{"id":31346,"date":"2026-01-22T14:25:53","date_gmt":"2026-01-22T11:25:53","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/carneys-rede-zum-epochenbruch-endlich-traut-sich-ein-staatsmann-die-bittere-wahrheit-auszusprechen\/"},"modified":"2026-01-22T14:25:53","modified_gmt":"2026-01-22T11:25:53","slug":"carneys-rede-zum-epochenbruch-endlich-traut-sich-ein-staatsmann-die-bittere-wahrheit-auszusprechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/carneys-rede-zum-epochenbruch-endlich-traut-sich-ein-staatsmann-die-bittere-wahrheit-auszusprechen\/","title":{"rendered":"Carneys Rede zum Epochenbruch: Endlich traut sich ein Staatsmann, die bittere Wahrheit auszusprechen"},"content":{"rendered":"<p>Kommentare<\/p>\n<h2>Carneys Rede zum EpochenbruchEndlich traut sich ein Staatsmann, die bittere Wahrheit auszusprechen<\/h2>\n<p>22.01.2026, 12:11 Uhr <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/autoren\/Thomas-Schmoll-article20654660.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/30052174\/1763733651\/Img_1_1\/36\/schmoll.webp\" alt=\"schmoll\"\/>Ein Kommentar von Thomas Schmoll<\/a><\/p>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/30270785\/1769083275\/Img_16_9\/1024\/THE-CANADIAN-PRESS-2026-01-20-Prime-Minister-Mark-Carney-makes-his-way-to-take-part-in-an-event-tilted-Country-Strategy-Dialogue-Canada-as-he-attends-the-World-Economic-Forum-in-Davos-Switzerland-on-Tuesday-Jan-20-2026.webp\" alt=\"THE-CANADIAN-PRESS-2026-01-20-Prime-Minister-Mark-Carney-makes-his-way-to-take-part-in-an-event-tilted-Country-Strategy-Dialogue-Canada-as-he-attends-the-World-Economic-Forum-in-Davos-Switzerland-on-Tuesday-Jan-20-2026\"\/><figcaption>Endlich sagt es mal jemand: Mark Carney hat in Davos eine bemerkenswerte Rede gehalten. (Foto: picture alliance \/ empics)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Kanadas Premierminister hat in Davos eine Rede gehalten, f\u00fcr die er zu Recht gefeiert wird, weil sie klipp und klar die Realit\u00e4t beschreibt &#8211; und Hoffnung macht. Die Kernbotschaft lautet: Es muss ohne die USA gehen, zur Not auch gegen sie. Nur haben das in Europa noch lange nicht alle verstanden.<\/p>\n<p>Jedem Erdenb\u00fcrger, der sich ein wenig mit Politik befasst, wird klar sein, dass wir uns in einem epochalen Umbruch befinden, der in einer neuen Weltordnung m\u00fcnden wird. Bundeskanzler Friedrich Merz und andere &#8211; nicht nur europ\u00e4ische &#8211; Regierungschefs, die bisher unter dem Pr\u00e4dikat &quot;der Westen&quot; firmierten, wissen das l\u00e4ngst. Nur taten sie \u00f6ffentlich weiter so, als sei alles weitgehend beim Alten &#8211; aus guten Gr\u00fcnden, aber auch, weil sie Donald Trump, den Mann, der mit Bomben und Presslufthammer das bisherige politische Gef\u00fcge des Planeten zertr\u00fcmmert, nicht verprellen wollten (und wollen).