{"id":2881,"date":"2020-09-30T08:08:45","date_gmt":"2020-09-30T05:08:45","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/tv-duell-donald-trump-gegen-joe-biden-das-schrei-duell\/"},"modified":"2020-09-30T08:08:45","modified_gmt":"2020-09-30T05:08:45","slug":"tv-duell-donald-trump-gegen-joe-biden-das-schrei-duell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/tv-duell-donald-trump-gegen-joe-biden-das-schrei-duell\/","title":{"rendered":"TV Duell Donald Trump gegen Joe Biden: Das Schrei-Duell"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/e14b20ad-7cf5-4bc5-b6ff-cf3ac5b22efd_w948_r1.77_fpx58.67_fpy50.jpg\" title=\"Donald Trump und Joe Biden stritten bei ihrem TV-Duell heftig miteinander\" alt=\"Donald Trump und Joe Biden stritten bei ihrem TV-Duell heftig miteinander\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Donald Trump und Joe Biden stritten bei ihrem TV-Duell heftig miteinander<\/p>\n<p>  Foto:\u2002POOL \/ REUTERS  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Als alles vorbei war, mussten Millionen Amerikaner erst mal tief Luft holen. Gebr\u00fcll, Beschimpfungen, Dauerunterbrechungen: So ein desastr\u00f6ses TV-Duell zweier Pr\u00e4sidentschaftskandidaten hatten sie sicher noch nie erlebt.<\/p>\n<p>&quot;Das war die schlechteste Debatte, die ich je gesehen habe&quot;, seufzte CNN-Veteran Jake Tapper anschlie\u00dfend. &quot;Ehrlich gesagt war das keine Debatte. Es war eine Schande.&quot;<\/p>\n<p>Dabei hatten viele diesen Abend mit Spannung erwartet. Erstmals trafen US-Pr\u00e4sident Donald Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden live aufeinander, 90 Minuten lang. Monatelang hatte sich das Rennen nicht bewegt &#8211; w\u00fcrde dies eine Vorentscheidung bringen?<\/p>\n<p>Statt dessen versank das Aufeinandertreffen schnell im Chaos, meist wegen Trump, der immer lauter dazwischenrief und Biden unterbrach. Bald kam man sich vor wie auf einem Grundschulhof &#8211; bis Moderator Chris Wallace von Fox News, der sich streckenweise au\u00dferstande sah, den Pr\u00e4sidenten zu m\u00e4\u00dfigen, nach eineinhalb Stunden ersch\u00f6pft feststellte: &quot;Dies ist das Ende.&quot;<\/p>\n<h3>Wie war Trump?<\/h3>\n<p>Trump begann betont gemessen und ruhig, doch das w\u00e4hrte nicht lange. Binnen Minuten polterte er gegen Biden, die Arme grimmig aufs Pult gest\u00fctzt. Seine Attacken wurden immer aggressiver, absurder und pers\u00f6nlicher. Manchmal murrte er nur nebul\u00f6se Stich- und Schimpfworte: &quot;Radikale Linke! Pocahontas! 3,5 Millionen Dollar von Moskau!&quot;<\/p>\n<p>Man merkte, wie Trump sonst in einer Blase sitzt, umgeben von Vasallen und Stichwortgebern in den konservativen Medien. Doch dies war nicht das Oval Office, wo er allein redet. &quot;Lassen Sie mich meine Frage stellen&quot;, schimpfte Wallace nach einer r\u00fcden Unterbrechung durch Trump. &quot;Mr. President, der Moderator dieser Debatte bin ich.&quot; Es w\u00fcrde nichts helfen.<\/p>\n<p>Als k\u00f6nne er sein cholerisches Temprament nicht beherrschen, als sei es ihm unbegreiflich, kritisch hinterfragt statt gepauchpinselt zu werden, rastete Trump langsam aus, wurde erst defensiv dann w\u00fctend, bis er innerlich kochte. Mal bellte er laut, mal murmelte er leise, als Biden redete.<\/p>\n<p>&quot;Haben Sie das Wort &#039;schlau&#039; gesagt?