{"id":30856,"date":"2025-11-04T05:06:08","date_gmt":"2025-11-04T02:06:08","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/reisners-blick-auf-die-front-tritt-ein-soldat-aus-dem-schutz-heraus-wird-er-von-drohnen-gejagt\/"},"modified":"2025-11-04T05:06:08","modified_gmt":"2025-11-04T02:06:08","slug":"reisners-blick-auf-die-front-tritt-ein-soldat-aus-dem-schutz-heraus-wird-er-von-drohnen-gejagt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/reisners-blick-auf-die-front-tritt-ein-soldat-aus-dem-schutz-heraus-wird-er-von-drohnen-gejagt\/","title":{"rendered":"Reisners Blick auf die Front : &#8220;Tritt ein Soldat aus dem Schutz heraus, wird er von Drohnen gejagt&#8221;"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Politik         \t\t                   \t\t               \t\t                    <\/p>\n<figure> \t\t                       \t\t                        <img decoding=\"async\" alt=\"Russische Soldaten in der Region Pokrowsk suchen den Himmel nach Drohnen ab. \" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/26138394-1762189631000\/16-9\/750\/imago836425092.jpg\"\/><figcaption>\n<p>Russische Soldaten in der Region Pokrowsk suchen den Himmel nach Drohnen ab.<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Pokrowsk im Donbass steht schon lange unter Feuer, doch jetzt tobt dort der H\u00e4userkampf. Warum die russischen Besetzer sich kaum aus der Deckung trauen und trotzdem H\u00e4userblock f\u00fcr H\u00e4userblock vorr\u00fccken, erkl\u00e4rt Oberst Markus Reisner ntv.de.<\/p>\n<p>ntv.de: In Pokrowsk halten die ukrainischen Truppen mit letzter Kraft den russischen Angriffen stand. Nun wollen die Russen einen Black Hawk Hubschrauber abgeschossen haben, der Elitesoldaten hinter den russischen Linien absetzen sollte. Die Ukraine behauptet, das Spezialkommando sei durchgekommen. Falls ja: K\u00f6nnten die das Ruder herumrei\u00dfen?<\/p>\n<p>Markus Reisner: Aus der Ferne l\u00e4sst sich der Effekt einer solchen Aktion schwer beurteilen, allerdings kann ich keinen sehr gro\u00dfen milit\u00e4rischen Nutzen erkennen. Der Effekt dieser Aktion ist vor allem das Signal: Wir handeln aktiv, wir m\u00fcssen nicht einfach ertragen, was die Russen mit uns anstellen, sondern f\u00fchren frische Kr\u00e4fte heran und sind noch Herr der Lage. Diese Strategie zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Krieg. Wann immer es nicht gut l\u00e4uft, versucht man durch eine spektakul\u00e4re Aktion zu zeigen: Situation unter Kontrolle. Dem ukrainischen Generalstab zufolge gibt es ja auch offiziell keinerlei Einkesselungen entlang der Front.<\/p>\n<p>Wie l\u00e4sst sich eine solche Aussage einordnen? Viele Frontberichte klingen ganz anders und ziemlich dramatisch.<\/p>\n<p>K\u00e4mpfe um St\u00e4dte sind oft von extremer Brutalit\u00e4t gepr\u00e4gt und zugleich von einem langen, zerm\u00fcrbenden Belagerungszustand. Meist endet es damit, dass es dem Angreifer tats\u00e4chlich gelingt, die Stadt komplett einzukesseln. Also jegliche Versorgung zu unterbinden, indem man die Zufahrtswege kontrolliert. \u00dcber kurz oder lang haben die Soldaten dann keine Munition mehr und auch keine Sanit\u00e4tsversorgung, und das f\u00fchrt zum Zusammenbruch. Diese Gefahr besteht akut in der Region Pokrowsk. Aus diesem Grund greifen die Ukrainer n\u00f6rdlich der Stadt und ihrem Nachbarort Rodinsky massiv an. Sie wollen die n\u00f6rdliche russische Zange abschneiden, die sich um die St\u00e4dte herumgelegt hat, und die Einkesselung dort zumindest unterbrechen. <\/p>\n<p>Russische Propaganda spricht von 9000 eingekesselten Ukrainern s\u00fcdlich von Pokrowsk. Ist da was dran?