{"id":3260,"date":"2020-10-17T21:58:28","date_gmt":"2020-10-17T18:58:28","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/konstanz-luigi-pantisano-von-den-linken-konnte-oberburgermeister-werden\/"},"modified":"2020-10-17T21:58:28","modified_gmt":"2020-10-17T18:58:28","slug":"konstanz-luigi-pantisano-von-den-linken-konnte-oberburgermeister-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/konstanz-luigi-pantisano-von-den-linken-konnte-oberburgermeister-werden\/","title":{"rendered":"Konstanz: Luigi Pantisano von den Linken k\u00f6nnte Oberb\u00fcrgermeister werden"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/95a03053-ca79-4d78-9c9c-402661aa3565_w948_r1.77_fpx58.65_fpy50.jpg\" title=\"Luigi Pantisano\" alt=\"Luigi Pantisano\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Luigi Pantisano<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Julian Rettig  <\/figcaption><\/figure>\n<p>F\u00fcnf Minuten dauert Luigi Pantisanos Bewerbungsfilmchen. Man kann darin allerhand erfahren \u00fcber den Mann, der in Konstanz an die Macht will.  <\/p>\n<p>Dass er einst als Quartiersmanager in der Bodensee-Stadt arbeitete. Dass er davor mal in Tokio studiert hat. Dass er an der Uni Stuttgart Wissenschaftler war und derzeit im Gemeinderat der Landeshauptstadt sitzt &#8211; f\u00fcr ein B\u00fcndnis, das den Namen &quot;S\u00d6S&quot; tr\u00e4gt: Stuttgart \u00d6kologisch Sozial. <\/p>\n<p>Ein nicht ganz unwesentliches Detail erw\u00e4hnt Pantisano in dem Video aus dem Juni jedoch nicht: Dass er Mitglied bei den Linken ist &#8211; und seit 2017 einen gro\u00dfen Teil seiner Arbeitszeit im Wahlkreisb\u00fcro von Linksparteichef Bernd Riexinger verbringt.  <\/p>\n<p>Zum ersten Mal in ihrer Geschichte k\u00f6nnten die Linken im Westen Deutschlands einen Oberb\u00fcrgermeister stellen. Am Sonntag ist Stichwahl in Konstanz. Bei der ersten Abstimmung am 27. September lag Pantisano mit 38,3 Prozent auf Rang eins &#8211; knapp vor Amtsinhaber Uli Burchardt. <\/p>\n<p>Ein linker Triumph ausgerechnet in Baden-W\u00fcrttemberg? Im konservativen S\u00fcdwesten sind die Genossen landesweit nach wie vor Splitterpartei, im Konstanzer Gemeinderat stellen sie mit drei Sitzen neben der FDP die kleinste Fraktion. Stattdessen geben die Gr\u00fcnen als klar st\u00e4rkste Kraft den Ton an. Dahinter folgt Burchardts CDU. <\/p>\n<h3>Strahlendes Gr\u00fcn<\/h3>\n<p>Doch Pantisano hat ein Erfolgsrezept: \u00dcber seine eigene Partei redet er so wenig wie m\u00f6glich. Vom Rot der Linken ist auf Wahlplakaten und Flyern wenig zu sehen. Alles ist in strahlendem Gr\u00fcn gehalten. Auf seiner Website muss man eine Weile suchen, bis man einen knappen Hinweis auf Pantisanos Linken-Mitgliedschaft findet.  <\/p>\n<p>Prominent steht dort dagegen diese Botschaft: &quot;Ich bewerbe mich als unabh\u00e4ngiger und \u00fcberparteilicher Kandidat um Ihre Stimme bei der Oberb\u00fcrgermeisterwahl in Konstanz.&quot; <\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig? \u00dcberparteilich? <\/p>\n<p>&quot;Ich bin Linken-Mitglied, aber trete f\u00fcr ein breites B\u00fcndnis an und f\u00fchle mich nat\u00fcrlich diesem B\u00fcndnis verpflichtet&quot;, sagt Pantisano.  <\/p>\n<p>Generell, beteuert er, spiele in Baden-W\u00fcrttemberg die Parteimitgliedschaft bei B\u00fcrgermeisterkandidaturen kaum eine Rolle.