{"id":31351,"date":"2026-01-22T22:26:30","date_gmt":"2026-01-22T19:26:30","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/gegenteil-von-faulheit-debatte-um-krankenstand-macht-experten-fassungslos\/"},"modified":"2026-01-22T22:26:30","modified_gmt":"2026-01-22T19:26:30","slug":"gegenteil-von-faulheit-debatte-um-krankenstand-macht-experten-fassungslos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/gegenteil-von-faulheit-debatte-um-krankenstand-macht-experten-fassungslos\/","title":{"rendered":"Gegenteil von Faulheit: Debatte um Krankenstand macht Experten fassungslos"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Wirtschaft<\/p>\n<h2>Gegenteil von FaulheitDebatte um Krankenstand macht Experten fassungslos<\/h2>\n<p>22.01.2026, 19:13 Uhr <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/autoren\/Christina-Lohner-article24773302.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/2423486\/1709272075\/Img_1_1\/36\/Christina-Lohner.webp\" alt=\"Christina-Lohner\"\/>Von Christina Lohner<\/a>Artikel anh\u00f6ren(07:12 min)<audio src=\"https:\/\/mp3.n-tv.de\/2026\/01\/TTSART_30272074_20260122191355-radleg2.mp3\"><\/audio>00:00 \/ 07:12<\/p>\n<ul>\n<li>0.5x<\/li>\n<li>0.8x<\/li>\n<li>1.0x<\/li>\n<li>1.2x<\/li>\n<li>1.5x<\/li>\n<li>2.0x<\/li>\n<\/ul>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/30272508\/1769098618\/Img_16_9\/1024\/Ein-Mann-mittleren-Alters-sitzt-an-einem-Holzschreibtisch-und-haelt-sich-frustriert-den-Kopf.webp\" alt=\"Ein-Mann-mittleren-Alters-sitzt-an-einem-Holzschreibtisch-und-haelt-sich-frustriert-den-Kopf\"\/><figcaption>Blaumachen ist laut Psychologen wenig verbreitet und vor allem die Folge der herrschenden Arbeitsbedingungen. (Foto: picture alliance \/ imageBROKER)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Diskussion um die Fehlzeiten deutscher Arbeitnehmer l\u00e4uft aus Sicht von Arbeitspsychologen gr\u00fcndlich schief. Die Kritik widerspricht fundamental wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die politischen Forderungen k\u00f6nnten die Ausfallzeiten sogar noch versch\u00e4rfen, hei\u00dft es.<\/p>\n<p>Arbeitspsychologen reiben sich in der Diskussion um den Krankenstand der Deutschen die Augen. &quot;Die Debatte ist derma\u00dfen abstrus f\u00fcr uns, dass wir v\u00f6llig fassungslos sind&quot;, sagt Ivon Ames, Vizepr\u00e4sidentin des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen, im Gespr\u00e4ch mit ntv.de. Die Kritik an der Zahl der Fehltage von Arbeitnehmern widerspricht laut der Arbeitspsychologin fundamental den Erkenntnissen aus der Forschung. Kanzler Friedrich Merz hat wiederholt einen zu hohen Krankenstand beklagt und die telefonische Krankschreibung infrage gestellt.<\/p>\n<p>Wer blaumachen will, findet auch ohne telefonische Krankschreibung einen Weg, sagt Ames. Doch die Zahl der Menschen, die sich aktiv so falsch gegen\u00fcber ihrem Arbeitgeber verhalten, sei \u00e4u\u00dferst gering und liege vermutlich in einem niedrigen einstelligen Prozentbereich. Die Ursache f\u00fcrs Blaumachen sei in den allermeisten F\u00e4llen mitnichten in der Pers\u00f6nlichkeit zu suchen. Der Hauptgrund sind laut der Expertin die Arbeitsbedingungen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Wie-krank-sind-die-Deutschen-wirklich-id30261196.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Thema-Gesundheit-am-Arbeitsplatz-Berlin-25-07-2024-Berlin-Deutschland-Health-in-the-workplace-Berlin-25-07-2024-Berlin-Germany-Copyright-xUtexGrabowskyxphotothek\"\/>Fakten in aufgeladener DebatteWie krank sind die Deutschen wirklich?