&quot;, fuhr er Biden an. &quot;Du warst fast das Schlusslicht deiner Klasse. Nichts an dir ist schlau, Joe.&quot;<\/p>\n<p>Trumps Antworten waren zusehends bizarr. Auf seine Gesundheitsreform angesprochen, die er seit Jahren f\u00fcr &quot;in zwei Wochen&quot; ank\u00fcndigt, lobte er, es gebe nun in den USA &quot;Insulin, so billig wie Wasser&quot;. Auf die Frage nach den 204.000 Coronatoten im Land lobte er sich f\u00fcr &quot;den ph\u00e4nomenalen Job&quot; und behauptete, unter einem Pr\u00e4sident Biden w\u00e4ren &quot;Millionen Menschen gestorben&quot;. Auf die Frage nach seiner Haltung zum Klimawandel behauptete er, die Demokraten wollten mit ihren Klimapl\u00e4nen &quot;Flugzeuge abschaffen&quot;, H\u00e4user abrei\u00dfen und K\u00fche umbringen.<\/p>\n<p>An anderer Stelle log er einfach. Biden wolle wegen Corona &quot;das ganze Land dichtmachen&quot;. Anti-Rassismustraining sei rassistisch. Er habe 2017 und 2018 &quot;Millionen Dollar&quot; an Einkommensteuern gezahlt, nicht je 750 Dollar, wie die &quot;New York Times&quot; enth\u00fcllt hat. Unter seinem Vorg\u00e4nger Barack Obama seien die USA &quot;viel gewaltt\u00e4tiger&quot; gewesen. Typisch Trump eben.<\/p>\n<h3>Wie war Biden?<\/h3>\n<p>Noch kurz vor der Debatte hatten Trump und seine Leute Joe Biden wieder als &quot;Sleepy Joe&quot;, &quot;schl\u00e4frigen Joe&quot;, verspottet. Auch spekulierten sie dar\u00fcber, Biden m\u00fcsse Aufputschmittel nehmen und einen Ohrh\u00f6rer benutzen, um die Debatte zu \u00fcberstehen. Damit haben Trump &amp; Co. Biden wom\u00f6glich einen Gefallen getan: Die Erwartungen, dass er einen guten Auftritt haben w\u00fcrde, waren bei vielen Zuschauern so gering, dass es f\u00fcr ihn leicht war, sie positiv zu \u00fcberraschen.<\/p>\n<p>Das tat er dann auch: Zwar verfiel Biden gelegentlich in seine alte Gewohnheit, sich zu verhaspeln, doch insgesamt konnte er in dem allgemeinen Chaos doch einige gute Punkte gegen Trump setzen. Er pr\u00e4sentierte sich als Verfechter einer modernen Klimaschutzpolitik, er nannte Trump einen &quot;Rassisten&quot;, einen &quot;Clown&quot; und attackierte immer wieder den Umgang des Pr\u00e4sidenten mit der Corona-Pandemie: &quot;Dieser Mann wei\u00df nicht, wovon er redet. Er hat keinen Plan&quot;, stellte Biden fest.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngsten Enth\u00fcllungen der &quot;New York Times&quot; zu Trumps Finanzen nutzte Biden, um Trump als reichen, abgehobenen Trickser und T\u00e4uscher darzustellen, der die wahren Sorgen und N\u00f6te der einfachen Amerikaner nicht kenne. Trump und Seinesgleichen schauten auf die meisten Menschen &quot;doch nur herab&quot;, meinte Biden. Einmal mehr forderte er Trump dazu auf, endlich seine Steuererkl\u00e4rung zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p>Zugleich nutzte Biden seine Redezeiten, um sich immer wieder als Vers\u00f6hner zu pr\u00e4sentieren. Trump hingegen &quot;l\u00fcge&quot; und spalte das Land, warnte Biden. &quot;Statt Menschen zusammenzubringen, gie\u00dft er noch Benzin ins Feuer.&quot; Auf keinen Fall d\u00fcrfte Trump mit seinen &quot;L\u00fcgen&quot; noch vier Jahre weiter regieren, so Biden.<\/p>\n<p>Insgesamt war Bidens Auftritt sicher nicht gro\u00dfartig. Er wirkte auch kaum charismatisch. Aber Biden lie\u00df sich von Trumps pausenlosen Attacken nicht aus der Ruhe bringen und machte so am Ende doch eine gute Figur.