{"id":3254,"date":"2020-10-17T17:56:05","date_gmt":"2020-10-17T14:56:05","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-warum-peter-altmaiers-forderprogramm-fur-luftfilter-nichts-bringt\/"},"modified":"2020-10-17T17:56:05","modified_gmt":"2020-10-17T14:56:05","slug":"coronavirus-warum-peter-altmaiers-forderprogramm-fur-luftfilter-nichts-bringt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-warum-peter-altmaiers-forderprogramm-fur-luftfilter-nichts-bringt\/","title":{"rendered":"Coronavirus: Warum Peter Altmaiers F\u00f6rderprogramm f\u00fcr Luftfilter nichts bringt"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/d44681a6-c850-457c-8dfe-54519ba837c1_w948_r1.77_fpx40_fpy57.jpg\" title=\"Mobile Luftfilteranlagen k\u00f6nnen sich auch Bars und Restaurants problemlos beschaffen. Allerdings f\u00f6rdert die Regierung solche Sofortma\u00dfnahmen nicht\" alt=\"Mobile Luftfilteranlagen k\u00f6nnen sich auch Bars und Restaurants problemlos beschaffen. Allerdings f\u00f6rdert die Regierung solche Sofortma\u00dfnahmen nicht\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Mobile Luftfilteranlagen k\u00f6nnen sich auch Bars und Restaurants problemlos beschaffen. Allerdings f\u00f6rdert die Regierung solche Sofortma\u00dfnahmen nicht<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Ben Hasty \/ MediaNews Group \/ Getty Images  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Winter kommt. Doch egal wie gut ein Haus ged\u00e4mmt ist: Es k\u00f6nnte in vielen Stuben kalt werden. Denn das Umweltbundesamt empfiehlt das L\u00fcften gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus in Innenr\u00e4umen. In Schulen k\u00f6nnten die Sch\u00fcler bald mit M\u00fctze und Handschuhen unterrichtet werden, und auch in Bars und Restaurants d\u00fcrfte es bei Rotwein und Pasta frisch werden.<\/p>\n<p>Einziger Ausweg aus diesem Winter-Corona-Dilemma sind Luftfilteranlagen. Mit ihnen k\u00f6nnen Coronaviren aus der Luft gefangen werden &#8211; ganz ohne das l\u00e4stige L\u00fcften. Vor Corona ziemlich sicher sein und trotzdem im Warmen &#8211; in diesen Zeiten ein echter Traum. Was liegt da n\u00e4her als die schnelle Umr\u00fcstung aller \u00f6ffentlicher Einrichtungen, L\u00e4den und Restaurants mit den Wundermaschinen?<\/p>\n<p>Doch das Naheliegende ist komplizierter als gedacht: Zwar hat das Bundeswirtschaftsministerium ein F\u00f6rderprogramm f\u00fcr Raumluftanlagen aufgelegt. Das soll n\u00e4chste Woche in Kraft treten, 40 Prozent der Kosten beisteuern und &quot;den Infektionsschutz erh\u00f6hen&quot;, wie das BMWi auf SPIEGEL-Anfrage schreibt. Doch die l\u00f6bliche Initiative von Minister Peter Altmaier geht komplett an der Realit\u00e4t vorbei.<\/p>\n<h3>Zu umst\u00e4ndlich, zu langwierig<\/h3>\n<p>Der Ansicht sind jedenfalls Wissenschaftler wie Christian K\u00e4hler, die sich seit Jahren mit Aerosolpartikeln und deren Ausbreitung und Vermischung im Raum besch\u00e4ftigen: &quot;Damit wird kein einziges Leben gerettet&quot;, sagt der Physiker vom Institut f\u00fcr Str\u00f6mungsmechanik und Aerodynamik der Universit\u00e4t der Bundeswehr M\u00fcnchen im Gespr\u00e4ch mit dem SPIEGEL.<\/p>\n<p>Seine Kritik: Das Ministerium f\u00f6rdert nur station\u00e4re L\u00fcftungsanlagen, die umst\u00e4ndlich in W\u00e4nde und Decken eingezogen werden m\u00fcssen. &quot;Um Genehmigungen f\u00fcr solche Anlagen in \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden zu bekommen, vergehen mindestens zwei Jahre&quot;, so K\u00e4hler. Deshalb sei das Programm auch bis 2024 befristet. &quot;In diesem und auch im n\u00e4chsten Winter n\u00fctzt dieses F\u00f6rderprogramm niemandem etwas.