{"id":31940,"date":"2026-04-28T02:27:25","date_gmt":"2026-04-27T23:27:25","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/reisners-blick-auf-die-front-die-russen-mussen-krafte-tausende-kilometer-weit-verlagern\/"},"modified":"2026-04-28T02:27:25","modified_gmt":"2026-04-27T23:27:25","slug":"reisners-blick-auf-die-front-die-russen-mussen-krafte-tausende-kilometer-weit-verlagern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/reisners-blick-auf-die-front-die-russen-mussen-krafte-tausende-kilometer-weit-verlagern\/","title":{"rendered":"Reisners Blick auf die Front: &#8220;Die Russen m\u00fcssen Kr\u00e4fte Tausende Kilometer weit verlagern&#8221;"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Politik<\/p>\n<h2>Reisners Blick auf die Front&quot;Die Russen m\u00fcssen Kr\u00e4fte Tausende Kilometer weit verlagern&quot;<\/h2>\n<p>27.04.2026, 19:35 Uhr <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/autoren\/Frauke-Niemeyer-article21397208.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/4047465\/1744363629\/Img_1_1\/36\/Unbenannt.webp\" alt=\"Unbenannt\"\/>Ein Interview von Frauke Niemeyer<\/a>Artikel anh\u00f6ren(08:49 min)<audio src=\"https:\/\/mp3.n-tv.de\/2026\/04\/TTSART_30760327_20260427193604-radleg2.mp3\"><\/audio>00:00 \/ 08:49<\/p>\n<ul>\n<li>0.5x<\/li>\n<li>0.8x<\/li>\n<li>1.0x<\/li>\n<li>1.2x<\/li>\n<li>1.5x<\/li>\n<li>2.0x<\/li>\n<\/ul>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/30760476\/1777306722\/Img_16_9\/1024\/Russia-Ukraine-Military-Operation-Assault-Unit-9139214-07-04-2026-A-Russian-serviceman-of-the-Zapad-West-Group-of-Forces-takes-part-in-a-combat-coordination-training-of-assault-units-in-the-Kharkiv-sector-of-the-front-line-amid-Russia-s-military-operation-in-Ukraine.webp\" alt=\"Russia-Ukraine-Military-Operation-Assault-Unit-9139214-07-04-2026-A-Russian-serviceman-of-the-Zapad-West-Group-of-Forces-takes-part-in-a-combat-coordination-training-of-assault-units-in-the-Kharkiv-sector-of-the-front-line-amid-Russia-s-military-operation-in-Ukraine\"\/><figcaption>Ein russischer Soldat der Einheit Zapad West beim Training. (Foto: IMAGO\/SNA)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eine ukrainische Drohne fliegt fast 2000 Kilometer \u00fcber russisches Gebiet. Wie konnte das ohne Abschuss gelingen? Oberst Reisner erkl\u00e4rt, welcher Aufwand hinter solchen Erfolgen steckt und warum die Russen sich manches bei Kiews Armee abschauen.<\/p>\n<p>ntv.de: Herr Reisner, am Wochenende ist es der ukrainischen Armee erstmals gelungen, mit einer Drohne russisches Gebiet im Ural anzugreifen. Zeigt das eine neue Qualit\u00e4t des Drohnenkriegs? <\/p>\n<p>Markus Reisner: Die Ukrainer profitieren davon, dass Russland ein so gro\u00dfes Staatsgebiet hat. Nun m\u00fcssen die Russen also Kr\u00e4fte selbst in das tausende Kilometer entfernten Ural verlagern, um der Gefahr dort wieder Herr zu werden. Zudem tut der Kreml dasselbe wie schon die Ukraine: Er versucht, ein Flugmeldesystem aufzubauen. <\/p>\n<p>Da sind die Ukrainer den Russen bisher voraus? <\/p>\n<p>Ja. Sie haben eine Mischung aus akustischen Sensoren, die \u00fcber das ganze Land verteilt sind, und aus Radarsystemen, die fremde Flugk\u00f6rper fr\u00fchzeitig erkennen. Hinzu kommen auch Luftbeobachter, und aus dem Zusammenspiel ergibt sich ein gutes Bild der Gesamtlage. Russland sehen wir nun auch Kr\u00e4fte mobilisieren, um ein solches Flugmeldesystem zu errichten, auch mit Kr\u00e4ften, die um gef\u00e4hrdete Objekte herum platziert werden und die einfachste Mittel nutzen wie etwa Maschinengewehre und Maschinenkanonen. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/videos\/politik\/Tuapse-zeigt-wie-erfolgreich-die-Ukraine-sein-kann-id30760578.