{"id":31503,"date":"2026-02-15T12:47:08","date_gmt":"2026-02-15T09:47:08","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/rheinmetall-liebt-wind-und-sonne-die-europaischen-treibstoffvorrate-reichen-fur-drei-monate-krieg\/"},"modified":"2026-02-15T12:47:08","modified_gmt":"2026-02-15T09:47:08","slug":"rheinmetall-liebt-wind-und-sonne-die-europaischen-treibstoffvorrate-reichen-fur-drei-monate-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/rheinmetall-liebt-wind-und-sonne-die-europaischen-treibstoffvorrate-reichen-fur-drei-monate-krieg\/","title":{"rendered":"Rheinmetall liebt Wind und Sonne: &#8220;Die europ\u00e4ischen Treibstoffvorr\u00e4te reichen f\u00fcr drei Monate Krieg&#8221;"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Wirtschaft<\/p>\n<h2>Rheinmetall liebt Wind und Sonne&quot;Die europ\u00e4ischen Treibstoffvorr\u00e4te reichen f\u00fcr drei Monate Krieg&quot;<\/h2>\n<p>15.02.2026, 07:29 Uhr Artikel anh\u00f6ren(19:11 min)<audio src=\"https:\/\/mp3.n-tv.de\/2026\/02\/TTSART_30354124_20260215073005-radleg2.mp3\"><\/audio>00:00 \/ 19:11<\/p>\n<ul>\n<li>0.5x<\/li>\n<li>0.8x<\/li>\n<li>1.0x<\/li>\n<li>1.2x<\/li>\n<li>1.5x<\/li>\n<li>2.0x<\/li>\n<\/ul>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/30354116\/1770894810\/Img_16_9\/1024\/Soldaten-der-Bundeswehr-betanken-waehrend-Gefechtsvorfuehrung-den-Schuetzenpanzer-vom-Typ-Puma.webp\" alt=\"Soldaten-der-Bundeswehr-betanken-waehrend-Gefechtsvorfuehrung-den-Schuetzenpanzer-vom-Typ-Puma\"\/><figcaption>Soldaten der Bundeswehr betanken einen Sch\u00fctzenpanzer vom Typ Puma. (Foto: picture alliance\/dpa)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Europa hat etwa 60 Raffinerien. &quot;Das ist das R\u00fcckgrat unserer Treibstoffversorgung&quot;, sagt Rheinmetall-Managerin Shena Britzen im Interview. &quot;Kraftstoffe sind der Mittelpunkt der Verteidigungsbereitschaft. Und die gr\u00f6\u00dfte Flanke: Strategie ist f\u00fcr Amateure. Profis sprechen \u00fcber Logistik.&quot; <\/p>\n<p>Britzen leitet das Wasserstoffprogramm von Rheinmetall und m\u00f6chte das europ\u00e4ische Energiesystem f\u00fcr das Schreckensszenario r\u00fcsten. Sie warnt im &quot;Klima-Labor von ntv&quot;: Ohne Kraftstoffe geht nichts. Die Vorr\u00e4te f\u00fcr Panzer, Kampfflugzeuge, Lkw und auch Krankenh\u00e4user w\u00e4ren im Kriegsfall nach wenigen Wochen aufgebraucht. Rheinmetall plant deshalb ein europaweites Netzwerk von autarken Energieinseln. Dort sollen Elektrolyseure von Cleantech-Unternehmen wie Sunfire aus Dresden gr\u00fcnen Wasserstoff erzeugen. Der gro\u00dfe Verb\u00fcndete? Wind und Sonne. &quot;Denen ist egal, ob Krieg oder Frieden herrscht&quot;, sagt Britzen. &quot;Die sind immer da.&quot; Noch kostet ein Liter synthetisches Kerosin allerdings vier bis f\u00fcnf Euro. &quot;Das verkompliziert den Hochlauf&quot;, sagt Sunfire-Chef Aldag. Rheinmetall und Sunfire hoffen deshalb auf staatliche Hilfe. Ein guter Plan? &quot;Rheinmetall zeigt auf jeden Fall, dass die Energiewende in unserem Interesse ist&quot;, sagt Kira Vinke von der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Politik (DGAP). &quot;Auch &#039;Durchhalten&#039; ist eine milit\u00e4rische F\u00e4higkeit.