{"id":30328,"date":"2025-08-10T11:05:54","date_gmt":"2025-08-10T08:05:54","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/von-der-ddr-verdrangt-als-hunderte-erfurter-algerische-vertragsarbeiter-hetzten\/"},"modified":"2025-08-10T11:05:54","modified_gmt":"2025-08-10T08:05:54","slug":"von-der-ddr-verdrangt-als-hunderte-erfurter-algerische-vertragsarbeiter-hetzten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/von-der-ddr-verdrangt-als-hunderte-erfurter-algerische-vertragsarbeiter-hetzten\/","title":{"rendered":"Von der DDR verdr\u00e4ngt: Als Hunderte Erfurter algerische Vertragsarbeiter hetzten"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Politik         \t\t                   \t\t               \t\t                    <\/p>\n<figure> \t\t                       \t\t                        <img decoding=\"async\" alt=\"Der Anger ist einer der zentralen Pl\u00e4tze in der th\u00fcringischen Landeshauptstadt. Vor 50 Jahren waren er und der Domplatz die Schaupl\u00e4tze einer rassistischen Hetzjagd.\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/25945437-1754390106000\/16-9\/750\/539095334.jpg\"\/><figcaption>\n<p>Der Anger ist einer der zentralen Pl\u00e4tze in der th\u00fcringischen Landeshauptstadt. Vor 50 Jahren waren er und der Domplatz die Schaupl\u00e4tze einer rassistischen Hetzjagd.<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Zum antifaschistischen Selbstbild der DDR passte das nicht: Vor 50 Jahren kam es in Erfurt zu massiven rassistischen Ausschreitungen gegen algerische Arbeitsmigranten. Eine Historikerin glaubt: &quot;Das h\u00e4tte auch in anderen Orten passieren k\u00f6nnen.&quot;<\/strong><\/p>\n<p>Im August 1975 wurde die heutige th\u00fcringische Landeshauptstadt Erfurt von rassistischen Ausschreitungen ersch\u00fcttert: 300 junge Erfurter jagten 25 algerische Vertragsarbeiter durch die Innenstadt und pr\u00fcgelten einige von ihnen krankenhausreif. 50 Jahre danach sollen mehrere Gedenkveranstaltungen an die Ereignisse erinnern, die Forschungen zufolge als die ersten massiven rassistisch motivierten Ausschreitungen nach 1945 in Deutschland gelten &#8211; und doch in der \u00d6ffentlichkeit bislang wenig bekannt sind.<\/p>\n<p>Die Ausschreitungen in Erfurt dauerten drei Tage &#8211; vom 10. bis 13. August 1975. Nach der ersten Hetzjagd kam es zu weiteren Angriffen auf die Algerier, die als Arbeiter f\u00fcr mehrere Erfurter Betriebe angeheuert worden waren. Ausgel\u00f6st wurden sie durch frei erfundene Behauptungen \u00fcber angebliche Vergewaltigungen und rassistische Ger\u00fcchte, die in Erfurt kursierten.<\/p>\n<p>Infolge der \u00dcbergriffe ermittelten die Sicherheitsbeh\u00f6rden der DDR. Nach Angaben des Historikers Harry Waibel wurden etwa zwei Dutzend Ermittlungsverfahren gegen Erfurter eingeleitet, die mutma\u00dflich an der Gewalt gegen Algerier beteiligt waren. Schlie\u00dflich wurden dann f\u00fcnf von ihnen als &quot;R\u00e4delsf\u00fchrer und Rowdys&quot; gerichtlich zur Verantwortung gezogen, wie es in einem von Waibel verfassten Heft zu den Ausschreitungen hei\u00dft, das von der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung 2024 ver\u00f6ffentlicht worden war. &quot;Es stellte sich heraus, dass sie bereits zuvor mit Gesetzen in Konflikt gekommen waren.&quot;<\/p>\n<p>Aus Sicht der Historikerin Annegret Sch\u00fcle, die in Erfurt den Erinnerungsort Topf &amp; S\u00f6hne leitet, zeigen die Ausschreitungen, dass auch in der DDR &#8211; die sich offiziell dem Antifaschismus und der V\u00f6lkerfreundschaft verschrieben hatte &#8211; Rassismus und Rechtsextremismus das Ende des Nationalsozialismus \u00fcberdauert hatten. Dass es die Ausschreitungen in dieser Gr\u00f6\u00dfe in Erfurt gab, sei vermutlich ein Zufall gewesen. &quot;Das h\u00e4tte auch in anderen Orten passieren k\u00f6nnen.&quot; Sie verweist auf \u00e4hnliche Ausschreitungen nach dem Ende der DDR in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Mit-Rostock-Lichtenhagen-verbinde-ich-entgrenzte-Gewalt-article23542701.