{"id":28915,"date":"2025-01-04T18:16:17","date_gmt":"2025-01-04T15:16:17","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/fotos-im-judischen-museum-berlin-wie-juden-nach-1945-in-deutschland-weiterleben\/"},"modified":"2025-01-04T18:16:17","modified_gmt":"2025-01-04T15:16:17","slug":"fotos-im-judischen-museum-berlin-wie-juden-nach-1945-in-deutschland-weiterleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/fotos-im-judischen-museum-berlin-wie-juden-nach-1945-in-deutschland-weiterleben\/","title":{"rendered":"Fotos im J\u00fcdischen Museum Berlin: Wie Juden nach 1945 in Deutschland weiterleben"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Panorama         \t\t                   \t\t               \t\t                    <\/p>\n<figure> \t\t                       \t\t                        <img decoding=\"async\" alt=\"1961 fotografierte Freed in Frankfurt am Main eine Frau und ein Kind beim Kerzenanz\u00fcnden an Schabbat.\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/25463575-1735828279000\/16-9\/750\/Freed-Schabbat-Pressedownload.jpg\"\/><figcaption>\n<p>1961 fotografierte Freed in Frankfurt am Main eine Frau und ein Kind beim Kerzenanz\u00fcnden an Schabbat.<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>In der Nachkriegszeit reist der US-Fotograf Leonard Freed nach Westdeutschland und fotografiert Menschen j\u00fcdischen Glaubens. Seine Bilder dokumentieren, wie die \u00dcberlebenden im Land der T\u00e4ter weiterleben.  Derzeit sind seine Fotos erstmals im J\u00fcdischen Museum Berlin zu sehen.<\/strong><\/p>\n<p>Wenige Jahre, nachdem die deutschen Nationalsozialisten sechs Millionen Juden Europas ermordeten, reist der US-Amerikaner Leonard Freed nach Westdeutschland. Der Fotojournalist will mit seiner Kamera festhalten, wie Juden im Land der T\u00e4ter Anfang der 1960er-Jahre leben. Denn auch Freed ist Jude.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/leute\/buecher\/Schriftstellerin-Lea-Streisand-ueber-ihr-Buch-Sind-Antisemitisten-anwesend-Humor-und-Komik-das-Juedische-und-die-Juden-article25426040.html\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Lea Streisand_Foto_STEPHAN PRAMME.jpg\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/23538345-1733937532000\/17-6\/1136\/Lea-Streisand-Foto-STEPHAN-PRAMME.jpg\"\/> <\/a> <\/figure>\n<p>   B\u00fccher  15.12.24    &quot;Sind Antisemitisten anwesend?&quot; Lea Streisand: &quot;Der 7. Oktober hat mich zur J\u00fcdin gemacht&quot;    <\/p>\n<p>Freed richtet seine Kamera auf Menschen, die Jahre der Verfolgung durch die deutschen Nationalsozialisten erlebt hatten und trotzdem nach Deutschland zur\u00fcckgekehrt waren. Die 52 Fotografien von Freed stellt das J\u00fcdische Museum Berlin erstmals aus. Die Ausstellung &quot;Deutsche Juden heute&quot; k\u00f6nnen Besucherinnen und Besucher noch zum 27. April 2025 anschauen.<\/p>\n<h2>Ein j\u00fcdischer Fotograf im Nachkriegs-Europa<\/h2>\n<p>Fernab von den Fronten des Zweiten Weltkrieges wuchs Freed als Sohn j\u00fcdischer Einwanderer aus Osteuropa in der US-Millionenstadt New York auf. Er war nicht mal 16 Jahre alt, als der Krieg 1945 endete und die Bilder aus den Konzentrationslagern der Deutschen um die Welt gingen. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend seiner Reisen durch Europa und Afrika in der Nachkriegszeit entdeckt der junge Freed seine Leidenschaft f\u00fcr das Fotografieren und macht diese schlie\u00dflich zum Beruf. 1956 berichtet er f\u00fcr seinen ersten Auftrag als Fotojournalist aus Rom. Beim Knipsen auf dem Petersplatz lernt der 27-J\u00e4hrige Brigitte Kl\u00fcck kennen, kurz darauf heiratet der Jude aus New York die Deutsche. Erst nach der Heirat erz\u00e4hlt er seiner Frau und ihrer Familie, dass er Jude ist.