&quot;<\/p>\n<p>ntv.de: Seit wann besch\u00e4ftigt sich Rheinmetall mit synthetischen und gr\u00fcnen Treibstoffen f\u00fcr Panzer?<\/p>\n<p>Shena Britzen: Schon sehr lange. Rheinmetall war fr\u00fcher zu 50 Prozent Automobilzulieferer und zu 50 Prozent R\u00fcstungsunternehmen. In der Automobilsparte sind wir seit mehr als 25 Jahren im Bereich von Brennstoffzellen aktiv.<\/p>\n<p>Rheinmetall steckt im Golf drin?<\/p>\n<p>Shena Britzen: Unter der Motorhaube findet man unter anderen Markennamen in so ziemlich jedem Auto Komponenten von Rheinmetall: Kolben, Pumpen, Ventile. Es steht nur Pierburg oder Kolbenschmidt drauf.<\/p>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"2025-03 Shena\"\/><figcaption>Die Diplom-Ingenieurin Shena Britzen leitet das Wasserstoffprogramm von Rheinmetall. (Foto: privat)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wann wurde Wasserstoff f\u00fcr Panzer interessant?<\/p>\n<p>Shena Britzen: Als die Bundesregierung 2020 die nationale Wasserstoffstrategie verabschiedet hat, hat der Rheinmetall-Vorstand entschieden, sich st\u00e4rker in dem Feld zu engagieren. Anfangs lag der Fokus auf zivilen Anwendungen. Sp\u00e4ter folgte der logische Schritt, Wasserstoff als Basis von synthetischen Kraftstoffen f\u00fcr milit\u00e4rische Systeme zu nutzen.<\/p>\n<p>Kira Vinke: Die Leitfrage ist: Wo k\u00f6nnen neue &#8211; in diesem Fall erneuerbare &#8211; Technologien milit\u00e4risch von Vorteil sein und unsere F\u00e4higkeiten verst\u00e4rken? Beispielsweise, indem sie Abh\u00e4ngigkeiten reduzieren. Das betrifft auch die Stromversorgung von Kasernen oder die Widerstandsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber Extremwetterereignissen wie St\u00fcrmen oder \u00dcberflutungen.<\/p>\n<p>Angesto\u00dfen von der gr\u00fcnen Transformation der deutschen Wirtschaft?<\/p>\n<p>Kira Vinke: Ja. Wie entwickelt sich der zivile Bereich langfristig? Sind die Dinge, die wir f\u00fcr den milit\u00e4rischen Bereich beschaffen, damit kompatibel?<\/p>\n<p>Und f\u00fcr den milit\u00e4rischen Bereich sind synthetische Kraftstoffe genau das Richtige?<\/p>\n<p>Shena Britzen: Es gab vor einigen Jahren den Push in Richtung Elektromobilit\u00e4t. Das Narrativ war: Dadurch werden fossile Kraftstoffe ersetzt. Dabei spielte Wasserstoff eine Rolle, synthetische Kraftstoffe eher nicht. Die wurden als ineffizient dargestellt, weil die Konvertierung von Elektronen in Kraftstoff weniger effizient ist, als wenn man die Elektronen direkt nutzt. Aber auch Elektronen haben physikalische Grenzen: Man kann Strom aus Sonne und Wind lokal gut ernten, aber nur schwer transportieren und speichern. Ein Leopard-2-Kampfpanzer ben\u00f6tigt im Gefecht f\u00fcr einen Kilometer sieben Liter Diesel. W\u00fcrde man das mit einem Elektrosystem abbilden, w\u00fcrde der Leopard nicht 70 Tonnen wiegen, sondern 105 Tonnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/videos\/politik\/Warum-E-Panzer-an-der-Physik-scheitern-id30352916.