{"id":32274,"date":"2026-06-20T12:36:13","date_gmt":"2026-06-20T09:36:13","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/selenskyj-wird-orden-entzogen-darum-geht-es-beim-gefahrlichen-zoff-zwischen-der-ukraine-und-polen\/"},"modified":"2026-06-20T12:36:13","modified_gmt":"2026-06-20T09:36:13","slug":"selenskyj-wird-orden-entzogen-darum-geht-es-beim-gefahrlichen-zoff-zwischen-der-ukraine-und-polen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/selenskyj-wird-orden-entzogen-darum-geht-es-beim-gefahrlichen-zoff-zwischen-der-ukraine-und-polen\/","title":{"rendered":"Selenskyj wird Orden entzogen: Darum geht es beim gef\u00e4hrlichen Zoff zwischen der Ukraine und Polen"},"content":{"rendered":"<p>Politik<\/p>\n<h2>Selenskyj wird Orden entzogenDarum geht es beim gef\u00e4hrlichen Zoff zwischen der Ukraine und Polen<\/h2>\n<p>20.06.2026, 11:07 Uhr <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/autor-fallback.svg\" alt=\"image\"\/>Von Robin Gr\u00fctzmacher, Lwiw<\/p>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/30982371\/1781857986\/Img_16_9\/1024\/March-29-2026-Lviv-Lviv-Oblast-Ukraine-Flags-and-soldiers-graves-from-the-Field-of-Mars-seen-from-the-nearby-Lychakiv-Monumental-Cemetery-in-Lviv-Lviv-Ukraine-ZUMAp199-20260329-zip-p199-012-Copyright-xMatteoxPlacuccix.webp\" alt=\"March-29-2026-Lviv-Lviv-Oblast-Ukraine-Flags-and-soldiers-graves-from-the-Field-of-Mars-seen-from-the-nearby-Lychakiv-Monumental-Cemetery-in-Lviv-Lviv-Ukraine-ZUMAp199-20260329-zip-p199-012-Copyright-xMatteoxPlacuccix\"\/><figcaption>Der Friedhof Field of Mars in Lwiw, wo die bei der Verteidigung gegen die russische Invasion gefallenen Soldaten begraben sind. Die rot-schwarzen Fahnen erinnern an die ehemalige Ukrainische Aufst\u00e4ndische Armee. (Foto: IMAGO\/ZUMA Press Wire)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Polen und die Ukraine sind enge Partner &#8211; eigentlich. Doch das Verh\u00e4ltnis hat sich wegen des Kiewer Gedenkens an einstige Nationalisten deutlich abgek\u00fchlt. Es ist ein komplexer Streit, in dem es wenig Aussicht auf einen gemeinsamen Nenner gibt. Ein Blick in die Westukraine hilft, die Geschichte dahinter zu verstehen.<\/p>\n<p>Nach der Fahrt aus Polen \u00fcber den Grenz\u00fcbergang Korczowa in die Ukraine dauert es nicht lange, bis Autofahrern zahlreiche kleine Friedh\u00f6fe an der Landstra\u00dfe ins Auge fallen. Auf \u00c4ckern liegen ukrainische M\u00e4nner begraben, die ihr Leben f\u00fcr die Abwehr der russischen Invasion gegeben haben. Geschm\u00fcckt sind die Erinnerungsst\u00e4tten oft mit gro\u00dfen Fotos, Blumen und Flaggen. Vielen Flaggen. Die meisten in blau-gelb, einige auch in schwarz und rot &#8211; den Farben der Ende 1942 gegr\u00fcndeten Ukrainischen Aufst\u00e4ndischen Armee (UPA) und der bereits vorher agierenden Bandera-Fraktion der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN-B).<\/p>\n<p>Beide Gruppen setzten sich einst f\u00fcr einen von Polen, der Sowjetunion und sp\u00e4ter auch Nazideutschland unabh\u00e4ngigen ukrainischen Staat ein. &quot;Hauptziel der UPA war, das imperiale Joch abzusch\u00fctteln&quot;, sagt Andreas Umland vom Europ\u00e4ischen Politik Institut in Kiew zu ntv.de. Die Parallelen zur Moderne sind nicht zu \u00fcbersehen: Seit 2014 verteidigen sich die Ukrainer gegen russische Besatzer, seit 2022 gegen die Vollinvasion der Kreml-Streitkr\u00e4fte. Heute gibt es so etwas wie einen &quot;Kult um die UPA&quot;, wie Umland es nennt.