{"id":32427,"date":"2026-07-13T22:26:12","date_gmt":"2026-07-13T19:26:12","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/russen-misstrauen-dem-kreml-schliest-sich-bald-wieder-der-eiserne-vorhang\/"},"modified":"2026-07-13T22:26:12","modified_gmt":"2026-07-13T19:26:12","slug":"russen-misstrauen-dem-kreml-schliest-sich-bald-wieder-der-eiserne-vorhang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/russen-misstrauen-dem-kreml-schliest-sich-bald-wieder-der-eiserne-vorhang\/","title":{"rendered":"Russen misstrauen dem Kreml: Schlie\u00dft sich bald wieder der Eiserne Vorhang?"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Politik<\/p>\n<h2>Russen misstrauen dem KremlSchlie\u00dft sich bald wieder der Eiserne Vorhang?<\/h2>\n<p>13.07.2026, 20:07 Uhr <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/incoming\/Artur-Weigandt-id30760145.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/30760148\/1777303281\/Img_1_1\/36\/Artur Weigandt.webp\" alt=\"Artur Weigandt\"\/>Von Artur Weigandt<\/a>Artikel anh\u00f6ren(07:05 min)<audio src=\"https:\/\/mp3.n-tv.de\/2026\/07\/TTSART_31080889_20260713200819-radleg2.mp3\"><\/audio>00:00 \/ 07:05<\/p>\n<ul>\n<li>0.5x<\/li>\n<li>0.8x<\/li>\n<li>1.0x<\/li>\n<li>1.2x<\/li>\n<li>1.5x<\/li>\n<li>2.0x<\/li>\n<\/ul>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/31081108\/1783959350\/Img_16_9\/1024\/Russia-Moscow-Tourists-from-China-who-arrived-on-a-visa-free-regime-On-August-10-the-first-group-of-tourists-from-China-arrived-in-Russia-under-the-agreement-on-group-visa-free-exchange.webp\" alt=\"Russia-Moscow-Tourists-from-China-who-arrived-on-a-visa-free-regime-On-August-10-the-first-group-of-tourists-from-China-arrived-in-Russia-under-the-agreement-on-group-visa-free-exchange\"\/><figcaption>Glaubt man Berichten, die in Russland kursieren, k\u00f6nnten Russen bald wieder ein Ausreisevisum ben\u00f6tigen, um ihr Land zu verlassen. (Foto: IMAGO\/Russian Look)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Berichte besagen, Russen k\u00f6nnten f\u00fcr Auslandsreisen bald wieder staatliche Erlaubnis ben\u00f6tigen. Der Kreml bestreitet das, doch der Freiraum der Bev\u00f6lkerung schrumpft bereits jetzt.<\/p>\n<p>Wer die Sowjetunion verlassen wollte, brauchte die Erlaubnis des Staates. Das Ausreisevisum war das b\u00fcrokratische R\u00fcckgrat des Eisernen Vorhangs: Nicht Mauern und Stacheldraht hielten die meisten B\u00fcrger im Land, sondern ein Stempel, der fehlte. Als Boris Jelzin die Ausreisefreiheit Anfang der neunziger Jahre gesetzlich verankerte, galt das als eine der greifbarsten Errungenschaften der neuen Zeit. Umso gr\u00f6\u00dfer ist die Unruhe, seit in der vergangenen Woche Berichte kursieren, das russische Au\u00dfenministerium arbeite an der R\u00fcckkehr eben jenes Instruments.<\/p>\n<p>Den Anfang machte am Freitag der regierungskritische Telegram-Kanal Moschem objasnit (&quot;Wir k\u00f6nnen es erkl\u00e4ren&quot;), der sich auf Gespr\u00e4chspartner in russischen Diplomatenkreisen und im Umfeld der Pr\u00e4sidialverwaltung berief. Demnach bereite das Au\u00dfenministerium einen Gesetzentwurf vor, der Ausreisevisa f\u00fcr Auslandsreisen russischer B\u00fcrger vorsehe. F\u00fcr Reisen in Staaten, die auf der Kreml-Liste der &quot;unfreundlichen L\u00e4nder&quot; stehen &#8211; darunter alle EU-Mitglieder au\u00dfer Ungarn und