{"id":3318,"date":"2020-10-20T18:10:28","date_gmt":"2020-10-20T15:10:28","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-diskussion-uber-studie-der-weltgesundheitsorganisation-wie-todlich-ist-covid-19-wirklich\/"},"modified":"2020-10-20T18:10:28","modified_gmt":"2020-10-20T15:10:28","slug":"corona-diskussion-uber-studie-der-weltgesundheitsorganisation-wie-todlich-ist-covid-19-wirklich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-diskussion-uber-studie-der-weltgesundheitsorganisation-wie-todlich-ist-covid-19-wirklich\/","title":{"rendered":"Corona: Diskussion \u00fcber Studie der Weltgesundheitsorganisation &#8211; wie t\u00f6dlich ist Covid-19 wirklich?"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/1753f582-1675-4676-9cfc-7f9770577875_w948_r1.77_fpx45_fpy49.jpg\" title=\"Aufnahme eines Elektronenmikroskops des Coronavirus Sars-CoV-2: Die Infektionssterblichkeit l\u00e4sst sich erheblich beeinflussen\" alt=\"Aufnahme eines Elektronenmikroskops des Coronavirus Sars-CoV-2: Die Infektionssterblichkeit l\u00e4sst sich erheblich beeinflussen\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Aufnahme eines Elektronenmikroskops des Coronavirus Sars-CoV-2: Die Infektionssterblichkeit l\u00e4sst sich erheblich beeinflussen<\/p>\n<p>  Foto:\u2002narvikk \/ Getty Images\/iStockphoto  <\/figcaption><\/figure>\n<p>&quot;Neue WHO-Studie erstaunt selbst Experten &#8211; so t\u00f6dlich ist das Virus wirklich&quot;: Schlagzeilen wie diese konnten in den vergangenen Tagen den Eindruck erwecken, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) halte Covid-19 inzwischen f\u00fcr weniger gef\u00e4hrlich. Doch das ist ein Irrtum.<\/p>\n<h3>Worum geht es in der Studie?<\/h3>\n<p>Anlass f\u00fcr die aktuelle Diskussion sind erste Forschungsergebnisse des renommierten Epidemiologen John Ioannidis von der Stanford University, die auf der Webite des &quot;Bulletin of the World Health Organization&quot; erschienen sind &#8211; ein wissenschaftliches Magazin, das von der WHO herausgegeben wird. Die Ver\u00f6ffentlichung enth\u00e4lt den Hinweis, die erste Onlineversion der Studie sei begutachtet worden, enthielte aber noch nicht alle finalen Korrekturen.<\/p>\n<p>Ioannidis hatte f\u00fcr die Analyse 61 Studien aus der ganzen Welt sowie nationale Angaben zur Sterblichkeit von Covid-19 analysiert. Demnach lag die Infektionssterblichkeit im Mittel aller ausgewerteter Studien bei etwa 0,23 Prozent. Das hei\u00dft, im Mittel starben 23 von 10.000 Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatten.<\/p>\n<p>&quot;Die abgeleiteten Infektionssterblichkeiten lagen tendenziell niedriger als die Sch\u00e4tzungen, die fr\u00fcher in der Pandemie gemacht wurden&quot;, schlussfolgert Ioannidis. Erste Daten aus China h\u00e4tten die Infektionssterblichkeit auf 3,4 Prozent gesch\u00e4tzt. Inzwischen gingen mathematische Modelle von etwa einem Prozent aus.<\/p>\n<h3>Der nur scheinbare Widerspruch<\/h3>\n<p>Einige Medien verwiesen daraufhin auf die vom Robert Koch-Institut (RKI) angegebene Fallsterblichkeit, die laut dem t\u00e4glichen Lagebericht vom Montag bei etwa 2,7 Prozent liegt \u2013 also fast zehnmal so hoch wie der Wert von Ioannidis. Dadurch kann der Eindruck eines Gelehrtenstreits entstehen, den es allerdings \u00fcberhaupt nicht gibt.<\/p>\n<p>Denn der Widerspruch zur offiziellen RKI-Statistik besteht nur scheinbar. Um das t\u00f6dliche Potenzial einer Krankheit zu bemessen, lassen sich zwei Parameter heranziehen:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Die<strong> Infektionssterblichkeit<\/strong>, kurz IFR: Sie gibt an, wie hoch der Anteil der Verstorbenen gemessen an allen Infektionen ist. Dieser Wert wird auch in der aktuellen Studie untersucht.