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Panzer\"\/>Erneuerbare Energien in der R\u00fcstungWarum E-Panzer an der Physik scheitern<\/a><\/p>\n<p>Weil die Batterie so gro\u00df sein m\u00fcsste?<\/p>\n<p>Shena Britzen: Ja. Man k\u00f6nnte einen E-Panzer auch nicht aufladen. Ein voller Dieseltank hat eine hohe Energiedichte. Es ist physikalisch de facto unm\u00f6glich, auf demselben Raum mit Elektronen eine \u00e4hnliche Energiedichte zu erreichen. Streitkr\u00e4fte funktionieren aber in Logistik, davon h\u00e4ngt die Durchhaltef\u00e4higkeit ab. Der US-amerikanische General Bradley hat im Zweiten Weltkrieg gesagt: &quot;Strategie ist f\u00fcr Amateure. Profis sprechen \u00fcber Logistik.&quot; Wo auch immer das n\u00e4chste Gefecht stattfindet, dorthin muss man Energie transportieren.<\/p>\n<p>Und das funktioniert am besten mit fossilen Brennstoffen?<\/p>\n<p>Shena Britzen: Kohlenwasserstoffbasierter Kraftstoff ist abgesehen von Kernenergie die kompakteste Form von Energie, die man daher auch am einfachsten transportieren kann.<\/p>\n<p>Wo finde ich das &quot;Klima-Labor&quot;?<\/p>\n<p>Dieses Interview ist eigentlich ein Podcast, den Sie sich anh\u00f6ren k\u00f6nnen: &quot;Das Klima-Labor von ntv&quot; finden Sie auf ntv.de und \u00fcberall, wo es Podcasts gibt: RTL+, Amazon Music, Apple Podcasts, Spotify, RSS-Feed.<\/p>\n<p>Sie haben eine Frage an uns? Schreiben Sie E-Mail an klimalabor@ntv.de.<\/p>\n<p>F\u00fcr synthetische Kraftstoffe fehlt aber gr\u00fcner Wasserstoff. Wie ist der Stand beim Hochlauf?<\/p>\n<p>Nils Aldag: Als Russland die Ukraine angriff, dachte speziell die Wasserstoffbranche: Alle haben verstanden, dass Wasserstoff Teil der L\u00f6sung ist. Nach dem Umstieg auf amerikanisches Fl\u00fcssiggas hat erneut eine gewisse politische Beh\u00e4bigkeit eingesetzt. Zumindest in der \u00f6ffentlichen Debatte macht sich seither eher ein Gef\u00fchl von &quot;hat nicht geklappt&quot; breit.<\/p>\n<p>Das ist nicht falsch, oder?<\/p>\n<p>Nils Aldag: Doch. Wir haben Ende Januar in Spanien einen Auftrag f\u00fcr zwei 100-Megawatt-Elektrolyseure erhalten. Das entspricht einem gro\u00dfen Windpark. Das spanische Energieunternehmen Repsol investiert zwischen 150 und 200 Millionen Euro. Spanien treibt das Thema voran. Die Regierung will gr\u00fcnen Wasserstoff f\u00fcr die heimische Wirtschaft produzieren und \u00fcber Pipelines auch an L\u00e4nder wie Deutschland liefern. Solche Projekte werden derzeit an vielen Stellen realisiert.<\/p>\n<p>Es l\u00e4uft besser als gedacht?<\/p>\n<p>Nils Aldag: F\u00fcnf Zentimeter unter der Wasseroberfl\u00e4che stellt man jedenfalls fest, dass viel passiert.<\/p>\n<p>Auch, weil Elektrolyseure im chinesischen F\u00fcnfjahresplan ein Schwerpunkt sind?