{"id":29300,"date":"2025-03-02T11:46:09","date_gmt":"2025-03-02T08:46:09","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/die-wahl-die-afd-und-der-osten-die-verletzung-die-die-ossis-nicht-so-schnell-verzeihen-werden\/"},"modified":"2025-03-02T11:46:09","modified_gmt":"2025-03-02T08:46:09","slug":"die-wahl-die-afd-und-der-osten-die-verletzung-die-die-ossis-nicht-so-schnell-verzeihen-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/die-wahl-die-afd-und-der-osten-die-verletzung-die-die-ossis-nicht-so-schnell-verzeihen-werden\/","title":{"rendered":"Die Wahl, die AfD und der Osten: Die Verletzung, die die Ossis nicht so schnell verzeihen werden"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Politik         \t\t                   \t\t               \t\t                    <\/p>\n<figure> \t\t                       \t\t                        <img decoding=\"async\" alt=\"AfD-Werbung in einem Ortsteil von G\u00f6rlitz. Die Partei gewann dort 46,7 Prozent der Zweitstimmen.\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/25597055-1740744320000\/16-9\/750\/258908401.jpg\"\/><figcaption>\n<p>AfD-Werbung in einem Ortsteil von G\u00f6rlitz. Die Partei gewann dort 46,7 Prozent der Zweitstimmen.<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Bei der Bundestagswahl erreicht die AfD ein so starkes Ergebnis wie nie zuvor &#8211; auch im Westen der Republik. Im Osten knackt die Partei aber reihenweise die 40-Prozentmarke und gewinnt fast alle Wahlkreise. Die Radikalisierung in Ostdeutschland wird immer krasser. Das hat Gr\u00fcnde.<\/strong><\/p>\n<p>Seit der Bundestagswahl wissen wir, was wir l\u00e4ngst ahnten: Deutschland ist mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung wieder politisch geteilt. Abermals diskutiert das vom Westen dominierte Land: Was ist nur los im Osten? Wieso ticken die Ossis, wie sie ticken? Ich kann es nur bruchst\u00fcckhaft erkl\u00e4ren. Was ich aber wei\u00df: Die Radikalisierung der Rechten in Ostdeutschland wird immer krasser, das extrem rechte Gedankengut sickert immer tiefer in die Mitte der Gesellschaft.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/25597089-1740744886000\/16-9\/750\/498609356.jpg\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Jakob Springfeld, Jahrgang 2002, kommt aus Zwickau und k\u00e4mpft gegen Rechtsextremismus. Gemeinsam mit dem Journalisten Issio Ehrich hat Springfeld das Buch &quot;Unter Nazis. Jung, ostdeutsch, gegen Rechts&quot; verfasst.\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/25597089-1740744886000\/16-9\/750\/498609356.jpg\"\/> <\/a><figcaption>\n<p>Jakob Springfeld, Jahrgang 2002, kommt aus Zwickau und k\u00e4mpft gegen Rechtsextremismus. Gemeinsam mit dem Journalisten Issio Ehrich hat Springfeld das Buch &quot;Unter Nazis. Jung, ostdeutsch, gegen Rechts&quot; verfasst.<\/p>\n<p>(Foto: picture alliance\/dpa)<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wenn ich in Schulen lese, erlebe ich oft Folgendes: Die laute, scharf rechte (Noch-) Minderheit sorgt daf\u00fcr, dass die demokratische, ohnehin leise Mehrheit ihre Klappe h\u00e4lt. Was neu ist? Nicht mehr &quot;nur&quot; queere, gefl\u00fcchtete oder &quot;alternative&quot; Kids werden zur verbalen oder k\u00f6rperlichen Zielscheibe radikalisierter Rechter, sondern auch die &quot;politisch Neutralen&quot;, die sich aus allem raushalten. Wer sich nicht klar auf die Seite der AfD stellt und damit auf die Seite von &quot;M\u00e4nnlichkeit&quot;, &quot;Anti-Woke&quot; und &quot;St\u00e4rke&quot;, wird immer schneller zum Opfer. <\/p>\n<p>Dieser Kulturkampf &#8211; und das ist das Fatale &#8211; wird gerade im Osten schon lange nicht mehr nur von der AfD betrieben: gegen Gendern, &quot;h\u00e4ssliche&quot; Windr\u00e4der und Tempolimit zu argumentieren, ist keinesfalls per se ultrarechts, aber in vielen ostdeutschen Regionen breiter Konsens, was den rechtsextremen Kr\u00e4ften in die H\u00e4nde spielt, um eine menschenfeindliche und spaltende Agenda zu verfestigen und in die K\u00f6pfe der Bev\u00f6lkerung zu setzen. Was besonders bedauerlich ist: Die ostdeutsche CDU l\u00e4uft der AfD hinterher, passt sich an und r\u00fcckt selbst immer mehr nach rechts &#8211; die Brandmauer ist nur noch eine Hecke.<\/p>\n<h2>Ostdeutschland im Wahlkampf rechts liegen gelassen<\/h2>\n<p>Wenn viele, keineswegs alle, CDUler der AfD nach dem Mund reden, wirkt die AfD wie ein konsequenterer, ehrlicherer und effizienterer Player &#8211; vor allem dort, wo sich eine kollektive Abstiegsangst, die mal berechtigt und mal unberechtigt sein mag, auszubreiten scheint. Viele Ossis kennen dieses Abstiegsgef\u00fchl aus ihren Biografien und es w\u00e4re ein Irrtum zu glauben, dass sich dieses Gef\u00fchl nicht auch auf meine Generation \u00fcbertr\u00e4gt. Wenn mein Papa und seine Kollegen um ihren Job bei Volkswagen in Zwickau bangen m\u00fcssen, dann macht dieses Bangen keinen Halt vor uns J\u00fcngeren. Gerade abgeh\u00e4ngte und einsame M\u00e4nner unter 30 treibt das zur Wei\u00dfglut und im Zweifel in die H\u00e4nde der AfD oder zu Neonazi-Parteien.