{"id":30949,"date":"2025-11-19T13:46:27","date_gmt":"2025-11-19T10:46:27","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/entspann-dich-merz-der-kanzler-stost-ganz-brasilien-vor-den-kopf\/"},"modified":"2025-11-19T13:46:27","modified_gmt":"2025-11-19T10:46:27","slug":"entspann-dich-merz-der-kanzler-stost-ganz-brasilien-vor-den-kopf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/entspann-dich-merz-der-kanzler-stost-ganz-brasilien-vor-den-kopf\/","title":{"rendered":"&#8220;Entspann Dich, Merz&#8221;: Der Kanzler st\u00f6\u00dft ganz Brasilien vor den Kopf"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Politik<\/p>\n<h2>&quot;Entspann Dich, Merz&quot;Der Kanzler st\u00f6\u00dft ganz Brasilien vor den Kopf<\/h2>\n<p>19.11.2025, 10:56 Uhr <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/autor-fallback.svg\" alt=\"image\"\/>Von Clara Pfeffer, Bel\u00e9m<\/p>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/30040190\/1763549917\/Img_16_9\/1024\/Bundeskanzler-Friedrich-Merz-CDU-nimmt-an-der-Weltklimakonferenz-COP30-teil-Bei-der-Weltklimakonferenz-COP30-treffen-sich-vom-10-bis-zum-21-November-in-Belem-im-brasilianischen-Amazonasgebiet-Zehntausende-Delegierte-aus-fast-allen-Laendern-der-Welt-um-ueber-die-Eindaemmung-der-sich-zuspitzenden-Klimakrise-zu-verhandeln.webp\" alt=\"Bundeskanzler-Friedrich-Merz-CDU-nimmt-an-der-Weltklimakonferenz-COP30-teil-Bei-der-Weltklimakonferenz-COP30-treffen-sich-vom-10-bis-zum-21-November-in-Belem-im-brasilianischen-Amazonasgebiet-Zehntausende-Delegierte-aus-fast-allen-Laendern-der-Welt-um-ueber-die-Eindaemmung-der-sich-zuspitzenden-Klimakrise-zu-verhandeln\"\/><figcaption>Wo bin ich hier gelandet? Bundeskanzler Friedrich Merz in Bel\u00e9m. (Foto: picture alliance\/dpa)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Friedrich Merz hat im Vorbeigehen eine ganze Nation gegen sich aufgebracht. Sind seine Einlassungen zu Brasilien nun pure Ignoranz und Arroganz oder einfach Ausdruck seines Dilettantismus? Schwer zu sagen. Doch die Brasilianer wissen sich zu wehren.<\/p>\n<p>Wer wissen will, wor\u00fcber Brasilien spricht, geht am besten in den Sch\u00f6nheitssalon. Denn &#8211; und das wird hier noch wichtig &#8211; Brasilianer legen gro\u00dfen Wert auf ihr Erscheinungsbild. F\u00fcr M\u00e4nner wie Frauen geh\u00f6rt der w\u00f6chentliche Salonbesuch zum Alltag. W\u00e4hrend Haare gef\u00e4rbt und N\u00e4gel gefeilt werden, l\u00e4uft der Fernseher, und das Personal &#8211; meist doppelt so zahlreich wie die Kundschaft &#8211; diskutiert pausenlos. Oft geht es um Telenovelas. Umso \u00fcberraschter war ich, als es bei meinem letzten Besuch vor allem um ihn ging: Fhiederhisch M\u00e4hz &#8211; so die ungef\u00e4hre lokale Aussprache des deutschen Bundeskanzlers.<\/p>\n<p>Merz hat einen wunden Punkt getroffen: den Nationalstolz der Brasilianer, besonders den der Menschen im Bundesstaat Par\u00e1. Etwa 20 Stunden verbrachte der Kanzler beim Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs anl\u00e4sslich der UN-Klimakonferenz (COP) in Bel\u00e9m, einer Millionenstadt am Amazonas. Am Ende eines langen Tages bat er die mitgereisten Journalisten zu einem Hintergrundgespr\u00e4ch. Soweit, so Routine. Aus solchen Runden wird nicht zitiert, sie sind vertraulich. Offenbar gilt das aber nicht f\u00fcr den Kanzler.<\/p>\n<p>In dieser Runde ging es um Brasiliens Pr\u00e4sidenten Lula, um die COP und nat\u00fcrlich um Innenpolitik. Irgendwann stellte Merz &#8211; eigentlich ging es da gerade um innenpolitische Fragen &#8211; eine rhetorische Frage: &quot;Sind Sie hier mal rumgefahren? Und &#8211; w\u00fcrde jemand hier bleiben wollen?