{"id":31903,"date":"2026-04-22T19:05:53","date_gmt":"2026-04-22T16:05:53","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/bremse-fur-die-wirtschaft-warum-einige-okonomen-den-kundigungsschutz-opfern-wollen\/"},"modified":"2026-04-22T19:05:53","modified_gmt":"2026-04-22T16:05:53","slug":"bremse-fur-die-wirtschaft-warum-einige-okonomen-den-kundigungsschutz-opfern-wollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/bremse-fur-die-wirtschaft-warum-einige-okonomen-den-kundigungsschutz-opfern-wollen\/","title":{"rendered":"Bremse f\u00fcr die Wirtschaft?: Warum einige \u00d6konomen den K\u00fcndigungsschutz opfern wollen"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Wirtschaft<\/p>\n<h2>Bremse f\u00fcr die Wirtschaft?Warum einige \u00d6konomen den K\u00fcndigungsschutz opfern wollen<\/h2>\n<p>22.04.2026, 16:58 Uhr <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/autoren\/Juliane-Kipper-article19968017.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/6564448\/1762777616\/Img_1_1\/36\/IMG_4708.webp\" alt=\"IMG_4708\"\/>Von Juliane Kipper<\/a>Artikel anh\u00f6ren(08:11 min)<audio src=\"https:\/\/mp3.n-tv.de\/2026\/04\/TTSART_30742938_20260422165815-radleg2.mp3\"><\/audio>00:00 \/ 08:11<\/p>\n<ul>\n<li>0.5x<\/li>\n<li>0.8x<\/li>\n<li>1.0x<\/li>\n<li>1.2x<\/li>\n<li>1.5x<\/li>\n<li>2.0x<\/li>\n<\/ul>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/30743024\/1776865977\/Img_16_9\/1024\/Ein-Mann-im-Anzug-oeffnet-eine-Pappschachtel-auf-einem-Schreibtisch-Der-Karton-enthaelt-Papiere-und-einen-Laptop-A-man-in-a-suit-is-opening-a-cardboard-box-on-a-desk-The-box-contains-papers-and-a-laptop-Copyright-imageBROKER-SirinarthxMekvorawut-ibxiqx14190340.webp\" alt=\"Ein-Mann-im-Anzug-oeffnet-eine-Pappschachtel-auf-einem-Schreibtisch-Der-Karton-enthaelt-Papiere-und-einen-Laptop-A-man-in-a-suit-is-opening-a-cardboard-box-on-a-desk-The-box-contains-papers-and-a-laptop-Copyright-imageBROKER-SirinarthxMekvorawut-ibxiqx14190340\"\/><figcaption>Derzeit ist in Deutschland klar geregelt, wann sich Unternehmen von ihren Mitarbeitern trennen k\u00f6nnen. (Foto: IMAGO\/imagebroker)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Deutschlands Standortkrise befeuert die Debatte um den K\u00fcndigungsschutz. W\u00e4hrend Bef\u00fcrworter in mehr Flexibilit\u00e4t den Schl\u00fcssel f\u00fcr Innovationen sehen, warnen Gegner vor einem sozialen R\u00fcckschritt f\u00fcr Besch\u00e4ftigte. <\/p>\n<p>In der Debatte um neue Impulse f\u00fcr den Standort Deutschland wird der Ruf nach einer Lockerung des K\u00fcndigungsschutzes lauter. Bef\u00fcrworter argumentieren: Mehr Flexibilit\u00e4t soll das Wachstum retten. So dr\u00e4ngte zuletzt CSU-Chef Markus S\u00f6der auf entsprechende arbeitsrechtliche Reformen.<\/p>\n<p>Derzeit ist in Deutschland klar geregelt, wann sich Unternehmen von ihren Mitarbeitern trennen k\u00f6nnen. Wie stark Arbeitnehmer gesch\u00fctzt sind, h\u00e4ngt dabei von mehreren Faktoren ab. Ein allgemeiner K\u00fcndigungsschutz greift bereits ab einer Anstellung von sechs Monaten und sobald der Betrieb mehr als zehn Angestellte hat. Sind diese Voraussetzungen erf\u00fcllt, darf nur aus drei Gr\u00fcnden gek\u00fcndigt werden: personenbedingt, verhaltensbedingt oder betriebsbedingt.