{"id":32016,"date":"2026-05-09T17:07:26","date_gmt":"2026-05-09T14:07:26","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/wie-stark-ist-russland-wirklich-der-bedarf-an-menschenmaterial-ist-so-gros-dass-kaum-zeit-fur-ausbildung-bleibt\/"},"modified":"2026-05-09T17:07:26","modified_gmt":"2026-05-09T14:07:26","slug":"wie-stark-ist-russland-wirklich-der-bedarf-an-menschenmaterial-ist-so-gros-dass-kaum-zeit-fur-ausbildung-bleibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/wie-stark-ist-russland-wirklich-der-bedarf-an-menschenmaterial-ist-so-gros-dass-kaum-zeit-fur-ausbildung-bleibt\/","title":{"rendered":"Wie stark ist Russland wirklich?: &#8220;Der Bedarf an &#8216;Menschenmaterial&#8217; ist so gro\u00df, dass kaum Zeit f\u00fcr Ausbildung bleibt&#8221;"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Politik<\/p>\n<h2>Wie stark ist Russland wirklich?&quot;Der Bedarf an &#039;Menschenmaterial&#039; ist so gro\u00df, dass kaum Zeit f\u00fcr Ausbildung bleibt&quot;<\/h2>\n<p>09.05.2026, 14:03 Uhr <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/autoren\/Hubertus-Volmer-article13634981.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/30029917\/1763369674\/Img_1_1\/36\/b58b01e6-b3b2-4108-ace9-39b8c6dbd390.webp\" alt=\"b58b01e6-b3b2-4108-ace9-39b8c6dbd390\"\/>Interview: Hubertus Volmer<\/a>Artikel anh\u00f6ren(13:03 min)<audio src=\"https:\/\/mp3.n-tv.de\/2026\/05\/TTSART_30804341_20260509140355-radleg2.mp3\"><\/audio>00:00 \/ 13:03<\/p>\n<ul>\n<li>0.5x<\/li>\n<li>0.8x<\/li>\n<li>1.0x<\/li>\n<li>1.2x<\/li>\n<li>1.5x<\/li>\n<li>2.0x<\/li>\n<\/ul>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/30804347\/1778329534\/Img_16_9\/1024\/Russische-Soldaten-nehmenm-an-der-Militaerparade-zum-Tag-des-Sieges-in-Moskau-teil-dpa-Bildfunk.webp\" alt=\"Russische-Soldaten-nehmenm-an-der-Militaerparade-zum-Tag-des-Sieges-in-Moskau-teil-dpa-Bildfunk\"\/><figcaption>Russische Soldaten nehmen an der Milit\u00e4rparade zum Tag des Sieges in Moskau teil. (Foto: picture alliance\/dpa\/Pool EPA)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das russische Regime steht vor einem Dilemma, sagt der Historiker Matthias Uhl. Eigentlich m\u00fcsse es den Krieg beenden, um sein politisches \u00dcberleben zu sichern. Andererseits m\u00fcsse es den Krieg weiterf\u00fchren, um sein politisches Dasein zu rechtfertigen.<\/p>\n<p>Uhl hat in einem Buch die milit\u00e4rische St\u00e4rke Russlands analysiert. Sein Fazit: &quot;Ich sehe nicht, dass Russland f\u00fcr einen eventuellen Konflikt mit der Nato zus\u00e4tzliche Kr\u00e4fte aufstellen k\u00f6nnte.&quot; Das ist keine Absage an eine weitere Aufr\u00fcstung. Szenarien aus dem vergangenen Jahr wie das vom &quot;letzten Sommer im Frieden&quot; sieht Uhl allerdings skeptisch. &quot;Warnungen k\u00f6nnen wichtig sein, um die Gesellschaft wachzur\u00fctteln. Aber nicht jede Warnung entspricht der Realit\u00e4t.&quot;<\/p>\n<p>ntv.de: Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Russland t\u00e4glich mindestens 900 Soldaten verliert. Wie lange kann eine Armee einen solchen Verlust durchhalten?<\/p>\n<p>Matthias Uhl: Die Kriegsgeschichte zeigt, dass man das relativ lange durchhalten kann. Es kommt darauf an, wie der sogenannte Nachersatz organisiert ist.<\/p>\n<p>Wie gut haben die Russen ihren personellen Nachschub organisiert?<\/p>\n<p>Um den Druck des Krieges f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung m\u00f6glichst gering zu halten, setzen sie auf sogenannte Freiwillige, die f\u00fcr hohe Pr\u00e4mien angeworben werden. Die Frage ist, ob dieses Modell angesichts der hohen Opferzahlen noch lange funktioniert. Denn die Zahl der Freiwilligen nimmt ab.