<\/p>\n<p>Damit k\u00f6nnte die Geschichte auserz\u00e4hlt sein. Ukrainer, die ihr Land heute gegen russische \u00dcbernahmefantasien verteidigen, verweisen auf Nationalisten, die vor Jahrzehnten f\u00fcr einen unabh\u00e4ngigen Staat k\u00e4mpften. Das wirkt logisch und unproblematisch.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Polens-Praesident-zieht-Konsequenzen-im-Streit-mit-Selenskyj-id30989725.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Polish-President-Karol-Nawrocki-left-and-Ukrainian-President-Volodymyr-Zelenskyy-attend-an-official-welcome-ceremony-before-their-meeting-at-the-Presidential-Palace-in-Warsaw-Poland-Friday-Dec-19-2025\"\/>Milit\u00e4reinheit emp\u00f6rt WarschauPolens Pr\u00e4sident zieht Konsequenzen im Streit mit Selenskyj <\/a><\/p>\n<p>Ist es aber beispielsweise aus polnischer Sicht nicht. Von der dortigen Regierung und vom rechtspopulistischen Pr\u00e4sidenten Karol Naworcki gab es in den vergangenen Wochen deutliche Kritik am ukrainischen Gedenken an die Nationalisten, an dem auch hochrangige Vertreter aus Kiew teilnahmen. Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyj wurde k\u00fcrzlich sogar die h\u00f6chste Ehrung Polens entzogen, der Wei\u00dfer-Adler-Orden. Um die schwerwiegenden Differenzen zu verstehen, braucht es einen Blick, der weiter zur\u00fcckgeht.<\/p>\n<h2>Die Organisation Ukrainischer Nationalisten<\/h2>\n<p>Bereits seit Ende der 1920er-Jahre war vor allem in den damals zu Polen geh\u00f6renden Regionen Galizien und Wolhynien (heute Westukraine) die radikale Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) aktiv. Sie sah in Polen und Sowjets so etwas wie Kolonialm\u00e4chte, die die ukrainische Bev\u00f6lkerung unterdr\u00fccken. Letztere hatten zum Beispiel beim Holodomor Anfang der 30er-Jahre rund vier Millionen Ukrainer verhungern lassen. Ein V\u00f6lkermord.<\/p>\n<p>1939 besetzte die Sowjetunion Galizien und Wolhynien im Rahmen des Hitler-Stalin-Pakts. Die ukrainischen Nationalisten spalteten sich ein Jahr sp\u00e4ter in die Melnyk-Fraktion (OUN-M) und die Bandera-Fraktion (OUN-B). Die UPA war sp\u00e4ter so etwas wie der milit\u00e4rische Arm der OUN-B, die laut Umland Anfang der 1940er weitergehende Ziele hatte, einen ethnokratischen ukrainischen Staat zu errichten &#8211; &quot;eine im damaligen Europa weitverbreitete Ideologie&quot;.<\/p>\n<p>Das unabl\u00e4ssige Streben der OUN nach Unabh\u00e4ngigkeit von Polen und Sowjets hatte seine Schattenseiten. Die Organisation beging zur Durchsetzung ihrer Ziele Verbrechen an Zivilisten. Zudem kooperierte sie mit den deutschen Nationalsozialisten, bis es zum Bruch kam.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Warschau-streitet-mit-Kiew-ueber-umstrittenes-Armee-Gedenken-id30946225.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Bildnummer-58592191-Datum-15-10-2012-Copyright-imago-ITAR-TASS-ITAR-TASS-KIEV-UKRAINE-OCTOBER-15-2012-A-man-wearing-a-military-uniform-with-a-rifle-attends-a-march-to-celebrate-the-70th-anniversary-of-the-formation-of-the-Ukrainian-Insurgent-Army-UPA-in-downtown-Kiev\"\/>Geehrte Partisanen t\u00f6teten PolenWarschau streitet mit Kiew \u00fcber umstrittenes Armee-Gedenken<\/a><\/p>\n<p>Osteuropa-Experte Kai Struve von der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen sagt ntv.de, Teil des Vorhabens der Staatsgr\u00fcndung sei die Einrichtung ukrainischer lokaler Verwaltungen und Milizen in den Gebieten gewesen, aus denen sich die sowjetischen Truppen nach dem deutschen \u00dcberfall im Juni 1941 zur\u00fcckzogen. In der Westukraine h\u00e4tten sich zu der Zeit lokale Milizen weitgehend aus den Untergrundstrukturen der OUN-B rekrutiert. &quot;Sie begannen eigenst\u00e4ndige &#039;Abrechnungen&#039; mit denjenigen, die sie f\u00fcr Unterst\u00fctzer und Nutznie\u00dfer der vorhergehenden sowjetischen Herrschaft hielten. Vor dem Hintergrund einer in dieser Zeit weitverbreiteten stereotypen, antisemitischen Gleichsetzung von Juden mit den Tr\u00e4gern des sowjetischen Regimes traf dies vor allem Juden. Aber auch Ukrainer und Polen fielen hier an vielen Orten Gewalttaten zum Opfer&quot;, sagt Struve.