{"id":30843,"date":"2025-11-01T23:56:53","date_gmt":"2025-11-01T20:56:53","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/ausenpolitik-folgt-interessen-berlin-muss-endlich-strategisch-denken\/"},"modified":"2025-11-01T23:56:53","modified_gmt":"2025-11-01T20:56:53","slug":"ausenpolitik-folgt-interessen-berlin-muss-endlich-strategisch-denken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/ausenpolitik-folgt-interessen-berlin-muss-endlich-strategisch-denken\/","title":{"rendered":"Au\u00dfenpolitik folgt Interessen: Berlin muss endlich strategisch denken"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Politik         \t\t                   \t\t               \t\t                    <\/p>\n<figure> \t\t                       \t\t                        <img decoding=\"async\" alt=\"Wenn Trump und Xi sich einigen - wo bleibt Europa? Und was will Deutschland \u00fcberhaupt? Strategisches Denken ist wichtiger denn je. \" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/26131649-1761835365000\/16-9\/750\/555610055.jpg\"\/><figcaption>\n<p>Wenn Trump und Xi sich einigen &#8211; wo bleibt Europa? Und was will Deutschland \u00fcberhaupt? Strategisches Denken ist wichtiger denn je.<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wenn der Au\u00dfenminister oder der Bundeskanzler andere L\u00e4nder besuchen, sprechen sie oft Menschenrechte oder andere Missst\u00e4nde an. Ist das noch zeitgem\u00e4\u00df? In keinem Falle d\u00fcrfen strategisches Denken und eine n\u00fcchterne Interessenpolitik zu kurz kommen. <\/strong><\/p>\n<p>Die deutsche Au\u00dfenpolitik steckt seit Jahren in einer Sinnkrise. Fast jede Bundesregierung bekennt sich dazu, sie sei &quot;interessengeleitet&quot;. Doch in der Praxis dominieren symbolische Gesten und eine Haltungspolitik, die mehr auf das eigene Gewissen als auf konkrete Ergebnisse zielt. Das ist ein Problem &#8211; nicht, weil Werte unwichtig w\u00e4ren, sondern weil eine Au\u00dfenpolitik ohne klare Interessen weder handlungsf\u00e4hig noch glaubw\u00fcrdig ist.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/23829854-1673225365000\/16-9\/750\/Laut-dem-Terrorismus-Experten-Peter-Neumann-mussen-verschiedene-extremistische-Bedrohungen-gleichzeitig-bekampft-werden.jpg\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Der Politikwissenschaftler Peter R. Neumann lehrt und forscht am King&#039;s College London.\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/23829854-1673225365000\/16-9\/750\/Laut-dem-Terrorismus-Experten-Peter-Neumann-mussen-verschiedene-extremistische-Bedrohungen-gleichzeitig-bekampft-werden.jpg\"\/> <\/a><figcaption>\n<p>Der Politikwissenschaftler Peter R. Neumann lehrt und forscht am King&#039;s College London.<\/p>\n<p>(Foto: Karlheinz Schindler\/dpa-Zentralb)<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wenn die neue Bundesregierung also tats\u00e4chlich eine interessengeleitete Au\u00dfenpolitik anstrebt, wie Au\u00dfenminister Johannes Wadephul mehrfach betont hat, sollte der erste Schritt darin bestehen, die eigenen Interessen \u00fcberhaupt erst einmal zu definieren. In gewisser Weise sind sie offensichtlich: Sicherheit, Wohlstand und Souver\u00e4nit\u00e4t. <\/p>\n<p>Sicherheit bedeutet Schutz vor \u00e4u\u00dferen Bedrohungen, aber auch Stabilit\u00e4t in der eigenen Nachbarschaft. Wohlstand ist nicht nur eine \u00f6konomische Kategorie, sondern Grundlage politischer Stabilit\u00e4t. Und Souver\u00e4nit\u00e4t hei\u00dft, eigene Entscheidungen weitgehend unabh\u00e4ngig treffen zu k\u00f6nnen &#8211; in Verteidigungsfragen, in der Energiepolitik, in der digitalen Welt. Diese drei Ziele bilden das R\u00fcckgrat jeder modernen Au\u00dfenpolitik. Sie sind nicht Ausdruck von Egoismus, sondern Bedingung daf\u00fcr, dass Deutschland \u00fcberhaupt handlungsf\u00e4hig bleibt.