<\/p>\n<h3>\u00dcber welchen Moment reden jetzt alle?<\/h3>\n<p>Der schlagzeilentr\u00e4chtigste Moment kam nach einer Stunde. Moderator Wallace lenkte das Gespr\u00e4ch &#8211; wenn man es so nennen kann &#8211; auf Trumps Relativierung der Neonazi-Aufm\u00e4rsche von Charlottesville im August 2017 und rief ihn mehrmals dazu auf, rechtsextreme und rassistiche Gewalt zu verurteilen und sich von solchen militanten Gruppen zu distanzieren. Trump tat das aber nicht.<\/p>\n<p>&quot;Wen soll ich verurteilen?&quot;, schimpfte er. &quot;Fast alles, was ich sehe, kommt vom linken Fl\u00fcgel.&quot; Er schimpfte gegen die &quot;gef\u00e4hrliche radikale Gruppe&quot; Antifa &#8211; obwohl FBI-Direktor Christopher Wray erst k\u00fcrzlich rechte Gewalt als eine der gr\u00f6\u00dften Terrorgefahren dieser Zeiten beschrieben hatte.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich sprach Trump die Proud Boys an, eine ihm freundlich gesinnte, bewaffnete, rechtslastige Militia-Organisation, die in letzter Zeit viele Black-Lives-Matter-Demos gest\u00f6rt hat. Doch was er an ihre Adresse sagte, war bestenfalls vieldeutig: &quot;Stand back and stand by.&quot; Will hei\u00dfen: Tretet weg und steht bereit. Wallace lie\u00df dies leider unwidersprochen so stehen, statt Trump erneut zu einer klaren Distanzierung aufzufordern.<\/p>\n<p>Prompt pr\u00e4sentierten die Proud Boys ein stolzes Logo: &quot;Stand down and stand by.&quot;<\/p>\n<p>Dem schloss sich omin\u00f6ser Weise die Frage an, ob Trump und Biden eine Wahlniederlage akzeptieren und an ihre Anh\u00e4nger appellieren w\u00fcrden, das Gleiche zu tun. Nach der erneuten L\u00fcge, dass die zu erwartende, massive US-Briefwahl automatisch zu Betrug f\u00fchren w\u00fcrde, rief Trump seine Fans auf, die Demokraten in den Wahlkabinen zu beschatten: &quot;Sie schummeln.&quot;<\/p>\n<p>Biden hingegen konnte hier punkten, indem er den guten Demokraten gab: Er versprach auch bei einer Niederlage das Ergebnis der Wahl zu akzeptieren und rief die Zuschauer mehrfach dazu auf, w\u00e4hlen zu gehen.<\/p>\n<h3>Wer hat gewonnen?<\/h3>\n<p>Es darf bezweifelt werden, dass dieses Schreiduell am Stand des Rennens substanziell etwas \u00e4ndert. Wer vorher Trump gut fand, wird dabei bleiben &#8211; das gleiche gilt f\u00fcr die Biden-Unterst\u00fctzer. Die wenigen unentschlossenen W\u00e4hler, die es \u00fcberhaupt noch gibt, sind vermutlich nach dem Duell genauso unsicher, wem sie ihre Stimme geben sollen, wie vorher.<\/p>\n<p>Das Unentschieden ist eine gute Nachricht f\u00fcr Biden und eine schlechte Nachricht f\u00fcr Trump. Der Pr\u00e4sident liegt in den Umfragen deutlich zur\u00fcck, er muss eigentlich dringend in den verbleibenden Wochen bis zur Wahl neue W\u00e4hler auf seine Seite ziehen. Die TV-Debatte w\u00e4re dazu eine Chance gewesen. Er h\u00e4tte hier durch einen gelungegen Auftritt den R\u00fcckstand zu Biden wett machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber Trump hat seine Chance nicht genutzt.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Donald Trump und Joe Biden stritten bei ihrem TV-Duell heftig miteinander Foto:\u2002POOL \/ REUTERS Als alles vorbei war, mussten Millionen Amerikaner erst mal tief Luft holen. 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