der Slowakei sowie die \u00fcbrigen NATO-Staaten -, sollten demnach besonders strenge Regeln gelten. <\/p>\n<h2>Moskaus Reaktion war scharf<\/h2>\n<p>Reisen w\u00e4ren nur noch in organisierten Gruppen von mindestens zehn Personen m\u00f6glich, in Begleitung und auf einer vorab genehmigten Route. Begr\u00fcndet werden solle das Ganze mit der &quot;Sicherheit&quot; der B\u00fcrger im Ausland. Eine mit den Diskussionen vertraute Quelle des Kanals brachte die Logik auf den Punkt: Es k\u00f6nne nicht sein, dass man einfach ein Ticket kaufe und losfliege &#8211; der Staat m\u00fcsse seine Erlaubnis geben.<\/p>\n<p>Das Exilmedium &quot;Nowaja Gaseta Europa&quot; und andere unabh\u00e4ngige Redaktionen griffen die Meldung auf. Die Reaktion aus Moskau lie\u00df nicht lange auf sich warten &#8211; und fiel ungew\u00f6hnlich scharf aus. Die Sprecherin des Au\u00dfenministeriums, Maria Sacharowa, nannte die Berichte gegen\u00fcber der staatlichen Nachrichtenagentur TASS &quot;Achinee&quot;, also blanken Unsinn, und sprach von &quot;klassischem Auslandsagententum&quot;.  Eine Anspielung darauf, dass der Kanal Moschem objasnit in Russland als &quot;ausl\u00e4ndischer Agent&quot; eingestuft ist. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/videos\/politik\/Im-Ukraine-Krieg-buhlen-Putin-und-Selenskyj-um-Trumps-Gunst-id31049419.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Screenshot 2026-07-05 101450\"\/>Vor Nato-Gipfel kommende WochePutin will Trump wohl mit &quot;Kriegserfolgen&quot; beeindrucken<\/a><\/p>\n<p>Bemerkenswert ist dabei weniger die Wortwahl als die Begr\u00fcndung: Ausreisevisa, so Sacharowa, seien mit der russischen Verfassung unvereinbar. Tats\u00e4chlich garantiert Artikel 27 der Verfassung jedem B\u00fcrger das Recht, die Russische F\u00f6deration ungehindert zu verlassen. Dass ausgerechnet das Au\u00dfenministerium eines Staates, der in den vergangenen Jahren wenig Skrupel im Umgang mit seiner Verfassung gezeigt hat, sich nun auf sie beruft, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.<\/p>\n<p>Ein Ausreisevisum brauchen russische B\u00fcrger bis heute nicht, und auch formal gibt es nichts Greifbares: In der Staatsduma liegt kein entsprechender Entwurf, es existiert weder eine Drucksachennummer noch ein Gesetzestext. Neu ist das Muster ebenfalls nicht &#8211; schon im Juli 2022, wenige Monate nach Beginn der Vollinvasion, hatte das Au\u00dfenministerium \u00e4hnliche Ger\u00fcchte dementiert. Damals versicherte der Vizedirektor der Informationsabteilung, Alexej Saizew, spezielle Ausreisevisa seien nicht geplant. <\/p>\n<p>Beschr\u00e4nkungen bestehen nur f\u00fcr bestimmte Gruppen: Wehrpflichtige und Mobilisierte, Personen mit laufenden Vollstreckungsverfahren &#8211; und vor allem Tr\u00e4ger von Staatsgeheimnissen, deren Auslandsreisen genehmigungspflichtig sind und die seit 2024 jede Reise mindestens drei\u00dfig Tage im Voraus dem Inlandsgeheimdienst FSB und dem Auslandsgeheimdienst SWR melden m\u00fcssen. <\/p>\n<h2>Ausreisesperre durch Kriegsrecht?