<\/p>\n<p>Der zweite Schritt betrifft das Verst\u00e4ndnis von Au\u00dfenpolitik selbst. Au\u00dfenpolitik ist l\u00e4ngst kein exklusives Feld der Diplomatie mehr. Sie durchzieht nahezu alle Bereiche staatlichen Handelns: Wirtschafts-, Verteidigungs-, Energie-, Entwicklungs- und zunehmend auch Innen- und Finanzpolitik. Wer Au\u00dfenpolitik ernst nimmt, muss diese Dimensionen zusammenf\u00fchren. Genau deshalb ist die Schaffung eines Nationalen Sicherheitsrats, in dem diese Politikfelder strategisch verzahnt werden, so wichtig. Sollte dieser so funktionieren wie beabsichtigt, wird er nicht nur die Koordination verbessern, sondern auch langfristige Priorit\u00e4ten kl\u00e4ren &#8211; etwa wenn Energieabh\u00e4ngigkeit sicherheitspolitische Risiken schafft oder wenn es um den Zugang zu kritischen Rohstoffen geht. Eine Au\u00dfenpolitik &quot;aus einem Guss&quot; ist keine technokratische Spielerei, sondern Voraussetzung f\u00fcr strategisches Handeln.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/CDU-Aussenpolitiker-Trumps-Atomwaffentests-verstaendlich-article26130403.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Hardt.jpg\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/26130145-1761814225000\/17-6\/1136\/Hardt.jpg\"\/> <\/a> <\/figure>\n<p>   Politik  30.10.25    J\u00fcrgen Hardt im ntv Fr\u00fchstart CDU-Au\u00dfenpolitiker: Trumps Atomwaffentests verst\u00e4ndlich    <\/p>\n<p> Drittens muss sich das Verh\u00e4ltnis von Werten und Interessen neu justieren. Eine interessengeleitete Au\u00dfenpolitik bedeutet nicht, dass Werte \u00fcber Bord geworfen werden. Im Gegenteil: Wer seine Interessen erfolgreich verfolgt, schafft \u00fcberhaupt erst den Handlungsspielraum, um Werte glaubw\u00fcrdig zu vertreten. Menschenrechte, Demokratief\u00f6rderung und Rechtsstaatlichkeit bleiben zentrale Anliegen &#8211; aber sie m\u00fcssen pragmatisch und verantwortungsethisch umgesetzt werden. Die entscheidende Frage lautet: F\u00fchrt eine bestimmte Politik tats\u00e4chlich zu konkreten Verbesserungen, oder dient sie vor allem der moralischen Selbstvergewisserung? Au\u00dfenpolitik ist nicht blo\u00df Symbolpolitik, sondern ein Feld, wo es auf Ergebnisse ankommt.<\/p>\n<h2>Was folgt daraus f\u00fcr Deutschlands Verh\u00e4ltnis zum Rest der Welt?<\/h2>\n<p>Europa bleibt der zentrale Bezugspunkt. Nicht nur aus historischem Idealismus, sondern aus n\u00fcchterner Vernunft. Europa ist Deutschlands gr\u00f6\u00dfter Markt und der geographische Raum, in dem sich seine Sicherheit entscheidet &#8211; nicht zuletzt gegen\u00fcber einem aggressiv-revisionistischen Russland. Damit Europa funktioniert, darf sich Berlin allerdings nicht mehr so stark wie bisher auf die Langsamkeit der EU-Institutionen verlassen. Zus\u00e4tzlich zu Br\u00fcssel braucht es mehr Koalitionen der Willigen, wie sie im Ukraine-Krieg entstanden sind &#8211; flexible B\u00fcndnisse zwischen Staaten, die bei bestimmten Themen handeln wollen und auch Nicht-EU-Staaten (wie etwa Gro\u00dfbritannien, Norwegen und die Schweiz) einbinden. Entscheidend ist, dass Europa handlungsf\u00e4hig bleibt, nicht, dass jeder Schritt der institutionellen Orthodoxie entspricht.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Merz-will-Partnerschaft-mit-der-Tuerkei-vertiefen-article26129731.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"14298dd239c092e0eb48735da865ad70.jpg\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/26129737-1761805360000\/17-6\/1136\/14298dd239c092e0eb48735da865ad70.jpg\"\/> <\/a> <\/figure>\n<p>   Politik  30.10.25    Antrittsbesuch mit Ehefrau Merz will Partnerschaft mit der T\u00fcrkei vertiefen    <\/p>\n<p> Das Verh\u00e4ltnis zu den USA bedarf einer realistischen Neubewertung. Die enge Bindung an Washington war lange der Kern deutscher Au\u00dfenpolitik. Doch Abh\u00e4ngigkeit ist keine Partnerschaft, und obwohl Deutschland gegen\u00fcber Amerika stets kooperationsbereit sein sollte, darf es sich niemals erpressen lassen. Das setzt voraus, dass Deutschland -und Europa &#8211; st\u00e4rker in die eigene Verteidigungsf\u00e4higkeit investieren und besonders im Bereich der Geheimdienste und bei digitalen Schl\u00fcsseltechnologien souver\u00e4ner werden. Das Ziel ist kein Anti-Amerikanismus, sondern Selbstbestimmung: eine Partnerschaft auf Augenh\u00f6he, die nicht aus Abh\u00e4ngigkeit, sondern aus beiderseitigem Interesse besteht.