf Twitter:<\/p>\n<p>Doch die \u00dcbermacht des Alphabet-Konzerns, der an der B\u00f6rse rund eine Billion Dollar wert ist und auf Barreserven von 120 Milliarden Dollar sitzt, ist nicht nur Trumps Justizminister ein Dorn im Auge. Die Tech-Firmen stehen unter konzertierten Beschuss der amerikanischen Politik und Wettbewerbsh\u00fcter:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Fast alle <strong>50 Bundesstaaten<\/strong> haben mittlerweile eigene Untersuchungen gegen Google  eingeleitet. Eine Gruppe von Staatsanw\u00e4lten hat sich das Anzeigengesch\u00e4ft vorgenommen, eine andere besch\u00e4ftigt sich mit dem Suchgebaren. Nach Sch\u00e4tzung des Dienstleisters eMarketer werden Googles Jahreseinnahmen aus Digitalanzeigen allein in den USA von rund 34 Milliarden Dollar 2019 auf \u00fcber 42 Milliarden Dollar in 2022 steigen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Die <strong>Demokraten im Repr\u00e4sentantenhaus<\/strong> haben j\u00fcngst eine 449-seitige Generalabrechnung mit der Tech-Branche vorgelegt. Die zust\u00e4ndigen Ausschussmitglieder werfen Google, Apple, Amazon und Facebook vor, ihre Marktstellung zu missbrauchen. Aus einst &quot;angriffslustigen Underdog-Start-ups&quot; seien Monopole geworden, &quot;wie wir sie zuletzt in der \u00c4ra der \u00d6lbarone und Eisenbahn-Tycoons gesehen haben&quot;, res\u00fcmiert der Bericht.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Manche Branchenkenner sind trotzdem skeptisch. Der Politik fehlten die Instrumente f\u00fcr eine Zerschlagung der Konzerne, glaubt Isaac Boltansky von der Investmentbank Compass Point. Auch die B\u00f6rse reagierte eher gelangweilt. Zur Er\u00f6ffnung verlor die Alphabet-Aktie  minimal und stieg dann im Tagesverlauf wieder. Vor acht Jahren hatte die Wettbewerbsbeh\u00f6rde schon einmal ein gerichtliches Vorgehen gegen Google gepr\u00fcft. Ein Jahr lang sammelten die Beamten Material \u2013 am Ende aber verzichteten sie.<\/p>\n<h3>Microsoft-Verfahren zog sich mehr als zehn Jahre hin<\/h3>\n<p>Alphabet ist kein leichter Gegner: Der finanzstarke Konzern kann Heerscharen von Anw\u00e4lten und PR-Beratern in die Schlacht mit der Politik schicken. Doch immerhin: Die fast zw\u00f6lf Millionen Dollar, die sich das Unternehmen die Lobby-Arbeit in Washington allein im vergangenen Jahr kosten lie\u00df, konnten die Klage nicht verhindern.<\/p>\n<p>Das Justizministerium beweise nun, &quot;dass nicht nur Silicon Valley erfolgreich Produkte klonen k\u00f6nne&quot;, urteilt der Wettbewerbsexperte Tim Wu von Columbia Law School. &quot;Im Prinzip haben sie den Microsoft-Fall geklont und den Namen Google hinzugef\u00fcgt.&quot;<\/p>\n<p>Stimmt diese Einsch\u00e4tzung, dann werden Trump und sein Justizminister den Ausgang des Verfahrens selbst dann wohl nicht mehr erleben, wenn sie die Wahl im November entgegen der aktuellen Umfragen gewinnen. Das Monopolverfahren gegen Microsoft hatte sich mehr als ein Jahrzehnt lang hingezogen, bevor es schlie\u00dflich in einem Vergleich m\u00fcndete. F\u00fcr den eigentlichen Erfolg der Kartellh\u00fcter h\u00e4lt mancher Beobachter r\u00fcckblickend nicht etwa die damals vereinbarten Zugest\u00e4ndnisse. Sondern dass das Microsoft-Management sich so in dem juristischen Streit aufrieb, dass am Markt Spielr\u00e4ume f\u00fcr die Konkurrenz entstanden.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Google-Zentrale in Kalifornien: Die Regierung in Washington und elf Bundesstaaten klagen Foto:\u2002Marcio Jose Sanchez \/ AP Es ist ein Angriff kurz vor dem Abpfiff. 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