<\/p>\n<p>Das stimmt so sicherlich nicht. W\u00e4ren so viele Ukrainer eingekesselt, w\u00fcrde das viel h\u00f6here Wellen schlagen. Davon w\u00fcrden wir viel mehr erfahren. Derzeit ist die ukrainische Armee noch immer in der Lage, mit Drohnen Versorgungsg\u00fcter in die Stadt hineinzubringen. In einem gewissen Rahmen werden sogar Verwundete evakuiert, auch das passiert mit unbemannten Fahrzeugen am Boden. Das gen\u00fcgt aber nicht, um den Durchbruch der Russen zu verz\u00f6gern, bis zum Beispiel der Gegenangriff der Ukrainer durchschl\u00e4gt.<\/p>\n<p>Wochenlang werden die Ukrainer das nicht mehr durchhalten k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Definitiv nicht. Die kleinen ukrainischen Trupps, die in ihren St\u00fctzpunkten verbittert k\u00e4mpfen, um den Raum ostw\u00e4rts der Stadt zu halten, weichen darum zur\u00fcck vor der Einkesselung. Denn sobald es den Russen gelingt, Pokrowsk bis an den n\u00f6rdlichen Stadtrand zu kontrollieren, wird es f\u00fcr Ukrainer ungeheuer schwierig, aus diesem Raum noch herauszukommen. Darum f\u00fchren die Ukrainer derzeit heftige Gegenangriffe n\u00f6rdlich von Pokrowsk durch. Bislang, muss man allerdings sagen, haben sie es aus solch brenzligen Lagen immer noch herausgeschafft. Nur in Mariupol gelang es, mehrere 1000 Ukrainer einzukesseln. <\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Warum-Pokrowsk-fuer-die-Russen-so-wichtig-ist-article26137866.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"2025-10-16T101608Z_2047786888_RC2YBHAJ05PY_RTRMADP_3_UKRAINE-CRISIS-POKROVSK.JPG\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/26137924-1762179483000\/17-6\/1136\/2025-10-16T101608Z-2047786888-RC2YBHAJ05PY-RTRMADP-3-UKRAINE-CRISIS-POKROVSK.jpg\"\/> <\/a> <\/figure>\n<p>   Politik  03.11.25    Erbitterte K\u00e4mpfe um Knotenpunkt Warum Pokrowsk f\u00fcr die Russen so wichtig ist    <\/p>\n<p>F\u00fcr die Ukrainer ist die Lage dort also brandgef\u00e4hrlich. Zugleich wehren sie viele russische Angriffe ab. Wie geht das konkret vor sich?<\/p>\n<p>Die ukrainischen St\u00e4dte sind meist von offenem Land umgeben, in dem die Russen recht schnell vorr\u00fccken k\u00f6nnen und dann versuchen, in die Stadt einzusickern. Trotz ukrainischer Drohnen wohlgemerkt, denn die russische F\u00fchrung macht im Umgang mit ihren Leuten keinerlei Kompromisse. Sie hat hier im Donbass ihr Schwergewicht gebildet und setzt massiv Soldaten ein &#8211; immer in kleinen Einheiten. Ein russischer Trupp besteht oft nur aus zwei Leuten, es k\u00f6nnen auch mal zehn oder f\u00fcnfzehn sein. Wird der eine Trupp vernichtet, schickt die F\u00fchrung den n\u00e4chsten los. Im H\u00e4userdschungel der Stadt wird der urbane Kampf dann sehr schwierig. Denn die Ukrainer haben sich zur Verteidigung an g\u00fcnstigen Stellen positioniert. Pokrowsk zum Beispiel ist in der Mitte durch eine Eisenbahnlinie geteilt. N\u00f6rdlich davon stehen die typischen Plattenbausiedlungen, von denen aus man sehr weit blicken kann. Aus diesen Stellungen heraus sind die Ukrainer in der Lage, immer wieder russische Trupps abzuwehren. <\/p>\n<p>Denen dann ein neuer russischer Trupp folgt?