<\/p>\n<p>Doch endlich hielt ein Staatsmann die Rede, auf die der Teil der Welt wartete, der sich nicht einfach dem &quot;Recht des St\u00e4rkeren&quot; beugen will, das sich aggressive Gro\u00dfm\u00e4chte einfach nehmen, um ihre Interessen durchzudr\u00fccken. Kanadas Premierminister Mark Carney beschrieb offen und ehrlich die internationale Lage, bescheinigte dem Westen, sich an eine L\u00fcge zu klammern, sprach von einem &quot;Bruch in der Weltordnung, \u00fcber das Ende einer angenehmen Fiktion und den Beginn einer harten Realit\u00e4t, in der die Geopolitik &#8211; die gro\u00dfe, bestimmende Macht &#8211; keinen Grenzen, keinen Beschr\u00e4nkungen unterliegt&quot;.<\/p>\n<h2>&quot;Die Macht der weniger M\u00e4chtigen beginnt mit Ehrlichkeit&quot;<\/h2>\n<p>Endlich sagt es mal jemand. Ohne Pathos und unter Verzicht auf moralische Appelle. Die banale Realit\u00e4t auf einem Spitzentreffen und nicht hinter verschlossenen T\u00fcren auszusprechen, kommt einer Erl\u00f6sung gleich: Nur so kann in der Bev\u00f6lkerung Bewusstsein daf\u00fcr geschaffen werden, worum es geht und was sie zukommt. &quot;Die Macht der weniger M\u00e4chtigen beginnt mit Ehrlichkeit&quot;, sagte Carney in Davos, ohne Donald Trump ein einziges Mal zu erw\u00e4hnen, den er aber mit seiner Kritik meinte. &quot;H\u00f6ren wir auf, die regelbasierte internationale Ordnung zu beschw\u00f6ren, als ob sie noch wie angepriesen funktionierte. Nennen wir sie, was sie ist &#8211; ein System sich versch\u00e4rfender Rivalit\u00e4t der Gro\u00dfm\u00e4chte, in dem die M\u00e4chtigsten ihre Interessen verfolgen und wirtschaftliche Verflechtung als Zwangsmittel nutzen.&quot;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/videos\/politik\/Trump-ist-eine-gestoerte-Persoenlichkeit-id30266084.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Trump-at-World-Economic-Forum-Annual-Meeting-Davos-US-President-Donald-Trump-during-the-World-Economic-Forum-WEF-annual-meeting-in-Davos-on-January-21-2026-The-World-Economic-Forum-takes-place-in-Davos-from-January-19-to-January-23-2026-Photo-by-Raphael-Lafargue-ABACAPRESS\"\/>Krause blickt auf US-Pr\u00e4sidentenTrump ist &quot;eine gest\u00f6rte Pers\u00f6nlichkeit&quot;<\/a><\/p>\n<p>&quot;Wir verlassen uns nicht mehr nur auf die St\u00e4rke unserer Werte, sondern auch auf den Wert unserer St\u00e4rke&quot;, sagte der Premierminister selbstbewusst \u00fcber sein Land &#8211; ein Eigenlob, das von Fakten gedeckt ist. Kanada hat sehr viel unternommen, sich aus der Umklammerung der USA zu l\u00f6sen. Carney rief die Mittelm\u00e4chte dazu auf, ein Gegengewicht zu schaffen und nicht nur zuzusehen, dass sich die USA, China und Russland die Welt wie einen Kuchen untereinander aufteilen. (Wobei Putins Reich nach wie vor nur das Phantom einer Weltmacht ist, da es eine miserable Wirtschaft hat und vom Wohlwollen der Regierung in Peking total abh\u00e4ngig ist.)<\/p>\n<p>Carney verzichtete auf jede Kriecherei und Schleimerei vor Trump. Er setzte auf klare Worte: &quot;Wir wissen, dass die alte Ordnung nicht zur\u00fcckkehrt. Wir sollten ihr nicht nachtrauern. Nostalgie ist keine Strategie. Aber wir glauben, dass wir aus dem Bruch etwas Gr\u00f6\u00dferes, Besseres, St\u00e4rkeres, Gerechteres bauen k\u00f6nnen. Das ist die Aufgabe der Mittelm\u00e4chte &#8211; der L\u00e4nder, die in einer Welt der Festungen am meisten zu verlieren und von echter Zusammenarbeit am meisten zu gewinnen haben.