&quot; Ich fand die Aussage schon da etwas ungeschickt, aber gut, gemeint war wohl, dass wir in Deutschland privilegiert leben, dass die Infrastruktur besser ist. Das sind Dinge, an die man durchaus hin und wieder erinnern darf. Mein Kameramann und ich tauschten uns im Nachgang dar\u00fcber aus. Unser Eindruck: &quot;Gut f\u00fcr ihn, dass er das nicht \u00f6ffentlich gesagt hat.&quot;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/videos\/politik\/Merz-tritt-in-Fettnaepfchen-Brasilien-Politiker-wuetend-id30038389.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Merz\"\/>Harsche Kritik an Kanzler-Rede Merz tritt in Fettn\u00e4pfchen &#8211; Brasilien-Politiker w\u00fctend<\/a><\/p>\n<p>Und dann begegnet mir ebendieser Satz pl\u00f6tzlich in allen brasilianischen Medien. Denn zur\u00fcck in Berlin griff der Kanzler genau diese Szene auf: &quot;Ich habe einige Journalisten, die mit mir in Brasilien waren, letzte Woche gefragt: Wer von euch w\u00fcrde denn gerne hierbleiben? Da hat keiner die Hand gehoben&quot;, sagte er. &quot;Die waren alle froh, dass wir vor allen Dingen von diesem Ort, an dem wir da waren, in der Nacht von Freitag auf Samstag wieder nach Deutschland zur\u00fcckgekehrt sind.&quot; Man lebe in Deutschland &quot;in einem der sch\u00f6nsten L\u00e4nder der Welt&quot;.<\/p>\n<p>Zur Einordnung: Bel\u00e9m ist auch nach brasilianischen Ma\u00dfst\u00e4ben eine arme Stadt. Genau deshalb hatte Lula sie als COP-Gastgeber gew\u00e4hlt: um der Welt die Klimakrise und die soziale Realit\u00e4t einer Metropole des Globalen S\u00fcdens vor Augen zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Reaktionen auf Merz \u00c4u\u00dferungen lie\u00dfen nicht lange auf sich warten. In Brasiliens lebhafter Medienlandschaft &#8211; kaum jemand nutzt soziale Medien so leidenschaftlich wie die Brasilianer &#8211; verbreitete sich die Rede rasend schnell. Und sie traf die Menschen dort, wo sie unverzeihlich sind: in ihrem Stolz auf die Sch\u00f6nheit ihres Landes und auf ihre Gastfreundschaft. Beides v\u00f6llig zurecht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/videos\/politik\/Wieduwilt-Merz-erkennt-Brisanz-von-Themen-nicht-id30038508.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Hendrik Wieduwilt\"\/>Rentenfrage spaltet Koalition Wieduwilt: &quot;Merz erkennt Brisanz von Themen nicht&quot;<\/a><\/p>\n<p>Denn dieser eine Satz zeigt geradezu exemplarisch, worum es bei der Klimakonferenz eigentlich geht: um Gerechtigkeit zwischen dem globalen Norden und S\u00fcden. Oder auch zwischen ehemaligen Kolonialisten und ehemaligen Kolonien. Zwischen jenen, die sich jahrzehntelang an Ressourcen bereichert haben, und jenen, von denen man heute erwartet, den Planeten bewohnbar zu halten &#8211; indem sie den Amazonas nicht abholzen. <\/p>\n<p>Die Arroganz mancher Europ\u00e4er ist angesichts verschobener globaler Machtverh\u00e4ltnisse nicht nur schwer zu ertragen, sie ist fahrl\u00e4ssig. Sie treibt L\u00e4nder in Richtung China. Sie st\u00e4rkt den Staatenbund BRICS, \u00fcber den Brasilien, Russland, Indien, China, S\u00fcdafrika und weitere L\u00e4nder trotz geringer ideologischer Gemeinsamkeiten ein eigene Weltordnung vorantreiben. <\/p>\n<p>Dabei w\u00e4re gerade Brasilien, diese vergleichsweise stabile Demokratie mit gesellschaftlichen Werten, die unseren durchaus \u00e4hneln, ein idealer Partner f\u00fcr Deutschland &#8211; aber eben nur noch auf Augenh\u00f6he. Und Augenh\u00f6he kann man nicht heucheln.