{"id":3289,"date":"2020-10-19T08:20:13","date_gmt":"2020-10-19T05:20:13","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/us-wahl-2020-die-umfragen-ein-wackliger-gradmesser\/"},"modified":"2020-10-19T08:20:13","modified_gmt":"2020-10-19T05:20:13","slug":"us-wahl-2020-die-umfragen-ein-wackliger-gradmesser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/us-wahl-2020-die-umfragen-ein-wackliger-gradmesser\/","title":{"rendered":"US-Wahl 2020: Die Umfragen &#8211; ein wackliger Gradmesser"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/dd8627be-1ca5-4957-9828-743bf25aa104_w948_r1.77_fpx89_fpy58.jpg\" title=\"Wahlplakate in Fairfax, Virginia: Weniger unentschiedene W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler als 2016\" alt=\"Wahlplakate in Fairfax, Virginia: Weniger unentschiedene W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler als 2016\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Wahlplakate in Fairfax, Virginia: Weniger unentschiedene W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler als 2016<\/p>\n<p>  Foto:\u2002ALEXANDER DRAGO \/ REUTERS  <\/figcaption><\/figure>\n<p>In Pennsylvania liegt Joe Biden sieben Prozentpunkte vor Donald Trump. Genauso ist es in Wisconsin und Michigan, zwei anderen jener wahlentscheidenden &quot;battleground states&quot;. Landesweit betr\u00e4gt der Vorsprung des Demokraten sogar mehr als acht Punkte.<\/p>\n<p>Zu diesem Ergebnis kommen die Datenanalysten von FiveThirtyEight. Sie sammeln die zahlreichen Umfrageresultate, gewichten sie entsprechend der statistischen Qualit\u00e4t der Erhebung und prognostizieren auf dieser Grundlage den Wahlausgang. Glaubt man aktuellen Umfragen, so ist der Demokrat auf Kurs, die Pr\u00e4sidentschaftswahl am 3. November zu gewinnen; selbst ein Erdrutschsieg scheint im Rahmen des Machbaren.<\/p>\n<p>Gelassen macht dieser Befund viele Demokraten und Anh\u00e4nger des fr\u00fcheren Vizepr\u00e4sidenten dennoch nicht, siegessicher schon gar nicht. Zu lebhaft ist die Erinnerung an 2016. Damals sahen die Demoskopen in den letzten Tagen vor der Wahl Hillary Clinton vor Trump: FiveEightThirty prognostizierte einen Vorsprung der Demokratin von 3,7 Punkten in Pennsylvania, 4,2 in Michigan und 5,3 in Wisconsin.<\/p>\n<p>Clinton ignorierte die beiden letztgenannten Bundesstaaten im Wahlkampf weitgehend. Am Ende gewann Trump alle drei und zog ins Wei\u00dfe Haus ein. Mit dieser Erfahrung im R\u00fccken tut der Pr\u00e4sident auch die diesj\u00e4hrigen Umfragewerte als &quot;Fake&quot; ab.<\/p>\n<p>Was aber besagen Letztere im Einzelnen? Wie kam es vor vier Jahren zu den Diskrepanzen? Und was machen die Demoskopen in diesem Jahr anders?<\/p>\n<h3>Umfragen 2020: Bidens best\u00e4ndiger Vorsprung<\/h3>\n<p>Das Auff\u00e4lligste an den Umfragen vor der diesj\u00e4hrigen Wahl seien die &quot;Best\u00e4ndigkeit und Weite&quot; von Bidens Vorsprung, sagt Christopher Borick vom Meinungsforschungsinstitut des Muhlenberg College in Pennsylvania dem SPIEGEL. Die Ergebnisse zahlreicher Befragungen legten nahe, dass es f\u00fcr den Pr\u00e4sidenten ein beschwerlicher Weg zur Wiederwahl werden d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Den Prognosen von FiveThirtyEight zufolge hat Biden landesweit seit Juni einen Vorsprung von mindestens rund sechs Prozentpunkten. (Einen laufend aktualisierten \u00dcberblick \u00fcber die Werte finden Sie hier.) In der j\u00fcngsten Erhebung der &quot;Washington Post&quot; und des Senders ABC etwa f\u00fchrt der fr\u00fchere Vizepr\u00e4sident gar mit zw\u00f6lf Punkten vor Trump.