&quot; Denn, so sein Ansatz: &quot;Die Mittelm\u00e4chte m\u00fcssen gemeinsam handeln, denn wenn wir nicht am Tisch sitzen, stehen wir auf der Speisekarte.&quot;<\/p>\n<h2>Es muss ohne die USA gehen, zur Not auch gegen sie<\/h2>\n<p>Die Botschaft war also: Es muss ohne die USA gehen &#8211; und zur Not auch gegen sie. Man muss dabei bedenken, dass Kanada ein Nachbarland der Vereinigten Staaten ist. So etwas auf einem Gipfel auszusprechen, erfordert Mut und die Bereitschaft, Trump herauszufordern. Dessen Reaktion zeigte, wie sehr Carney recht hat. &quot;Kanada existiert dank der Vereinigten Staaten, denken Sie daran, Mark, wenn Sie sich das n\u00e4chste Mal \u00e4u\u00dfern&quot;, drohte der US-Pr\u00e4sident nach der ihm eigenen Art im Stil eines Mafia-Bosses.<\/p>\n<p>Trump betrachtet alle, die nicht f\u00fcr ihn sind und ihm huldigen, als (potenzielle) Feinde. Deshalb wirkt das fortgesetzte Gerede \u00fcber die &quot;amerikanischen Freunde und Partner&quot; wie ein Festklammern an der von Carney benannten L\u00fcge. Wer sich Territorium eines verb\u00fcndeten Staates einverleiben will, st\u00e4ndig mit Z\u00f6llen oder diesem und jenem droht, wer permanent \u00fcber Verb\u00fcndete l\u00e4stert und auf sie hinabschaut wie auf l\u00e4stiges Fu\u00dfvolk, ist kein Freund und maximal Partner auf dem Papier. Selbstverst\u00e4ndlich w\u00e4re eine starke transatlantische Kooperation, wie wir sie bisher kannten, weiterhin w\u00fcnschenswert. Europa, insbesondere die Ukraine, braucht Amerika vor allem milit\u00e4risch. Ohne Hinweise der US-Sicherheitsdienste h\u00e4tte es manchen Terroranschlag mehr in unseren Breitengraden gegeben. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Kanadas-Premier-ueberrascht-mit-bester-Rede-des-Events-id30267168.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Canada-Prime-Minister-Mark-Carney-delivers-a-speech-at-the-World-Economic-Forum-in-Davos-Switzerland-on-Tuesday-Jan-20-2026\"\/>Indirekte Worte an TrumpKanadas Premier \u00fcberrascht mit &quot;bester Rede des Events&quot;<\/a><\/p>\n<p>Doch der Bruch vollzieht sich l\u00e4ngst. Wer das nicht sehen will, ist ein Tr\u00e4umer. Auf die Amerikaner ist kein Verlass mehr, die machen am Ende wie Russland und China, was sie wollen, wenn man kein sehr starkes Gegengewicht aufbaut. Auch Gr\u00f6nland ist nicht in Sicherheit. Ein Zur\u00fcck wird es wohl nicht geben. Die Republikaner oder vielmehr Trump und seine Getreuen werden alles tun, ihre Macht zu sichern und die n\u00e4chsten Wahlen zu gewinnen, um ihre Agenda weiter durchzudr\u00fccken. Denn nach Trump, wann immer er abtritt, k\u00e4me JD Vance, ein Hardliner, der die Europ\u00e4er verachtet und weitaus kl\u00fcger und geschickter ist als der amtierende Pr\u00e4sident. Doch selbst wenn die Demokraten die n\u00e4chste Wahl gewinnen: Bis dahin vergehen noch (mindestens) drei Jahre, in denen Trump die Welt in Atem halten wird.