&quot;<\/p>\n<p>Auch Nachr\u00fcstungen von bereits verbauten Luftanlagen seien kaum m\u00f6glich, erkl\u00e4rt der Forscher. Dazu m\u00fcssten sehr umfangreiche und teure Umbauten an den Anlagen gemacht werden und auch dazu br\u00e4uchte man eine Genehmigung, die nicht so schnell zu haben ist.<\/p>\n<h3>Einziger Ausweg: Mobile Filteranlagen<\/h3>\n<p>Der schnellste Weg, die R\u00e4ume sicherer zu machen, sind laut Forschern wie K\u00e4hler deshalb mobile Raumluftreiniger. Allerdings werden diese nicht von der Regierung gef\u00f6rdert. &quot;Hier wird eindeutig die falsche Branche mit staatlichen Geldern versorgt&quot;, sagt K\u00e4hler.<\/p>\n<p>Die mobilen Ger\u00e4te sind einen halben bis zu einem Meter gro\u00df und k\u00f6nnen sofort in jeden beliebigen Raum gestellt werden. Sie saugen die Luft meist von unten an und pusten sie dann durch einen speziellen Filter wieder zur\u00fcck in den Raum. Vorteil: Es sind keine Umbauarbeiten n\u00f6tig oder das Aufrei\u00dfen von W\u00e4nden.<\/p>\n<p>Vor der Corona-Pandemie wurden die Anlagen vor allem f\u00fcr die Reinigung der Luft beispielsweise von Pollen genutzt, um Allergiker zu sch\u00fctzen. In Krankenh\u00e4usern und Mikrobiologischen Laboren kommen sie mit besonders sensiblen Filtern schon jahrzehntelang zum Einsatz.<\/p>\n<p>Mehrere Studien empfehlen die Luftfilter nun auch gegen Coronaviren. Wissenschaftler der Goethe-Universit\u00e4t in Frankfurt am Main testeten die Ger\u00e4te in Klassenr\u00e4umen. Diese h\u00e4tten die Virenkonzentration in einem Klassenraum innerhalb einer halben Stunde um 90 Prozent gesenkt. Das Risiko einer Ansteckung verringere sich um den Faktor sechs, wenn sich ein Superspreader in einem Raum mit einem Luftreiniger befinde, schreiben die Wissenschaftler. &quot;Der Einsatz von mobilen Ger\u00e4ten ist in der jetzigen Situation sicherlich schneller und einfacher umsetzbar&quot;, erkl\u00e4rt Studienautor Joachim Curtius. &quot;Eine hundertprozentige Sicherheit kann es bei Corona allerdings nie geben, aber die Filter reduzieren das Risiko.&quot;<\/p>\n<h3>Luftreiniger mit Virenfunktion<\/h3>\n<p>Bisher waren Raumluftfilter mit einer Virenfunktion selten. Der Grund: Das war vor Corona einfach nicht notwendig. Allergene Pollen sind beispielsweise bedeutend gr\u00f6\u00dfer als Corona-Luftpartikel. Um diese herauszufiltern, m\u00fcssen die Ger\u00e4te Partikel erfassen, die kleiner sind als ein Mikrometer. Dazu braucht es neben den normalen Filtern gegen den groben Schmutz sogenannte HEPA-Filter (f\u00fcr: High Efficiency Particulate Air) der Qualit\u00e4tsstufe H13 oder H14.<\/p>\n<p>An der Bundeswehr-Universit\u00e4t testete der Physiker Christian K\u00e4hler mit seinem Team bereits vor einigen Monaten solche hochsensiblen Ger\u00e4te. Die Forscher wollten wissen, ob mit Coronaviren belastete Aerosole auch wirklich an den Filtern h\u00e4ngen bleiben und nicht wieder in den Raum gewirbelt werden.<\/p>\n<p>Aerosole sind st\u00e4ndig in unserer Luft. Sie gelangen beispielsweise beim Ausatmen, Niesen und Husten in unsere Umwelt. Coronaviren heften sich an diese Luftpartikel und verbreiten sich so weiter.<\/p>\n<p>In K\u00e4hlers Studie testeten die Forscher den Raumluftfilter eines Ger\u00e4tes der Firma Trotec und kamen zum Schluss, dass dieser Aerosolpartikel bis auf eine Gr\u00f6\u00dfe von 0,1 bis 0,3 Mikrometern sehr zuverl\u00e4ssig abfangen kann. In einem Raum von 80 Quadratmetern Gr\u00f6\u00dfe &#8211; beispielsweise ein mittleres Restaurant oder eine Bar &#8211; k\u00f6nne die Konzentration von Aerosolen &quot;innerhalb von kurzer Zeit&quot; auf ein &quot;geringes Ma\u00df&quot; verringert werden. Allerdings kosten solche Ger\u00e4te auch rund 3000 Euro. Auf einige Modelle m\u00fcssen K\u00e4ufer laut Auskunft auf deren Websites bereits jetzt wochenlang warten.