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"297019580.jpg\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/23542704-1661262065000\/17-6\/1136\/297019580.jpg\"\/> <\/a> <\/figure>\n<p>   Politik  23.08.22    Interview mit Claudia Roth &quot;Mit Rostock-Lichtenhagen verbinde ich entgrenzte Gewalt&quot;    <\/p>\n<h2>In der DDR unter der Decke gehalten<\/h2>\n<p>Den Grund daf\u00fcr, dass die sich in aller \u00d6ffentlichkeit abspielenden Ausschreitungen von Erfurt so lange unter dem Radar blieben, sieht Sch\u00fcle darin, dass sie von den offiziellen DDR-Stellen unter der Decke gehalten wurden. Die DDR-Staatssicherheit habe die \u00dcbergriffe zwar sehr genau protokolliert, verhinderte aber, dass dar\u00fcber in der DDR gesprochen wurde. &quot;Denn dass es Rassismus auch in der DDR gab, war ja ein Tabu, das bis heute nachwirkt.&quot; Es habe ma\u00dfgeblich dazu beigetragen, dass es in Ostdeutschland nie zu einer umfassenden gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Rassismus in der Gesellschaft gekommen sei. Heute beg\u00fcnstige dies den hohen Zuspruch f\u00fcr rechtsextreme und rassistische Einstellungen in Ostdeutschland.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Die-Entwicklung-der-Union-macht-mir-Angst-article25545809.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"502644467.jpg\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/25545960-1738920738000\/17-6\/1136\/502644467.jpg\"\/> <\/a> <\/figure>\n<p>   Politik  07.02.25    Rechtsextremismus im Osten &quot;Die Entwicklung der Union macht mir Angst&quot;       <\/p>\n<p>In der DDR waren zwischen 1974 und 1984 mehr als 8000 algerische Arbeitsmigranten t\u00e4tig, wie die Universit\u00e4t Erfurt erforscht hat. Geregelt wurde das durch ein Abkommen zwischen der DDR und Algerien. \u00c4hnliche staatliche Abkommen, die den Einsatz von ausl\u00e4ndischen Vertragsarbeitern regelten, gab es unter anderem auch mit Vietnam und Angola.<\/p>\n<h2>DDR-Vertragsarbeiter wurden von Bev\u00f6lkerung abgeschottet<\/h2>\n<p>Eine bewusste Integration der Vertragsarbeiter, die den Arbeitskr\u00e4ftemangel in der DDR beheben sollten, habe es allerdings nicht gegeben, so Sch\u00fcle. Zwar sei es zu vielen Kontakten am Arbeitsplatz zwischen DDR-B\u00fcrgern und den Vertragsarbeitern gekommen. Aber die Arbeitsmigranten seien gezielt in Wohnheimen untergebracht worden und es sei klar gewesen, dass sie nicht dauerhafter Teil der DDR-Gesellschaft werden sollten. &quot;\u00dcberhaupt wurde ihnen mit einem geradezu paternalistischen Gestus gegen\u00fcbergetreten.&quot;<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/videos\/politik\/Rostock-Lichtenhagen-Alle-haben-weggeguckt-article23541318.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"28875883.jpg\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/23541479-1661236694000\/16-9\/1136\/28875883.jpg\"\/>    01:27 min  <\/a> <\/figure>\n<p>   Politik  23.08.22    Rechte Gewaltorgie vor 30 Jahren Rostock-Lichtenhagen &#8211; &quot;Alle haben weggeguckt&quot;    <\/p>\n<p>Die Forschung zu den \u00dcbergriffen von Erfurt hat erst in den vergangenen Jahren eingesetzt. Im vergangenen Jahr erschien dazu bei der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung eine kleine Publikation. An der Universit\u00e4t Erfurt gibt es ein eigenes Forschungsprojekt dazu.<\/p>\n<p>Die Veranstaltungen zum Gedenken an die Ausschreitungen &#8211; ein Gedenken auf dem Domplatz am 10. August, eine Podiumsdiskussion und eine Gespr\u00e4chsrunde am 11. August im Erfurter Rathaus &#8211; richten nach Angaben der Stadtverwaltung Erfurt die Universit\u00e4t Erfurt, die Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung, der Erinnerungsort Topf &amp; S\u00f6hne sowie der Verein &quot;Migranetz Th\u00fcringen&quot; gemeinsam aus. Zu der Gespr\u00e4chsrunde werden auch drei ehemalige Vertragsarbeiter erwartet.<\/p>\n<p>Quelle: ntv.de, gh\u00f6\/dpa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politik Der Anger ist einer der zentralen Pl\u00e4tze in der th\u00fcringischen Landeshauptstadt. Vor 50 Jahren waren er und der Domplatz die Schaupl\u00e4tze einer rassistischen Hetzjagd. 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