{"id":32386,"date":"2026-07-06T22:36:24","date_gmt":"2026-07-06T19:36:24","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/reisners-blick-auf-die-front-das-ist-eine-entscheidende-wendung-in-diesem-konflikt\/"},"modified":"2026-07-06T22:36:24","modified_gmt":"2026-07-06T19:36:24","slug":"reisners-blick-auf-die-front-das-ist-eine-entscheidende-wendung-in-diesem-konflikt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/reisners-blick-auf-die-front-das-ist-eine-entscheidende-wendung-in-diesem-konflikt\/","title":{"rendered":"Reisners Blick auf die Front: &#8220;Das ist eine entscheidende Wendung in diesem Konflikt&#8221;"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Politik<\/p>\n<h2>Reisners Blick auf die Front&quot;Das ist eine entscheidende Wendung in diesem Konflikt&quot;<\/h2>\n<p>06.07.2026, 18:10 Uhr <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/autoren\/Lea-Verstl-article23006163.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/2852517\/1639738243\/Img_1_1\/36\/verstl.webp\" alt=\"verstl\"\/>Interview von Lea Verstl<\/a>Artikel anh\u00f6ren(09:44 min)<audio src=\"https:\/\/mp3.n-tv.de\/2026\/07\/TTSART_31053579_20260706181043-radleg2.mp3\"><\/audio>00:00 \/ 09:44<\/p>\n<ul>\n<li>0.5x<\/li>\n<li>0.8x<\/li>\n<li>1.0x<\/li>\n<li>1.2x<\/li>\n<li>1.5x<\/li>\n<li>2.0x<\/li>\n<\/ul>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/31053900\/1783351200\/Img_16_9\/1024\/Auf-diesem-vom-Pressedienst-der-65-mechanisierten-Brigade-der-Ukraine-via-AP-zur-Verfuegung-gestellten-Foto-ueben-Soldaten-auf-einem-Truppenuebungsplatz-nahe-der-Frontlinie-in-der-Region-Saporischschja-militaerische-Fertigkeiten.webp\" alt=\"Auf-diesem-vom-Pressedienst-der-65-mechanisierten-Brigade-der-Ukraine-via-AP-zur-Verfuegung-gestellten-Foto-ueben-Soldaten-auf-einem-Truppenuebungsplatz-nahe-der-Frontlinie-in-der-Region-Saporischschja-militaerische-Fertigkeiten\"\/><figcaption>Die russischen Truppen versuchen, die Versorgungslinien der verbliebenen ukrainischen Einheiten bei Kostjantyniwka zu kappen. (Foto: picture alliance\/dpa\/Ukrainian 65 Mechanized brigade\/AP)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Russen wollen Kostjantyniwka eingenommen haben, aber die ukrainische Seite sieht das anders. Pr\u00e4sident Putin sch\u00e4tze die Lage aufgrund von Fehlinformationen falsch ein, sagt Markus Reisner. Zudem gibt dem Oberst eine Aussage von Kreml-Sprecher Peskow Anlass zur Sorge.<\/p>\n<p>ntv.de: Die Truppen des Kremls haben einen neuen Gro\u00dfangriff auf Kiew gestartet, eingesetzt werden Drohnen, Marschflugk\u00f6rper und ballistische Raketen. Warum spricht Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyj davon, gegen ballistische Raketen faktisch machtlos zu sein?<\/p>\n<p>Markus Reisner: Selenskyj spricht \u00fcber die bestehende Herausforderung bei der Abwehr der russischen Marschflugk\u00f6rper und ballistischen Raketen aufgrund des Mangels an entsprechenden Abwehrsystemen der weitreichenden Fliegerabwehr. Konkret geht es hier vor allem um Patriot-Abwehrraketen vom Typ PAC-2 sowie PAC-3, von denen die Ukraine zu wenig hat. Bereits im letzten Januar sind der Ukraine die Patriot-Raketen ausgegangen, was dazu gef\u00fchrt hat, dass drei wichtige W\u00e4rmekraftwerke in Kiew zerst\u00f6rt oder besch\u00e4digt worden sind. Das