<\/p>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Matthias-Uhl-deutscher-Historiker-fotografiert-in-seinem-Buero-im-Deutschen-Historischen-Institut\"\/><figcaption>Der Historiker Matthias Uhl war von 2005 bis zu dessen Schlie\u00dfung 2023 am Deutschen Historischen Institut in Moskau t\u00e4tig. Seither arbeitet er im Max-Weber-Netzwerk Osteuropa. (Foto: picture alliance\/dpa)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Weil viele mitbekommen, wie hoch das Risiko ist, an der Front zu sterben?<\/p>\n<p>Die Anwerbezahlen gehen bereits seit 2023 nach unten. Aktuell scheint es jedoch erstmals einen regelrechten Einbruch zu geben: Pro Monat war das Ziel, mindestens 30.000 Freiwillige anzuwerben. Die Zahl f\u00fcr das erste Quartal 2026 liegt allerdings bei etwas \u00fcber 70.000. Zugleich ist es erstmals so, dass die Zahl der Get\u00f6teten die Zahl der Freiwilligen \u00fcbersteigt.<\/p>\n<p>Warum setzt Russland dann nicht auf eine allgemeine Mobilisierung?<\/p>\n<p>Das liegt wohl an den Erfahrungen mit der ersten Mobilisierungswelle vom September 2022, als 300.000 zus\u00e4tzliche Soldaten einberufen werden mussten, um einen Zusammenbruch der Front zu verhindern. F\u00fcr die russische Regierung gab es damals unsch\u00f6ne Bilder von jungen M\u00e4nnern, die massenhaft versuchten, aus Russland herauszukommen. Mittlerweile ist der Krieg im f\u00fcnften Jahr, die Belastungen f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung nehmen zu. Deshalb scheut sich die Regierung noch, zus\u00e4tzlich Unruhe zu sch\u00fcren. Offenbar merkt sie, dass das Protestpotenzial st\u00e4rker wird.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Russland-verliert-erstmals-seit-fast-drei-Jahren-Gebiete-in-der-Ukraine-id30785323.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"FILE-PHOTO-A-serviceman-of-the-154th-Brigade-of-the-Ukrainian-Armed-Forces-attends-a-military-exercise-between-combat-missions-amid-Russia-s-attack-on-Ukraine-in-Zaporizhzhia-region-Ukraine-April-4-2026\"\/>120 Quadratkilometer im AprilRussland verliert erstmals seit fast drei Jahren Gebiete in der Ukraine<\/a><\/p>\n<p>Gibt es dieses Protestpotenzial denn? W\u00e4hrend des Afghanistankriegs von 1979 bis 1989 gab es das Komitee der Soldatenm\u00fctter. Vergleichbares findet derzeit nicht statt.<\/p>\n<p>Das aktuelle Regime ist hier repressiver als die Sowjetunion. Schon zu Beginn dieses Kriegs wurden f\u00fcr jede Art von Protest harsche Strafen verh\u00e4ngt &#8211; bis zu acht Jahre Gef\u00e4ngnis f\u00fcr das Verteilen von Aufklebern gegen den Krieg. Das hat viele Menschen abgeschreckt. Und nat\u00fcrlich hat ein gro\u00dfer Teil der russischen Bev\u00f6lkerung das sowjetische Erbe im Hinterkopf &#8211; da ist die Protestbereitschaft ohnehin gering. Dazukommt, dass die fortschrittlichen Kr\u00e4fte in die innere oder \u00e4u\u00dfere Emigration gegangen sind. Damit fehlt wichtiges Protestpotenzial, gleichwohl nimmt die Unzufriedenheit mit der zunehmenden Dauer der &quot;Spezialoperation&quot; zu.<\/p>\n<p>Sie beschreiben in Ihrem Buch die Praxis der &quot;Obnulenie&quot;, des &quot;auf null Setzens&quot;, also die Ermordung von Soldaten durch Vorgesetzte. Sind das Ausw\u00fcchse oder Normalit\u00e4t?<\/p>\n<p>Das ist ein beliebtes Mittel der Kommandeure, um Kritik innerhalb der Streitkr\u00e4fte auszuschalten. Die anderen Soldaten sollen sehen: Wer den Befehlen nicht folgt, muss mit dem sicheren Tod rechnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Wir-haben-ein-zweites-ukrainisches-Wunder-erlebt-id30784073.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"FILE-In-this-image-taken-from-video-released-by-Gov-Veniamin-Kondratyev-s-Telegram-channel-smoke-rises-after-a-drone-attack-on-the-oil-refinery-and-terminal-in-Tuapse-Russia-Wednesday-April-29-2026-Gov\"\/>Reisners Blick auf die Front&quot;Wir haben ein zweites ukrainisches Wunder erlebt&quot;<\/a><\/p>\n<p>Sie beschreiben F\u00e4lle, in denen Soldaten wenige Wochen nach ihrer Einberufung im Krieg ums Leben gekommen sind.