<\/a><\/p>\n<p>&quot;Da muss schon viel in der Beziehung zwischen Arbeitgeber und -nehmer kaputtgegangen sein&quot;, sagt Ames, die auch ein eigenes Beratungsunternehmen f\u00fchrt: EVAO, kurz f\u00fcr Evidenzbasierte Arbeitsgestaltung und Organisationsentwicklung. &quot;Wir wissen aus der Forschung, dass Blaumachen h\u00e4ufig ein Selbstschutz ist &#8211; der letzte Ausweg vor Arbeitsbedingungen, die ich nicht mehr aushalte.&quot; Auch lie\u00dfen manche Arbeitnehmer lieber einzelne Arbeitstage ausfallen, als am Ende wochenlang zu fehlen.<\/p>\n<p>&quot;Der Weg zur Krankmeldung wird in der aktuellen Debatte ausgeklammert&quot;, kritisiert die Psychologin. Blauzumachen sei die Endstufe von kontraproduktivem Verhalten, die Ursachen l\u00e4gen weit davor. &quot;Die Arbeitsbedingungen werden heute deutlich schlechter eingesch\u00e4tzt als noch vor einigen Jahren.&quot; Immer mehr Zeit- und Leistungsdruck, immer weniger Planbarkeit, und die Grenzen zum Privaten verschwimmen zunehmend.<\/p>\n<h2>Viel Druck, wenig Wertsch\u00e4tzung<\/h2>\n<p>Der Arbeitsalltag hat sich Ames zufolge in den vergangenen Jahren massiv verdichtet. Viele Arbeitnehmer werden einerseits mit Informationen regelrecht \u00fcberschwemmt, w\u00e4hrend ihnen auf der anderen Seite Informationen f\u00fcr ihre Aufgaben fehlen. Vielfach entsteht \u00dcberlastung durch hohen Zeitdruck kombiniert mit wenig Wertsch\u00e4tzung. &quot;Dann f\u00fchle ich mich austauschbar, nicht als Mensch mit meinen F\u00e4higkeiten gesehen&quot;, erl\u00e4utert die Psychologin. Wenn auch die F\u00fchrungskr\u00e4fte selbst diesen Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind und weder die Zeit noch die F\u00e4higkeiten haben, Unterst\u00fctzung und Wertsch\u00e4tzung zu geben, entsteht eine &quot;absolute Negativspirale&quot;, mahnt Ames.<\/p>\n<p>Wenn Blaumachen herauskommt, m\u00fcssten Unternehmen eigentlich dankbar sein, sagt die Psychologin. &quot;Das ist der absolute Indikator, dass etwas getan werden muss.&quot; Andernfalls steigen auch die echten Krankentage sowie die Fluktuation. &quot;Das ist der letzte Sto\u00df zu schauen, was ein Arbeitgeber f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten ver\u00e4ndern kann.&quot;<\/p>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Ames\"\/><figcaption>Ivon Ames ist Arbeitspsychologin und Unternehmerin. (Foto: Privat)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Falls nun &#8211; wie etwa die Union fordert &#8211; Krankschreibungen erschwert werden oder auch die Arbeitszeit erh\u00f6ht wird, versch\u00e4rfe sich die Negativspirale, warnen die Psychologen. &quot;Das f\u00fchrt genau zum Gegenteil von dem, was wir eigentlich m\u00f6chten: Motivierte Besch\u00e4ftigte, die gerne Leistung zeigen und damit auch unsere Wirtschaftlichkeit im gesamten Land erh\u00f6hen&quot;, sagt Ames. Dies liege in der Natur des Menschen: &quot;Wir sind soziale Wesen, die Erfolge feiern wollen. Leistung und Wachstum sind genuine Ziele. Menschen wollen ihren Job gut machen.&quot;<\/p>\n<p>Nicht gut gestaltete Arbeitsbedingungen k\u00f6nnten dies jedoch komplett eind\u00e4mmen &#8211; so dass Arbeitnehmer nicht mehr leistungs-, sondern h\u00f6chstens noch arbeitsf\u00e4hig sind. Ames&#039; Forschung ergab, dass ein Viertel der Arbeitnehmer mehrmals pro Woche Schlafprobleme hat. Die Produktivit\u00e4t sei schon l\u00e4ngst gestiegen, allerdings innerhalb eines Acht-Stunden-Tages, stellt Ames klar &#8211; &quot;Produktivit\u00e4t an Ersch\u00f6pfungsgrenzen&quot;. Die Fehltage h\u00e4tten zugenommen, weil die t\u00e4glichen Anforderungen f\u00fcr viele Menschen nicht mehr positiv bew\u00e4ltigbar seien.