{"id":2874,"date":"2020-09-29T23:39:10","date_gmt":"2020-09-29T20:39:10","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/donald-trump-gegen-joe-biden-im-tv-duell-groses-theater-wenig-substanz\/"},"modified":"2020-09-29T23:39:10","modified_gmt":"2020-09-29T20:39:10","slug":"donald-trump-gegen-joe-biden-im-tv-duell-groses-theater-wenig-substanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/donald-trump-gegen-joe-biden-im-tv-duell-groses-theater-wenig-substanz\/","title":{"rendered":"Donald Trump gegen Joe Biden im TV-Duell: Gro\u00dfes Theater, wenig Substanz"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/53d5530e-e899-411f-ba5c-a1e1cfd1d6f3_w948_r1.77_fpx47_fpy80.jpg\" title=\"Findet trotz Corona-Sorgen statt: Die TV-Debatte zwischen Trump und Biden\" alt=\"Findet trotz Corona-Sorgen statt: Die TV-Debatte zwischen Trump und Biden\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Findet trotz Corona-Sorgen statt: Die TV-Debatte zwischen Trump und Biden<\/p>\n<p>  Foto:\u2002MICHAEL REYNOLDS\/EPA-EFE\/Shutterstock  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Es soll keinen Handschlag geben, wenn sich US-Pr\u00e4sident Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden an diesem Dienstag zum ersten von drei TV-Duellen vor der US-Wahl am 3. November treffen.<\/p>\n<p>Das ist in der Corona-Pandemie eine Vorsichtsma\u00dfnahme der Veranstalter, aber vermutlich br\u00e4uchte es die gar nicht. Selbst unter normalen Umst\u00e4nden w\u00fcrden sich diese beiden Herren kaum herzlich begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Wohl nie zuvor war die Anspannung vor einem amerikanischen TV-Duell gr\u00f6\u00dfer. Das Aufeinandertreffen von Trump und Biden in Cleveland, Ohio, am Dienstagabend (Ortszeit) ist der bisherige H\u00f6hepunkt eines Wahlkampfs, der mit beispielloser H\u00e4rte und gnadenloser Wut gef\u00fchrt wird. In der Arena zu erwarten ist ein politisches Spektakel, wie es Amerika noch nie erlebt hat &#8211; und das alles live zur besten Primetime-Sendezeit. Man darf getrost schon jetzt von der Mutter aller TV-Duelle sprechen.<\/p>\n<p>Sicher l\u00e4sst sich lange dar\u00fcber diskutieren, welche tats\u00e4chlichen Auswirkungen solche Show-Events auf den Wahlausgang \u00fcberhaupt noch haben. Viele W\u00e4hler haben sich ihr Urteil \u00fcber die Kandidaten l\u00e4ngst gebildet, beide haben sich in den Umfragen kaum bewegt, trotz turbulenter Wochen. Zumindest Trump aber d\u00fcrfte das Aufeinandertreffen als eine der letzten Chancen sehen, sein politisches \u00dcberleben im Wei\u00dfen Haus doch noch zu sichern, ohne zu unlauteren Mitteln greifen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>In den meisten Umfragen liegt Trump, 74, seit Monaten hinter Biden zur\u00fcck, gerade auch in den wichtigen Swing States. Viele Gelegenheiten, das Rennen zu seinen Gunsten zu drehen, bleiben ihm nun nicht mehr, gerade nachdem ihm schon wieder ein neuer Skandal nachjagt, der um seine jahrelangen Steuertricks. Patzt Trump in Cleveland, w\u00fcrde dies seine Chancen jedenfalls kaum verbessern.<\/p>\n<p>Umgekehrt wird Biden darauf achten m\u00fcssen, keine Fehler zu machen. Der 77-J\u00e4hrige steht mindestens genauso unter Beobachtung: F\u00fcr den demokratischen Herausforderer geht es darum, vor einem Millionenpublikum alle Zweifel an seiner geistigen und k\u00f6rperlichen Fitness zu zerstreuen.<\/p>\n<h3>Wie l\u00e4uft die Debatte ab?<\/h3>\n<p>Biden muss beweisen, dass er dem Pr\u00e4sidentenamt gewachsen ist und darf gegen\u00fcber dem politischen Bulldozer Trump keine Schw\u00e4che zeigen. Versagt er auf der gro\u00dfen B\u00fchne dramatisch, w\u00e4re das kein gutes Omen f\u00fcr den Schlussspurt.