<\/p>\n<p>Teilweise sind es nur wenige Tage. F\u00fcr uns ist das unvorstellbar. K\u00fcrzlich \u00e4u\u00dferte ein bekannter russischer Milit\u00e4rblogger, 85 Prozent der Verluste betr\u00e4fen neu angeworbene Soldaten. Das spricht f\u00fcr ein extrem schlechtes Ausbildungsniveau. Der Bedarf an Nachschub von &quot;Menschenmaterial&quot; ist offenbar so gro\u00df, dass die Armee glaubt, nicht viel Zeit f\u00fcr die Ausbildung aufwenden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sind die Verluste auf der ukrainischen Seite \u00e4hnlich hoch wie bei den Russen?<\/p>\n<p>Sie sind wahrscheinlich geringer, weil sich die Ukraine in der Verteidigung befindet. Aus den Erfahrungen vergangener Kriege wei\u00df man, dass die Verlustrate zwischen Verteidiger und Angreifer bei eins zu drei bis eins zu vier liegt. Aber nat\u00fcrlich sind diese Verluste f\u00fcr die Ukraine schwer zu ertragen. Die Ukrainer sind motiviert, weil sie ihre Heimat verteidigen. Aber wir sehen durchaus, dass die ukrainischen Streitkr\u00e4fte vor der Herausforderung stehen, ausreichend Soldaten zu mobilisieren. Auch deshalb setzt die Ukraine so vehement auf Drohnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/3451072505?tag=ntvde0f-21&amp;linkCode=ogi&amp;th=1&amp;psc=1\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/m.media-amazon.com\/images\/I\/41AHBsypMzL._SL500_.jpg\"\/><\/a>Wie stark ist Russland wirklich?: Die Wahrheit \u00fcber Putins Milit\u00e4rmacht322,00 \u20acZum Angebot bei amazon.de<\/p>\n<p>Wie steht es um die Materialverluste? Kann Russland beispielsweise den Verlust von Panzern ausgleichen?<\/p>\n<p>Mittlerweile ist Russland gezwungen, beim Transport von Soldaten an die Front vorwiegend auf leichte Fahrzeuge zu setzen. Offensichtlich stehen Sch\u00fctzenpanzer oder andere gepanzerte Fahrzeuge nicht mehr in ausreichender Zahl zur Verf\u00fcgung. Im Moment k\u00f6nnen wir davon ausgehen, dass rund 14.000 russische Sch\u00fctzenpanzer verloren gegangen sind. Bei den Panzern liegt die Zahl irgendwo zwischen 5500 bis 7500. Das ist ein gro\u00dfer Aderlass. Aber bedingt durch den Drohnenkrieg nimmt die Rolle der gepanzerten Kr\u00e4fte ab: Dies ist kein Panzerkrieg mehr. Die Drohnen sorgen f\u00fcr ein gl\u00e4sernes Gefechtsfeld, in dem es nicht mehr m\u00f6glich ist, erfolgreich mit massierten mechanisierten Truppen vorzusto\u00dfen.<\/p>\n<p>Dieser Krieg ist auch ein R\u00fcstungswettlauf, gerade im Bereich der Drohnen. Kann man sagen, dass eine Seite dabei die Nase vorn hat?<\/p>\n<p>Im Moment ist die Ukraine im Vorteil. Mit Blick auf die Drohnen war das bereits zu Beginn des Krieges so. Dann haben die Russen aufgeholt, vor allem durch den Einsatz von glasfasergelenkten Drohnen, die unempfindlich gegen elektronische Abwehrma\u00dfnahmen sind. In den letzten Monaten scheint es aber so zu sein, dass die Ukrainer erneut technisch voraus sind.<\/p>\n<p>Warum?<\/p>\n<p>Zum einen, weil SpaceX das Internetsystem Starlink f\u00fcr die russische Armee abgeschaltet hat. Aber auch durch eigene Entwicklungen, die nunmehr nahezu alle Entfernungsbereiche abdecken. Ganz deutlich sieht man das bei den Angriffen auf die \u00d6l- und Gasanlagen in Tuapse oder auf Perm. Da ist erkennbar, dass die Ukraine hier ein strategisches Konzept verfolgt: Sie haben zun\u00e4chst die russische Luftabwehr weitgehend dezimiert und die dadurch freiwerdenden R\u00e4ume dann genutzt, um mit ihren Drohnen tiefer ins Landesinnere vorsto\u00dfen zu k\u00f6nnen. Das sind mittlerweile f\u00fcr Russland mehr als nur Nadelstiche.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/videos\/politik\/Putins-Rede-war-keine-die-Richtung-Verhandlungen-geht-id30804330.