{"id":3311,"date":"2020-10-20T09:56:08","date_gmt":"2020-10-20T06:56:08","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/china-und-das-corona-comeback-warum-die-wirtschaft-wieder-stark-wachst\/"},"modified":"2020-10-20T09:56:08","modified_gmt":"2020-10-20T06:56:08","slug":"china-und-das-corona-comeback-warum-die-wirtschaft-wieder-stark-wachst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/china-und-das-corona-comeback-warum-die-wirtschaft-wieder-stark-wachst\/","title":{"rendered":"China und das Corona-Comeback: Warum die Wirtschaft wieder stark w\u00e4chst"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/6647092c-eed6-46e2-ace2-594d88797ade_w948_r1.77_fpx52_fpy47.jpg\" title=\"Skyline von Shanghai: &quot;Die Zahlen sehen solide aus&quot;\" alt=\"Skyline von Shanghai: &quot;Die Zahlen sehen solide aus&quot;\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Skyline von Shanghai: &quot;Die Zahlen sehen solide aus&quot;<\/p>\n<p>  Foto:\u2002JOHANNES EISELE\/ AFP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Wie glaubhaft sind die Wachstumszahlen, die aus China kommen? Das fragen sich \u00d6konomen und Sinologen alle drei Monate. Dann gibt die nationale Statistikbeh\u00f6rde neue Quartalsdaten bekannt.<\/p>\n<p>Diesen Montag stellt sich die Frage erst recht.<\/p>\n<p>Mitten in der globalen Coronakrise vermeldet Peking ein Plus der Wirtschaftsleistung von 4,9 Prozent gegen\u00fcber dem Vorquartal. Und, noch viel beeindruckender, eine Steigerung um 0,7 Prozent gegen\u00fcber dem Vorjahr. Auch die kumulierten Exporte sollen h\u00f6her sein als 2019.<\/p>\n<p>L\u00e4sst China die Pandemie schon hinter sich? Und zieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft der Erde ihre Handelspartner wie Deutschland mit nach oben? Oder sind die Zahlen manipuliert?<\/p>\n<p>Zweifel sind angebracht. Denn f\u00fcr unglaubliche Wirtschaftsdaten war Chinas nationale Statistikbeh\u00f6rde immer gut.<\/p>\n<p>Inmitten globaler Finanzkrisen, Terrorwellen oder Kriege verk\u00fcndeten die Pekinger B\u00fcrokraten schon in der Vergangenheit alle drei Monate eine Wachstumszahl, die allenfalls um einen Zehntelprozentpunkt vom Wert des Vorquartals abwich &#8211; und der war schon hochprozentig. Eine Zahl, die sich exakt in die Planvorgaben der KP-F\u00fchrung f\u00fcgte. Zu wunderbar, um wahr zu sein.<\/p>\n<p>Doch die j\u00fcngsten Angaben aus Peking halten Experten f\u00fcr glaubw\u00fcrdig. &quot;Die Zahlen sehen solide aus&quot;, sagt Max J. Zenglein, der Chef\u00f6konom des Berliner Mercator-Instituts f\u00fcr Chinastudien (Merics). &quot;Ich bin ziemlich optimistisch, dass China herauskommt aus der Krise. Die Regierung hat sie bislang gut gemeistert &#8211; und die wirtschaftlichen Folgen einged\u00e4mmt, gerade f\u00fcr die Mittelschicht.&quot;<\/p>\n<p>Schon seit Monaten steigt die Industrieproduktion &#8211; nicht zuletzt dank staatlicher St\u00fctzungsprogramme. Nun aber geht auch der private Konsum nach oben. Erstmals seit Beginn der Pandemie steigen die Einzelhandelsums\u00e4tze: Im September kauften die Chinesen laut Statistik 3,3 Prozent mehr ein als vor Jahresfrist.<\/p>\n<p>&quot;Die Regierung hat unter anderem mit Steuersenkungen, Notkrediten und Einkaufsgutscheinen versucht, mittelst\u00e4ndische Unternehmen und Privathaushalte zu unterst\u00fctzen&quot;, sagt Zenglein. &quot;Das hat offenbar funktioniert.&quot;<\/p>\n<p>Zum von Peking verk\u00fcndeten Aufschwung passen auch andere Daten, die nicht in den Kommuniqu\u00e9s der Statistikbeh\u00f6rde stehen. So steigt der nationale Stromverbrauch deutlich, ebenso die Zahl der verkauften Autos oder Inlandsflugtickets f\u00fcr die &quot;Goldene Woche&quot; Anfang Oktober, in der dieses Jahr mehr als 600 Millionen Chinesen durch ihr Land reisten. Viele Shopping-Meilen sind Beobachtern zufolge wieder so voll wie vor der Pandemie, in den Metropolen staut sich der Verkehr wieder.<\/p>\n<p>Diesmal ist die Statistik wohl nicht so frisiert wie fr\u00fcher.