<\/p>\n<p>Doch genau diese Vorgaben sind nicht nur S\u00f6der, sondern auch einigen \u00d6konomen ein Dorn im Auge. &quot;Der K\u00fcndigungsschutz ist ein Hemmnis f\u00fcr die wirtschaftliche Dynamik&quot;, sagt ifo-Pr\u00e4sident Clemens Fuest auf Anfrage von ntv.de. Laut dem \u00d6konomen leiden besonders Firmen, deren Innovationen und Investitionen mit hohen Risiken verbunden sind, unter der Regelung. Damit Unternehmen riskante Investitionen trotzdem t\u00e4tigen, m\u00fcssten Unternehmen ihm zufolge &quot;Besch\u00e4ftigung sehr schnell aufbauen, sie bei Misserfolg aber auch schnell wieder abbauen&quot; k\u00f6nnen. Da das Arbeitsrecht dies aktuell aber verhindere, f\u00e4nden solche Investitionen in Deutschland kaum statt. Einen Ausweg sieht er darin, den K\u00fcndigungsschutz f\u00fcr hoch qualifizierte Besch\u00e4ftigte zu lockern. &quot;Sie finden ohnehin schnell neue Arbeitspl\u00e4tze.&quot;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/videos\/ratgeber\/Kuendigung-im-Job-Diese-Rechte-haben-Arbeitnehmer-id30229637.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Buch-mit-der-Aufschrift-Arbeitsrecht-vor-Deutschlandfarben-und-Bundesadler-Symbolbild-fuer-gesetzliche-Regelungen-von-Arbeit-Beschaeftigung-Kuendigungsschutz-und-politische-Debatten-um-Arbeitnehmerrechte\"\/>Anw\u00e4ltin kl\u00e4rt aufK\u00fcndigung im Job &#8211; diese Rechte haben Arbeitnehmer<\/a><\/p>\n<p>Noch weiter geht der Arbeitsmarkt-Experte Dominik Groll vom Kieler Institut f\u00fcr Weltwirtschaft (IfW). Er vertritt die Auffassung: Die \u00f6konomische Bedeutung des K\u00fcndigungsschutzes wird in der aktuellen Debatte untersch\u00e4tzt. Vieles spreche daf\u00fcr, dass er die mit Abstand wichtigste Regulierung sei, die reformiert werden m\u00fcsse. &quot;Der hohe K\u00fcndigungsschutz beeintr\u00e4chtigt die Innovationskraft, und \u00fcber ein niedrigeres Produktivit\u00e4tswachstum letztlich den Lebensstandard der Bev\u00f6lkerung&quot;, sagt er auf Anfrage von ntv.de.<\/p>\n<p>Nach Grolls Darstellung ist der K\u00fcndigungsschutz in Deutschland effektiv viel ausgepr\u00e4gter als bislang bekannt. Neben den gesetzlichen Fristen erschweren auch hohe rechtliche H\u00fcrden betriebsbedingte K\u00fcndigungen, sagt der Experte. Das f\u00fchre dazu, dass Restrukturierungen von mittelgro\u00dfen und gro\u00dfen Unternehmen in Deutschland durchschnittlich vier Jahre dauern und Unternehmen rund 30 Monatsgeh\u00e4lter pro Besch\u00e4ftigten kosten.<\/p>\n<p>Gleichzeitig betont der ifW-Experte: Eine Lockerung des K\u00fcndigungsschutzes sollte mit einer Erh\u00f6hung des Arbeitslosengelds einhergehen. Zudem k\u00f6nne die H\u00f6he des Arbeitslosengelds st\u00e4rker von sozialen Kriterien abh\u00e4ngig gemacht werden. &quot;Es geht bei dieser Diskussion nicht darum, soziale Sicherheit zu verringern, sondern sie umzugestalten.