<\/p>\n<p>Zwar ist die Aussagekraft landesweiter Umfrage- und Prognosewerte begrenzt. Das Rennen um das Wei\u00dfe Haus wird nicht durch die Mehrheit der Stimmen im ganzen Land entschieden. Wegen des besonderen Wahlsystems der USA ist f\u00fcr die Wahl nur eine Reihe besonders umk\u00e4mpfter Bundesstaaten wichtig. (Mehr dazu hier.) Laut FiveThirtyEight ist der entscheidende Bundesstaat Pennsylvania, gefolgt von Wisconsin und Florida.<\/p>\n<p>Doch sehen zahlreiche Umfragen Biden auch in mehreren dieser &quot;Swing States&quot; vorn, zum Teil deutlich. Legt man die Prognosen von FiveThirtyEight zugrunde, so l\u00e4sst sich ein besonders interessantes Szenario beobachten: Sollte Biden nur jene Bundesstaaten gewinnen, in denen er laut den Prognosen mit f\u00fcnf oder mehr Punkten f\u00fchrt, h\u00e4tte er bereits mehr als die 270 f\u00fcr den Sieg n\u00f6tigen Wahlleute im Electoral College sicher &#8211; selbst wenn sich Trump in alle anderen Staaten durchsetzen sollte. Letzteres aber ist den Analysten zufolge keineswegs ausgemacht. Denn Biden f\u00fchrt demnach nicht nur in Pennsylvania, Michigan und Wisconsin, sondern auch in Florida, North Carolina und Arizona (mit jeweils drei Punkten). In Ohio, Georgia und Iowa liegen die Kandidaten Kopf an Kopf.<\/p>\n<h3>2016: Das Umfragetrauma der Demokraten<\/h3>\n<p>Umfragen und Prognosen, in denen der demokratische Kandidat kurz vor der Wahl vor Trump liegt: Dieses Bild bot sich auch vor vier Jahren schon. Am Ende aber gewann Trump. Wie kam es dazu?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal gelte es, die Zahlen des Jahres 2016 richtig einzuordnen, sagt Christopher Borick: &quot;Die landesweiten Umfragen waren beeindruckend pr\u00e4zise: Viele sahen Clinton mit etwa drei Punkten vor Trump und am Ende lag sie mit zwei vorne.&quot; Die Genauigkeit sei sogar h\u00f6her gewesen als 2012: &quot;Damals lag Obama in vielen der letzten Umfragen mit ein bis zwei Punkten vorn; er gewann mit rund vier.&quot; Damals machte aber niemand einen Unterschied zwischen statistischer Genauigkeit und politischer Bewertung der Zahlen: Dass Barack Obama die &quot;popular vote&quot; mit vier statt mit zwei Punkten gewann, interessierte niemanden.<\/p>\n<p>Anders sah es bisweilen auf Bundesstaatsebene aus: In manchen wahlentscheidenden Staaten wie Wisconsin wurden schlicht zu wenige Umfragen durchgef\u00fchrt, um ein aufschlussreiches Gesamtbild vom W\u00e4hlerwillen zu bekommen.<\/p>\n<p>Hinzu kam ein weiterer Aspekt: &quot;2016 gab es einen betr\u00e4chtlichen Anteil an Leuten, die unentschieden waren und weder Hillary Clinton noch Donald Trump mochten&quot;, sagt Christopher Borick. \u00dcberproportional viele dieser W\u00e4hler entschieden sich schlie\u00dflich f\u00fcr Trump. Dies k\u00f6nnte laut Borick damit zusammenh\u00e4ngen, dass die US-W\u00e4hlerschaft tendenziell abgeneigt ist, derselben Partei drei Amtszeiten in Folge zu gew\u00e4hren.