<\/p>\n<p>   ANZEIGE   <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/3869951524?tag=ntvde0f-21&amp;linkCode=ogi&amp;th=1&amp;psc=1\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\"> <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/m.media-amazon.com\/images\/I\/51aDVvkhfHL._SL500_.jpg\"\/><\/a>   Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert: Warum das Erstarken der Rechten eine Bedrohung f\u00fcr uns alle ist     5  18,00 \u20ac   Zum Angebot bei amazon.de      <\/p>\n<p>Auf der einen Seite finde ich es zum Kotzen, wenn Ostdeutsche mit bestehenden Ost-West-Ungleichheiten (geringere L\u00f6hne, Erben und Repr\u00e4sentanz) die Wahl von AfD und BSW legitimieren wollen, w\u00e4hrend es den meisten von ihnen besser geht als vor 35 Jahren. Auf der anderen Seite kann es eben auch keine L\u00f6sung sein, diese bestehenden Ungerechtigkeiten zu ignorieren und auszusparen. Ostdeutschland hat im bundesdeutschen Wahlkampf demokratischer Parteien kaum eine Rolle gespielt und das ist eine riesige Verletzung &#8211; eine Verletzung, die viele Ossis, ob jung oder alt, nicht so schnell verzeihen werden.<\/p>\n<p>Unter diesen Gesichtspunkten halte ich es \u00fcbrigens f\u00fcr v\u00f6llig absurd, dass sich die Bundesspitze der Union Sonntagabend in Feierlaune suhlte. Die Ost-Ergebnisse der CDU sind keinesfalls ein Erfolg! Sogar Sachsens Ministerpr\u00e4sident Michael Kretschmer, ein Christdemokrat, hat das verstanden. F\u00fcr mich spricht das daf\u00fcr, dass der Osten viel zu vielen Westdeutschen offensichtlich mal wieder herzlich egal war, obwohl der erneute Rechtsruck auch vor Westdeutschland keinen Halt gemacht hat. Hier verfahren die etablierten Parteien wie eh und je: Die Wahlen werden im Westen gewonnen, also lassen wir den Osten links oder vielmehr rechts liegen. Dabei hinkt der Westen dem Osten bei der AfD-Zustimmung nur einige Jahre hinterher. Es ist nur, wenn Merz und Co. das nicht endlich verstehen, eine Frage der Zeit, bis der Westen dort ist, wo der Osten l\u00e4ngst ist.<\/p>\n<h2>46,7 Prozent in G\u00f6rlitz<\/h2>\n<p>Signale, die mehr als Alarmzeichen sind, gibt es schon. In Kaiserslautern und Gelsenkirchen konnte die AfD mit 24,7 und 25,9 Prozent die meisten Zweitstimmen gewinnen. Klar, im Gegensatz zu satten 46,7 Prozent etwa in G\u00f6rlitz wirkt das haneb\u00fcchen, doch Westdeutsche sollten aufh\u00f6ren, sich sozusagen in Sicherheit zu w\u00e4hnen. Erstens, weil die hohe AfD-Zustimmung im Osten auch auf sie politische Auswirkungen haben wird, und zweitens, weil wir uns ein Verantwortungsgef\u00fchl, das an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze endet, schlicht nicht mehr leisten k\u00f6nnen. Ich als Sachse kann nur sagen: Kaiserslautern und Gelsenkirchen geht den Osten genauso an wie den Westen G\u00f6rlitz. Die AfD ist im gesamten Bundesgebiet auf dem Vormarsch und der erhobene Zeigefinger auf bestimmte Landesteile verharmlost die gesamtdeutsche Demokratiekrise.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Bundestagswahlen-2021-und-2025-Mehr-Schwarz-mehr-Blau-So-stark-hat-sich-die-politische-Landkarte-veraendert-article25587847.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"zweit_btw21_btw25_narrow_adj.jpg\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/25589648-1740508167000\/17-6\/1136\/zweit-btw21-btw25-narrow-adj.jpg\"\/> <\/a> <\/figure>\n<p>   Politik  26.02.25    Blauer Osten, schwarzer Westen? So stark ver\u00e4ndert sich die Wahl-Karte     <\/p>\n<p>Die Erfahrungen, die ich an ostdeutschen Schulen mache, sind weitaus brisanter als die im Westen. Es w\u00e4re also falsch, die Festsetzung des Rechtsextremismus in Ost- und Westdeutschland auf eine Stufe zu stellen. Andererseits kann es doch nicht sein, dass die Emp\u00f6rung Westdeutscher \u00fcber St\u00e4dte im Osten mit mehr als 20 Prozent W\u00e4hleranteil der AfD heute ausbleibt, wenn die Partei im Westen \u00e4hnliche Ergebnis einf\u00e4hrt. Klar, die Ost-AfD ist mit ihren mittlerweile knapp 40 Prozent bedrohlicher als anderswo. Doch bei der diesj\u00e4hrigen Bundestagswahl hat die AfD vor allem in Westdeutschland gewonnen &#8211; und das \u00fcbrigens meist dort, wo die wenigsten &quot;Ausl\u00e4nder&quot; leben. Wer all diese Parallelen der Entwicklung \u00fcbersieht, k\u00f6nnte eines Tages in einem Land aufwachen, das nichts mehr mit der Bundesrepublik von heute zu tun hat.<\/p>\n<p>Quelle: ntv.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politik AfD-Werbung in einem Ortsteil von G\u00f6rlitz. Die Partei gewann dort 46,7 Prozent der Zweitstimmen. 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