{"id":31199,"date":"2025-12-29T17:06:11","date_gmt":"2025-12-29T14:06:11","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/wer-sieht-schon-ob-ich-arbeite-warum-unternehmen-dem-homeoffice-misstrauen\/"},"modified":"2025-12-29T17:06:11","modified_gmt":"2025-12-29T14:06:11","slug":"wer-sieht-schon-ob-ich-arbeite-warum-unternehmen-dem-homeoffice-misstrauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/wer-sieht-schon-ob-ich-arbeite-warum-unternehmen-dem-homeoffice-misstrauen\/","title":{"rendered":"&#8220;Wer sieht schon, ob ich arbeite?&#8221;: Warum Unternehmen dem Homeoffice misstrauen"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Wirtschaft<\/p>\n<h2>&quot;Wer sieht schon, ob ich arbeite?&quot;Warum Unternehmen dem Homeoffice misstrauen <\/h2>\n<p>29.12.2025, 11:45 Uhr <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/autor-fallback.svg\" alt=\"image\"\/>Von Diana DittmerArtikel anh\u00f6ren(08:08 min)<audio src=\"https:\/\/mp3.n-tv.de\/2025\/12\/TTSART_30162879_20251229114531-radleg2.mp3\"><\/audio>00:00 \/ 08:08<\/p>\n<ul>\n<li>0.5x<\/li>\n<li>0.8x<\/li>\n<li>1.0x<\/li>\n<li>1.2x<\/li>\n<li>1.5x<\/li>\n<li>2.0x<\/li>\n<\/ul>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/30163703\/1766152318\/Img_16_9\/1024\/Ein-leerer-Arbeitsplatz-ist-am-Ende-eines-Gangs-in-einem-Buero.webp\" alt=\"Ein-leerer-Arbeitsplatz-ist-am-Ende-eines-Gangs-in-einem-Buero\"\/><figcaption>Auch im B\u00fcro sind Arbeitspl\u00e4tze nicht permanent besetzt. (Foto: picture alliance\/dpa)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Demn\u00e4chst k\u00f6nnen Unternehmen mithilfe von Microsoft Teams die Anwesenheit ihrer Mitarbeiter im B\u00fcro \u00fcberpr\u00fcfen. Besch\u00e4ftigte f\u00fcrchten den Generalverdacht, sie w\u00fcrden zu Hause nicht arbeiten. Wie gro\u00df ist das Problem Arbeitszeitbetrug im Homeoffice tats\u00e4chlich? Experten zeichnen ein differenziertes Bild und stellen eine unbequeme Frage.<\/p>\n<p>Ab Januar sollen Unternehmen mit Microsoft Teams noch genauer sehen k\u00f6nnen, wann und wo ihre Besch\u00e4ftigten online sind \u2013 auch mithilfe von WLAN-Daten, die verraten, ob jemand wirklich im B\u00fcro ist. Offiziell geht es um IT-Sicherheit und Effizienz. Unausgesprochen schwingt jedoch etwas anderes mit: der Verdacht, Besch\u00e4ftigte k\u00f6nnten ihre Anwesenheit nur vort\u00e4uschen. Die Sorge vor bezahlter Abwesenheit im Homeoffice, vor sogenannten Ghost Hours, treibt viele Arbeitgeber um. Doch rechtfertigt das die \u00dcberwachung?<\/p>\n<p>Hinter der Debatte steht eine stille Unterstellung: Wer zu Hause arbeitet, trickst eher bei der Arbeitszeit. Repr\u00e4sentative Studien dar\u00fcber zeichnen f\u00fcr Deutschland ein deutlich differenzierteres Bild.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Teams-kann-demnaechst-petzen-Digitale-Ueberwachung-etabliert-sich-schleichend-im-Arbeitsalltag-article26146589.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"522250577\"\/>Teams kann demn\u00e4chst &quot;petzen&quot;Digitale \u00dcberwachung etabliert sich schleichend im Arbeitsalltag<\/a><\/p>\n<h2>Was Studien tats\u00e4chlich zeigen<\/h2>\n<p>Die bislang umfassendste empirische Untersuchung liefert die &quot;Arbeitszeiterfassungs-Studie 2024&quot; des Softwareanbieters Timo, durchgef\u00fchrt vom Marktforschungsinstitut Consumerfieldwork. Befragt wurden 1000 Besch\u00e4ftigte sowie 373 Arbeitgebervertreter.<\/p>\n<p>Das Ergebnis der repr\u00e4sentativen Umfrage widerspricht dem pauschalen Verdacht: 87 Prozent der Besch\u00e4ftigten geben an, ihre Arbeitszeit sehr genau oder \u00fcberwiegend korrekt zu erfassen. Nur 13 Prozent r\u00e4umen ein, dies zumindest gelegentlich zu vernachl\u00e4ssigen. Rund 70 Prozent der Arbeitgeber berichten zwar, in ihren Unternehmen schon falsche Zeitangaben entdeckt zu haben \u2013 meist jedoch als Einzelf\u00e4lle, nicht als Massenph\u00e4nomen.