{"id":29735,"date":"2025-05-09T21:55:53","date_gmt":"2025-05-09T18:55:53","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/studie-nur-200-000-jahre-schoninger-speere-deutlich-junger-als-gedacht\/"},"modified":"2025-05-09T21:55:53","modified_gmt":"2025-05-09T18:55:53","slug":"studie-nur-200-000-jahre-schoninger-speere-deutlich-junger-als-gedacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/studie-nur-200-000-jahre-schoninger-speere-deutlich-junger-als-gedacht\/","title":{"rendered":"Studie: &#8220;nur&#8221; 200.000 Jahre: Sch\u00f6ninger Speere deutlich j\u00fcnger als gedacht?"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Wissen         \t\t                   \t\t               \t\t                    <\/p>\n<figure> \t\t                       \t\t                        <img decoding=\"async\" alt=\"Den Speeren ist sogar ein eigenes Museum gewidmet: das Forschungsmuseum Sch\u00f6ningen.\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/25757885-1746799295000\/16-9\/750\/82321445.jpg\"\/><figcaption>\n<p>Den Speeren ist sogar ein eigenes Museum gewidmet: das Forschungsmuseum Sch\u00f6ningen.<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Es sind die \u00e4ltesten vollst\u00e4ndig erhaltenen Jagdwaffen der Menschheitsgeschichte: Doch eine neue Datierung der Sch\u00f6ninger Speere aus Niedersachsen kratzt am Image des Sensationsfundes. Ein Forschungsteam sch\u00e4tzt ihn rund 100.000 Jahre j\u00fcnger ein als bisher angenommen.<\/strong><\/p>\n<p>Die Sch\u00f6ninger Speere gelten als arch\u00e4ologische Sensation, ein Fenster in die Fr\u00fchzeit der Menschheit. Doch nun wird ihr bisher angenommenes Alter von 300.000 Jahren infrage gestellt. Laut einem internationalen Forschungsteam sind die in Niedersachsen gefundenen h\u00f6lzernen Waffen tats\u00e4chlich &quot;nur&quot; etwa 200.000 Jahre alt. Das Team hatte zuvor erstmals Material aus der Fundschicht direkt datiert. <\/p>\n<p>Mit dem deutlichen j\u00fcngeren Alter passten die Funde allerdings besser zu den Erkenntnissen \u00fcber das Leben und die Jagdstrategien der damaligen Neandertaler, betont Studienleiter Olaf J\u00f6ris vom Monrepos-Forschungszentrum und Museum f\u00fcr menschliche Verhaltensevolution in Neuwied. Doch unabh\u00e4ngige Fachleute melden Zweifel an.<\/p>\n<p>In den 1990er Jahren wurden in einem Tagebaurevier bei Helmstedt eine ganze Reihe pr\u00e4historischer Artefakte entdeckt: Neben Dutzenden Werkzeugen mindestens 20 Jagdwaffen &#8211; darunter mindestens zehn Speere, die bis zu 2,5 Meter lang sind. Die Funde zeigen, dass die damaligen Bewohner bereits sehr versiert Waffen und andere Werkzeuge aus Holz produzieren konnten. Auff\u00e4llig sei zudem, dass die Fundschicht sehr viele Pferdeknochen enthielt &#8211; insgesamt von mehr als 50 Tieren, schreibt die Gruppe um J\u00f6ris im Fachjournal &quot;Science Advances&quot;.<\/p>\n<h2>Alter schon einmal korrigiert<\/h2>\n<p>Urspr\u00fcnglich war das Alter der Fundschicht auf 400.000 Jahre gesch\u00e4tzt worden, sp\u00e4ter wurde es auf 300.000 Jahre revidiert. Allerdings basierten diese Angaben auf Alterssch\u00e4tzungen der dar\u00fcber und darunter liegenden Ablagerungen &#8211; aber nicht von jener Schicht, aus der die Speere tats\u00e4chlich stammten, betont das Team um J\u00f6ris. Mit seinem hohen Alter habe Sch\u00f6ningen im Vergleich zu anderen \u00e4hnlichen Fundorten stets als Ausrei\u00dfer gegolten. &quot;Unser Datierungsresultat korrigiert diese Diskrepanz&quot;, hei\u00dft es nun.