{"id":3224,"date":"2020-10-16T08:08:12","date_gmt":"2020-10-16T05:08:12","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/trump-und-biden-bei-parallelen-townhalls-zwei-kandidaten-zwei-amerikas\/"},"modified":"2020-10-16T08:08:12","modified_gmt":"2020-10-16T05:08:12","slug":"trump-und-biden-bei-parallelen-townhalls-zwei-kandidaten-zwei-amerikas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/trump-und-biden-bei-parallelen-townhalls-zwei-kandidaten-zwei-amerikas\/","title":{"rendered":"Trump und Biden bei parallelen Townhalls: Zwei Kandidaten, zwei Amerikas"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/40b0bb8e-d231-4059-b8be-7c688ba9df35_w948_r1.77_fpx43_fpy16.jpg\" title=\"Zwei Kandidaten, zwei Townhalls: Biden und Trump\" alt=\"Zwei Kandidaten, zwei Townhalls: Biden und Trump\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Zwei Kandidaten, zwei Townhalls: Biden und Trump<\/p>\n<p>  Foto:\u2002JIM WATSON \/ AFP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Die zweite Debatte war gar keine. Statt sich, wie bei ihrem ersten TV-Duell, direkt gegen\u00fcberzustehen, sa\u00dfen US-Pr\u00e4sident Donald Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden diesmal fast 2000 Kilometer voneinander entfernt. Der eine auf einer Open-Air-B\u00fchne in Miami, der andere in einem Museum in Philadelphia.<\/p>\n<p>Zwei Kandidaten, zwei zeitgleiche Sendungen, die eine laut und konfrontativ, die andere ruhig und h\u00f6flich: Der bizarre Splitscreen machte es den Zuschauern schwer, der fernm\u00fcndlichen Debatte zu folgen &#8211; doch sie symbolisierte zugleich die zwei Amerikas, die sich bei diesen Schicksalswahlen unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcberstehen.<\/p>\n<p>Viel ge\u00e4ndert d\u00fcrfte sich dabei auch am Donnerstagabend nicht haben. Trotzdem war die Doppelshow bezeichnend. Die wichtigsten Punkte:<\/p>\n<h3>1. Warum zwei Townhalls?<\/h3>\n<p>Die simultanen Townhalls hatten einen ernsten Hintergrund. Nach Trumps Covid-19-Diagnose beschlossen die Organisatoren, seine zweite TV-Debatte mit Biden nur virtuell abzuhalten. Das lehnte Trump ab, worauf die Debatte abgesagt wurde. Als Biden als Ersatz einen Solo-Auftritt im TV-Network ABC ansetzte, vereinbarte Trump mit NBC, dem alten Haussender seiner Realityshow &quot;The Apprentice&quot;, prompt seine eigene Fragerunde &#8211; zur selben Zeit. &quot;Eine Stunde Gratis-Fernsehwerbung&quot;, prahlte er und beleidigte NBC dann auch noch via Twitter als &quot;fake news&quot;.<\/p>\n<p>Die Entscheidung von NBC, seine einst\u00fcndige Sendung parallel zu mit Bidens 90-min\u00fctiger Townhall anzusetzen, l\u00f6ste auch in den eigenen Reihen Emp\u00f6rung aus. Dutzende NBC-Stars protestierten offen dagegen, darunter Alec Baldwin (&quot;Saturday Night Live&quot;) und Mariska Hargitay (&quot;Law &amp; Order: SVU&quot;). Am Ende entpuppte sich das Format jedoch als wesentlich aufschlussreicher als der Schreikampf vom letzten Mal.<\/p>\n<h3>2. Wie schlug sich Trump?<\/h3>\n<p>Bei den meisten Fragen wich Trump aus, griff zu abgedroschenen Phrasen und offensichtlichen L\u00fcgen &#8211; und lie\u00df sich von Moderatorin Savannah Guthrie, die ihn eiskalt hinterfragte, immer wieder aus der Ruhe bringen.<\/p>\n<p>Er weigerte sich zu sagen, ob er vor der letzten Debatte negativ auf Covid-19 getestet habe (&quot;Erinnere mich nicht&quot;). Er machte erneut die Familien gefallener Soldaten f\u00fcr seine Infektion verantwortlich (&quot;Die fassten mich an&quot;), log \u00fcber die Corona-Situation in den USA (&quot;In New York herrscht Chaos&quot;) und behauptete f\u00e4lschlicherweise: &quot;Wir haben Heilmittel.&quot;<\/p>\n<p>Er vermied es, die Anh\u00e4nger des gef\u00e4hrlichen Verschw\u00f6rungskults QAnon zu verurteilen (&quot;Ich wei\u00df nichts \u00fcber die&#8230; sie sind gegen P\u00e4dophilie&quot;) und wetterte lieber gegen Antifa-Protestler (&quot;Sie brennen unsere St\u00e4dte nieder&quot;). Er beschimpfte die Medien &#8211; die ihm die B\u00fchne boten &#8211; als &quot;korrupt&quot;. Er nannte die Enth\u00fcllungen der &quot;New York Times&quot;, wonach er um mehr als 400 Millionen Dollar verschuldet sei, &quot;illegal&quot; &#8211; best\u00e4tigte sie aber dann, indem er das als &quot;sehr kleine Summe&quot; rechtfertigte. Er wirkte irritiert, verzog oft genervt das Gesicht und redete viel zu schnell. Erst am Schluss m\u00fchte er sich ein bisschen Charme ab.