<\/p>\n<p>Nils Aldag: Es gab ein zweites Erwachen: Wenn wir unabh\u00e4ngig sein wollen, ist amerikanisches LNG auch keine sichere L\u00f6sung. Beim Klimawandel sind die Kosten nicht so offensichtlich, in Extremsituationen wie der Energiekrise schon &#8211; und sie sind exorbitant hoch: 2022 sind die Gaspreise auf das Zwanzigfache des \u00dcblichen gestiegen. Europa musste 600 Milliarden Euro ausgeben, um Gasrechnungen zu senken. Das ist ein \u00e4hnlich starker Antrieb, die Abh\u00e4ngigkeit von fossilen Energietr\u00e4gern zu beenden wie Klimaschutz.<\/p>\n<p>Spiegelt sich das auch in der Politik wider?<\/p>\n<p>Nils Aldag: Die Bundesregierung hat mit mehreren Jahren Versp\u00e4tung eine europ\u00e4ische Direktive umgesetzt, die Mitgliedstaaten bis 2030 verpflichtet, 1,2 Prozent der Energie im Transportsektor mit gr\u00fcnem Wasserstoff und E-Fuels zu ersetzen. Diese 1,2 Prozent sind durch die aktuellen Projekte abgedeckt. Unser Wunsch ist, die verpflichtende Quote auf 2,5 Prozent zu schrauben. Das ist machbar. Das w\u00e4re ein Startpunkt f\u00fcr mehrere Gigawatt an Elektrolyseuren in Deutschland und Europa.<\/p>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Nils-Aldag-Sunfire-CEO-Sunfire\"\/><figcaption>Nils Aldag ist Co-Gr\u00fcnder und Chef des Elektrolyse-Unternehmens Sunfire und zudem stellvertretender Vorsitzender des Startup-Verbands. (Foto: Sunfire)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Sieht Rheinmetall das auch so?<\/p>\n<p>Shena Britzen: Die Quote hilft im Zivilbereich. Wir brauchen keine. Die Notwendigkeit, zu handeln, ist viel offensichtlicher.<\/p>\n<p>Versorgungssicherheit?<\/p>\n<p>Shena Britzen: Das Ende des Ukraine-Kriegs ist der Startpunkt f\u00fcr jegliche weitere Bedrohung in Europa. Nach den ersten Luftlandeoperationen gab es in der Ukraine ein eingegrabenes Artilleriegefecht. Anschlie\u00dfend begann der Drohnenkrieg. Die Ukraine und Russland haben die industrielle Massenproduktion von Kampfdrohnen etabliert. Mittlerweile stehen Angriffe auf die Kraftstoff- und Energieinfrastruktur im Fokus. Russland hat bereits 15 Prozent seiner Raffineriekapazit\u00e4t verloren.<\/p>\n<p>Weil die Ukraine die Energieinfrastruktur mit Drohnen angreift.<\/p>\n<p>Shena Britzen: Das ist ein wesentlicher Grund, dass Russland verhandelt. Es kann diese Angriffe nicht verhindern. Europa hat etwa 60 Raffinerien. Das ist das R\u00fcckgrat unserer Treibstoffversorgung. Unsere Vorr\u00e4te reichen f\u00fcr drei Monate Kriegsf\u00fchrung. Dann sind die Lager leer. Alles, was wir derzeit f\u00fcr Tausende Milliarden Euro beschaffen, braucht Kraftstoff: Kampfflugzeuge, Schiffe, Panzer, Lkw. Das ist der Mittelpunkt einer jeden Verteidigungsbereitschaft.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Kann-man-Panzer-noch-betanken-wenn-es-immer-weniger-Tankstellen-gibt-id6513623.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"393638915\"\/>Gr\u00fcnes Problem f\u00fcr Pistorius&quot;Kann man Panzer noch betanken, wenn es immer weniger Tankstellen gibt?&quot;<\/a><\/p>\n<p>Ohne Kraftstoff funktioniert nichts?