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/25463654-1735828584000\/3-4\/750\/Freed-Synagoge-Mainz-Pressedownload.jpg\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Die Grundsteinlegung f\u00fcr die neue Synagoge in Mainz 1962.\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/25463654-1735828584000\/3-4\/750\/Freed-Synagoge-Mainz-Pressedownload.jpg\"\/> <\/a><figcaption>\n<p>Die Grundsteinlegung f\u00fcr die neue Synagoge in Mainz 1962.<\/p>\n<p>(Foto: Leonard Freed\/J\u00fcdisches Museum Berlin, Inv.-Nr. 2006\/198\/13)<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wenige Jahre nach dem Krieg sprach die angeheiratete Familie \u00fcber Hunger, Flucht und Vertreibung aus der schlesischen Heimat. Wor\u00fcber die deutschen Verwandten damals nicht sprachen, war das Schicksal der Juden. Die Deutschen, die nichts gewusst haben (wollten), von den Vernichtungslagern und den Nazi-Verbrechen, faszinieren Freed. Um der Unwissenheit der Deutschen \u00fcber die j\u00fcdische Minorit\u00e4t in ihrem Land entgegenzuwirken, beginnt er eine Fotoreise durch die BRD. Mit seiner Kamera stellt sich Freed gegen das kollektive Vergessen und Verdr\u00e4ngen. <\/p>\n<p>Gemeinsam mit seiner Ehefrau besucht er die j\u00fcdischen Gemeinden in Frankfurt am Main, Worms, K\u00f6ln oder auch D\u00fcsseldorf. Mit der Kamera h\u00e4lt Freed fest, wie deutsche Juden nach dem Krieg und dem Holocaust in westdeutschen St\u00e4dten leben. <\/p>\n<h2>J\u00fcdisches Leben in Deutschland<\/h2>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/25463590-1735827363000\/3-4\/750\/S0O614.jpg\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Der Viehh\u00e4ndler Hugo Spiegel war Sch\u00fctzenk\u00f6nig in Warendorf.\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/25463590-1735827363000\/3-4\/750\/S0O614.jpg\"\/> <\/a><figcaption>\n<p>Der Viehh\u00e4ndler Hugo Spiegel war Sch\u00fctzenk\u00f6nig in Warendorf.<\/p>\n<p>(Foto: Leonard Freed\/J\u00fcdisches Museum Berlin, Inv.-Nr. 2006\/198\/3)<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p> 1933 &#8211; im Jahr der Machtergreifung &#8211; lebten rund eine halbe Million Juden in Deutschland. Von diesen 500.000 Menschen wurden mindestens 165.000 Menschen durch die Nationalsozialisten ermordet. Ein Teil der deutschen Juden konnte fr\u00fch genug das Land verlassen und entging so der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Nur wenige Juden \u00fcberlebten im Untergrund in Nazi-Deutschland. Und die wenigsten \u00dcberlebenden kamen nach 1945 zur\u00fcck in ihre alte Heimat. <\/p>\n<p>1950 lebten nur noch etwa 15.000 Juden in der Bundesrepublik Deutschland. Freed fotografiert einige von ihnen, unter anderem die Schauspielerin Ida Ehre, den Journalisten Willy Haas, die Schauspielerin Therese Giehse, den Filmproduzenten Arthur Brauner oder auch den Regisseur Fritz Kortner. 1962 portr\u00e4tiert er Hugo Spiegel. Der Viehh\u00e4ndler aus Warendorf im M\u00fcnsterland ist damals wohl der erste Jude in Deutschland \u00fcberhaupt, der zum Sch\u00fctzenk\u00f6nig gekr\u00f6nt wird. Auch sein Portr\u00e4t ist in der aktuellen Ausstellung im J\u00fcdischen Museum zu sehen. Freeds Bilder dokumentieren, wie die \u00dcberlebenden im Land der T\u00e4ter weiterleben und wie sie versuchen, ihren Nachfahren j\u00fcdische Traditionen zu vermitteln.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/25463616-1735827853000\/3-4\/750\/Freed-fotografierte-auch-den-Arm-einer-Frau-mit-der-eintatowierten-Nummer-des-Konzentrationslagers-Auschwitz.jpg\" rel=\"noreferrer\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Der Arm einer Frau mit der eint\u00e4towierten Nummer des Konzentrationslagers Auschwitz.