Gleiche erleben wir jetzt. Die Ukraine kann langsam fliegende Drohnen zu 80 bis 90 Prozent abschie\u00dfen, aber sie tut sich wegen des Mangels an Patriot-Raketen schwer, die russischen Marschflugk\u00f6rper und die ballistischen Raketen abzuwehren. <\/p>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Markus-Reisner-ist-Historiker-und-Rechtswissenschaftler-Oberst-des-Generalstabs-im-Oesterreichischen-Bundesheer-und-Leiter-des-Institutes-fuer-Offiziersgrundausbildung-an-der-Theresianischen-Militaerakademie-Wissenschaftlich-arbeitet-er-u-a-zum-Einsatz-von-Drohnen-in-der-modernen-Kriegsfuehrung-Jeden-Montag-bewertet-er-fuer-ntv-de-die-Lage-an-der-Ukraine-Front\"\/><figcaption>Markus Reisner ist Historiker und Rechtswissenschaftler, Oberst des Generalstabs im \u00d6sterreichischen Bundesheer und Leiter des Institutes f\u00fcr Offiziersgrundausbildung an der Theresianischen Milit\u00e4rakademie. Wissenschaftlich arbeitet er u.a. zum Einsatz von Drohnen in der modernen Kriegsf\u00fchrung. Jeden Montag bewertet er f\u00fcr ntv.de die Lage an der Ukraine-Front. (Foto: privat)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Selenskyj sagt, der politische Wille der USA reiche aus, um den Patriot-Mangel zu beheben. Liegt das wirklich nur am politischen Willen oder stecken auch industrielle Hindernisse dahinter?<\/p>\n<p>Von den Fliegerabwehrraketen vom Typ Patriot werden circa 650 St\u00fcck im Jahr produziert. Patriot ist momentan aber \u00e4u\u00dferst gefragt aufgrund des Krieges im Iran und in den Golfstaaten. Die Ukraine hat den USA deshalb angeboten, auf Lizenzbasis diese Patriot-Raketen in der Ukraine zu fertigen. Die Antwort bleibt bis heute aus. Europa k\u00f6nnte das eigentlich kompensieren, da dort ein \u00e4hnliches System wie Patriot hergestellt wird: SAMP\/T. Allerdings werden pro Jahr nur circa 100 bis 150 St\u00fcck der SAMP\/T-Fliegerabwehrraketen hergestellt. Die europ\u00e4ische Produktion wurde seit Beginn der russischen Invasion nicht gesteigert. Das w\u00e4re aber notwendig, um einerseits die Ukraine zu unterst\u00fctzen und andererseits die nationalen Best\u00e4nde aufzuf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Wie bewerten Sie Selenskyjs Vorschlag, die Patriots auf europ\u00e4ischem Boden herzustellen?<\/p>\n<p>Wenn die USA nicht m\u00f6chten, dass Patriot-Raketen auf Lizenzbasis in der Ukraine produziert werden, w\u00e4re das ein Kompromissvorschlag. Aber auch daf\u00fcr gibt es noch keine Zusage der USA. Bislang kaufen die Europ\u00e4er Patriot-Raketen bei den USA, um sie dann an die Ukraine zu liefern &#8211; oder sie liefern aus ihren nationalen Best\u00e4nden. Monat f\u00fcr Monat wird der Ukraine so eine zweistellige Zahl an Patriot-Raketen zur Verf\u00fcgung gestellt. Das ist viel zu wenig. Denn die Russen haben eine konstante Produktionsrate von circa 100 bis 150 ballistischen Raketen und Marschflugk\u00f6rpern pro Monat. Das gibt ihnen die M\u00f6glichkeit, quasi auch laufend schwere Angriffe durchzuf\u00fchren. Die Ukraine br\u00e4uchte somit mindestens 150 St\u00fcck Patriot-Raketen pro Monat. Von diesen verf\u00fcgbaren St\u00fcckzahlen ist man weit entfernt. Der Angriff letzte Nacht hat dies wieder gezeigt.