<\/p>\n<p>Shena Britzen: Das gilt auch f\u00fcr die Zivilgesellschaft. Krankenh\u00e4user, Einsatzkr\u00e4fte \u2026 das bricht zusammen. Kraftstoffe sind die gr\u00f6\u00dfte Flanke unserer Verteidigungsbereitschaft. Die schlie\u00dfen wir nur mit gr\u00fcnem Wasserstoff. Wir ben\u00f6tigen eine Herstellerkapazit\u00e4t von mindestens 20 Millionen Tonnen E-Fuels pro Jahr in Europa, um verteidigungsf\u00e4hig zu sein. Das entspricht f\u00fcr Deutschland sieben bis acht Gigawatt Elektrolysekapazit\u00e4t.<\/p>\n<p>Nils Aldag: Letztlich ist die Frage in beiden Bereichen dieselbe, nur mit unterschiedlicher Dringlichkeit: Bin ich bereit, im Transportsektor etwas Geld in die Hand zu nehmen, um meine Abh\u00e4ngigkeit von Erd\u00f6l und Erdgas zu reduzieren? Bin ich im Verteidigungsbereich bereit, einen kleinen Teil des gro\u00dfen Budgets auszugeben, um Sicherheit zu garantieren?<\/p>\n<p>Gr\u00fcner Wasserstoff schlie\u00dft die gro\u00dfe Sicherheitsflanke? Wann denn?<\/p>\n<p>Shena Britzen: Die Nato hat bereits im vergangenen Jahr gesagt, Russland sei in f\u00fcnf Jahren angriffsbereit. Gegen diese Uhr arbeiten wir. Der europ\u00e4ische Green-Tech-Bereich ist aber so leistungsf\u00e4hig, dass wir diese F\u00e4higkeit in f\u00fcnf Jahren aufbauen k\u00f6nnen. Anders als bei der Kernfusion muss man nicht schauen, ob es funktioniert. Die Technologie ist verf\u00fcgbar. Wir k\u00f6nnen sie skalieren und replizieren. Wir m\u00fcssen es nur wollen.<\/p>\n<p>Nils Aldag: Wir nehmen in Bilbao in Spanien gerade eine Anlage f\u00fcr synthetisches Kerosin in Betrieb. Repsol fragt nicht, ob das funktioniert. Das wird erwartet und das garantieren wir. Aber diese Anlagen werden bisher nicht im gro\u00dfen Ma\u00dfstab gefertigt. Ein Liter synthetisches Kerosin kostet vier bis f\u00fcnf Euro. Das k\u00f6nnen wir auf ein bis zwei Euro dr\u00fccken, aber das verkompliziert den Hochlauf. Kein Unternehmen kauft Vier-Euro-Kraftstoff, wenn es g\u00fcnstigere Alternativen gibt. Deshalb m\u00fcssen wir politisch einen Bereich schaffen, der den Hochlauf unterst\u00fctzt &#8211; ob nun der Transportsektor, der milit\u00e4rische Bereich oder ein anderer. Nach normalen Marktprinzipien passiert das nicht.<\/p>\n<p>Shena Britzen: Themen wie &quot;resiliente Energieversorgung&quot; oder &quot;dezentrale Kraftstofferzeugung&quot; sind f\u00fcr gro\u00dfe Energiekonzerne zu unbedeutend. Aber Deutschland hat beschlossen, in den kommenden zehn Jahren f\u00fcr 30 Milliarden Euro Schutzr\u00e4ume zu bauen. Sollen die Menschen dort im Dunkeln und im Kalten sitzen? Es geht nicht nur um die Versorgung von Panzern.<\/p>\n<p>Kira Vinke: Wir haben gerade erst in Berlin erlebt, was passiert, wenn die Energieinfrastruktur angegriffen wird. Auch in der Ostsee wurden wichtige Strom- und Datenkabel von der russischen Schattenflotte oder chinesischen Frachtschiffen durchtrennt. Unsere Anlagen werden ausgesp\u00e4ht. Das sind Angriffspunkte. Wir ben\u00f6tigen unbedingt mehr Energiesicherheit &#8211; etwa durch heimische Erneuerbare. <\/p>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Vinke-Kira\"\/><figcaption>Dr. Kira Vinke ist stellv. Forschungsdirektorin der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Politik (DGAP) und Leiterin des Zentrums f\u00fcr Klima- und Au\u00dfenpolitik. (Foto: DGAP)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Und die L\u00f6sung ist ein europaweites Netzwerk von Hunderten modularen Anlagen, das binnen f\u00fcnf Jahren aufgebaut ist und anschlie\u00dfend gr\u00fcnen Diesel und gr\u00fcnes Kerosin erzeugt?