<\/p>\n<h3>3. Wie schlug sich Biden?<\/h3>\n<p>Joe Biden war gut vorbereitet. Er pr\u00e4sentierte seinen Plan zur Bek\u00e4mpfung der Corona-Pandemie, die er meistern will, ohne das Land erneut in einen kompletten Lockdown zu schicken. Er kritisierte Trump daf\u00fcr, die Risiken von Covid-19 herunterzuspielen: &quot;Er sagte, er habe niemandem etwas gesagt, weil er Angst hatte, dass die Amerikaner panisch w\u00fcrden. Amerikaner werden nicht panisch. Er wurde panisch.&quot;<\/p>\n<p>Eine Frage, die die US-\u00d6ffentlichkeit umtreibt: W\u00fcrde Biden als Pr\u00e4sident die Zahl der Richter am Supreme Court erh\u00f6hen, wenn die Republikaner die konservative Trump-Kandidatin Amy Coney Barrett noch vor der Wahl best\u00e4tigten? Erneut lie\u00df er sich nicht darauf ein, versprach aber, noch vor der Wahl eine klare Antwort zu geben. &quot;Es kommt darauf an, wie der Prozess l\u00e4uft&quot;, erkl\u00e4rte er.<\/p>\n<p>Bidens Townhall war staatstragender als Trumps, seine Antworten waren teils langatmig, manchmal verlor er sich in den Details. Doch er sprach viel von Anstand, vom Br\u00fcckenbauen und dar\u00fcber, wie er in der Zukunft mit Republikanern kooperieren wolle. &quot;Es gibt Wege, zusammenzukommen.&quot;<\/p>\n<h3>4. Was waren die Highlights?<\/h3>\n<p>NBC-Moderatorin Guthrie gab Trump kr\u00e4ftig Konter. Anders als Chris Wallace von Fox News, dem die letzte Debatte entglitten war, konfrontierte sie Trump mit seinen L\u00fcgen, korrigierte ihn live und lie\u00df sich nicht \u00fcber den Mund fahren. Als er w\u00e4hrend der Corona-Diskussion behauptete, &quot;85 Prozent der Leute, die Masken tragen, kriegen es&quot;, widersprach sie: &quot;Das stimmt nicht.&quot; Als er tat, als wisse er nichts \u00fcber QAnon, unterbrach sie ihn: &quot;Wissen Sie doch!&quot; Als er seine alte L\u00fcge vom drohenden massiven Wahlbetrug wiederholte, entgegnete sie: &quot;Daf\u00fcr gibt es keinerlei Beweise.&quot;<\/p>\n<p>Auch stellte sie ihn f\u00fcr seine wilden Tweets und Retweets von Desinformation, Verschw\u00f6rungstheorien und Propaganda zur Rede: &quot;Sie sind doch nicht irgendein verr\u00fcckter Onkel!&quot; Worauf Trumps Nichte Mary Trump mit ihrem eigenen Tweet reagierte: &quot;Ehrlich gesagt&#8230;&quot;<\/p>\n<p>Bei Biden stand wieder einmal der menschliche Aspekt im Vordergrund. So wurde er gefragt, was es bedeuten w\u00fcrde, wenn er die Wahl verl\u00f6re. Seine Antwort war ungew\u00f6hnlich bescheiden: &quot;Es k\u00f6nnte hei\u00dfen, dass ich ein miserabler Kandidat war und keinen guten Job gemacht habe&quot;, sagte er. &quot;Ich hoffe aber, dass es nicht sagt, dass wir so ethnisch und religi\u00f6s uneins sind, wie der Pr\u00e4sident m\u00f6chte.&quot;<\/p>\n<p>Er f\u00fcgte hinzu: &quot;Ich glaube, die Menschen brauchen Hoffnung. Ich war noch nie optimistischer, was die Aussichten dieses Landes angeht. Das meine ich wirklich so. Ich glaube, Menschen sind so weit, sie verstehen, was auf dem Spiel steht. Es geht nicht um Demokraten oder Republikaner. Ich trete als stolzer Demokrat an, aber wenn ich gew\u00e4hlt werde, dann werde ich mich um die, die mich nicht gew\u00e4hlt haben, genauso k\u00fcmmern, wie um die, die mich gew\u00e4hlt haben. Wir m\u00fcssen diese Nation heilen.&quot;<\/p>\n<h3>5. Wer hat gesiegt?<\/h3>\n<p>Trump hatte gehofft, Biden zumindest mit besseren Einschaltquoten auszustechen, doch er hat sich mit diesem Trotz-Auftritt keinen Gefallen getan. Er wirkte st\u00f6rrisch, \u00fcberfordert, leicht ersch\u00f6pft und hatte nichts Neues zu bieten. Unentschlossene W\u00e4hler d\u00fcrfte er damit kaum auf seine Seite gezogen haben. Nicht mal drei Wochen vor der Wahl, bei dem die Umfragen vor allem in den Swing States immer weiter gegen ihn kippen, war dies eine weitere vertane Chance.<\/p>\n<p>Das Format Townhall liegt Biden. Er erkl\u00e4rte ruhig und ausf\u00fchrlich und wurde &#8211; im krassen Gegensatz zum ersten Duell \u2013 nicht st\u00e4ndig unterbrochen. Seine Zug\u00e4nglichkeit zeigte sich ganz zum Schluss besonders deutlich: Weil nicht alle Fragesteller drangekommen waren, blieb er vor Ort, um ihre Fragen zu beantworten. Schwer vorstellbar, dass Trump etwas \u00c4hnliches einfiele.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Zwei Kandidaten, zwei Townhalls: Biden und Trump Foto:\u2002JIM WATSON \/ AFP Die zweite Debatte war gar keine. 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