\u202fWirklich nicht? Im Land der gr\u00fcnen Starb\u00fcrgermeister Boris Palmer (T\u00fcbingen) und Fritz Kuhn (Stuttgart)? <\/p>\n<p>Eher soll sie wohl in diesem speziellen Wahlkampf, seinem Wahlkampf, keine Rolle spielen.  <\/p>\n<p>Schlie\u00dflich haben die Linken ein Imageproblem. Im Bund stehen sie auch f\u00fcr Streit und ideologische Debatten, manche Genossen umgarnen Autokraten, und es ist l\u00e4ngst nicht entschieden, wie \u00f6kologisch die Linken wirklich sein wollen. <\/p>\n<p>Pantisano dagegen hat Klimaschutz zum Thema seines Wahlkampfs gemacht. Er fordert etwa eine autofreie Innenstadt, kostenlosen Nahverkehr und klimaneutrales Bauen.  <\/p>\n<p>Es ist eine kluge Strategie: Der 41-J\u00e4hrige spricht das gro\u00dfe gr\u00fcne Milieu in der Stadt an. Umweltfragen dominieren schon lange die Debatten in Konstanz. Letztes Jahr rief die Stadt symboltr\u00e4chtig den &quot;Klimanotstand&quot; aus.  <\/p>\n<h3>Distanz zur Partei<\/h3>\n<p>Pantisano wiederum muss sich in seiner Rolle nicht verstellen. Er war selbst einst Mitglied bei den Gr\u00fcnen.  <\/p>\n<p>Sogar die Distanz zur eigenen Partei kommt nicht von ungef\u00e4hr. Auch nach seinem Linken-Beitritt sitzt Pantisano ja weiter f\u00fcr S\u00d6S im Stuttgarter Gemeinderat. Sich von dem B\u00fcndnis zu l\u00f6sen, dem er seit vielen Jahren angeh\u00f6rt, k\u00e4me nicht infrage, sagt er.  <\/p>\n<p>Nun ist es nicht ungew\u00f6hnlich, dass sich B\u00fcrgermeisterkandidaten um einen \u00fcberparteilichen Auftritt bem\u00fchen. Pantisano-Konkurrent Burchardt tut dies ebenfalls. Doch die CDU-Mitgliedschaft des Amtsinhabers ist wahrlich kein Geheimnis: So ist er etwa zugleich deren Fraktionschef im Kreistag. <\/p>\n<p>Pantisano hingegen umkurvt das Thema Linkspartei so gut wie m\u00f6glich. Seine Gegner greifen ihn deshalb immer sch\u00e4rfer an.  <\/p>\n<h3>&quot;Klassischer linker Aktivist&quot;<\/h3>\n<p>Mitte September schrieb die Konstanzer CDU auf ihrer Facebookseite: &quot;Luigi Pantisano ist nicht der Kandidat der politischen Mitte, sondern ein klassischer linker Aktivist.&quot; Die Folge war ein regelrechter Sturm der Emp\u00f6rung.  <\/p>\n<p>&quot;Ich halte das, was Herr Pantisano macht, f\u00fcr wenig transparent&quot;, sagt Fabio Crivellari, Chef des CDU-Stadtverbands. &quot;Bis vor Kurzem wussten viele in der Stadt \u00fcberhaupt nicht, dass er bei den Linken ist.&quot; <\/p>\n<p>Pantisano streitet das ab. Er habe aus seiner Linken-Mitgliedschaft nie ein Geheimnis gemacht. Er sei nur eben kein Kandidat der Partei. <\/p>\n<p>Die Bundes-Linken versuchen trotzdem alles, um Pantisano nicht in die Quere zu kommen. Nach dem ersten Wahlgang habe es in der Bundestagsfraktion die klare Ansage gegeben, die Genossen sollten sich \u00f6ffentliche Kommentare zur Wahl am Bodensee bittesch\u00f6n verkneifen, berichten Abgeordnete.<\/p>\n<p>Die Sorge: Ein Jubelchor der Genossen k\u00f6nnte Pantisanos Wahlkampferz\u00e4hlung st\u00f6ren. <\/p>\n<p>Parteichef Bernd Riexinger betont, Pantisano sei f\u00fcr dessen Wahlkampf unbezahlt beurlaubt. Er selbst mische sich nicht ein.  <\/p>\n<p>Nur als \u00fcberparteilicher Kandidat hat Pantisano eine Chance, das wissen die Spitzengenossen in Berlin genau. Sie wissen auch, dass ein Wahlsieg trotzdem ein Zeichen w\u00e4re. Ein weiterer Schritt auf dem Weg in die bundesrepublikanische Normalit\u00e4t &#8211; nach der ersten westdeutschen Regierungsbeteiligung in Bremen. &quot;Man sieht doch, dass die Linke heute nicht mehr so starke Abwehrreflexe hervorruft&quot;, sagt Riexinger.  <\/p>\n<p>Doch es geht noch um mehr. Pantisanos Erfolg wirkt wie eine Best\u00e4tigung all jener in der Partei, die auf eine st\u00e4rkere Verankerung in Bewegungen pochen und \u00d6kologie als wichtiges Thema der Partei sehen. Allen voran: Riexinger.  <\/p>\n<h3>Modell f\u00fcr den Bund?<\/h3>\n<p>Der Parteichef reklamiert f\u00fcr sich, die Linke neu aufgestellt zu haben. Tats\u00e4chlich wachsen die Landesverb\u00e4nde im Westen tendenziell, w\u00e4hrend die Linke im Osten schrumpft. Die Genossen sprechen heute gezielt J\u00fcngere an, nicht mit Ostalgie, nicht mit Flie\u00dfbandfolklore oder Einwanderungskritik, sondern mit Antirassismus, Feminismus und Klimaschutz.  <\/p>\n<p>Einige in der Partei glauben, damit gebe die Linke ihre Stammw\u00e4hlerschaft auf und mache sich auf Dauer \u00fcberfl\u00fcssig. Andere wie Riexinger sind sicher, dass die Partei nur so langfristig Einfluss haben kann. Auch die wahrscheinlich neue Parteichefin Janine Wissler denkt so. <\/p>\n<p>Pantisanos Erfolg zeigt, dass dieses Kalk\u00fcl aufgehen kann &#8211; zumindest unter den richtigen Umst\u00e4nden und am richtigen Ort. K\u00f6nnte er nicht glaubhaft vermitteln, dass ihm Klimaschutz und Bewegungen wichtig sind, st\u00fcnde Pantisano jedenfalls nicht kurz vor dem Einzug ins Rathaus. <\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich wird Pantisano von einer breiten Allianz gest\u00fctzt. Gr\u00fcne, Linke, lokale Listen und zun\u00e4chst auch die SPD, die sp\u00e4ter einen eigenen Kandidaten aufstellte, hatten sich zusammengesetzt, um die CDU anzugreifen. Aus diesen Runden ging sp\u00e4ter das aktuelle B\u00fcndnis hervor &#8211; und Pantisano als Kandidat. <\/p>\n<p>Der Gr\u00fcne Samuel Hofer beteuert, es sei kein Problem, dass da ein Linker f\u00fcr die Gr\u00fcnen antrete, &quot;solange er der beste Kandidat ist&quot;. Und das sei Pantisano: &quot;Er hat Erfahrung in der Kommunalpolitik, er kennt die Stadt, ist Stadtplaner, hat Migrationsgeschichte, interessiert sich f\u00fcr Umwelt, ist gut vernetzt. Scherzhaft formuliert: W\u00e4re er eine Frau, w\u00e4re er f\u00fcr uns perfekt.&quot;<\/p>\n<p>Die lokale Gruppe von Fridays for Future (FFF) unterst\u00fctzt Pantisano zwar nicht offiziell, faktisch aber schon. Das zeigt ein Social-Media-Video, in dem FFF &quot;aus Klimaschutzsicht klar Luigi Pantisano empfehlen&quot;.  <\/p>\n<p>Die Fl\u00fcchtlingshilfegruppe Seebr\u00fccke hat sich wiederum offiziell hinter Pantisano gestellt. Es gibt zudem eine Liste von Gewerkschaftern, die sich f\u00fcr den Linkenpolitiker aussprechen.  <\/p>\n<p>&quot;Da w\u00e4chst etwas zusammen&quot;, sagt der Gr\u00fcne Hofer. <\/p>\n<p>Auf jeden Fall ist es ein B\u00fcndnis, das Pantisano zum Sieg tragen k\u00f6nnte. Selbst in der Union f\u00fcrchten sie, die Wahl zu verlieren. <\/p>\n<p>Es w\u00e4re wieder eine Premiere in Konstanz, nachdem hier 1996 erstmals ein Gr\u00fcner in Deutschland zum Oberb\u00fcrgermeister gew\u00e4hlt worden war.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Luigi Pantisano Foto:\u2002Julian Rettig F\u00fcnf Minuten dauert Luigi Pantisanos Bewerbungsfilmchen. Man kann darin allerhand erfahren \u00fcber den Mann, der in Konstanz an die Macht will. 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