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"A-satellite-image-shows-the-oil-spill-at-the-Black-Sea-in-Tuapse-Krasnodar-Region-Russia-April-17-2026-VANTOR-Handout-via-REUTERS-THIS-IMAGE-HAS-BEEN-SUPPLIED-BY-A-THIRD-PARTY-NO-RESALES-NO-ARCHIVES-MANDATORY-CREDIT-MUST-NOT-OBSCURE-LOGO\"\/>Reisner zu strategischem Coup&quot;Tuapse zeigt, wie erfolgreich die Ukraine sein kann&quot;<\/a><\/p>\n<p>Um bis zu dem angepeilten Objekt zu kommen, um also wie im Fall des Ural-Angriffs erstmal 1800 Kilometer weit unbehelligt \u00fcber russischem Gebiet zu fliegen, muss man im Hintergrund enorm viel Aufwand betreiben, oder? <\/p>\n<p>Die russische Fliegerabwehr erfolgt in mehreren Stufen. Die Systeme unmittelbar an der Front wehren taktische Drohnen auf dem Gefechtsfeld ab. Luftverteidigungssysteme entlang der Grenze sch\u00fctzen das Territorium vor einfliegenden Systemen, die tiefer im Land angreifen oder aufkl\u00e4ren sollen. Die wichtigsten R\u00fcstungsobjekte auf russischem Gebiet werden zudem um sie herum angelegte Ringe von Systemen gesch\u00fctzt. Eine wichtige Taktik der Ukrainer, um trotz der feindlichen Abwehrsysteme ein Ziel zu treffen, ist, saturierend zu wirken. Also nicht eine Drohne auf ein Ziel zu schicken, sondern zehn gleichzeitig. Wenn von den zehn Flugk\u00f6rpern nur acht abgeschossen werden, weil die Abwehrsysteme von der Menge \u00fcberfordert waren, kommen immer noch zwei ins Ziel. <\/p>\n<p>Saturieren ist also ein Teil der Taktik. Was geh\u00f6rt noch dazu? Die n\u00f6tige Aufkl\u00e4rung kommt weiter von den US-Satelliten? <\/p>\n<p>Die USA haben zwar ihre milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung mit Blick auf die Lieferung von Waffensystemen zur\u00fcckgefahren, sie unterst\u00fctzen die Ukrainer aber weiterhin bei der Zielaufkl\u00e4rung und bei der Auswertung. Zudem gibt es mittlerweile Berichte, dass auch Frankreich und Gro\u00dfbritannien auf diesem Gebiet im gro\u00dfen Stil unterst\u00fctzt. Vor gr\u00f6\u00dferen Angriffen identifizieren die Ukrainer mithilfe der Aufkl\u00e4rungsdaten ganz gezielt die russische Fliegerabwehr. Dann versuchen sie schon im Vorfeld, die Abwehrsysteme auf der geplanten Route gezielt auszuschalten, um den Weg f\u00fcr die eigenen Drohnen freizumachen. <\/p>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Markus-Reisner\"\/><figcaption>Der promovierte Historiker und Oberst Markus Reisner bildet an der Theresianischen Milit\u00e4rakademie in Wien Offiziere des \u00f6sterreichischen Bundesheers aus. F\u00fcr ntv.de analysiert er jede Woche Entwicklungen im Ukraine-Krieg. <\/figcaption><\/figure>\n<p>Wie detailliert sind die Aufkl\u00e4rungsdaten? <\/p>\n<p>Schon 2023 konnten wir anhand der Discord Leaks sehen, wie tief die Unterst\u00fctzung durch US-Aufkl\u00e4rung damals bereits ging. Da wurden einzelne Dokumente ver\u00f6ffentlicht, die russische St\u00f6rsysteme auf der untersten taktischen Ebene auflisteten. Die Aufkl\u00e4rung war also \u00e4u\u00dferst detailliert und ist es sicherlich heute noch immer. Denn die Abwehrsysteme hinterlassen durch ihre Radare Spuren im elektromagnetischen Spektrum. Durch diese Signaturen l\u00e4sst sich ihr Standort ziemlich exakt bestimmen. <\/p>\n<p>Aber sind die russischen Abwehrsysteme mobil und darum schnell an einem neuen Standort? Oder stehen sie fixiert? <\/p>\n<p>Sie sind mit Masse mobile Systeme. Die Abwehrsysteme f\u00fcr Moskau stehen zum Teil auf Plattformen, also kleinen T\u00fcrmen, die ihnen eine bessere Beobachtungs- und Reichweitenm\u00f6glichkeit bieten. Von dort sind sie nur schwer zu entfernen. Je n\u00e4her die Abwehrwaffen zur Front stehen, desto mobiler werden sie. F\u00fcr den Einsatz braucht ein solches Abwehrsystem aber Zeit an einem Ort. Es muss \u00fcber eine gewisse Zeitspanne stillstehen, den Radar einschalten und sich damit auch exponieren. In einer solchen Phase kann es aufgekl\u00e4rt werden. <\/p>\n<p>Und wenn vielversprechende Aufkl\u00e4rungsdaten die Ukrainer erreichen, geht es darum, so schnell wie m\u00f6glich zuzuschlagen? <\/p>\n<p>Die Ukrainer entscheiden aufgrund diverser Parameter. Neben der Aufkl\u00e4rung k\u00f6nnen sie zum Beispiel auch anhand der Flugrouten ihrer Drohnen erkennen, wo die russische Abwehr l\u00fcckenhaft ist. Auf der Route, auf der die gr\u00f6\u00dfte Zahl eigener Drohnen durchkommt, liegt offensichtlich kein Schwergewicht der feindlichen Abwehr. Sie ist also f\u00fcr einen weiteren Angriff erfolgversprechend. Zudem ist gut erkennbar, dass die Ukraine die russische Seite selbst dazu bringen will, Schwergewichte zu bilden. Das bedeutet dann ausged\u00fcnnte Abwehrkr\u00e4fte an anderer Position, und dort schl\u00e4gt man zu. Der Ural-Angriff wird ja auch zur Folge haben, dass die russische Armee dort Abwehrsysteme installieren muss. <\/p>\n<p>Sammeln wir mal, was die Ukrainer f\u00fcr ihre Luftangriffe nutzen: Aufkl\u00e4rungsdaten der Amerikaner, Franzosen und Briten, Auswertung der Flugrouten eigener Drohnen, gezielte Beeinflussung der russischen Seite mit Blick darauf, wo sie Systeme konzentrieren und wo sie ausd\u00fcnnen. Noch was?