<\/p>\n<p>Shena Britzen: Korrekt. Wir nennen diese Kraftstoffversorgungsanlagen &quot;Energieinseln&quot;. Die sind nach heutigen Ma\u00dfst\u00e4ben klein. Gro\u00dfe Anlagen stellen 100.000 Tonnen Kraftstoff pro Jahr her. Unsere sind auf etwa 5000 Tonnen ausgelegt, aber so entwickelt, dass sie m\u00f6glichst resilient sind: Sie arbeiten mit lokal verf\u00fcgbarer regenerativer Energie, denn das ist die resilienteste. Wind, Sonne, Wasserkraft und Geothermie ist egal, ob Krieg oder Frieden herrscht. Die sind immer da. Alle Prozessschritte werden vor Ort durchgef\u00fchrt. Den erzeugten Kraftstoff kann man vertanken &#8211; auch in zivilen Anwendungen. Ein Leopard f\u00e4hrt mit demselben Diesel wie Lkw und Pkw.<\/p>\n<p>Diese Anlagen funktionieren unabh\u00e4ngig voneinander? Wenn eine zerst\u00f6rt wird, arbeiten die anderen weiter?<\/p>\n<p>Shena Britzen: Ja, die Energieinseln sind autark. Die Verteilung ist wie bei Grundwasser: Ich bin nie mehr als 50 bis 100 Kilometer von einer Kraftstoffquelle entfernt. Eine Anlage f\u00fcr 100.000 Tonnen Kraftstoff ben\u00f6tigt 200 Windr\u00e4der. F\u00fcr eine 5000-Tonnen-Anlage ben\u00f6tige ich zehn Windr\u00e4der. Diese Gr\u00f6\u00dfenordnung ist die Bev\u00f6lkerung gewohnt. Die ist gesellschaftlich akzeptiert. Wir k\u00f6nnen unsere Giga-PTX-Anlagen neben jeden normalen Windpark stellen &#8211; und immer laufen lassen. Wind und Sonne sind ja da. Diese Energie kann man immer ernten, fortlaufend Kraftstoff produzieren und als synthetischen oder gr\u00fcnen Diesel der Bev\u00f6lkerung verkaufen.<\/p>\n<p>Die aktuelle Bundesregierung denkt bei Wind und Sonne eher an Dunkelflauten. Verleiht Rheinmetall der Energiewende mit Aussagen wie &quot;Wind und Sonne sind immer da, egal ob Krieg oder Frieden&quot; neuen Schwung?<\/p>\n<p>Kira Vinke: Rheinmetall zeigt auf jeden Fall auf, dass die amerikanische Agenda der Energiedominanz nicht im europ\u00e4ischen Interesse ist und wir uns mit unserem schwankenden Kurs verwundbar machen. Die Energiewende ist in unserem sicherheitspolitischen Interesse. Europa importiert ungef\u00e4hr 98 Prozent des \u00d6lbedarfs und ungef\u00e4hr 88 Prozent des Gasbedarfs. An diesen Verh\u00e4ltnissen \u00e4ndert selbst mehr heimische F\u00f6rderung nicht wahnsinnig viel.<\/p>\n<p>Beim Gas hat Europa eine Abh\u00e4ngigkeit gegen die andere getauscht: erst Russland, jetzt die USA.<\/p>\n<p>Kira Vinke: Genau. Wir m\u00fcssen uns beim LNG an eine neue Preisvolatilit\u00e4t gew\u00f6hnen. Die politischen Beziehungen zu den Amerikanern sind ebenfalls volatil.<\/p>\n<p>Was halten Sie vom Rheinmetall-Plan? Erkennen Sie L\u00fccken?