{"id":3283,"date":"2020-10-19T01:47:23","date_gmt":"2020-10-18T22:47:23","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-in-der-schweiz-starker-anstieg-an-infektionen-nach-jodel-fest\/"},"modified":"2020-10-19T01:47:23","modified_gmt":"2020-10-18T22:47:23","slug":"corona-in-der-schweiz-starker-anstieg-an-infektionen-nach-jodel-fest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-in-der-schweiz-starker-anstieg-an-infektionen-nach-jodel-fest\/","title":{"rendered":"Corona in der Schweiz: Starker Anstieg an Infektionen nach Jodel-Fest"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/955abb2f-5121-4df1-8377-f418c29fdae1_w948_r1.77_fpx50_fpy60.jpg\"\/><figcaption>  Foto:\u2002[M] Getty Images \/ DER SPIEGEL  <\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"caps\">Noch vor wenigen Tagen schien in der Schweiz alles normal. Man diskutierte dar\u00fcber, die Quarant\u00e4ne-Regeln f\u00fcr Reiser\u00fcckkehrer zu lockern, las mit leisem Schaudern \u00fcber die strengen Corona-Auflagen, die in einigen deutschen Regionen eingef\u00fchrt wurden, und ging am Samstagnachmittag ohne Maske in einem gro\u00dfen M\u00f6belhaus einkaufen. Zumindest im Kanton Aargau, in dem, anders als im angrenzenden Kanton Z\u00fcrich, beim Einkaufen keine Maskenpflicht gilt.<\/p>\n<p>Die Probleme schienen anderswo zu herrschen. Im Nachbarland Frankreich, in deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten, in den Slums von Delhi. In der Schweiz dagegen blieb man entspannt. Die Lage wurde von der Bundesstadt Bern &quot;genau beobachtet&quot;, jeder Kanton traf eigene Regeln, viele davon waren erstaunlich locker. Besonders in den l\u00e4ndlichen Kantonen, wo es nur wenige Infizierte gab, konnte das Leben fast ohne Einschr\u00e4nkungen weitergehen.<\/p>\n<h3>Die Zahlen sind explodiert<\/h3>\n<p>Und obgleich die Zahlen in den ersten Herbstwochen anstiegen, machte sich kaum jemand ernsthaft Sorgen. Die kantonalen Gesundheits\u00e4mter verk\u00fcndeten, die Lage sei stabil, die Krankenh\u00e4user seien gut vorbereitet, alles entspreche den Erwartungen. In den vergangenen Tagen hat sich das radikal ge\u00e4ndert. Die Schweizer Corona-Infektionen sind innerhalb k\u00fcrzester Zeit derart sprunghaft angestiegen, dass selbst die ausgeruhte &quot;Neue Z\u00fcrcher Zeitung&quot; konstatierte: &quot;Die gef\u00fcrchtete zweite Welle ist da.&quot;<\/p>\n<p>Der Gesundheitsminister Alain Berset formulierte es schweizerisch zur\u00fcckhaltend so: &quot;Seit ungef\u00e4hr einer Woche hat sich die Situation in der Schweiz schneller verschlechtert als anderswo.&quot; Man k\u00f6nnte auch sagen, die Zahlen sind regelrecht explodiert. Am Freitag meldete das Land mit 3105 die bislang h\u00f6chste Zahl an Neuinfektionen an einem Tag.<\/p>\n<p>Am Sonntag dann die Kehrtwende: Von kommender Woche an sind Versammlungen von mehr als 15 Menschen auf \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen verboten, teilte die Regierung nach einer Sondersitzung mit. Die Maskenpflicht wird ausgeweitet vom \u00f6ffentlichen Personennahverkehr auf Bahnh\u00f6fe, Flugh\u00e4fen sowie Bus- und Stra\u00dfenbahnhaltestellen. In \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden muss ebenfalls ein Mund-Nase-Schutz getragen werden. Dies gilt auch f\u00fcr Gesch\u00e4fte, Schulen, Kirchen und Kinos.<\/p>\n<p>Noch am Donnerstag hatte Berset offen zugegeben, wie sehr das Land von dieser Entwicklung \u00fcberrascht worden ist: &quot;Es ist erst Ende Oktober. Wir haben das schon erwartet, aber f\u00fcr sp\u00e4ter&quot;, sagte er am Rande eines Treffens der Minister des Bundesrates mit Vertretern der Kantone. Warum es jetzt schon so weit ist? Berset spricht von einem &quot;R\u00e4tsel&quot;.<\/p>\n<p>Mehr als dreizehn Prozent der Corona-Tests, die derzeit in der Schweiz durchgef\u00fchrt werden, sind positiv (Stand: Freitag). Zum Vergleich: Noch Ende September waren es nur gut drei Prozent.<\/p>\n<p>Viele Schweizer, die sich gerade noch fragten, wo man eigentlich noch sicher Urlaub machen kann, stehen jetzt vor einer ganz anderen Frage: K\u00f6nnte es sein, dass sich die Grenzen bald von au\u00dfen schlie\u00dfen?<\/p>\n<p>Und anders als im Fr\u00fchjahr, als vor allem der Kanton Tessin mit seiner Grenze zu Italien und einzelne, dicht besiedelte St\u00e4dte wie Genf zu Corona-Hotspots wurden, trifft es dieses Mal nicht nur die Zentren, sondern auch die Bergregionen. <\/p>\n<p>Besonders ernst ist die Lage im innerschweizerischen Kanton Schwyz, einer Region, die sonst vor allem f\u00fcr sch\u00f6ne Seen und niedrige Steuern bekannt ist. Nun aber ist Schwyz zum Hotspot geworden: Mehr als hundert Neuinfektionen meldet der kleine Kanton t\u00e4glich, in den vergangenen 14 Tagen hat das Virus dort mehr als 400 von 100.000 Einwohnernerwischt. Und auch die Nachbarkantone Uri, Nidwalden und Zug melden hohe Zahlen. Das Robert Koch-Institut hat 10 der 26 Schweizer Kantone zu Risikogebieten erkl\u00e4rt, darunter auch die genannten Bergregionen.<\/p>\n<p>Schuld an der Misere k\u00f6nnte ein Jodler-Fest Ende September sein: Bei dem Musical &quot;Uf immer und ewig&quot; kamen an zwei Veranstaltungstagen gut 600 Personen zusammen &#8211; und wie das beim Jodeln so \u00fcblich ist, wurde laut und kr\u00e4ftig gesungen. Erst einige Tage nach der Veranstaltung wurde klar, dass ein Teil der Musiker auf der B\u00fchne infiziert war und an jenen Abenden nicht nur Jodelmusik, sondern auch Viren im Publikum verbreiteten. Trotz Schutzkonzept steckten sich viele Besucher an.<\/p>\n<p>Unterdessen sp\u00fcren vor allem die lokalen Krankenh\u00e4user die Folgen des Ausbruchs. Das Kantonsspital Schwyz hat ein Video ver\u00f6ffentlicht, in dem Reto N\u00fcesch, Chefarzt der Inneren Medizin, die Situationen vor Ort als &quot;zunehmend schlimm&quot; bezeichnet. Das Video ist mit dramatischer Musik unterlegt, die Botschaft, die Direktorin Franziska F\u00f6llmi an die Bev\u00f6lkerung richtet, ist deutlich: &quot;Tragen Sie Masken. Machen Sie keine Feste. Wir k\u00f6nnen das sonst nicht mehr stemmen.&quot;<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Foto:\u2002[M] Getty Images \/ DER SPIEGEL Noch vor wenigen Tagen schien in der Schweiz alles normal. 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