<\/p>\n<p>China hat die Pandemie als erstes Land erwischt. China kommt nun offensichtlich als erstes heraus aus der Krise.<\/p>\n<p>Das Comeback weckt Erinnerungen an die globale Finanzkrise von 2008\/9. Damals p\u00e4ppelte das Regime in Peking mit einem gigantischen Konjunkturprogramm die eigene Volkswirtschaft auf. Bald profitierten auch andere Staaten vom Nachfrageboom aus China &#8211; etwa Deutschland.<\/p>\n<h3>Chinas Aufschwung rettet deutsche Exporteure<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend der Pandemie hat Asiens Gro\u00dfmacht Frankreich \u00fcberholt: als zweitgr\u00f6\u00dfter Absatzmarkt f\u00fcr die deutsche Exportindustrie. Von Januar bis August verzeichnet die deutsche Au\u00dfenhandelsstatistik Ausfuhren im Wert von 60,3 Milliarden Euro nach China. Auf Platz eins sind &#8211; noch &#8211; die USA mit 65,8 Milliarden Euro. Bei den Importen ist die kommunistische Volksrepublik schon seit L\u00e4ngerem der Toplieferant der Bundesrepublik.<\/p>\n<p>F\u00fcr Deutschlands Autokonzerne ist sie in diesem Jahr die Rettung. Im zweiten Quartal 2020, als die westlichen Industriel\u00e4nder in Lockdowns steckten, setzte Volkswagen 53 Prozent all seiner weltweit verkauften Pkw in der Volksrepublik ab. Daimlers China-Anteil betrug 45 Prozent, BMW kam auf 44 Prozent.<\/p>\n<p>&quot;Es ist wie nach der Weltfinanzkrise von 2008\/9: China zieht die globale Automobilwirtschaft aus dem Tal heraus&quot;, sagt Ferdinand Dudenh\u00f6ffer, Direktor des Duisburger CAR-Center Automotive Research. &quot;Wenn es in dieser Industrie einen Wachstumstreiber gibt, dann ist es China.&quot;<\/p>\n<p>Als der nationale Automarkt zu Beginn der Pandemie einbrach, reagierten Chinas Verantwortliche prompt. Provinz- und Lokalregierungen offerierten Pr\u00e4mien f\u00fcr Neuwagenk\u00e4ufe. Stadtverwaltungen lockerten die Begrenzungen f\u00fcr Nummernschilder, die sie vorher zur Eind\u00e4mmung von Verkehrsstaus nur restriktiv ausgegeben hatten. Und die Zentralregierung in Peking verl\u00e4ngerte das Subventionsprogramm f\u00fcr Elektroautos, das eigentlich zum Jahresende auslaufen sollte.<\/p>\n<p>Die Anreize machen sich bezahlt: Seit sechs Monaten in Folge sind die Pkw-Verk\u00e4ufe h\u00f6her als im Vorjahr. &quot;Die chinesische Regierung versucht die Wirtschaft systematisch in Gang zu bringen&quot;, lobt Dudenh\u00f6ffer. &quot;Und je st\u00e4rker das Sozialprodukt steigt, desto mehr Menschen kaufen Autos.&quot;<\/p>\n<p>Dudenh\u00f6ffer zufolge wird die Branche trotz der Krise bis zum Ende 2020 an die 20 Millionen Personenfahrzeuge in der Volksrepublik absetzen &#8211; weit mehr als in den USA (rund 16 Millionen) oder in West- und Mitteleuropa (12 Millionen).<\/p>\n<p>Bis 2025 werde der Absatz auf mehr als 25 Millionen Autos wachsen, sagt der Experte voraus. Schlie\u00dflich besitze noch immer nur ein kleiner Teil der Chinesen ein eigenes motorisiertes Fahrzeug. Dudenh\u00f6ffer beziffert das j\u00e4hrliche Verkaufspotenzial auf bis zu 50 Millionen Pkw.<\/p>\n<p>Geht der seit Jahrzehnten dauernde China-Boom nun jahrelang weiter? Zenglein zufolge ist das noch l\u00e4ngst nicht ausgemacht. Strukturelle Probleme wie die hohe Verschuldung von Unternehmen und Regionen seien ebenso ungel\u00f6st wie die Frage, was mit den Wanderarbeitern geschieht, von denen viele ihre Arbeit in der Krise verloren haben. Und kurzfristig k\u00f6nne es gerade bei den Exporten schnell wieder R\u00fcckschl\u00e4ge geben &#8211; etwa bei neuen Lockdowns in westlichen Abnehmerl\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Aber immerhin habe sich Chinas Wirtschaft in den vergangenen Monaten stabilisiert, lobt Zenglein. Und das ist schon mal au\u00dfergew\u00f6hnlich, in dieser Pandemie.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Skyline von Shanghai: &quot;Die Zahlen sehen solide aus&quot; Foto:\u2002JOHANNES EISELE\/ AFP Wie glaubhaft sind die Wachstumszahlen, die aus China kommen? 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