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Rainer Munz\"\/>Munz \u00fcber Siegesparade in Moskau&quot;Putins Rede war keine, die Richtung Verhandlungen geht&quot;<\/a><\/p>\n<p>Im Winter gab es immer wieder Meldungen dar\u00fcber, dass die n\u00e4chtlichen Luftangriffe der Russen auf die Ukraine so stark waren wie nie. Das wirkte, als sei die russische Raketenproduktion quasi unersch\u00f6pflich.<\/p>\n<p>Wir sehen an den Zahlen der Raketen, die im Jahresverlauf zum Einsatz gebracht werden, dass dem nicht so ist: Im Sommer versucht Russland, Best\u00e4nde anzuh\u00e4ufen, um im Winter die Energieversorgung besonders hart zu treffen. Aber unersch\u00f6pflich sind die Best\u00e4nde nicht, denn gerade zu Jahresanfang 2025 und 2026 gingen die Zahlen der eingesetzten Raketen um bis zu 50 Prozent zur\u00fcck, was f\u00fcr schwindende Depots spricht. Bislang hat Russland es nicht geschafft, die ukrainische Stromversorgung komplett auszuschalten.<\/p>\n<p>Sie schreiben, der R\u00fcstungssektor habe &quot;mittlerweile alle wesentlichen Bereiche der Wirtschaft Russlands erfasst&quot;. Kann ein Staat, der so organisiert ist, auf Krieg verzichten?<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde sagen: Er muss auf Krieg verzichten, um \u00fcberleben zu k\u00f6nnen. Denn dieses System verschlingt enorme Ressourcen. Am Beispiel der Sowjetunion haben wir gesehen, wozu diese \u00fcberbordenden R\u00fcstungsanstrengungen f\u00fchren: Infolge der massiven Aufr\u00fcstung konnte die Sowjetunion ihr \u00dcberleben nicht mehr gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/videos\/politik\/Video-zeigt-voellig-zerstoerten-russischen-Hafen-von-innen-id30782416.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"TuapseInneres\"\/>Feuerwehrmann filmt in TuapseVideo zeigt v\u00f6llig zerst\u00f6rten russischen Hafen von innen<\/a><\/p>\n<p>Glauben Sie, dass der Kreml noch mit einem Sieg rechnet? Oder reicht ihm der Erhalt des Status quo &#8211; ein ewiger Krieg, in dem die Ukraine zwar nicht erobert wird, sich aber auch nicht politisch und wirtschaftlich weiterentwickeln kann?<\/p>\n<p>Ich glaube, Putin erkennt schon, dass er langfristig da raus muss, um sein politisches \u00dcberleben zu sichern. Er steht allerdings vor dem Dilemma, dass er definieren muss, was ein Sieg ist. Reicht es, Luhansk und den Donbass zu erobern? Die eigenen Kriegsziele h\u00e4tte er dann nicht erreicht, denn das war die Beseitigung der unabh\u00e4ngigen, demokratischen Ukraine. Nach einem solchen Minimalsieg k\u00f6nnte gefragt werden, ob die Opfer nicht vergebens waren.<\/p>\n<p>Um genau dieses Dilemma scheint es K\u00e4mpfe zwischen den russischen Machtzentren zu geben. Die einen sagen: Wir m\u00fcssen den Krieg beenden, um unser \u00dcberleben zu sichern. Die anderen sagen: Wir m\u00fcssen den Krieg weiterf\u00fchren, um unser politisches Dasein zu rechtfertigen.<\/p>\n<p>Sie machen in Ihrem Buch deutlich, dass Sie von Warnungen wie der vom &quot;letzten Sommer im Frieden&quot; oder dem Narwa-Szenario &#8211; einem russischen Angriff auf das Nato-Mitglied Estland &#8211; nicht \u00fcberzeugt sind. Warum nicht?<\/p>\n<p>&quot;Der letzte Sommer im Frieden&quot; war eine rhetorische Zuspitzung, um zu zeigen, dass die Gefahr real ist, die von Russland ausgeht. Das Narwa-Szenario allerdings scheint mir im Moment unwahrscheinlich zu sein. Ich glaube nicht, dass Russland derzeit die Ressourcen h\u00e4tte, einen Konflikt mit einem sehr viel st\u00e4rkeren Gegner vom Zaun zu brechen. Warnungen k\u00f6nnen wichtig sein, um die Gesellschaft wachzur\u00fctteln. Aber nicht jede Warnung entspricht der Realit\u00e4t.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Putin-hat-mehr-Angst-vor-der-Demokratie-als-vor-der-Nato-article25711669.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"ntv-Podcast-B19-Krieg-und-Frieden-36\"\/>Der letzte Sommer in Frieden?