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Die <strong>Fallsterblichkeit<\/strong>, kurz CFR: Sie gibt an, wie hoch der Anteil der Verstorbenen an allen \u2013 und dieses eine Wort macht den entscheidenden Unterschied &#8211; <strong>bekannten<\/strong> Infektionen ist. Auf diesen Wert bezieht sich das RKI im t\u00e4glichen Lagebericht.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Da eine Infektion mit Sars-CoV-2 ohne Symptome verlaufen kann und l\u00e4ngst nicht in allen L\u00e4ndern umfangreich getestet wird, bleiben weltweit viele Infektionen wahrscheinlich unentdeckt. Dadurch ist die Fallsterblichkeit der Definition nach h\u00f6her als die Infektionssterblichkeit. Warum wird sie dann \u00fcberhaupt benutzt?<\/p>\n<p>Wie hoch die Dunkelziffer ist, l\u00e4sst sich aktuell nur schwer sagen. Laut WHO k\u00f6nnten sich weltweit zwanzigmal mehr Menschen angesteckt haben als nachgewiesen. Allerdings handelt es sich auch bei dieser Zahl allenfalls um eine grobe Sch\u00e4tzung.<\/p>\n<p>Aufschluss \u00fcber die Dunkelziffer k\u00f6nnten Antik\u00f6rper gegen das Virus im Blut von Menschen geben. Werden sie gefunden, hat derjenige eine Infektion sehr wahrscheinlich durchgemacht &#8211; wom\u00f6glich ohne es selbst zu bemerken. In Deutschland ist im Oktober eine Antik\u00f6rperstudie des RKI und des Deutschen Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) angelaufen, an der 34.000 Menschen teilnehmen. Sie soll kl\u00e4ren, wie viele Menschen sich in Deutschland tats\u00e4chlich mit dem Virus infiziert haben.<\/p>\n<p>Auch solche Antik\u00f6rperstudien sind nicht perfekt, weil offenbar l\u00e4ngst nicht alle, die nachweislich mit dem Coronavirus infiziert waren, auch messbare Antik\u00f6rper bilden. Aber sie sind derzeit die beste Chance, die Dunkelziffer zu beleuchten.<\/p>\n<h3>&quot;Ein Todesfall mehr oder weniger, der erfasst wird, f\u00e4llt da richtig ins Gewicht&quot;<\/h3>\n<p>Bisher publizierte Antik\u00f6rperstudien basieren allerdings h\u00e4ufig auf niedrigen Fallzahlen. Das zeigt sich bei der sogenannten Heinsberg-Studie, die auch in die aktuelle Metaanalyse eingeflossen ist und die Infektionssterblichkeit auf etwa 0,37 Prozent beziffert. Die Hochrechnung basiert allerdings nur auf einer Handvoll Todesf\u00e4lle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion.<\/p>\n<p>&quot;Ein Todesfall mehr oder weniger, der erfasst wird, f\u00e4llt da richtig ins Gewicht&quot;, sagte G\u00e9rard Krause vom Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig nach der Ver\u00f6ffentlichung der Heinsberg-Studie vor gut einem halben Jahr. Er empfahl deshalb, die Todesursache genauer zu untersuchen. Wom\u00f6glich sei die Infektionssterblichkeit zu niedrig eingesch\u00e4tzt worden, weil kaum Seniorenheime betroffen waren.<\/p>\n<p>Vor knapp einem Monat hatte auch der Epidemiologe Rod Jackson in einem Gastbeitrag f\u00fcr den &quot;NZ Herald&quot; betont, Antik\u00f6rperstudien seien nur aussagekr\u00e4ftig, wenn die Stichprobe repr\u00e4sentativ f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung ist. Auswertungen aus Neuseeland und Island seien wenig hilfreich, da dort bisher nur wenige Covid-19-Todesf\u00e4lle gemeldet wurden. &quot;Studien mit weniger als mehreren Hundert Covid-19-Todesf\u00e4llen lohnen kaum den Blick hinein&quot;, so Jackson.<\/p>\n<p>Ioannidis hat in seiner aktuellen Metaanalyse Studien mit \u00fcber 500 Stichproben ber\u00fccksichtigt, nicht alle &#8211; darunter auch die Heinsberg-Studie &#8211; waren repr\u00e4sentativ f\u00fcr die gesamte Bev\u00f6lkerung. Hat er also wissenschaftlich unsauber gearbeitet?