<\/p>\n<h2>\u00dcber die eigene Belastung sprechen<\/h2>\n<p>Statt noch mehr Druck sollte die Antwort auf einen hohen Krankenstand deshalb sein, die Arbeitsbedingungen zu analysieren, um nach den Ursachen zu suchen. Eine Attestpflicht ab dem ersten Tag beispielsweise w\u00e4re Ames zufolge &quot;h\u00f6chstgradig kontraproduktiv&quot;. &quot;Das ist, als w\u00fcrden Arbeitgeber das Klopapier weglassen, damit es nicht geklaut wird&quot; &#8211; statt zu fragen, warum es geklaut wird. F\u00fchrungskr\u00e4fte m\u00fcssten daf\u00fcr qualifiziert werden, Arbeitsbedingungen gut zu gestalten. &quot;Auch dieses Wissen fehlt heute&quot;, bedauert Ames.<\/p>\n<p>Dabei kann jede Arbeit gut gestaltet sein, unabh\u00e4ngig etwa von der Branche. St\u00f6r- und Frustfaktoren unterscheiden sich nur je nach T\u00e4tigkeit. Der Arbeitsalltag m\u00fcsse auch kein &quot;rosafarbenes Wolkenschloss&quot; sein, betont die Psychologin. Menschen in jeder T\u00e4tigkeit w\u00fcssten recht gut, was sie erwarten k\u00f6nnen. Nur sollten die Bedingungen so gestaltet sein, dass sich die Besch\u00e4ftigten an der Bettkante daf\u00fcr entscheiden, zur Arbeit zu gehen. Dabei gebe es keine Unterschiede nach Besch\u00e4ftigtengruppen. &quot;Das ist kein Generationending, das ist v\u00f6lliger Quatsch.&quot;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Telefonische-Krankschreibung-kommt-auf-den-Pruefstand-id30259472.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Symbolbild-einer-telefonischen-Krankschreibung\"\/>Debatte \u00fcber Arbeitsausf\u00e4lleTelefonische Krankschreibung kommt auf den Pr\u00fcfstand<\/a><\/p>\n<p>Wer nicht nach Belastungen gefragt wird, sich aber \u00fcberfordert f\u00fchlt, dem empfiehlt die Expertin, mit Vertrauenspersonen innerhalb des Unternehmens dar\u00fcber zu sprechen. &quot;Die meisten denken, sie sind die einzigen &#039;Schwachen&#039;, dabei handelt es sich um strukturelle Probleme.&quot; Aus Interviews mit F\u00fchrungskr\u00e4ften wei\u00df Ames, dass diese oft \u00fcberrascht sind und gerne fr\u00fcher von der Belastung der Besch\u00e4ftigten gewusst h\u00e4tten. &quot;Auch F\u00fchrungskr\u00e4fte sind Arbeitnehmer, ihre Ohren sind offener, als viele denken.&quot;<\/p>\n<p>Auch weil die meisten Betroffenen nicht dar\u00fcber sprechen, verstehen Arbeitgeber laut der Arbeitspsychologin oft nicht, warum eine hohe Fluktuation herrscht. Erst im letzten Schritt sollten Betroffene hinterfragen, ob ein Jobwechsel sinnvoll ist. &quot;Wenn alles nichts hilft und ich nur gegen W\u00e4nde laufe.&quot;<\/p>\n<p>Arbeitgeber sind Ames zufolge auch selbst \u00fcberfordert, &quot;sie sind definitiv nicht die B\u00f6sen&quot;. Der Psychologenverband sieht deshalb auch die Politik in der Pflicht, mehr fachliche Unterst\u00fctzung bereitzustellen. So stamme das Arbeitssicherheitsgesetz aus den 1970er Jahren. Ames: &quot;Unternehmen wollen Arbeitnehmer nicht ausnutzen, sondern gute Arbeitsbedingungen gestalten.&quot;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wirtschaft Gegenteil von FaulheitDebatte um Krankenstand macht Experten fassungslos 22.01.2026, 19:13 Uhr Von Christina LohnerArtikel anh\u00f6ren(07:12 min)00:00 \/ 07:12 0.5x 0.8x 1.0x 1.2x 1.5x 2.0x Blaumachen ist laut Psychologen wenig<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-31351","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31351","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31351"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31351\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31351"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31351"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31351"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}