<\/p>\n<p>Der B\u00fcrgermeister von Bel\u00e9m nannte Merz&#039; Worte &quot;ungl\u00fccklich, arrogant und voreingenommen&quot;. Der B\u00fcrgermeister von Rio de Janeiro, Eduardo Paes, ging noch weiter und schrieb auf X: &quot;Sohn von Hitler! Mistkerl! Nazi!&quot; &#8211; l\u00f6schte den Post aber kurz darauf wieder und kommentierte dann: &quot;Das war mein heutiger Frustabbau. Es lebe die Freundschaft zwischen Brasilien und Deutschland.&quot; <\/p>\n<p>Naja, das mit der Emotionalit\u00e4t w\u00e4re wohl ein weiterer Stereotyp an dieser Stelle. Und schlie\u00dflich meldete sich Pr\u00e4sident Lula selbst: Merz h\u00e4tte in Par\u00e1 mal in eine Bar gehen sollen, mal tanzen, die lokale K\u00fcche probieren, so der Staatschef des 203-Millionen-Einwohner-Landes. Dann h\u00e4tte Merz gemerkt, dass Berlin &quot;nicht einmal zehn Prozent der Qualit\u00e4t&quot; von Par\u00e1 bieten k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Dabei schien es eigentlich gut zu laufen zwischen Lula und Merz: Ihr bilaterales Gespr\u00e4ch lief trotz politischer Gegens\u00e4tze entspannt. Und Brasilien zeigt bei dieser COP erstaunliches diplomatisches Geschick: Selten liefen Verhandlungen so reibungslos; 194 Staaten ohne \u00f6ffentlichen Streit \u00fcber mehr als eine Woche zu f\u00fchren, ist ein Meisterwerk.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/videos\/politik\/Geht-nicht-darum-die-Laender-auszubeuten-id30034088.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"COP30\"\/>Entwicklungsministerin bei COP30 &quot;Geht nicht darum, die L\u00e4nder auszubeuten&quot;<\/a><\/p>\n<p>Merz schafft es dagegen, in wenigen Sekunden diplomatische Beziehungen zu besch\u00e4digen &#8211; und seinen Social-Media-Algorithmus gleich mit. Denn die Kommentarspalten sind inzwischen komplett in brasilianischer Hand. Ein Nutzer schreibt: &quot;Putze dir die Z\u00e4hne und gehe duschen, bevor du \u00fcber Brasilien sprichst.&quot; (Von dieser Sorte gibt es einige Kommentare; ich hatte es schon angedeutet: Brasilianer m\u00fcssen sich manchmal zur\u00fcckhalten angesichts der L\u00e4ssigkeit, mit der manche in Deutschland K\u00f6rperhygiene interpretieren.) <\/p>\n<p>Mein pers\u00f6nlicher Favorit unter den Kommentaren: &quot;Entspann dich, Merz. Kein Wunder, dass dich Bel\u00e9m \u00fcberfordert. Nach dem Amazonas wirkt jedes Land, in dem das emotionalste Gericht Kartoffeln mit W\u00fcrstchen ist, automatisch gem\u00fctlicher.&quot;<\/p>\n<p>Falls es bis hierhin noch nicht aufgefallen ist: Ich bin selbst Brasilianerin und in dieser Sache sicher nicht objektiv. Wie ein Gro\u00dfteil der rund 214 Millionen Brasilianer erwarte auch ich zumindest eine Richtigstellung. Immerhin, Umweltminister Carsten Schneider bem\u00fcht sich gerade um Schadensbegrenzung und lobt den Austragungsort geradezu \u00fcberschw\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Und ja, die ganze Emp\u00f6rungskultur ist furchtbar anstrengend. Aber: Brasiliens Emp\u00f6rung ist durchaus angebracht. Der Bundeskanzler war einfach unh\u00f6flich. Und Unrecht hat er auch: Es ist sehr sch\u00f6n hier, fragen Sie gerne mal die vielen anwesenden Journalisten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politik &quot;Entspann Dich, Merz&quot;Der Kanzler st\u00f6\u00dft ganz Brasilien vor den Kopf 19.11.2025, 10:56 Uhr Von Clara Pfeffer, Bel\u00e9m Wo bin ich hier gelandet? Bundeskanzler Friedrich Merz in Bel\u00e9m. 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