<\/p>\n<h3>Kein fester Messwert<\/h3>\n<p>Ziel von Ioannidis war es nicht, eine weltweit g\u00fcltige Infektionssterblichkeit zu ermitteln. Das ist auch gar nicht m\u00f6glich. Die Infektionssterblichkeit ist kein fester Messwert, der einmal f\u00fcr eine Krankheit berechnet auf der ganzen Welt seine G\u00fcltigkeit beh\u00e4lt. Er h\u00e4ngt von vielen Faktoren ab.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich war die Sterblichkeit nach ersten Daten aus China am Anfang der Pandemie zun\u00e4chst h\u00f6her eingesch\u00e4tzt worden \u2013 wie Ioannidis zu Recht anmerkt. Damals war nur wenig \u00fcber Covid-19 bekannt. Inzwischen ist klar, dass ein gro\u00dfer Teil der Infizierten nur milde oder keine Symptome hat. Zudem k\u00f6nnen sie das Virus wahrscheinlich schon weitergeben, bevor sie \u00fcberhaupt etwas von der Infektion bemerken.<\/p>\n<p>Auch Ioannidis betont, wie sehr die Sterblichkeit variiert \u2013 je nachdem, ob sich vor allem \u00e4ltere Menschen infizieren, wie gut die medizinische Versorgung ist, wie hoch der Anteil der Menschen mit Vorerkrankungen in der Bev\u00f6lkerung ist. So schwankte die Infektionssterblichkeit bei den von ihm ausgewerteten Studien zwischen null und 1,63 Prozent.<\/p>\n<p>Noch liegen keine Ergebnisse der in Deutschland geplanten repr\u00e4sentativen Antik\u00f6rperstudie vor. Wie hoch die Infektionssterblichkeit hierzulande aktuell ist, l\u00e4sst sich deshalb nur schwer absch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Erst k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichte ein Forschungsteam um Andrew Levin vom Dartmouth College Ergebnisse einer weiteren Metaanalyse, laut der die Infektionssterblichkeit f\u00fcr Covid-19 in den USA bei etwa 0,8 Prozent liegen k\u00f6nnte. Auch Virologe Christian Drosten bezog sich im NDR-Podcast auf diese Studie. Weil die Bev\u00f6lkerung hierzulande etwas \u00e4lter sei als in den USA, h\u00e4lt Drosten eine Infektionssterblichkeit von etwa einem Prozent f\u00fcr Deutschland oder etwas dar\u00fcber f\u00fcr plausibel. &quot;Ich bin kein Demograf, das kann ich auch nur \u00fcberschlagen&quot;, schr\u00e4nkte der Virologe jedoch ein.<\/p>\n<p>Auch wenn sich die Infektionssterblichkeit in Deutschland aktuell nur schwer genau beziffern l\u00e4sst, ist klar, wie stark sie sich beeinflussen l\u00e4sst. Das zeigt auch die Analyse aus den USA. Werden \u00e4ltere Menschen vor einer Ansteckung mit Covid-19 gesch\u00fctzt, l\u00e4sst sich die Infektionssterblichkeit demnach mehr als halbieren &#8211; von 0,8 auf 0,3 Prozent.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Aufnahme eines Elektronenmikroskops des Coronavirus Sars-CoV-2: Die Infektionssterblichkeit l\u00e4sst sich erheblich beeinflussen Foto:\u2002narvikk \/ Getty Images\/iStockphoto &quot;Neue WHO-Studie erstaunt selbst Experten &#8211; so t\u00f6dlich ist das Virus wirklich&quot;:<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3319,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3318","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3318","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3318"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3318\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3319"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3318"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3318"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3318"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}