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich, sagt Borick, habe sein Institut 2016 den Faktor Bildung in seiner Gewichtungsformel nicht ber\u00fccksichtigt. Dieser habe traditionell keine gro\u00dfe Rolle gespielt, anders etwa als Geschlecht, Alter und Hautfarbe. In diesem Jahr haben der Politikwissenschaftler und seine Mitarbeiter den Faktor in ihre Formel aufgenommen.<\/p>\n<p>Das f\u00fchrt dazu, dass Biden in ihrer im August durchgef\u00fchrten Umfrage nur vier Punkte vor Trump liegt; ohne Einpreisung des Faktors Bildung w\u00e4ren es sechs. Die Umfragen des Instituts geh\u00f6ren zu den wenigen, denen die Datenanalysten von FiveThirtyEight die Bestnote &quot;A+&quot; geben: unter anderem wegen der hohen methodischen Qualit\u00e4t sowie des zeit- und kostenaufwendigen Vorgehens, zu dem Telefon- und Handybefragungen geh\u00f6ren.<\/p>\n<h3>Was wird in diesem Jahr anders gemacht?<\/h3>\n<p>Solche methodischen Umstellungen einzelner Institute sind nicht die einzige Neuerung in diesem Jahr. In jenen Staaten, in denen es vor vier Jahren nicht genug Qualit\u00e4tsumfragen gab, sind nun renommierte &quot;Pollster&quot; unterwegs.<\/p>\n<p>Eine potenzielle Fehlerquelle ist dagegen hinzugekommen: Wegen der Corona-Pandemie d\u00fcrften deutlich mehr Menschen per Briefwahl abstimmen, viele haben es schon getan. Meinungsforscher m\u00fcssten ihre Fragen deshalb anpassen, sagt Borick. Eine gr\u00f6\u00dfere Herausforderung sieht er darin aber nicht.<\/p>\n<p>Der wom\u00f6glich wichtigste Unterschied zu 2016 aber ist, dass es deutlich weniger unentschiedene W\u00e4hler zu geben scheint. Dies k\u00f6nnte erkl\u00e4ren, weshalb Biden in den Umfragen seit L\u00e4ngerem konstant f\u00fchrt. Er hat einen deutlich gr\u00f6\u00dferen Vorsprung, als Hillary Clinton ihn je hatte, er ist deutlich best\u00e4ndiger. Die Umfragen vor vier Jahren schwankten deutlich st\u00e4rker.<\/p>\n<p>Der Befund, dass sich die W\u00e4hler schon lange entschieden haben, scheint sich mit dem zu decken, was Christopher Borick vor seiner Haust\u00fcr beobachtet. Der Politikwissenschaftler lebt im Northampton County, einem &quot;Swing County&quot; im &quot;Swing State&quot; Pennsylvania. Die Trump-Schilder aus dem Jahr 2016 seien in diesem Jahr wieder zur\u00fcck, sagt er. Der Pr\u00e4sident genie\u00dfe bei seiner Basis &quot;tiefe und starke Unterst\u00fctzung&quot;. Es gebe nun aber entsprechend viele Biden-Schilder und -Flaggen.<\/p>\n<p>Allerdings, warnt Borick, sei es riskant, anekdotenhafte eigene Erfahrungen und statistische Analysen zu vermischen. Die Ungewissheit bleibt.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Wahlplakate in Fairfax, Virginia: Weniger unentschiedene W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler als 2016 Foto:\u2002ALEXANDER DRAGO \/ REUTERS In Pennsylvania liegt Joe Biden sieben Prozentpunkte vor Donald Trump. 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