<\/p>\n<p>Erbarmungslos, ich wiederhole mich in diesem Punkt. Die russische Seite schickt immer wieder immer neue Soldaten nach vorn. Und dieser Umgang mit den eigenen Leuten f\u00fchrt am Ende zum Ergebnis: Die Russen schaffen es schlie\u00dflich, Schritt f\u00fcr Schritt, von einer H\u00e4userzeile zur n\u00e4chsten H\u00e4userzeile, bis zum n\u00e4chsten Block zu marschieren.<\/p>\n<p>Spielen im H\u00e4userkampf auch Drohnen eine gro\u00dfe Rolle?<\/p>\n<p>Der Grund f\u00fcr die Entscheidung, nur in kleinen Trupps vorzusto\u00dfen, liegt genau darin: Man will nur einen m\u00f6glichst kleinen Fu\u00dfabdruck hinterlassen, um nicht sofort von Drohnen aufgekl\u00e4rt zu werden. In fr\u00fcheren Konflikten konnten sich Soldaten manchmal auch frei bewegen, aber diese Zeiten sind vorbei. In dem Moment, wo der Soldat sichtbar wird, kommt die Drohne und st\u00fcrzt sich auf ihn. Das gilt f\u00fcr beide Seiten. Auch Ukrainer, die aus dem H\u00e4userschutz treten, werden von Drohnen gejagt. Und die Verluste sind auch auf ukrainischer Seite hoch. <\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/24169042-1737479373000\/16-9\/750\/Markus-Reisner-ist-Historiker-und-Rechtswissenschaftler-Oberst-des-Generalstabs-im-Osterreichischen-Bundesheer-und-Leiter-des-Institutes-fur-Offiziersgrundausbildung-an-der-Theresianischen-Militarakademie.jpg\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Markus Reisner ist Historiker und Rechtswissenschaftler, Oberst des Generalstabs im \u00d6sterreichischen Bundesheer und Leiter des Institutes f\u00fcr Offiziersgrundausbildung an der Theresianischen Milit\u00e4rakademie. Wissenschaftlich arbeitet er u.a. zum Einsatz von Drohnen in der modernen Kriegsf\u00fchrung. Jeden Montag bewertet er f\u00fcr ntv.de die Lage an der Ukraine-Front.\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/24169042-1737479373000\/16-9\/750\/Markus-Reisner-ist-Historiker-und-Rechtswissenschaftler-Oberst-des-Generalstabs-im-Osterreichischen-Bundesheer-und-Leiter-des-Institutes-fur-Offiziersgrundausbildung-an-der-Theresianischen-Militarakademie.jpg\"\/> <\/a><figcaption>\n<p>Markus Reisner ist Historiker und Rechtswissenschaftler, Oberst des Generalstabs im \u00d6sterreichischen Bundesheer und Leiter des Institutes f\u00fcr Offiziersgrundausbildung an der Theresianischen Milit\u00e4rakademie. Wissenschaftlich arbeitet er u.a. zum Einsatz von Drohnen in der modernen Kriegsf\u00fchrung. Jeden Montag bewertet er f\u00fcr ntv.de die Lage an der Ukraine-Front.<\/p>\n<p>(Foto: privat)<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Stimmt dann das Verh\u00e4ltnis noch? Ist die Verteidigung von Pokrowsk wichtig genug, um diesen hohen Preis zu zahlen?