<\/p>\n<p>Die Debatte wird auf allen US-Networks zeitgleich ausgestrahlt, 90 Minuten ohne Werbepausen. In Deutschland ist sie in der Nacht ab 2.45 Uhr bei uns im Livestream auf SPIEGEL.de zu sehen, aber auch im linearen Fernsehen bei Phoenix und im ZDF. Dank der dramatischen Themenlage k\u00f6nnten die US-Einschaltquoten den bisherigen Rekord sogar einstellen: 84 Millionen Amerikaner verfolgten 2016 die erste TV-Debatte von Trump und Hillary Clinton. Diesmal wird mit bis zu 100 Millionen Zuschauern gerechnet.<\/p>\n<p>Moderator Chris Wallace kommt zwar vom konservativen Sender Fox News, ist aber als kritischer Fragesteller bekannt &#8211; und nahm Trump zuletzt im Juli in die Mangel. Trotzdem will er kein Live-Faktenchecker sein, sondern &quot;so unsichtbar wie m\u00f6glich&quot;. Das ist gewollt: &quot;Es besteht ein gro\u00dfer Unterschied zwischen einem Moderator einer Debatte und einem Reporter, der jemanden interviewt&quot;, sagte Frank Fahrenkopf, der Vizechef der \u00fcberparteilichen Kommission, die die Debatten organisiert, auf CNN. Auch er lehnt eine Korrektur von L\u00fcgen ab &#8211; ob von Trump oder Biden.<\/p>\n<p>Wegen der Pandemie findet die Debatte nur vor maximal 100 Zuschauern statt, die im Auditorium Abstand halten m\u00fcssen. Zwei andere Austragungsorte hatten zuvor abgesagt. Auch Reportermassen und den &quot;Spin Room&quot;, in dem Topberater f\u00fcr die Kandidaten werben, wird es nicht geben. Einige technische Mitarbeiter wollten nicht eingeflogen werden und wurden mit Bussen angekarrt, manche aus mehr als 2000 Kilometern Entfernung.<\/p>\n<p>Das zweite Aufeinandertreffen, eine Townhall-Debatte in Miami Mitte Oktober, wird von Steve Scully moderiert, dem Politikchef des Senders C-SPAN, die dritte am 22. Oktober in Nashville von NBC-Reporterin Kristen Welker. Susan Page von der Zeitung &quot;USA Today&quot; \u00fcbernimmt n\u00e4chsten Mittwoch die Vize-Debatte zwischen Mike Pence und Kamala Harris in Salt Lake City. Keiner von ihnen stand auf Trumps Wunschliste aus meist ihm freundlich gesinnten Namen.<\/p>\n<h3>Wie haben sich Trump und Biden vorbereitet?<\/h3>\n<p>Die Kandidaten haben sich sehr unterschiedlich f\u00fcr das Duell ger\u00fcstet. Trump engagierte seinen Anwalt Rudy Giuliani und Chris Christie, den Ex-Gouverneur von New Jersey, um ihn zu &quot;preppen&quot;, wobei unklar bleibt, wer da wem Anweisungen gab. Vor allem aber versucht Trump seit Wochen, die Debatten von vornherein mit allerlei Polit-Theater zu manipulieren. So behauptete er etwa, Biden wolle sich aus Angst dr\u00fccken, eine reine Erfindung. Auch forderte er eine vierte, fr\u00fchere Debatte.<\/p>\n<p>Zugleich portr\u00e4tierte er Biden als senil &#8211; bis ihn seine Berater angeblich warnten, dass er damit die Schwelle f\u00fcr einen Erfolg Bidens gef\u00e4hrlich niedrig lege. Seither schl\u00e4gt Trump den entgegengesetzten Weg ein: Biden stehe wom\u00f6glich unter &quot;leistungssteigernden Medikamenten&quot;, die ihn wachsamer machen sollten, sagte er &#8211; und verlangte einen Drogentest.<\/p>\n<p>Solche Man\u00f6ver sind nicht neu: Auch 2016 beschwerte sich Trump \u00fcber den Terminkalender und fabulierte, Clinton und die Demokraten wollten die Duelle &quot;f\u00e4lschen&quot;.<\/p>\n<p>Biden dagegen hat sich auf klassische Weise auf die zu erwartenden Angriffe vorbereitet, im engsten Vertrautenkreis. Oberster Debatten-Trainer war US-Berichten zufolge sein fr\u00fcherer Stabschef Ron Klain, flankiert unter anderem vom Chefstrategen Mike Donilon und Ex-Regierungsjustiziar Bob Bauer, der die Rolle Trumps spielte. Begleitet wurden diese internen Sparring-Matches von h\u00e4mischen Werbespots gegen Trump, die das Lincoln Project schaltete, eine Gruppe Biden-naher Republikaner.