&quot;Putin hat mehr Angst vor der Demokratie als vor der Nato&quot;<\/a><\/p>\n<p>Gilt das auch f\u00fcr die Warnung von Verteidigungsminister Pistorius? Er sagte im vergangenen Jahr, Russland k\u00f6nne bis 2029 in der Lage sein, Nato-Territorium anzugreifen.<\/p>\n<p>Der Verteidigungsminister hat das vor einem Jahr gesagt &#8211; da befand sich die Ukraine in einer wirklich schwierigen Situation. Damals gab es Bef\u00fcrchtungen im Westen, das Land k\u00f6nne diesen Krieg verlieren, weil die USA ihre Unterst\u00fctzung mit Waffenlieferungen beendet hatten. Der weitere Verlauf des Krieges zeigte allerdings, dass Russland trotzdem keine weiteren Fortschritte erzielen konnte. Die Lage an der Front hat sich nicht ver\u00e4ndert, hier besteht weiter eine Patt-Situation. Ich sehe nicht, dass Russland f\u00fcr einen eventuellen Konflikt mit der Nato zus\u00e4tzliche Kr\u00e4fte aufstellen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Meinen Sie, wir m\u00fcssen gar nicht so stark aufr\u00fcsten, wie wir es gerade tun?<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen schon aufr\u00fcsten. Aber wir m\u00fcssen diese Aufr\u00fcstung an die reale Gefahrenlage anpassen. Wir sollten beispielsweise nicht in zus\u00e4tzlich 1000 Panzer investieren, wenn wir sehen, wie stark die Drohnenabwehr bisher vernachl\u00e4ssigt wurde. Zu h\u00e4ufig haben wir noch nicht verstanden, wie sehr sich der Krieg ver\u00e4ndert hat. Da stecken wir doch noch sehr in den milit\u00e4rischen Vorstellungen des Kalten Krieges.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Wir-sind-in-Europa-militaerisch-zu-allem-faehig-was-die-Amerikaner-leisten-id30797704.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Members-of-the-French-Navy-are-aboard-a-submarine-awaiting-the-arrival-of-French-President-Emmanuel-Macron-at-the-nuclear-submarine-navy-base-of-Ile-Longue-in-Crozon-France-02-March-2026-Photo-by-Eliot-Blondet-ABACAPRESS\"\/>Frankreichs Ex-Geheimdienstchef&quot;Wir sind in Europa milit\u00e4risch zu allem f\u00e4hig, was die Amerikaner leisten&quot;<\/a><\/p>\n<p>Ist die aktuelle Situation mit dem Kalten Krieg vergleichbar? Das damalige Wettr\u00fcsten hat die Sowjetunion bekanntlich verloren.<\/p>\n<p>Wir sollten uns jedenfalls davor h\u00fcten, die Position der Sowjetunion einzunehmen und so massiv aufr\u00fcsten, dass wir unsere Ressourcen &quot;auffressen&quot;. Der Kalte Krieg hat ja gerade gezeigt, dass die oft angemessene und technologisch ausgereiftere Reaktion des Westens diesen in die Lage versetzt hat, diese Auseinandersetzung zwischen Ost und West erfolgreich zu beenden. Wir sollten nicht versuchen, quantitativ mit Russland mitzuhalten, sondern auf unsere technologische \u00dcberlegenheit und Innovationskraft setzen. Zudem sollte man nicht vergessen: Es war vor allem die Sogkraft der westlichen Soft Power, die die Fundamente der Sowjetunion untergrub und den Ostblock schlie\u00dflich zu Fall brachte.<\/p>\n<p>Mit Matthias Uhl sprach Hubertus Volmer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politik Wie stark ist Russland wirklich?&quot;Der Bedarf an &#039;Menschenmaterial&#039; ist so gro\u00df, dass kaum Zeit f\u00fcr Ausbildung bleibt&quot; 09.05.2026, 14:03 Uhr Interview: Hubertus VolmerArtikel anh\u00f6ren(13:03 min)00:00 \/ 13:03 0.5x 0.8x<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-32016","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32016","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=32016"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32016\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=32016"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=32016"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=32016"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}