<\/p>\n<p>Ehrlicherweise m\u00fcssen wir zugeben: Wir kennen die Rahmenbedingungen nicht im Detail, die einen verantwortlichen Kommandeur zu solch einer Entscheidung bewegen. Es kann sinnvoll sein, einen Raum so lange wie m\u00f6glich und bei hohen Verlusten zu halten, wenn man in der Tiefe dahinter eine neue Verteidigungslinie vorbereitet, die noch nicht fertiggestellt ist. Wir wissen, dass der ukrainische Generalstab hinter Pokrowsk und Konstantinowka die neue Donbass-Linie baut. Sie ist aber noch nicht so gut ausgebaut, wie es die Linien an der Front selbst waren. Zeit zu gewinnen, indem man den russischen Vormarsch verz\u00f6gert, liegt sicher im Interesse der Ukraine &#8211; einerseits.<\/p>\n<p>Und andererseits?<\/p>\n<p>Andererseits dr\u00e4ngt sich der Eindruck auf, dass es keinen Sinn macht, bis zum letzten Mann zu k\u00e4mpfen. Einfach, weil die russische \u00dcbermacht zu gro\u00df wird. Schlauer w\u00e4re daher vielleicht, die Kr\u00e4fte bereits jetzt herauszuf\u00fchren, in einer m\u00f6glichst guten Ordnung. Dann w\u00e4ren sie in der Tiefe neu einsetzbar. Die \u00dcberlegung der Armeef\u00fchrung im Hintergrund scheint aber zu sein, dass man die Russen so lange wie irgend m\u00f6glich binden will, um zu verhindern, dass sie noch einen operativen Durchbruch erzielen. Das war ja Ziel der Russen im Sommer, das sie jedoch &#8211; trotz substanzieller Gel\u00e4ndegewinne &#8211; nicht erreicht haben. <\/p>\n<p>Pokrowsk k\u00f6nnte nun diese Troph\u00e4e werden, bevor der Winter beginnt?<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnte passieren. Zumal die Rasputiza, also die herbstliche Schlammperiode, derzeit die Russen kaum bremst. Schlamm behindert den Einsatz von mechanisierten Kr\u00e4ften, Panzer und schweres Ger\u00e4t bleiben stecken. Doch die Russen greifen ja vielerorts vor allem zu Fu\u00df an. Die haben mit Schlamm also kein Problem. Allerdings: Selbst wenn gemeldet wird, dass die Russen Pokrowsk inzwischen bereits zu 65 Prozent kontrollieren, ist die Frage: Was bedeutet Kontrolle in einer Situation, wo permanent Drohnen \u00fcber den Besetzern schweben, die sich auf sie st\u00fcrzen, sobald sie einen Fu\u00df nach drau\u00dfen setzen? In diesem Punkt hat die Ukraine nach wie vor genug Ressourcen, um die Russen empfindlich zu treffen. Blo\u00df die haben den l\u00e4ngeren Atem, so funktioniert der Abnutzungskrieg.<\/p>\n<p>Darum w\u00e4ren weitreichende Waffen so wichtig, um der russischen Armee diesen Atem zu nehmen? <\/p>\n<p>Richtig. Darum versucht die Ukraine fast schon verzweifelt, die USA zu bewegen, ihnen Tomahawk-Marschflugk\u00f6rper zu liefern. Damit zus\u00e4tzlicher Druck aufgebaut werden kann. Es geht nicht darum, Russland zu zerst\u00f6ren. Es geht darum, dass die Ukraine so massiven Druck aus\u00fcben kann, dass Russland schlie\u00dflich gezwungen und bereit ist, am Verhandlungstisch Platz zu nehmen. Bis jetzt ist das nicht der Fall. Bis jetzt sieht sich Putin auf der Siegerstra\u00dfe, trotz der schweren Verluste. W\u00e4ren die Angriffe auf russische Infrastruktur, w\u00e4ren Sanktionen des Westens aber so massiv, dass ihr Erfolg an der Front messbar w\u00fcrde, dann w\u00fcrde Pokrowsk nicht kurz vor der Einnahme stehen.<\/p>\n<p>Mit Markus Reisner sprach Frauke Niemeyer<\/p>\n<p>Quelle: ntv.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politik Russische Soldaten in der Region Pokrowsk suchen den Himmel nach Drohnen ab. Pokrowsk im Donbass steht schon lange unter Feuer, doch jetzt tobt dort der H\u00e4userkampf. 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