&quot; Als m\u00f6gliches Vorbild verweist er dabei auf L\u00e4nder wie D\u00e4nemark und die Schweiz. In beiden L\u00e4ndern ist das sogenannte Flexicurity-Modell \u00fcblich, das Unternehmen mehr Flexibilit\u00e4t bei gleichzeitig st\u00e4rkerem sozialen Sicherheitsnetz bietet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Kuendigungsschutz-lockern-Wirtschaftsweise-Grimm-verweist-auf-daenisches-Modell-id30388869.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Veronika-Grimm-spricht-bei-der-Vorstellung-des-Jahresgutachtens-2025-26-des-Sachverstaendigenrates-der-sogenannten-Wirtschaftsweisen-zur-Begutachtung-der-gesamtwirtschaftlichen-Entwicklung\"\/>Vorbild D\u00e4nemark?Grimm: Nur K\u00fcndigungsschutz f\u00fcr Top-Verdiener lockern reicht nicht<\/a><\/p>\n<p>Aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive f\u00fchrt ein starker K\u00fcndigungsschutz laut Groll dazu, dass die Produktivit\u00e4t, die Wirtschaftsleistung und damit letztlich der Lebensstandard der Bev\u00f6lkerung langsamer w\u00e4chst. &quot;Eine dauerhaft h\u00f6here Innovationskraft und damit ein dauerhaft h\u00f6heres Produktivit\u00e4tswachstum f\u00fchren \u00fcber Jahre und Jahrzehnte zu enormen Wohlstandsgewinnen f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung.&quot; Der ifW-Experte rechnet vor: Ein um 0,5 Prozentpunkte h\u00f6heres Produktivit\u00e4tswachstum bedeutet nach 10 Jahren ein um 5 Prozent h\u00f6heres Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, nach 20 Jahren 10 Prozent, nach 50 Jahren 30 Prozent.<\/p>\n<p>Sollte sich ein solches Modell auch in Deutschland durchsetzen, wird das laut Groll zwar voraussichtlich zu mehr Fluktuation am Arbeitsmarkt f\u00fchren. &quot;Das bedeutet aber nicht nur mehr K\u00fcndigungen, sondern auch mehr Einstellungen&quot;, sagt der Arbeitsmarktexperte. Schlie\u00dflich w\u00fcrden Unternehmen, wenn sie wissen, dass sie Besch\u00e4ftigte mit \u00fcberschaubaren Kosten entlassen k\u00f6nnen, Stellen schneller ausschreiben. Diese Erwartung senkte Hemmnisse bei Neueinstellungen. Zwar stiege dadurch die Unsicherheit im aktuellen Job, zugleich s\u00e4nke jedoch das Risiko, nach einer Entlassung l\u00e4ngere Zeit ohne neue Besch\u00e4ftigung zu bleiben. <\/p>\n<p>Der Einsch\u00e4tzung von Fuest und Groll widerspricht der Pr\u00e4sident des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW) hingegen vehement. F\u00fcr Marcel Fratzscher ist die aktuelle Debatte um die Aufweichung des K\u00fcndigungsschutzes eine Phantomdiskussion. &quot;Sie lenkt von den eigentlichen Ursachen der wirtschaftlichen Schw\u00e4che Deutschlands ab und macht Besch\u00e4ftigte zu S\u00fcndenb\u00f6cken f\u00fcr Probleme, die sie nicht verursacht haben&quot;, sagt er auf Anfrage von ntv.de. <\/p>\n<p>Seiner Auffassung zufolge haben der Verlust an Wettbewerbsf\u00e4higkeit und das schwache Produktivit\u00e4tswachstum der letzten zwanzig Jahre ihre Ursache nicht in einem zu starren Arbeitsmarkt. Vielmehr macht er zu wenig Innovation, fehlenden Mut zur Ver\u00e4nderung und deutlich zu geringe Investitionen deutscher Unternehmen daf\u00fcr ma\u00dfgeblich verantwortlich.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Topoekonom-stellt-Kuendigungsschutz-fuer-Gutverdiener-infrage-id30384595.