<\/p>\n<p>Kira Vinke: L\u00fccken gibt es \u00fcberall. In Konflikten sind Versorgungsketten die vulnerabelsten Punkte. In Afghanistan wurden 60 Prozent der verwundeten und gefallenen Nato-Soldaten in der Logistik und insbesondere in der Kraftstofflogistik erfasst. Man kann eine Basis leichter sichern als einen Transport. Deshalb sollte man den Kraftstoffverbrauch insgesamt senken und effizientere Panzer bauen. &quot;Durchhalten&quot; ist eine milit\u00e4rische F\u00e4higkeit. Ein Milit\u00e4reinsatz muss nicht zuletzt finanziert werden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Oekonom-vermisst-vernuenftigen-Plan-bei-Verteidigung-id30358243.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"399555568\"\/>Milliarden Euro f\u00fcr alte Technik\u00d6konom vermisst &quot;vern\u00fcnftigen Plan&quot; bei Verteidigung<\/a><\/p>\n<p>Was w\u00fcrde der Aufbau dieses Netzwerks kosten?<\/p>\n<p>Shena Britzen: Sicherlich an die 400 Milliarden Euro f\u00fcr Europa. Deutschland m\u00fcsste etwa 30 bis 50 Milliarden Euro in die Hand nehmen. Aber das w\u00fcrde in die gesamte Technologiekette gehen: PV, Wind, lokale Netze, dezentrale Energieerzeugung, dezentrales Energiemanagement, Wasserstofferzeugung, CO2-Capturing und auch E-Fuel-Synthese. Jetzt kann man sagen: Wir wollen nicht in den Sozialismus zur\u00fcck! Richtig, aber wir m\u00fcssen dieser Bedrohung begegnen und uns f\u00fcr einen Gegner r\u00fcsten, der technologisch auf Augenh\u00f6he sein wird. Das ist kein Luxus, das ist Notwendigkeit. Der initiale Push wird Skaleneffekte erzeugen. Danach greifen die Marktkr\u00e4fte, und diese Technologien werden wettbewerbsf\u00e4hig sein.<\/p>\n<p>Auch im Vergleich mit China? Nils Aldag hat vor zwei Jahren gesagt: Bei Wasserstoff k\u00f6nnen wir China schlagen.<\/p>\n<p>Shena Britzen: In China konkurrieren die Provinzen miteinander und f\u00f6rdern Wasserstoff massiv. Das ist keine nachhaltige Volkswirtschaft, sondern \u00dcbersubventionierung. Daraus wird sich nie ein Hochleistungsprodukt generieren. Bei der Leistungsf\u00e4higkeit liegen sie weit hinter Europa zur\u00fcck. Die beuten den Strom viel schlechter aus und erzeugen pro Kilowattstunde weniger Wasserstoff.<\/p>\n<p>Nils Aldag: In China wurden 80 Unternehmen aufeinander losgelassen. Dieser aggressive Wettbewerb wird dazu f\u00fchren, dass chinesische Anlagen &#8211; wenn sie funktionieren &#8211; sehr g\u00fcnstig sind. Wenn wir bestehen wollen, m\u00fcssen unsere Kosten runter. Stand heute kann man aber klipp und klar sagen: In Europa konkurriert eine Handvoll guter Hersteller miteinander. Die verkaufen ihre Anlagen erfolgreich &#8211; bisher ohne chinesische Konkurrenz. Das kann auch in anderen Regionen der Welt funktionieren.<\/p>\n<p>Sind seltene Erden ein Problem? K\u00f6nnen wir diese Anlagen problemlos bauen?<\/p>\n<p>Nils Aldag: Elektrolyseure beinhalten einen geringen Anteil seltener Erden. Unsere Wertsch\u00f6pfungskette ist europ\u00e4isch. Aus Rohstoffsicht bestehen keinerlei Abh\u00e4ngigkeiten von China.<\/p>\n<p>Das Rennen ist offen?<\/p>\n<p>Nils Aldag: So ist es.