<\/p>\n<p>Besonders in Orten, in denen es im Juni 1941 im Zuge des R\u00fcckzugs zu sowjetischen Massenmorden an Gef\u00e4ngnisinsassen gekommen war, seien bei der Bergung der Leichen pogromartige Ausschreitungen gegen Juden entstanden, an denen die Milizen, aber auch Einwohner beteiligt gewesen seien. &quot;Oft wurden sie von anwesenden deutschen SS- und Polizeieinheiten gef\u00f6rdert&quot;, so Struve. Nach der zweiten Jahresh\u00e4lfte 1941 habe es aber keine wirkliche Zusammenarbeit zwischen der OUN und den Nationalsozialisten mehr gegeben.<\/p>\n<p>Umland sagt, nat\u00fcrlich habe es unter den ukrainischen Nationalisten auch Antisemiten gegeben. Aber es sei vor allem ein Befreiungs-Nationalismus gewesen. &quot;Ukraine \u00fcber alles&quot; habe einen anderen Kontext als &quot;Deutschland \u00fcber alles&quot;. Letztere sahen sich als Herrenrasse und wollten ihr Imperium ausweiten, erstere frei von sowjetischem, polnischem und deutschem Einfluss leben.<\/p>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Participants-with-Ukrainian-and-UPA-flags-perform-during-the-Christmas-Birds-Rizdviani-Ptashky-Vertepia-charity-festival-The-event-gathers-dozens-of-Nativity-play-groups-Vertep-from-across-the-region-to-perform-carols-and-raise-funds-for-the-Ukrainian-Armed-Forces-during-the-winter-holidays\"\/><figcaption>Flaggen der Ukraine und der UPA\/OUN. (Foto: picture alliance \/ Sipa USA)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mit Blick auf die heutige ukrainische Bev\u00f6lkerung sagt der Experte ntv.de: &quot;Die meisten wissen von der Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten, aber kontextualisieren das so, dass das situationsbedingt war.&quot; Ziel sei nicht gewesen, die Nazis zu unterst\u00fctzen, sondern die ukrainische Unabh\u00e4ngigkeit zu erlangen. &quot;Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben&quot; &#8211; ein \u00dcbel mit der Hilfe eines anderen \u00dcbels bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<h2>Die Rolle Banderas in der Westukraine<\/h2>\n<p>Auf dem Soldatenfriedhof Field of Mars in Lwiw sind schwarz-rote Fahnen heute sehr pr\u00e4sent. Die ukrainische Gro\u00dfstadt hat eine bewegende Geschichte. Sie liegt im historischen Galizien ganz im Westen der Ukraine und geh\u00f6rte nach dem Ersten Weltkrieg zu Polen und dann ab 1939 zur Sowjetunion. 1941 folgten die deutschen Besatzer. Ab 1945 lag sie in der Sowjetrepublik Ukrainische SSR. Erst seit Ende 1991 ist die Ukraine unabh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Lwiw ist heute der einzige Ort in der Ukraine, an dem es ein riesiges Denkmal f\u00fcr Stepan Bandera gibt. Wird da ein Antisemit aufgrund der Taten der von ihm angef\u00fchrten OUN-B geehrt? Das ist bis heute Gegenstand von Diskussionen. &quot;Es gibt wenig tats\u00e4chlich belegte oder schriftliche \u00c4u\u00dferungen von Bandera. Soweit ich dies \u00fcberblicke, sind hier keine antisemitischen \u00c4u\u00dferungen belegt&quot;, sagt Struve. In den anderen Landesteilen der Ukraine, fernab des Westens, erh\u00e4lt Bandera deutlich weniger Beachtung oder auch Ablehnung.