{"id":2905,"date":"2020-10-01T11:17:18","date_gmt":"2020-10-01T08:17:18","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/alexej-nawalny-uber-anschlag-ich-behaupte-dass-hinter-der-tat-putin-steht\/"},"modified":"2020-10-01T11:17:18","modified_gmt":"2020-10-01T08:17:18","slug":"alexej-nawalny-uber-anschlag-ich-behaupte-dass-hinter-der-tat-putin-steht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/alexej-nawalny-uber-anschlag-ich-behaupte-dass-hinter-der-tat-putin-steht\/","title":{"rendered":"Alexej Nawalny \u00fcber Anschlag: &#8220;Ich behaupte, dass hinter der Tat Putin steht&#8221;"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/54d78056-207d-4c6f-b894-b46c2774c039_w948_r1.77_fpx53_fpy40.jpg\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>  Foto:\u2002<\/p>\n<p class=\"caps\">Peter Rigaud \/ DER SPIEGEL<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es ist sechs Uhr fr\u00fch am Mittwoch, als Alexej Nawalny in der Berliner Redaktionsvertretung des SPIEGEL zum Interview erscheint. Das B\u00fcro liegt nur wenige Schritte von der Charit\u00e9 entfernt, in der Nawalny einen Monat lang behandelt wurde und zwischen Leben und Tod schwebte.<\/p>\n<p>Erst vergangene Woche konnte der Kremlgegner, der mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok vergiftet worden war, aus dem Krankenhaus entlassen werden.<\/p>\n<p>Vier Mitarbeiter des LKA sichern seinen Besuch. Nawalny, der zwischenzeitlich gar nicht mehr gehen konnte, hat auf dem Weg nach oben die Treppe genommen, nicht den Fahrstuhl.<\/p>\n<p>Alexej Nawalny, 44, ist Russlands prominentester Oppositioneller. Doch seit dem Anschlag, der am 20. August in der sibirischen Stadt Tomsk auf sein Leben ver\u00fcbt wurde, steht er auf der Weltb\u00fchne. Angela Merkel setzte sich f\u00fcr seine Ausreise nach Deutschland ein. Weil er mit einem Stoff vergiftet wurde, der praktisch nur aus staatlichen russischen Laboren stammen kann, wird weltweit die Frage nach der pers\u00f6nlichen Verantwortung von Russlands Pr\u00e4sident Wladimir Putin gestellt. Es ist nicht das erste Mal, dass ein russischer Oppositioneller get\u00f6tet werden sollte \u2013 aber das erste Mal, dass die Umst\u00e4nde so stark auf den Kreml deuten. Der dementiert jede Beteiligung.<\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch mit dem SPIEGEL ist Nawalnys erstes Interview seit dem Anschlag. Er wirkt konzentriert bei dem Treffen, erinnert sich an vieles \u2013 und doch sieht man ihm die Folgen seiner Vergiftung an. Narben am Hals zeigen, wo er beatmet wurde. Als er sich Wasser aus einer Flasche in sein Glas gie\u00dft, kostet es ihn sichtlich M\u00fche, er muss beide H\u00e4nde dazu benutzen. Hilfe lehnt er ab. &quot;Mein Physiotherapeut sagt, ich soll mich anstrengen, alles selbst zu tun&quot;, sagt er.<\/p>\n<p>Nawalny wirkt nerv\u00f6ser als bei fr\u00fcheren Treffen, sein Gesicht schmaler, seine Figur drahtiger. Zw\u00f6lf Kilogramm hat er abgenommen. Aber seine Stimme ist die alte, ebenso sein Humor, seine Ironie. Neben ihm sitzt Kira Jarmysch, Nawalnys Pressesprecherin.<\/p>\n<p>Sie sa\u00df am 20. August neben ihm im Flugzeug, als die Symptome seiner Vergiftung einsetzten. Bevor das Gespr\u00e4ch beginnt, m\u00f6chte Nawalny etwas vorausschicken.<\/p>\n<p><strong>Nawalny:<\/strong> Mir ist es wichtig, dass dieses Interview in der deutschen Presse erscheint. Ich bin Deutschland nie eng verbunden gewesen. Ich kenne hier niemanden. Ich kannte keinen einzigen Politiker. Und jetzt hat es sich so ergeben \u2013 sehen Sie, meine Stimme zittert schon, so r\u00fchrselig bin ich geworden \u2013, dass ausgerechnet deutsche Politiker und Angela Merkel Anteil an meinem Schicksal genommen und mein Leben gerettet haben. Die \u00c4rzte der Charit\u00e9 haben mein Leben ein zweites Mal gerettet, und sie haben mir, was noch wichtiger ist, meine Pers\u00f6nlichkeit zur\u00fcckgegeben. Deshalb will ich als Allererstes sagen: Ich empfinde eine riesige Dankbarkeit allen Deutschen gegen\u00fcber. Ich wei\u00df, das klingt jetzt etwas pathetisch, aber Deutschland ist f\u00fcr mich ein besonderes Land geworden. Ich hatte kaum eine Verbindung hierher, ich war \u00fcberhaupt erst vor drei Jahren das erste Mal in Berlin! Und dann so viel menschliche Anteilnahme, von so vielen Leuten.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Das wird unsere Leser freuen. Wie geht es Ihnen heute, Herr Nawalny?<\/p>\n<p><strong>Nawalny:<\/strong> Viel besser als noch vor drei Wochen, und mit jedem Tag wird es besser. Vor Kurzem konnte ich nur zehn Treppenstufen steigen, jetzt schaffe ich es bis in den f\u00fcnften Stock hinauf. Am wichtigsten ist f\u00fcr mich, dass meine mentalen F\u00e4higkeiten zur\u00fcckgekommen sind. Na ja, vielleicht stellen wir im Laufe des Interviews auch noch das Gegenteil fest (lacht).<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Sie haben auf Instagram geschrieben, dass Sie nicht mehr auf einem Bein stehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Nawalny: <\/strong>Das kann ich wieder. Meine neueste Aufgabe ist es, auf einem Bein zu stehen und das andere Bein nach vorn zu strecken, das trainiere ich jeden Tag. Das sind eigentlich \u00dcbungen, wie sie irgendwelche Neunzigj\u00e4hrigen im Park machen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>K\u00f6nnen Sie gut schlafen?<\/p>\n<p><strong>Nawalny: <\/strong>Das ist mein gr\u00f6\u00dftes Problem. Fr\u00fcher habe ich \u00fcber Leute mit Schlafproblemen gelacht, weil ich die selbst nie hatte. Aber dann kam das Koma, die Narkose, die Entw\u00f6hnung von den Bet\u00e4ubungsmitteln, dieser lange Schwebezustand, als ich weder schlief noch wach war. Ich kann seither nicht ohne Schlafmittel einschlafen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Als Sie das Bewusstsein verloren, waren Sie ein russischer Oppositioneller. Als Sie aus dem Koma aufgewacht sind, waren Sie eine Figur der Weltpolitik. Kanzlerin Merkel hat Sie am Krankenbett besucht. Wor\u00fcber haben Sie geredet?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Foto:\u2002 Peter Rigaud \/ DER SPIEGEL Es ist sechs Uhr fr\u00fch am Mittwoch, als Alexej Nawalny in der Berliner Redaktionsvertretung des SPIEGEL zum Interview erscheint. 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