<\/p>\n<p>Kremlsprecher Dmitri Peskow sagt, die &quot;milit\u00e4rische Spezialoperation&quot; habe sich zu einem echten Krieg entwickelt, da westliche L\u00e4nder in den Konflikt hineingezogen worden seien. Ist das eine Drohgeb\u00e4rde, auch in Richtung Berlin?<\/p>\n<p>Das ist eine entscheidende Wendung in diesem Konflikt. Zum ersten Mal spricht ein Offizieller des Kremls eindeutig davon, dass es keine milit\u00e4rische Spezialoperation sei, sondern ein echter Krieg. Das ist wichtig mit Blick auf die russische Doktrin der Kriegseinstufung. Russland kennt vier Stufen des Konflikts: den lokalen, regionalen, gro\u00dfen und den globalen Krieg. Beim \u00dcbergang vom regionalen zum gro\u00dfen Krieg kann es laut der russischen Doktrin zum Einsatz von Nuklearwaffen kommen. Unter russischen Milit\u00e4rtheoretikern und -bloggern wird diskutiert, ob eventuell bereits in einem regionalen Krieg ein nuklearer Einsatz notwendig sein k\u00f6nnte. Peskow signalisiert vor allem den USA mit der Aussage die Bereitschaft des Kremls, den Konflikt weiter zu eskalieren. Die USA sind der Adressat dieser Botschaft, weil sie der Ukraine noch immer intensiv bei der Zielaufkl\u00e4rung und -zuweisung helfen.<\/p>\n<p>Rasselt der Kreml jetzt mit den S\u00e4beln, weil die ukrainischen Schl\u00e4ge auf Raffinerien und \u00d6ldepots zu einer Energiekrise in Russland f\u00fchren?<\/p>\n<p>Ja. Nach ukrainischen Angaben sind durch die Schl\u00e4ge 43 Prozent der Erd\u00f6l- und Raffineriekapazit\u00e4t der Russen getroffen. Russland steht deshalb vor zwei Herausforderungen. Einerseits muss sie die Versorgung der eigenen Bev\u00f6lkerung und Streitkr\u00e4fte mit Treibstoffen sicherstellen, andererseits den Export, um die Kriegskasse aufzuf\u00fcllen. Peskow k\u00f6nnte signalisieren, dass man nicht bereit ist zu akzeptieren, dass die Ukraine in dieser Form weiter unterst\u00fctzt wird. Es gibt zwei grunds\u00e4tzliche Denkschulen zur Einordnung der russischen Drohungen. Die eine sagt: Das ist alles ein Bluff der Russen. Sie \u00fcbertreiben ma\u00dflos und es wird nicht dazu kommen, dass sie zum Beispiel auch Nuklearwaffen einsetzen, sei es auch nur zur Abschreckung. Die andere Denkschule &#8211; die auch in der US-Regierung, siehe das ber\u00fchmte Beispiel von 2022, vorherrscht &#8211; nimmt die Drohung der Russen ernst.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Ukraine-attackiert-wichtigen-russischen-Oel-Exporthafen-id31051935.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Ust-Luga-oil-terminal-Ust-Luga-oil-terminal-Baltic-pipeline-system-Russia-View-from-the-sea-and-reeds-Copyright-xZoonar\"\/>Angriffe in 20 RegionenUkraine attackiert wichtigen russischen \u00d6l-Exporthafen<\/a><\/p>\n<p>Russland behauptet, es habe Kostjantyniwka eingenommen, Kiew widerspricht. Welche Angaben stimmen?<\/p>\n<p>Wenn man die Situation in Kostjantyniwka betrachtet, zeigt sich erneut ein Kampf um das Narrativ: Ist die Stadt bereits erobert oder halten nach wie vor ukrainische Verteidiger Stellung? In den sozialen Netzwerken sehen wir einerseits russische Soldaten, die in allen Stadtbezirken Flaggen hissen, auch am nordwestlichen Stadtrand. Andererseits ver\u00f6ffentlichen ukrainische Soldaten Aufnahmen aus der Stadt und betonen, dass zwar kleinere russische Gruppen infiltriert haben, die ukrainischen Kr\u00e4fte aber weiterhin die Kontrolle halten. Entscheidend wird sein, ob die Ukraine die Stadt nachhaltig halten kann &#8211; und damit ihr Narrativ st\u00fctzt, dass Kostjantyniwka noch nicht in russischem Besitz ist. <\/p>\n<p>Wie kann das gelingen?