<\/p>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"IMG_7135\"\/><figcaption>Das Bandera-Monument in Lwiw. (Foto: Robin Gr\u00fctzmacher)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dass die OUN-B 1941, nur wenige Tage nach dem deutschen \u00dcberfall auf die Sowjetunion, in Lwiw einen ukrainischen Staat ausrief, missfiel den Nationalsozialisten zutiefst und beendete die Zusammenarbeit. Denn die Deutschen sahen das Land als ihren Lebensraum an. Bandera wurde festgenommen und als Ehrenh\u00e4ftling mit besseren Haftbedingungen ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. &quot;Obwohl er nicht v\u00f6llig isoliert gewesen zu sein scheint, hatte er praktisch keinen Einfluss auf die UPA&quot;, so Struve.<\/p>\n<p>1959 wurde Bandera in M\u00fcnchen vom sowjetischen Geheimdienst KGB erschossen. Dessen Vorg\u00e4nger, der NKWD, war in der Nachkriegszeit der Hauptfeind der UPA. Zwei Br\u00fcder Banderas ermordeten die Deutschen 1942 in Auschwitz.<\/p>\n<h2>UPA-Massaker in Wolhynien<\/h2>\n<p>Die Historie der UPA ist ebenfalls nicht unbefleckt, auch wenn es bei ihrer Gr\u00fcndung 1942 l\u00e4ngst zum Bruch mit den Deutschen gekommen war und diese bek\u00e4mpft wurden. In der UPA waren zum Beispiel M\u00e4nner organisiert, die einst von den Nazis in den Bataillonen Nachtigall und Roland ausgebildet wurden und mit ihnen in den Krieg gegen die Sowjetunion zogen.<\/p>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Leiche-von-Stephan-Bandera-ukrainischer-Nationalistenfuehrer-ermordet-von-einem-sowjetischen-KGB-Agenten-in-Muenchen-Aufnahmedatum-01-10-1959-31-10\"\/><figcaption>Der tote Stepan Bandera 1959. (Foto: picture alliance \/ SZ Photo)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nachdem sich UPA und Nazis Gefechte lieferten, gab es im Fr\u00fchjahr 1944 laut Struve in manchen Gebieten eine Art Waffenstillstand und auch den Austausch von Informationen, als sich die sowjetische Armee n\u00e4herte. &quot;Es gab eine weitgehende antisowjetische Interessengleichheit, jedoch nur eine beschr\u00e4nkte Ideenkongruenz und keine stabile Kollaboration zwischen den Nazis und der UPA&quot;, sagt Umland.<\/p>\n<p>&quot;Das gr\u00f6\u00dfte Verbrechen der UPA sind die Massenmorde an der polnischen Bev\u00f6lkerung in Wolhynien im Jahr 1943, vor allem im Sommer 1943. Befehle daf\u00fcr scheinen von einem regionalen Kommandeur der UPA ausgegangen zu sein&quot;, erkl\u00e4rt Struve. Den Massakern seien vermutlich 40.000 bis 60.000 Polen zum Opfer gefallen.<\/p>\n<p>Weitere Gewalttaten an Polen habe es in Galizien gegeben. &quot;Sie fanden auf Anweisung der F\u00fchrung der UPA statt. Das Ziel war hier, Angst und Schrecken zu verbreiten, um die polnische Bev\u00f6lkerung aus den gemischten ukrainisch-polnischen Territorien zu vertreiben.&quot; Die Zahl der Opfer werde auf 20.000 bis 25.000 gesch\u00e4tzt, so Struve.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/bilderserien\/politik\/Als-Hitler-seinen-Vernichtungsfeldzug-begann-article22631858.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"35-AP4108010101\"\/>Der \u00dcberfall auf die SowjetunionAls Hitler seinen Vernichtungsfeldzug begann<\/a><\/p>\n<h2>UPA-Benennung erbost Polen<\/h2>\n<p>Dass die ukrainischen Nationalisten gr\u00f6\u00dftenteils zum Gegner der deutschen Nationalsozialisten wurden, macht ihre Schattenseiten nicht vergessen. Besonders in Polen will man \u00fcber diese nicht hinwegsehen und warnt Kiew &#8211; Unabh\u00e4ngigkeitskampf hin oder her. Gleichzeitig sind in der Ukraine viele Menschen nicht gewillt, sich in ihr Gedenken f\u00fcr das damalige Freiheitsstreben hineinreden zu lassen. Eine umfassende, nachhaltige Auss\u00f6hnung macht das \u00e4u\u00dferst schwierig.