<\/p>\n<p>Im Nahen Osten war deutsche Politik zu oft von amerikanischen Idealen gepr\u00e4gt, die mit der Realit\u00e4t der Region wenig zu tun hatten. Mit Ausnahme Israels &#8211; dessen Sicherheit f\u00fcr Deutschland Staatsr\u00e4son bleibt &#8211; sollte deutsche Politik dort pragmatischer werden. Dazu geh\u00f6rt ein weniger verkrampftes Verh\u00e4ltnis zur T\u00fcrkei und eine engere Beziehung zu den Golfstaaten, die als Investoren und Energiepartner von zentraler Bedeutung sind. Wir sollten ihnen mit Offenheit statt moralischer Belehrung begegnen.<\/p>\n<h2>Entwicklungspolitik nicht als humanistisches Feigenblatt<\/h2>\n<p>Afrika ist die Region, in der sich das Scheitern einer rein werteorientierten Politik am deutlichsten zeigt. Belehrungen aus Europa werden dort zunehmend als postkoloniale Anma\u00dfung empfunden. Deutschlands Interessen liegen auf der Hand: Rohstoffe, Energie, Migration, aber auch die Entwicklung neuer M\u00e4rkte. Eine moderne Entwicklungspolitik &#8211; sei es in Afrika, Lateinamerika oder anderswo &#8211; sollte deshalb fester Bestandteil einer strategisch gedachten Au\u00dfenpolitik sein &#8211; nicht als humanit\u00e4res Feigenblatt, sondern als Instrument gemeinsamer Gestaltung. Denn Entwicklungshilfe funktioniert dann am besten, wenn sie auch wirtschaftliche und politische Interessen beider Seiten bedient.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Wenn-China-das-dauerhaft-umsetzt-ist-das-nah-an-einem-Kalten-Krieg-article26127853.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"35127136.jpg\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/26128667-1761748294000\/17-6\/1136\/35127136.jpg\"\/> <\/a> <\/figure>\n<p>   Wirtschaft  29.10.25    Handelsstreit mit Europa &quot;Wenn China das dauerhaft umsetzt, ist das nah an einem Kalten Krieg&quot;    <\/p>\n<p>Asien schlie\u00dflich ist der Kontinent des 21. Jahrhunderts &#8211; und Deutschland droht gerade hier, geopolitisch abgeh\u00e4ngt zu werden. Das Verh\u00e4ltnis zu China muss stabil, aber balanciert sein: wirtschaftliche Kooperation ja, strategische Abh\u00e4ngigkeit nein. Gleichzeitig darf Asien nicht auf China reduziert werden: Indien, S\u00fcdkorea, Vietnam und Indonesien sind aufstrebende Partner, mit denen Deutschland viel enger kooperieren sollte. Deutschlands Diplomaten m\u00fcssen in diesen L\u00e4ndern deutlich aktiver sein als bisher. <\/p>\n<p>Die Weltordnung ver\u00e4ndert sich so grundlegend wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr. Neue Machtzentren entstehen, alte Strukturen verlieren an Gewicht. Wer jetzt keine Strategie hat, wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zum Spielball anderer. Eine Au\u00dfenpolitik, die auf Sicherheit, Wohlstand und Souver\u00e4nit\u00e4t gr\u00fcndet, ist kein R\u00fcckzug ins Nationale, sondern der notwendige Schritt, um Deutschlands Werte in einer h\u00e4rter gewordenen Welt zu bewahren. Mehr noch: Wer eigene Interessen klar benennt, handelt verantwortungsvoll &#8211; gegen\u00fcber den eigenen B\u00fcrgern, aber auch gegen\u00fcber Partnern, die wissen, woran sie sind.<\/p>\n<p>Am Ende geht es um mehr als eine blo\u00dfe Neujustierung. Nur wer seine Interessen kennt, kann sie auch verteidigen &#8211; und nur wer sie verteidigt, kann glaubw\u00fcrdig f\u00fcr seine Werte eintreten.<\/p>\n<p>Peter R. Neumann ist Professor f\u00fcr Sicherheitsstudien am King&#039;s College London.<\/p>\n<p>Quelle: ntv.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politik Wenn Trump und Xi sich einigen &#8211; wo bleibt Europa? Und was will Deutschland \u00fcberhaupt? Strategisches Denken ist wichtiger denn je. 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