<\/p>\n<p>Die zentrale Herausforderung f\u00fcr Kiew besteht darin, dass die russischen Truppen versuchen, die Versorgungslinien der verbliebenen ukrainischen Einheiten zu kappen, sie schrittweise einzukesseln und zu neutralisieren &#8211; \u00e4hnlich wie zuvor in anderen St\u00e4dten wie zum Beispiel Pokrowsk. Aktuell haben die Russen demonstriert, dass sie in allen Stadtbezirken pr\u00e4sent sind. Doch ob das Hissen von Flaggen tats\u00e4chlich bedeutet, dass die Stadt vollst\u00e4ndig unter ihrer Kontrolle ist, bleibt offen.<\/p>\n<p>Aus dem Kreml hei\u00dft es: Die russischen Streitkr\u00e4fte werden ihre &quot;Aufgaben zur Befreiung des Donbass und von Noworossija gem\u00e4\u00df dem genehmigten Plan weiterf\u00fchren&quot;. Was bedeutet das an der Front?<\/p>\n<p>Die Aussage bedeutet, dass Putin \u00fcberzeugt ist, mit seinen Streitkr\u00e4ften die definierten Ziele zu erreichen. Aus russischer Sicht sind die Mindestziele: die vollst\u00e4ndige Inbesitznahme des Donbass, insbesondere der Festungsst\u00e4dte &#8211; aktuell Kostjantyniwka, aber auch Kramatorsk und Slowjansk. Momentan liegt der Schwerpunkt der russischen Kr\u00e4fte im mittleren Frontabschnitt. Sie greifen von S\u00fcden \u00fcber Kostjantyniwka an und von Norden \u00fcber Lyman und versuchen, diese Stellungen Schritt f\u00fcr Schritt unter Kontrolle zu bringen, um den Donbass insgesamt zu besetzen &#8211; genau das, was die Ukraine zu verhindern versucht.<\/p>\n<p>Putin ist also weiter siegessicher?<\/p>\n<p>Russland geht weiterhin davon aus, die Initiative auf dem Schlachtfeld zu halten. Putin hat das bei seinem Besuch eines Armeehauptquartiers am Wochenende erneut betont und erkl\u00e4rt, die strategische Initiative liege vollst\u00e4ndig bei den russischen Streitkr\u00e4ften. Putin ist auch der \u00dcberzeugung, die russischen Streitkr\u00e4fte haben Kostjantyniwka bereits eingenommen, und er sieht erhebliche Fortschritte auf dem Weg zur Eroberung des Donbass. Vergleicht man die ukrainischen und russischen Karten, zeigen sich eklatante Abweichungen. Ein Grund daf\u00fcr d\u00fcrfte sein, dass russische Kommandeure Putin gesch\u00f6nte Lageberichte liefern, die dann in Moskau zu optimistischen Erfolgsmeldungen f\u00fchren. Trotzdem ist auf dem Schlachtfeld der Druck der Russen auf die Ukrainer unvermindert hoch.<\/p>\n<p>Mit Markus Reisner sprach Lea Verstl<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politik Reisners Blick auf die Front&quot;Das ist eine entscheidende Wendung in diesem Konflikt&quot; 06.07.2026, 18:10 Uhr Interview von Lea VerstlArtikel anh\u00f6ren(09:44 min)00:00 \/ 09:44 0.5x 0.8x 1.0x 1.2x 1.5x 2.0x<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-32386","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32386","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=32386"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32386\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=32386"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=32386"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=32386"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}