<\/p>\n<p>Beim Ger\u00e4tekauf sollte man weniger auf den Preis als auf drei Kriterien achten, erkl\u00e4rt K\u00e4hler. Sonst n\u00fctzten die Anlagen schlicht nichts:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Wichtig ist die Gr\u00f6\u00dfe des Raumes. Grunds\u00e4tzlich gilt: Das Ger\u00e4t muss das Sechsfache des Raumvolumens filtern k\u00f6nnen. Bei einem Raum von 200 Kubikmetern muss eine Anlage gekauft werden, die 1200 Kubikmeter pro Stunde filtern kann.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Das Ger\u00e4t muss einen HEPA-Filter der Klasse H13 oder H14 besitzen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Das Modell sollte m\u00f6glichst leise sein, sonst besteht die Gefahr, dass es aus L\u00e4rmgr\u00fcnden \u00f6fter abgeschaltet wird.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Jetzt sind die L\u00e4nder gefragt<\/h3>\n<p>Forscher Curtius h\u00e4lt es f\u00fcr sehr sinnvoll, mehrere kleine Ger\u00e4te einzusetzen. Das deckt den Raum besser ab, als ein gro\u00dfes Ger\u00e4t. Au\u00dferdem m\u00fcsse man die Vorfilter regelm\u00e4\u00dfig reinigen. Den Empfehlungen der Forscher schlie\u00dft sich auch der Verbraucherzentrale Bundesverband an. Zus\u00e4tzlich sollte noch darauf geachtet werden, dass die Anlagen nicht mit Ozon arbeiten, weil das die Luft mit gesundheitssch\u00e4dlichen Stoffen belasten w\u00fcrde. Allerdings seien die Luftfilter nur eine Erg\u00e4nzung zum L\u00fcften, so der Verband.<\/p>\n<p>K\u00e4hler sieht das anders. Raumluftfilter sind f\u00fcr den Wissenschaftler allemal effizienter als das Aufrei\u00dfen der Fenster. Deshalb kann er auch \u00fcber die Handreichung des Umweltbundesamtes zum Thema &quot;L\u00fcften in Schulen&quot; nur mit dem Kopf sch\u00fctteln: &quot;Da fehlt es einfach an str\u00f6mungsmechanischer Kompetenz.&quot;<\/p>\n<p>L\u00fcften sei gleich in doppelter Hinsicht ineffizient: Es werde sehr viel Energie verschwendet. Gleichzeitig w\u00fcrde die Luft nicht ausreichend ausgetauscht. &quot;Selbst das geringe L\u00fcftungsziel des Umweltbundesamtes (drei Luftwechsel pro Stunde) wird in der Praxis nicht erreicht werden&quot;, meint K\u00e4hler. Aufgrund der Gef\u00e4hrlichkeit des Virus sei die Empfehlung von drei Luftwechseln zu niedrig. &quot;F\u00fcr einen echten Schutz vor einer indirekten Infektion im Winter sind Raumluftreiniger unentbehrlich&quot;, so K\u00e4hler. Dar\u00fcber hinaus pl\u00e4diert er in Schulen f\u00fcr transparente Schutzw\u00e4nde zwischen Kindern.<\/p>\n<p>Da die Bundesregierung die mobilen Luftfilter nicht f\u00f6rdert, m\u00fcssen nun die L\u00e4nder t\u00e4tig werden: Als erstes Bundesland hat Bayern angek\u00fcndigt, die Ger\u00e4te f\u00fcr Schulen anzuschaffen.<\/p>\n<p>Doch auch hier bleiben Restaurants, Hotels oder Bars wieder au\u00dfen vor. Der Deutsche Hotel- und Gastst\u00e4ttenverband fordert zumindest, das F\u00f6rderprogramm des Bundes auszuweiten. Bei den mobilen Raumfiltern ist der Verband eher zur\u00fcckhaltend: Man k\u00f6nne nicht einsch\u00e4tzen, ob mobile Raumluftreiniger in der Praxis auch tats\u00e4chlich in der Lage sind, die Raumluft zu reinigen, weil durch die Bewegung von Personen die Luftstr\u00f6me stark beeinflusst werden, hei\u00dft es.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Mobile Luftfilteranlagen k\u00f6nnen sich auch Bars und Restaurants problemlos beschaffen. 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