<\/p>\n<h3><strong>Welche Themen werden wichtig?<\/strong><\/h3>\n<p>Corona, die Wirtschaft, der Supreme Court, Trumps Steuererkl\u00e4rungen, die Polizeigewalt, das Gesundheitswesen, der Streit um die Briefwahl: Es gibt eigentlich kaum ein Thema, das bei dem Duell nicht zur Sprache kommen wird. F\u00fcr beide Kontrahenten gibt es Punkte, mit denen sie sich profilieren wollen &#8211; und solche, die f\u00fcr sie unangenehm werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Trump wird versuchen, seine Erfolge in der Wirtschaftspolitik <em>vor <\/em>Beginn der Pandemie herauszustellen, doch von dem Crash seither abzulenken. Biden d\u00fcrfte Trump als Gefahr f\u00fcr die Zukunft der amerikanischen Demokratie darstellen und sich selbst als Vers\u00f6hner pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Die Erfahrung lehrt: Viele Zuschauer achten bei solchen Duellen nicht unbedingt auf die Substanz dessen, was gesagt wird, sondern eher darauf, <em>wie <\/em>Dinge gesagt werden. Wer wirkt kompetent, durchsetzungsstark, sympathisch?  <\/p>\n<h3>Was kann die Debatte noch \u00e4ndern?<\/h3>\n<p>Fr\u00fcher, in konventionellen Wahlk\u00e4mpfen, konnten die TV-Debatten Schl\u00fcsselmomente sein, die das Schicksal eines Kandidaten &#8211; wenn auch selten &#8211; zum Guten oder Schlechten wendeten. Etwa als Richard Nixon 1960 beim ersten TV-Duell \u00fcberhaupt gegen John F. Kennedy im Scheinwerferlicht schwitzte, was ihm angeblich den Wahlsieg raubte. Oder als Gerald Ford 1976 behauptete, der Ostblock stehe mitnichten unter &quot;sowjetischer Herrschaft&quot;. Oder als Ronald Reagan 1984 frotzelte, er werde die &quot;Jugend und Unerfahrenheit&quot; seines Rivalen Walter Mondale nicht ausnutzen.<\/p>\n<p>Doch dies ist kein konventioneller Wahlkampf. So bleibt die Frage, was \u00e4ndert das alles noch? Geht man nach Trumps Verhalten in den Debatten 2016, wird er eine Salve aus L\u00fcgen und Beschimpfungen loslassen, die Biden seinerseits mit pointierter Kritik an Trump konterkarieren d\u00fcrfte. Das d\u00fcrfte unterhaltsam werden f\u00fcr die Zuschauer. Aber ist es auch informativ?<\/p>\n<p>Zumal eine k\u00fcrzliche Umfrage ergab, dass sich nur noch elf Prozent der registrierten US-W\u00e4hler als &quot;unentschieden&quot; sehen. Dieselbe Umfrage ermittelte aber, dass 80 Prozent ein hohes Interesse am Wahlkampf h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Hinzu kommt: Fast eine Million Amerikaner haben ihr Votum bereits per Briefwahl abgegeben. Weitere mehr als 70 Millionen Stimmzettel sind postalisch unterwegs zu den W\u00e4hlern. &quot;Zu viel Theater, zu wenig Substanz&quot;, schreibt Kolumnist Charles Blow in der &quot;New York Times&quot; \u00fcber die Debatten &#8211; und r\u00e4t zu ihrer Abschaffung: Wer mehr \u00fcber die Positionen der Kandidaten wissen wolle, sei auf deren Websites besser aufgehoben.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Findet trotz Corona-Sorgen statt: Die TV-Debatte zwischen Trump und Biden Foto:\u2002MICHAEL REYNOLDS\/EPA-EFE\/Shutterstock Es soll keinen Handschlag geben, wenn sich US-Pr\u00e4sident Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden an<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2875,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2874","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2874","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2874"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2874\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2875"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2874"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2874"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2874"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}