<\/p>\n<p>Ein anderes Ergebnis trifft allerdings den Nerv der Homeoffice-Debatte: Rund sieben von zehn Besch\u00e4ftigten geben an, w\u00e4hrend der Arbeitszeit zumindest gelegentlich private Dinge zu erledigen. Arbeitsrechtlich kann das bereits als Arbeitszeitbetrug gelten. In der Praxis vieler B\u00fcrojobs verschwimmen jedoch Arbeits- und Leerzeiten meistens \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob im B\u00fcro oder zu Hause gearbeitet wird.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/videos\/panorama\/Studie-Home-Office-kann-Karrierebremse-sein-article25635544.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"imago806273185\"\/>ntv-Expertin gibt TippsStudie: Home-Office kann Karrierebremse sein<\/a><\/p>\n<p>Dass T\u00e4uschung technisch immer leichter wird, verst\u00e4rkt die Sorge der Arbeitgeber. Schon f\u00fcr wenige Euro sind sogenannte Maus-Jiggler erh\u00e4ltlich, die verhindern, dass der Rechner in den Ruhemodus wechselt. Doch die Existenz solcher Hilfsmittel sagt wenig dar\u00fcber aus, wie verbreitet systematischer Betrug tats\u00e4chlich ist.<\/p>\n<h2>Der wirtschaftliche Schaden<\/h2>\n<p>Arbeitszeitbetrug kann Unternehmen teuer zu stehen kommen. Die Arbeitspsychologin Laura Venz von der Leuphana Universit\u00e4t L\u00fcneburg betont im &quot;Handelsblatt&quot;, jede nicht geleistete Arbeitsminute verursache Kosten. Zudem wirke Betrug wie ein Virus: Wenn Besch\u00e4ftigte den Eindruck gewinnen, andere z\u00f6gen sich zur\u00fcck, sinke auch bei ihnen die Leistungsbereitschaft. Diese Logik erkl\u00e4rt, warum Unternehmen sensibel reagieren \u2013 und warum der Ruf nach Kontrolle lauter wird.<\/p>\n<p>Rechtlich ist die Lage klar. Wer vors\u00e4tzlich Arbeitszeiten falsch erfasst, Pausen unterschl\u00e4gt oder nicht geleistete Stunden abrechnet, riskiert Abmahnung oder K\u00fcndigung. Der Arbeitsrechtler Michael Fuhlrott erkl\u00e4rt im &quot;Spiegel&quot;, dass Gerichte zwischen Fahrl\u00e4ssigkeit und Vorsatz unterscheiden. Eine versehentliche Falscherfassung werde meist abgemahnt, eine bewusste T\u00e4uschung hingegen k\u00f6nne eine sofortige K\u00fcndigung rechtfertigen.<\/p>\n<p>Im Homeoffice legen Gerichte dabei h\u00e4ufig einen strengeren Ma\u00dfstab an. Der Grund: Arbeitgeber seien hier besonders auf Vertrauen angewiesen. Wer dieses missbrauche, begehe einen schwereren Versto\u00df. Formal gilt sogar das Ausr\u00e4umen der Sp\u00fclmaschine w\u00e4hrend der Arbeitszeit als Betrug. In der Praxis werden jedoch Bagatellen und systematische T\u00e4uschung klar getrennt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Ein-Arbeitgeber-will-natuerlich-wissen-ob-seine-Beschaeftigten-spazieren-gehen-id30079826.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Ein-Mensch-arbeitet-an-einem-Arbeitsplatz-im-Coworking-space-betahaus-in-Hamburg-Das-betahaus-Hamburg-ist-ein-digital-vernetzter-Arbeitsort-mit-Coworking-Spaces-offen-zugaenglichen-und-flexibel-nutzbaren-Arbeitsraeumen\"\/>\u00dcberwachung im Berufsalltag&quot;Ein Arbeitgeber will nat\u00fcrlich wissen, ob seine Besch\u00e4ftigten spazieren gehen&quot;<\/a><\/p>\n<h2>Mehr Flexibilit\u00e4t, mehr Grauzonen<\/h2>\n<p>Wie verbreitet Homeoffice ist und das damit verbundene Potenzial f\u00fcr Arbeitszeitbetrug, zeigt die Homeoffice-Studie des Bayerischen Forschungsinstituts f\u00fcr Digitale Transformation. Ende 2024 arbeiteten 39 Prozent der Erwerbst\u00e4tigen in Deutschland zumindest gelegentlich von zu Hause.<\/p>\n<p>Unter den Homeoffice-Besch\u00e4ftigten geben 30 Prozent an, w\u00e4hrend der Arbeitszeit regelm\u00e4\u00dfig private Dinge zu erledigen; am B\u00fcroarbeitsplatz sagen das 22 Prozent. Zugleich berichten Homeoffice-Nutzende h\u00e4ufiger, im B\u00fcro Zeit &quot;abzusitzen&quot;. Diese Daten sprechen gegen das Bild des faulen Homeoffice-Arbeiters. Vielmehr zeigen sie, dass Arbeit \u00fcberall Wartezeiten produziert \u2013 Zeit, die im B\u00fcro kaschiert oder \u00fcberbr\u00fcckt wird, gegebenenfalls mit Flurfunk am Kaffeeautomaten, und im Homeoffice mit Haushaltst\u00e4tigkeiten.