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/25757893-1746799637000\/3-4\/750\/urn-binary-dpa-com-20090101-250508-99-784350-FILED.jpg\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Speere und Wurfh\u00f6lzer von der Fundstelle Sch\u00f6ningen wurden f\u00fcr die Jagd auf Gro\u00df- und Kleinwild verwendet (Fragmente zeichnerisch erg\u00e4nzt).\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/25757893-1746799637000\/3-4\/1136\/urn-binary-dpa-com-20090101-250508-99-784350-FILED.jpg\"\/> <\/a><figcaption>\n<p>Speere und Wurfh\u00f6lzer von der Fundstelle Sch\u00f6ningen wurden f\u00fcr die Jagd auf Gro\u00df- und Kleinwild verwendet (Fragmente zeichnerisch erg\u00e4nzt).<\/p>\n<p>(Foto: Volker Minkus, Matthias Vogel, Dirk Leder)<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Forschungsteam bestimmte das Alter der Fundschicht &#8211; des sogenannten Speer-Horizonts &#8211; nach eigener Darstellung erstmals direkt, und zwar mit einem biochemischen Analyseverfahren: Die sogenannte Aminos\u00e4ure-Datierung bestimmt das Alter einer Probe anhand der Struktur von Molek\u00fclbindungen.<\/p>\n<p>Das Probematerial entnahmen die Forscher aus ausgegrabenen Sedimentbl\u00f6cken, die kleine S\u00fc\u00dfwasserschnecken der Gattung Bithynia enthalten. Von diesen analysierten sie die Verschlusskapseln, in denen sich Aminos\u00e4uren \u00fcber Jahrtausende erhalten. Weitere Proben aus Pferdez\u00e4hnen und den Schalen kleiner Muschelkrebse best\u00e4tigten das Alter von etwa 200.000 Jahren.<\/p>\n<h2>Forscherteam: Datierung &quot;sehr sicher&quot;<\/h2>\n<p>J\u00f6ris h\u00e4lt diese Datierung f\u00fcr &quot;sehr sicher&quot;. Das im Vergleich zu fr\u00fcheren Datierungen deutlich j\u00fcngere Alter schm\u00e4lere die Bedeutung der Fundst\u00e4tte keineswegs, betont die Forschungsgruppe. Der nun gefundene zeitliche Kontext erm\u00f6gliche aber ein neues Verst\u00e4ndnis der Funde. Denn vor 250.000 bis 200.000 Jahren &#8211; so hei\u00dft es &#8211; h\u00e4tten Neandertaler-Gruppen damit begonnen, gemeinschaftlich bestimmten Tiergruppen nachzustellen.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wissen\/Schaedelknochen-belegen-fruehe-Besiedlung-Europas-article25629241.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"urn_binary_dpa_com_20090101_250312-99-197200-FILED.jpeg\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/25629226-1741941616000\/17-6\/1136\/nicht-weiterverwenden.jpg\"\/> <\/a> <\/figure>\n<p>   Wissen  16.03.25    Hinweise auf zwei Menschenarten Sch\u00e4delknochen belegen fr\u00fche Besiedlung Europas    <\/p>\n<p>In Sch\u00f6ningen hatten es die Bewohner demnach &#8211; zumindest im ausgegrabenen Bereich &#8211; vor allem auf Pferde abgesehen, im th\u00fcringischen Taubach waren es Nash\u00f6rner, in Lebenstedt bei Salzgitter Rentiere. In Sch\u00f6ningen nutzten die Verb\u00e4nde das damalige Seeufer, um Pferden aufzulauern, sie zu t\u00f6ten und zu schlachten &#8211; &quot;immer nach dem gleichen Schema&quot;, wie J\u00f6ris betont.