\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/img\/25463616-1735827853000\/3-4\/750\/Freed-fotografierte-auch-den-Arm-einer-Frau-mit-der-eintatowierten-Nummer-des-Konzentrationslagers-Auschwitz.jpg\"\/> <\/a><figcaption>\n<p>Der Arm einer Frau mit der eint\u00e4towierten Nummer des Konzentrationslagers Auschwitz.<\/p>\n<p>(Foto: Leonard Freed\/ J\u00fcdisches Museum Berlin, Inv.-Nr. 2008\/305\/5)<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>&quot;Diese Fotos sind weder aufr\u00fcttelnd noch belehrend. Sie stellen etwas dar, was auf andere Weise kaum ausgedr\u00fcckt werden kann&quot;, schreibt Hans Hermann K\u00f6per, der Herausgeber des aus der Reise entstandenen Fotobandes. Freeds Bilder zeigen die Wieder\u00f6ffnung einer Synagoge, einen verlassenen j\u00fcdischen Friedhof, \u00dcberreste eines Konzentrationslagers, Menschen im Gebet, Chanukka-Feiernde, Mutter und Kind, die Schabbat feiern, eine j\u00fcdische Hochzeit, eine Bar Mizwa oder auch die Nahaufnahme des Unterarms einer Frau, auf dem eine f\u00fcnfstellige Nummer t\u00e4towiert ist. &quot;Sie beschw\u00f6ren ohne laute Klagen die Vergangenheit, sie manifestieren die einfachen Realit\u00e4ten j\u00fcdischen Lebens unter uns (\u2026)&quot;, so K\u00f6per. <\/p>\n<h2>Der Jude, die Deutschen und die Frage der Identit\u00e4t<\/h2>\n<p>1965 wurden Freeds Fotografien in dem Fotoband &quot;Deutsche Juden heute&quot; ver\u00f6ffentlicht. Darin schreiben in kurzen Essays ber\u00fchmte, deutsche Juden \u00fcber ihr Leben nach dem Holocaust. &quot;In dieser Atmosph\u00e4re, seltsam gemischt aus schlechtem Gewissen und gutem Willen, leben die j\u00fcdischen Gemeinden dieses Landes&quot;, leitet Herausgeber K\u00f6per den Band ein. Danach erz\u00e4hlen j\u00fcdische Zeitzeugen von ihrem \u00dcberleben, erinnern an ihre ermordeten Geschwister, Eltern, Gro\u00dfeltern, Tanten, Onkel und beschreiben ihr Leben unter Deutschen.<\/p>\n<p>&quot;Die Erinnerung an ein erlittenes Leid ist geblieben&quot;, bilanziert der Philosoph Ludwig Marcuse in seinem Text. Der Publizist Hermann Kesten nennt Deutschland sein Zuhause. &quot;Das ganze Land sieht aus wie renoviert. Was so unwirklich scheint, ist so wahr, so \u00fcberwirklich, dass ich unter Tr\u00e4nen lachen muss&quot;, schreibt Kesten. &quot;Das Wiedergutmachungsgesetz konnte nicht Millionen Kinder wieder zum Leben bringen, die man umgebracht hatte, weil sie Kinder von Juden waren.&quot; In der Ausstellung im J\u00fcdischen Museum in Berlin liegt der Fotoband aus.<\/p>\n<p> Freeds Fotografien bezeugen nach 1945 ein wieder aufkommendes j\u00fcdisches Leben in Deutschland. Heute leben rund 95.000 Menschen j\u00fcdischen Glaubens im wiedervereinten Deutschland. Und bis heute sind sie mit der Frage konfrontiert, was es bedeutet, deutsch und gleichzeitig j\u00fcdisch zu sein. <\/p>\n<p>&quot;Letztendlich geht es bei der Fotografie darum, wer man ist. Es ist die Suche nach der Wahrheit in Bezug auf sich selbst&quot;, sagte Freed laut der Fotoagentur Magnum Photos, der er ab 1972 angeh\u00f6rt. In den 1960er- und 1970er-Jahren fotografiert Freed die B\u00fcrgerrechtsbewegung in den USA, die Arbeit der Polizei in New York, den Sechs-Tage-Krieg, sowie den Jom Kippur Krieg und kehrt auch immer wieder nach Deutschland zur\u00fcck. &quot;Im Grunde genommen dienen alle Projekte, die ich ausgew\u00e4hlt habe, dazu, mich selbst zu analysieren &#8211; um herauszufinden, wer ich in Beziehung zu anderen Menschen bin.&quot;<\/p>\n<p>Die Ausstellung &quot;Deutsche Juden heute&quot; ist bis zum 27. April 2025 im J\u00fcdischen Museum Berlin zu sehen.<\/p>\n<p>Quelle: ntv.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Panorama 1961 fotografierte Freed in Frankfurt am Main eine Frau und ein Kind beim Kerzenanz\u00fcnden an Schabbat. 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