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Moritz-Schularick-Praesident-des-Kieler-Instituts-fuer-Weltwirtschaft-spricht-waehrend-eines-Interviews-Der-Oekonom-leitet-das-Institut-seit-Juni-2023\"\/>Schuld an Verlagerung von Jobs?Top\u00f6konom stellt K\u00fcndigungsschutz f\u00fcr Gutverdiener infrage<\/a><\/p>\n<p>In eine \u00e4hnliche Richtung argumentiert auch Arbeitsmarkt-Experte Enzo Weber. Er sieht Deutschland in einer wirtschaftlichen Umbruch- und Innovationskrise, in der notwendige und riskante Investitionen schwer vorankommen. Die Vorteile des K\u00fcndigungsschutzes liegen seiner Einsch\u00e4tzung zufolge jedoch auf der Hand: Sicherheit, Bindung an den Betrieb, Investitionen in Qualifizierung und den Job. Die zentrale Frage sei deswegen nicht, ob der K\u00fcndigungsschutz abgeschafft werden solle, sondern: Wie kann Arbeitsmarktpolitik besser zwischen Sicherheit und Dynamik ausbalanciert werden? <\/p>\n<p>Weber schl\u00e4gt vor, Jobwechsel zu unterst\u00fctzen, indem Abfindungen steuerlich \u00fcber mehrere Jahre vom Erwerbseinkommen abgesetzt werden k\u00f6nnen. Au\u00dferdem soll die bei Startups bestehende h\u00f6here Flexibilit\u00e4t bei befristeten Arbeitsvertr\u00e4gen auf Risikoinvestitionen bestehender Unternehmen ausgeweitet werden. Zus\u00e4tzlich fordert er arbeitsmarktpolitische Paketl\u00f6sungen, die Beratung, Qualifizierung und Vermittlung miteinander verbinden. &quot;Deutschland steckt in einer Erneuerungskrise, wir brauchen mehr Bewegung im Arbeitsmarkt&quot;, sagt er auf Anfrage von ntv.de.<\/p>\n<p>Auch Fratzscher sieht Reformbedarf \u2013 allerdings an anderer Stelle: F\u00fcr ihn sollte der Fokus auf der Vereinfachung von Verfahren liegen. &quot;Aber eine substanzielle Lockerung w\u00fcrde kaum wirtschaftliche Dynamik schaffen, sondern vor allem Unsicherheit bei den Besch\u00e4ftigten erh\u00f6hen, Fluktuation steigern und Produktivit\u00e4t gef\u00e4hrden&quot;, sagt Fratzscher. Wer Fachkr\u00e4fte halten und motivieren wolle, brauche Sicherheit und gute Arbeitsbedingungen \u2013 nicht weniger Schutz. &quot;Die Forderung nach Deregulierung ist ein Ablenkungsman\u00f6ver von Unternehmen, die endlich selbst mehr Verantwortung f\u00fcr ihre Entscheidungen und auch f\u00fcr ihre Fehler \u00fcbernehmen sollten.&quot;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wirtschaft Bremse f\u00fcr die Wirtschaft?Warum einige \u00d6konomen den K\u00fcndigungsschutz opfern wollen 22.04.2026, 16:58 Uhr Von Juliane KipperArtikel anh\u00f6ren(08:11 min)00:00 \/ 08:11 0.5x 0.8x 1.0x 1.2x 1.5x 2.0x Derzeit ist in<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-31903","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31903","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31903"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31903\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31903"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31903"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31903"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}