<\/p>\n<p>Mit Nils Aldag, Shena Britzen und Kira Vinke sprachen Clara Pfeffer und Christian Herrmann. Das Gespr\u00e4ch wurde zur besseren Verst\u00e4ndlichkeit gek\u00fcrzt und gegl\u00e4ttet. Das komplette Gespr\u00e4ch k\u00f6nnen Sie sich im Podcast &quot;Das Klima-Labor von ntv&quot; anh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Klima-Labor von ntv<\/p>\n<p>Was hilft wirklich gegen den Klimawandel? Funktioniert Klimaschutz auch ohne Jobabbau und w\u00fctende Bev\u00f6lkerung? Das &quot;Klima-Labor von ntv&quot; ist der Podcast, in dem Clara Pfeffer und Christian Herrmann Ideen, L\u00f6sungen und Behauptungen der unterschiedlichsten Akteure auf Herz und Nieren pr\u00fcfen.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Ist Deutschland ein Strombettler? Rechnen wir uns die Energiewende sch\u00f6n? Vernichten erneuerbare Energien Arbeitspl\u00e4tze oder schaffen sie welche? Warum w\u00e4hlen St\u00e4dte wie Gartz die AfD &#8211; und gleichzeitig einen jungen Windkraft-B\u00fcrgermeister?<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Das Klima-Labor von ntv: Jeden Donnerstag eine halbe Stunde, die informiert, Spa\u00df macht und aufr\u00e4umt &#8211; ohne Streit, in ausf\u00fchrlichen Gespr\u00e4chen mit f\u00fchrenden K\u00f6pfen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Bei ntv und \u00fcberall, wo es Podcasts gibt: RTL+, Amazon Music, Apple Podcasts, Spotify, RSS-Feed.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Sie haben eine Frage an uns? Dann schreiben Sie eine E-Mail an klimalabor@ntv.de<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/plus.rtl.de\/podcast\/klima-labor-von-ntv-wie-retten-wir-die-erde-s6g6gj4v6jnnz\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"https:\/\/podcasts.apple.com\/de\/podcast\/klima-labor-von-ntv-wie-retten-wir-die-erde\/id1583245007\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/2f1fH1zprRwjX9EqKE3hMJ\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"https:\/\/music.amazon.de\/podcasts\/d2c0c2d1-32a2-4f14-8628-1cdf8ae023f0\/klima-labor-von-ntv-wie-retten-wir-die-erde\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"https:\/\/tinyurl.com\/ctbwzevy\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/audio\/Podcast\/Klima-Labor\/rss\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wirtschaft Rheinmetall liebt Wind und Sonne&quot;Die europ\u00e4ischen Treibstoffvorr\u00e4te reichen f\u00fcr drei Monate Krieg&quot; 15.02.2026, 07:29 Uhr Artikel anh\u00f6ren(19:11 min)00:00 \/ 19:11 0.5x 0.8x 1.0x 1.2x 1.5x 2.0x Soldaten der Bundeswehr<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-31503","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31503","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31503"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31503\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31503"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31503"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31503"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}