<\/p>\n<p>Der ukrainische Pr\u00e4sident Selenskyj, selbst j\u00fcdischer Abstammung, hatte zuletzt eine Milit\u00e4reinheit nach der UPA benannt. Sein B\u00fcrochef Kyrylo Budanow reiste anschlie\u00dfend sofort zu Gespr\u00e4chen ins ver\u00e4rgerte Nachbarland. &quot;F\u00fcr das polnische Volk ist die UPA vor allem das Symbol f\u00fcr Verbrechen, die an wehrlosen Zivilisten begangen wurden&quot;, hatte Polens Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz zuvor gesagt. Regierungschef Donald Tusk sprach von einer &quot;Verletzung unserer historischen Sensibilit\u00e4t&quot;.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Selenskyj-sorgt-mit-Militaerehrung-fuer-Empoerung-in-Polen-id30871336.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Ukrainian-President-Volodymyr-Zelensky-congratulates-Ukrainian-special-forces-on-the-10th-anniversary-of-their-founding-Ukrainian-President-Volodymyr-Zelensky-congratulates-Ukrainian-special-forces-on-the-10th-anniversary-of-their-founding-in-Kyiv-Ukraine-May-27-2026-praising-their-role-in-military-operations-and-defending-the-country-amid-the-ongoing-war-with-Russia-Photo-by-PRESIDENT-OF-UKRAINE-apaimages-Ukraine-Ukraine-Ukraine-280526-Ukraine-UPO-007\"\/>&quot;Verletzt unsere Sensibilit\u00e4t&quot;Selenskyj sorgt mit Milit\u00e4rehrung f\u00fcr Emp\u00f6rung in Polen<\/a><\/p>\n<p>Der Streit wurde durch den Budanow-Besuch nicht beigelegt, sondern gipfelte in Selenskyjs Aberkennung des 2023 verliehenen Wei\u00dfer-Adler-Ordens. Polens Pr\u00e4sident Nawrocki sagte dazu: &quot;Ich m\u00f6chte betonen, dass diese Entscheidung nicht gegen das ukrainische Volk gerichtet ist. Sie \u00e4ndert nichts an der strategischen Ausrichtung der polnischen Sicherheitspolitik. Wir haben die Ukraine unterst\u00fctzt und tun dies auch weiterhin.&quot; Sowohl der ukrainische Au\u00dfenminister Andrij Sybiha als auch Budanow k\u00fcndigten an, polnische Auszeichnungen zur\u00fcckzugeben. <\/p>\n<p>Polen hat seit dem russischen Angriffskrieg rund eine Million ukrainische Fl\u00fcchtlinge aufgenommen und viele wichtige Waffensysteme und finanzielle Mittel f\u00fcr die Verteidigung gegen die russische Invasion geliefert. Ein tiefer Riss zwischen den Regierungen w\u00e4re fatal.<\/p>\n<p>Laut Umland bedauern die Ukrainer, was in Wolhynien geschehen ist &#8211; und das wisse man auch in Polen. Selenskyj ist in der Vergangenheit auch zu Gedenkveranstaltungen ins Nachbarland gereist. Es sah so aus, als h\u00e4tte man die Probleme damit endg\u00fcltig hinter sich gelassen. Teile des heutigen polnischen Nationalismus versuchen dennoch, Stimmung gegen die Ukraine zu machen. Nawrocki ist laut Umland dabei das &quot;Hauptproblem&quot;.<\/p>\n<h2>Auch Melnyk-Ehrung in der Kritik<\/h2>\n<p>F\u00fcr weitere Aufregung sorgt, dass Selenskyj an einer Trauerfeier f\u00fcr Andriy Melnyk teilgenommen hat. Dieser f\u00fchrte nach der Spaltung der ukrainischen Nationalisten 1940 den OUN-M-Fl\u00fcgel. Auch er hatte einst mit den Nationalsozialisten zusammengearbeitet, war dann aber in Ungnade gefallen und wurde von ihnen unter Hausarrest gestellt und dann ins KZ gebracht.<\/p>\n<p>&quot;In den Gebieten \u00f6stlich der fr\u00fcheren polnisch-sowjetischen Grenze gewann zun\u00e4chst die Melnyk-OUN Einfluss, allerdings betr\u00e4chtlich geringer als die OUN-B in Galizien, da es hier keine Untergrundstrukturen der OUN gab. Hier setzte eine Verfolgung der Angeh\u00f6rigen der OUN-M durch die deutsche Sicherheitspolizei gegen Ende 1941 ein&quot;, sagt Struve.