<\/p>\n<p>Die Befunde wiesen auf eine bessere Kooperation der Neandertaler bei der Jagd hin, sagt der Forscher. Das sei erfolgversprechender gewesen und mit weniger Risiko f\u00fcr Einzelne verbunden. In der Folge sei die Lebenserwartung dieser Menschen gestiegen. Ab jener Zeit vor grob 200.000 Jahren, so der Arch\u00e4ologe, finde man bei Neandertaler-\u00dcberresten geh\u00e4uft Hinweise auf ein h\u00f6heres Alter &#8211; weit jenseits von 40 Jahren.<\/p>\n<h2>Andere \u00e4u\u00dfern Skepsis<\/h2>\n<p>Thomas Terberger von der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen bewertet die neue Datierung mit Skepsis. &quot;Es handelt sich um einen spannenden Beitrag zur Datierungsdiskussion&quot;, betont der Arch\u00e4ologe. &quot;Aber f\u00fcr mich ist diese Frage offen.&quot; Das Team r\u00e4ume in seinem Fachartikel selbst ein, dass das Datierungsverfahren experimentell sei.<\/p>\n<p>Darauf verweist auch die Geologin Jutta Winsemann von der Universit\u00e4t Hannover. Zwar sei es m\u00f6glich, dass der Speer-Horizont j\u00fcnger sei als 300.000 Jahre, und die Arbeit leiste einen wichtigen Forschungsbeitrag. Allerdings enthalte die Studie einen gro\u00dfen Schwachpunkt: Sie gehe von einem alten und nachweislich falschen geologischen Ablagerungsmodell aus &#8211; und benutze dieses, um das neue Alter zu best\u00e4tigen.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wissen\/fundsache\/Massengrab-mit-150-toten-Soldaten-aus-Roemerzeit-entdeckt-article25675692.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"516725051.jpg\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/25675736-1743612746000\/17-6\/1136\/516725051.jpg\"\/> <\/a> <\/figure>\n<p>   Fundsache  02.04.25    Sensationsfund am Rande von Wien Massengrab mit 150 toten Soldaten aus R\u00f6merzeit entdeckt    <\/p>\n<p>Der Datierungsexperte Tobias Lauer von der Universit\u00e4t T\u00fcbingen h\u00e4lt das Vorgehen der Gruppe um J\u00f6ris f\u00fcr schl\u00fcssig und sinnvoll. Allerdings sei das angewandte Verfahren keine direkte Datierung, sondern die Daten m\u00fcssten kalibriert werden anhand \u00e4hnlicher Resultate, die von vergleichbaren Orten stammten, deren Alter gesichert ist. Denn wie sich die Struktur der Molek\u00fclbindungen in den Proben entwickle, h\u00e4nge von \u00e4u\u00dferen Faktoren ab, insbesondere der Temperatur.<\/p>\n<h2>Letztes Wort noch nicht gesprochen?<\/h2>\n<p>&quot;Ich bin mir sicher, dass das noch nicht das letzte Wort ist&quot;, sagt Lauer zu der Studie. &quot;Dieses Resultat wird mutma\u00dflich nicht von allen Fachleuten akzeptiert werden.&quot; Der Experte rechnet mit hitzigen Diskussionen, gerade wegen der \u00fcberragenden Bedeutung der Fundst\u00e4tte.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon, ob die Sch\u00f6ninger Speere 200.000 oder 300.000 Jahre alt sind: Die \u00e4ltesten vollst\u00e4ndig erhaltenen Jagdwaffen der Welt seien sie auch weiterhin, betont Studienleiter J\u00f6ris. Die generell \u00e4lteste erhaltene, h\u00f6lzerne Jagdwaffe der Welt ist demnach eine Lanzenspitze, gefunden in Clacton-on-Sea in S\u00fcdostengland: Sie ist tats\u00e4chlich etwa 400.000 Jahre alt.<\/p>\n<p>Quelle: ntv.de, kst\/dpa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissen Den Speeren ist sogar ein eigenes Museum gewidmet: das Forschungsmuseum Sch\u00f6ningen. 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