<\/p>\n<h2>Eher stiller Tausch als systematischer Betrug <\/h2>\n<p>Die Motive f\u00fcr falsche Zeiterfassung sind vielf\u00e4ltig. In der Timo-Studie gibt etwa ein Drittel der Besch\u00e4ftigten an, unkorrekte Angaben als Ausgleich f\u00fcr unbezahlte \u00dcberstunden zu nutzen. Andere nennen famili\u00e4re Verpflichtungen oder Frust \u00fcber Arbeitsbedingungen. Viele verstehen ihr Verhalten nicht als Betrug, sondern als informellen Ausgleich.<\/p>\n<p>Arbeitspsychologin Venz spricht von einer &quot;kleinen Rache&quot; gegen\u00fcber dem Arbeitgeber \u2013 nicht aus Faulheit, sondern als Reaktion auf \u00dcberlastung oder mangelnde Flexibilit\u00e4t. &quot;Dass jemand einfach nur faul ist, ist der Einzelfall&quot;, sagt sie.<\/p>\n<p>Arbeitszeitbetrug im Homeoffice kommt also vor. Doch die vorliegenden Daten geben keinen Hinweis auf ein fl\u00e4chendeckendes Problem, das einen generellen \u00dcberwachungsansatz rechtfertigen w\u00fcrde. Im Gegenteil zeigen Studien aus der Arbeitsforschung, dass Homeoffice h\u00e4ufig zu l\u00e4ngeren Arbeitszeiten, unbezahlter Mehrarbeit und einer &quot;Always-on-Kultur&quot; f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Eine viel zitierte Untersuchung, ver\u00f6ffentlicht in &quot;Springer Nature&quot;, kommt sogar zu dem Schluss, dass Besch\u00e4ftigte im Homeoffice oft mehr arbeiten als vorgesehen \u2013 allerdings ohne klare Zeiterfassung. Kontrolle k\u00f6nnte hier allen &#8211; Arbeitgebern wie Arbeitnehmern &#8211; helfen. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/videos\/ratgeber\/Ab-wann-ist-die-Pause-beim-Arbeiten-Betrug-article25795922.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Ghostworking\"\/>&quot;Ghostworker&quot; aufgepasstAb wann ist die Pause beim Arbeiten Betrug?<\/a><\/p>\n<h2>Was z\u00e4hlt, das Ergebnis \u2013 oder die Minute?<\/h2>\n<p>F\u00fcr Unternehmen stellt sich eine grunds\u00e4tzliche Frage: Wollen sie Arbeit in Minuten messen \u2013 oder in Ergebnissen? Der reine Fokus auf Anwesenheit und Aktivit\u00e4t gilt vielen Arbeitsforschern als \u00fcberholt. Sinnvoller sei es, geleistete Aufgaben und realistische Ziele st\u00e4rker zu gewichten, sagt Venz.<\/p>\n<p>Gleichzeitig mahnt Arbeitsrechtler Fuhlrott zur Klarheit: Das deutsche Arbeitsrecht kennt keinen Werkvertrag, sondern ein Dienstverh\u00e4ltnis. Wer fr\u00fcher fertig ist, muss das offen kommunizieren \u2013 eigenm\u00e4chtig fr\u00fcher Schluss zu machen, w\u00e4hrend man eingestempelt bleibt, ist unzul\u00e4ssig.<\/p>\n<p>Aber wer mit WLAN-Tracking, Aktivit\u00e4tslogs oder permanenter Kontrolle auf einen Schummelverdacht auf Arbeitszeit und -ort reagiert, greift wom\u00f6glich zum falschen Mittel. Die Studienlage spricht weniger f\u00fcr ein Kontrollproblem als f\u00fcr ein Organisationsproblem. Vertrauen ersetzt keine Regeln \u2013 aber \u00dcberwachung auch kein gutes Arbeitsdesign. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wirtschaft &quot;Wer sieht schon, ob ich arbeite?&quot;Warum Unternehmen dem Homeoffice misstrauen 29.12.2025, 11:45 Uhr Von Diana DittmerArtikel anh\u00f6ren(08:08 min)00:00 \/ 08:08 0.5x 0.8x 1.0x 1.2x 1.5x 2.0x Auch im B\u00fcro<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-31199","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31199","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31199"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31199\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31199"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31199"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31199"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}