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Kiew-und-Warschau-legen-Streit-um-Wolhynien-Massaker-bei-id30165018.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Polish-President-Karol-Nawrocki-and-Ukraine-s-President-Volodymyr-Zelenskyy-shake-hands-during-a-bilateral-meeting-at-the-Presidential-Palace-in-Warsaw-Poland-on-December-19-2025\"\/>Etwa 100.000 Polen ermordetKiew und Warschau legen Streit um Wolhynien-Massaker bei<\/a><\/p>\n<p>Melnyk lebte sp\u00e4ter in Luxemburg und starb 1964. Seine \u00dcberreste wurden vor wenigen Wochen exhumiert und in die Ukraine gebracht. Umland h\u00e4lt Selenskyjs Teilnahme an der Veranstaltung f\u00fcr einen Fehler. Er h\u00e4tte dem ukrainischen Staatschef empfohlen, das Thema nicht anzufassen und auf die &quot;Geschichtspolitik&quot; zu verzichten.<\/p>\n<p>Die russische Propaganda nimmt das ukrainische Gedenken an die Nationalisten dankend auf. Sie werden im Kreml wenig verwunderlich auf die Zeit der Kollaboration mit den Nationalsozialisten reduziert, um eine angebliche Nazi-Problematik in der heutigen Ukraine herbeizureden. So soll der eigene Angriffskrieg legitimiert werden, der die gesamte Ukraine wieder russisch machen und vom Westen fernhalten soll. Vom ukrainischen Unabh\u00e4ngigkeitsstreben will man in Moskau damals wie heute nichts h\u00f6ren. Ebenso wenig von den vielen Verbrechen, die an den Ukrainern begangen wurden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/bilderserien\/politik\/Der-Massenmord-von-Babyn-Jar-article22819752.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"An-SS-man-soldier-digging-in-things-left-from-people-that-were-shot-at-Babi-Yar-in-Kiev-during-German-occupation-in-1941\"\/>&quot;Ort des Grauens und der Scham&quot;Der Massenmord von Babyn Jar<\/a><\/p>\n<h2>Keine relevante rechtsradikale Kraft in der Ukraine<\/h2>\n<p>In der Ukraine sind die Probleme mit Rechtsradikalismus und\/oder Nazi-Verehrung gering. &quot;Es gibt gegenw\u00e4rtig keine relevante, rechtsradikale politische Kraft&quot;, sagt Struve. Aber nat\u00fcrlich sind einige wenige Unbelehrbare vorhanden. Am Soldatenfriedhof in Lwiw tauchen neben den vielen anderen Besuchern etwa 20 komplett in Schwarz gekleidete Teenager auf. Aus ihrer rechtsradikalen Gesinnung machen sie mit ihren Klamotten keinen Hehl, unter anderem ein Keltenkreuz ist zu sehen. Am selben Tag findet in der Stadt eine Kundgebung gegen eine LGBTQ-Veranstaltung statt.<\/p>\n<p>In Lwiw oder auch Kiew gab es in der Vergangenheit Aufm\u00e4rsche von einigen hundert Rechtsradikalen, die der 14. Waffen-Grenadier-Division der SS &quot;Galizien&quot; gedachten. Diese bestand aus Einwohnern der Region, von denen einige dem Melnyk-Fl\u00fcgel der OUN nahestanden. Unter anderem aus der Selenskyj-Partei &quot;Diener des Volkes&quot; gab es an den Aufm\u00e4rschen deutliche Kritik. Im Zweiten Weltkrieg starben nach Sch\u00e4tzungen bis zu acht Millionen Ukrainer. Zehntausende Juden erschossen die Nationalsozialisten beim Massaker von Babyn Jar im Norden Kiews.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politik Selenskyj wird Orden entzogenDarum geht es beim gef\u00e4hrlichen Zoff zwischen der Ukraine und Polen 20.06.2026, 11:07 Uhr Von Robin Gr\u00fctzmacher, Lwiw Der Friedhof Field of Mars in Lwiw, wo die bei der Verteidigung gegen die russische Invasion gefallenen Soldaten begraben sind. Die rot-schwarzen Fahnen erinnern an die ehemalige Ukrainische Aufst\u00e4ndische Armee. 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