<\/h2>\n<p>F\u00fcr Beamte, Sicherheitskr\u00e4fte und Mitarbeiter staatsnaher Betriebe gelten seit Kriegsbeginn informelle, teils auch formelle Reiseverbote, die das Regime nie als das bezeichnet hat, was sie sind. Ein fl\u00e4chendeckendes Ausreisevisum aber existiert nicht &#8211; noch nicht, muss man vielleicht hinzuf\u00fcgen. Denn die russische Gesetzgebung zum Kriegsrecht sieht durchaus vor, dass die Bewegungsfreiheit im Fall seiner Verh\u00e4ngung eingeschr\u00e4nkt werden kann. <\/p>\n<p>In den annektierten ukrainischen Gebieten gilt es seit Oktober 2022, in mehreren Grenzregionen und auf der Krim ein Regime &quot;mittlerer Reaktionsstufe&quot; &#8211; landesweit verh\u00e4ngt ist das Kriegsrecht bislang nicht. Genau darin sehen einige unabh\u00e4ngige russische Medien die eigentliche Pointe der Meldung. Sie deuten sie als Versuchsballon, mit dem die \u00f6ffentliche Reaktion auf eine m\u00f6gliche Ausweitung des Kriegsrechts getestet werden k\u00f6nnte &#8211; ein Schritt, der eine vollst\u00e4ndige Ausreisesperre erlauben w\u00fcrde, ganz ohne neues Visagesetz.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Wie-Russland-seine-Armee-auffuellt-ohne-es-zuzugeben-id31058706.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Russian-Federation-Saint-Petersburg-The-inscription-is-Service-under-Contract-Service-in-the-armed-forces-Russian-Federation-Saint-Petersburg-The-inscription-is-Service-under-Contract-Service-in-the-armed-forces\"\/>Schattenmobilisierung des KremlWie Russland seine Armee auff\u00fcllt, ohne es zuzugeben<\/a><\/p>\n<p>Dass ein Dementi von Sacharowa die Ger\u00fcchte nicht restlos zerstreut, hat Gr\u00fcnde. Zu oft folgte in den vergangenen Jahren auf ein emp\u00f6rtes &quot;Unsinn&quot; aus Moskau sp\u00e4ter genau das, was zuvor dementiert worden war &#8211; von der Mobilmachung bis zu einzelnen Kapitalverkehrskontrollen. Und das Misstrauen speist sich aus einer realen Entwicklung: Der Raum, in dem sich russische B\u00fcrger frei bewegen k\u00f6nnen, schrumpft ohnehin, von beiden Seiten. Die EU diskutiert derzeit im Rahmen ihres 21. Sanktionspakets ein Visaverbot f\u00fcr russische Kombattanten. Mehrere Mitgliedstaaten, zuletzt die Slowakei, haben die Ausstellung von Touristenvisa an russische Staatsb\u00fcrger ganz eingestellt. Erst im Juni lie\u00dfen russische Banken auf Grundlage eines Putin-Dekrets Konten von B\u00fcrgern &quot;unfreundlicher&quot; Staaten einfrieren.<\/p>\n<p>So gesehen ist die Aufregung um die Ausreisevisa auch dann aufschlussreich, wenn an dem Bericht nichts dran sein sollte. Sie zeigt, f\u00fcr wie plausibel viele Russen es inzwischen halten, dass der Staat ihnen die Ausreise wieder genehmigen lassen k\u00f6nnte &#8211; und wie d\u00fcnn das Vertrauen in offizielle Dementis geworden ist. Der Eiserne Vorhang ist nicht zur\u00fcck. Aber die Frage, ob er es sein k\u00f6nnte, wird in Russland wieder ernsthaft gestellt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politik Russen misstrauen dem KremlSchlie\u00dft sich bald wieder der Eiserne Vorhang? 13.07.2026, 20:07 Uhr Von Artur WeigandtArtikel anh\u00f6ren(07:05 min)00:00 \/ 07:05 0.5x 0.8x 1.0x 1.2x 1.5x 2.0x Glaubt man Berichten,<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-32427","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32427","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=32427"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32427\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=32427"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=32427"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=32427"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}