<\/p>\n<h2>&quot;Wir k\u00f6nnen Einfluss nehmen&quot;<\/h2>\n<p>Noch immer haben in Europa nicht alle den Ernst der Lage verstanden. Der Stopp des Mercosur-Abkommens \u00fcber den Freihandel zwischen EU und s\u00fcdamerikanischen Staaten im Stra\u00dfburger Parlament ist Beleg daf\u00fcr. Der Kontinent verliert Zeit, sich dem zu stellen, was Carney beschrieben hat. Bundeskanzler Merz unterst\u00fctzt &#8211; im Einklang mit seinem Vize Lars Klingbeil &#8211; ausdr\u00fccklich den kanadischen Premierminister. &quot;Die internationale Ordnung der vergangenen drei Jahrzehnte, die auf internationalem Recht basiert, war nie perfekt. Aber heute werden ihre Grundlagen ersch\u00fcttert. Das m\u00fcssen wir aber alles nicht hinnehmen, wir k\u00f6nnen Einfluss nehmen&quot;, erkl\u00e4rte Merz in Davos. &quot;Eine Welt, in der nur Macht z\u00e4hlt, ist ein gef\u00e4hrlicher Ort. Zuerst f\u00fcr kleine Staaten, dann f\u00fcr Mittelm\u00e4chte, und zuletzt f\u00fcr die Gro\u00dfen.&quot; Merz verwies auf den &quot;Abgrund&quot;, in den Nazideutschland die Welt im 20. Jahrhundert gesto\u00dfen habe. Seine Botschaft: Das passiert, wenn nur das Recht des St\u00e4rkeren z\u00e4hlt. Dann ist auch ein Weltkrieg m\u00f6glich.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/politik_kommentare\/Trump-eskaliert-nicht-trotzdem-Nato-isch-over-id30268575.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"ZURICH-SWITZERLAND-JANUARY-21-U-S-President-Donald-Trump-disembarks-Air-Force-One-as-he-arrives-at-Zurich-Airport-before-attending-the-World-Economic-Forum-WEF-in-Davos-on-January-21-2026-in-Zurich-Switzerland-The-annual-meeting-of-political-and-business-leaders-comes-amid-rising-tensions-between-the-United-States-and-Europe-over-a-range-of-issues-including-Trump-s-vow-to-acquire-Greenland-a-semi-autonomous-Danish-territory\"\/>&quot;Werde keine Gewalt anwenden&quot;Trump eskaliert nicht, trotzdem: Nato isch over <\/a><\/p>\n<p>Carney sagte \u00fcber seine Ansichten und Forderungen: &quot;Das ist kein naiver Multilateralismus, und es ist auch kein Vertrauen auf deren Institutionen. Es geht darum, Koalitionen zu bilden, die funktionieren &#8211; Thema f\u00fcr Thema, mit Partnern, die gen\u00fcgend gemeinsame Basis haben, um gemeinsam zu handeln. In einigen F\u00e4llen wird dies die gro\u00dfe Mehrheit der Nationen sein.&quot; Auch wenn er es bestreitet: Nat\u00fcrlich ist das auch naiv. Die EU-Staaten beweisen mit ihrem ewigen Kleinklein und Verhandlungsgew\u00fcrge, wie schwierig es ist, Kompromisse zu finden. Ein Putin-h\u00f6riges, absolut unbedeutendes Land wie Ungarn h\u00e4lt den Laden permanent auf.<\/p>\n<p>Nationale Interessen haben immer wieder Vorrang vor dem Gro\u00dfen und Ganzen, der Zulauf zu populistischen, radikalen und extremen Parteien ist ungebrochen &#8211; denn es ist leichter, das Blaue vom Himmel zu versprechen, als internationale Abkommen zu schmieden. Warum sollte sich das \u00e4ndern? Politiker bangen um Macht und Posten. Wer sagt, was ist, hat es schwer. Carney hat den Anfang gemacht. Und wird zu Recht daf\u00fcr gefeiert. Denn die Rede macht Hoffnung. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kommentare Carneys Rede zum EpochenbruchEndlich traut sich ein Staatsmann, die bittere Wahrheit auszusprechen 22.01.2026, 12:11 Uhr Ein Kommentar von Thomas Schmoll Endlich sagt es mal jemand: Mark Carney hat in Davos eine bemerkenswerte Rede gehalten. 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