<\/p>\n<p>Die ukrainischen Drohnen nutzen noch einen wichtigen Vorteil: Sie fliegen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig tief und haben teils einen kleinen Radarquerschnitt. Das macht es schwierig, sie zu erkennen. Alle f\u00fcnf bis zehn Tage gelingt den Ukrainern auf diese Art ein schwerer Luftangriff an \u00fcberraschender Stelle. Oft springen sie mit den Drohnen-Attacken in Russland geografisch vom Norden in den S\u00fcden oder nach Mittelrussland. <\/p>\n<p>Mit messbarem Erfolg? Wie bewerten Sie die Angriffe der letzten Wochen? <\/p>\n<p>Es sind einige bemerkenswerte Angriffe auf kritische Infrastruktur gelungen. Die waren konkret erfolgreich, weil diese Art kritischer Infrastruktur, \u00d6ldepots zum Beispiel, wichtig ist, um Geld in die Kassen des Kremls zu sp\u00fclen. Ein effektvoller Angriff erfolgte auf Ostluga, einen Hafen in der N\u00e4he von Sankt Petersburg, wo \u00d6lfrachter be- und entladen werden. Satellitenaufnahmen nach dem Angriff zeigen, dass 24 \u00d6ltanks besch\u00e4digt sind. Das ist mehr als die H\u00e4lfte der vorhandenen Tanks. Das Lager ist also zur H\u00e4lfte ausgeschaltet worden. Auch Tuapse am schwarzen Meer wurde schwer getroffen.<\/p>\n<p>Letztlich sind die strategischen Luftangriffe beider Seiten &#8211; die Russen haben ja in der Nacht zu Samstag einen massiven Angriff mit zehn Toten gefahren &#8211; fast die einzige Bewegung derzeit in diesem Krieg, oder? Die Front ist weiter im Patt erstarrt? <\/p>\n<p>Ja, an der Front, also auf der taktischen Ebene, sehen wir seit Monaten das Vor und Zur\u00fcck, wo um wenige Quadratkilometer sehr blutig gek\u00e4mpft wird. Mit punktuellen Erfolgen ohne strategische Dimension. Vielleicht wird sich das Blatt mit einer Sommeroffensive wenden, aber derzeit kann Russland trotz hoher Verluste an Personal nur geringe Erfolge vorweisen. <\/p>\n<p>Was k\u00f6nnte sich denn im Zuge einer Sommeroffensive \u00e4ndern, wenn die Todeszone weiter komplett von Drohnen kontrolliert bleibt? <\/p>\n<p>Die Russen k\u00f6nnten planen, in einigen Abschnitten saturierend gegen die Ukrainer zu wirken. Also eine Drohne nach der anderen zu schicken, um die ukrainischen Abwehrkapazit\u00e4ten zu schw\u00e4chen. Bislang hat das aber nicht funktioniert. Die Ukrainer haben es geschafft, vor allem durch dezentrale Fertigung und Unterst\u00fctzung aus dem Ausland einen konstanten Fluss von Drohnen an die Front sicherzustellen. Angriffsdrohnen, Aufkl\u00e4rungsdrohnen, Abwehrdrohnen. Im Abnutzungskrieg Russlands h\u00e4lt die Ukraine also erfolgreich dagegen. Die Vegetation im Sommer wird Bewegung an der Front erleichtern. Aber was technische F\u00e4higkeiten angeht, sehe ich die Ukrainer in diesem Sommer sogar besser aufgestellt als letztes Jahr. <\/p>\n<p>Mit Markus Reisner sprach Frauke Niemeyer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politik Reisners Blick auf die Front&quot;Die Russen m\u00fcssen Kr\u00e4fte Tausende Kilometer weit verlagern&quot; 27.04.2026, 19:35 Uhr Ein Interview von Frauke NiemeyerArtikel anh\u00f6ren(08:49 min)00:00 \/ 08:49 0.5x 0.8x 1.0x 1.2x 1.5x<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-31940","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31940","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31940"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31940\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31940"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31940"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31940"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}