{"id":2868,"date":"2020-09-29T17:11:17","date_gmt":"2020-09-29T14:11:17","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-in-spanien-an-der-costa-del-sol-kollabiert-der-tourismus\/"},"modified":"2020-09-29T17:11:17","modified_gmt":"2020-09-29T14:11:17","slug":"corona-in-spanien-an-der-costa-del-sol-kollabiert-der-tourismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-in-spanien-an-der-costa-del-sol-kollabiert-der-tourismus\/","title":{"rendered":"Corona in Spanien: An der Costa del Sol kollabiert der Tourismus"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/0d2162a7-3c8b-4769-8f68-de426daa6229_w948_r1.77_fpx55.32_fpy55.jpg\" title=\"Buenos d\u00edas, tristeza: Ferrara-Strand von Torrox\" alt=\"Buenos d\u00edas, tristeza: Ferrara-Strand von Torrox\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Buenos d\u00edas, tristeza: Ferrara-Strand von Torrox<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Claus Hecking \/ DER SPIEGEL  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Es ist ein Septembermontag, wie ihn die Deutschen von Torrox lieben w\u00fcrden. Wenn sie nur hier w\u00e4ren. Zehn Uhr morgens, die Luft in dem spanischen Badeort ist schon 23 Grad warm, das Mittelmeer 25 Grad. Fischchen flitzen durch das klare, glatte Wasser. Ein perfekter Strandtag k\u00f6nnte das werden.<\/p>\n<p>Aber der Strand ist fast menschenleer. Deutschenleer.<\/p>\n<p><strong><em>Behalten Sie den \u00dcberblick: Jeden Werktag gegen 17 Uhr beantworten SPIEGEL-Autoren die Fragen des Tages. &quot;Die Lage am Abend\u201d &#8211; hintergr\u00fcndig, kompakt, kostenlos. <\/em><\/strong><strong><em>Hier bestellen Sie Ihr News-Briefing als Mail<\/em><\/strong><strong><em>.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&quot;Es ist eine Katastrophe&quot;, sagt Rafael L\u00f3pez. &quot;Diese Gegend lebt vom deutschen Touristen. Wenn die Deutschen nicht kommen, dann verlieren wir alles.&quot; Der Wirt der Bar &quot;Safari&quot;, ein kr\u00e4ftiger Mann von 69 Jahren mit sonnengebr\u00e4unten Armen und Walross-Schnauzer, steht auf der Strandpromenade. Er deutet auf die Liegen, die sein Mitarbeiter gerade aufklappt.<\/p>\n<p>Normalerweise vermiete die Bar 150 Pl\u00e4tze, erz\u00e4hlt L\u00f3pez. Wegen der Corona-Abstandsregeln seien es zurzeit nur knapp 50. &quot;Aber gestern hatten wir nicht einmal ein Dutzend Kunden. Wie soll das weitergehen?&quot;<\/p>\n<p>Die G\u00e4ste fehlen: in Torrox, an der Costa del Sol, in ganz Spanien. Und die Gastgeber geraten in Existenznot.<\/p>\n<p>Die Fr\u00fchjahrssaison? Totalausfall. Das Sommergesch\u00e4ft? Bescheiden. Und nun? Schie\u00dfen die Infektionszahlen wieder dramatisch hoch, gibt es wieder Lockdowns, kollabieren wieder die Besucherzahlen.<\/p>\n<p>Schlimmer k\u00f6nnte es kaum kommen f\u00fcr dieses Land, das die Tourismuseinnahmen so dringend braucht.  <\/p>\n<h3>Das &quot;Oktoberfest des S\u00fcdens&quot; f\u00e4llt aus<\/h3>\n<p>&quot;Es ist erschreckend, dass es in Spanien so massiv mit der Wirtschaft nach unten geht&quot;, sagt Clemens Fuest, der Chef des Ifo-Instituts. &quot;Die Reisewarnungen und Quarant\u00e4nebestimmungen treffen den Tourismus ins Herz. Und gerade in Spanien h\u00e4ngen Millionen Arbeitspl\u00e4tze an diesem Sektor.&quot; 2,6 Millionen sind es laut Statistik. Plus all die Ladeninhaber, Handwerker, Bauarbeiter oder Zulieferer, deren Gesch\u00e4ft an den Urlaubern h\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Normalerweise w\u00e4re gerade Hochsaison im &quot;kleinen Deutschland an der Costa del Sol&quot;, wie Torrox sich selbst bewirbt. Die &quot;Alemanes&quot; w\u00fcrden in Scharen herkommen in ihre Eigenheime: jetzt, da es im gro\u00dfen Deutschland nassk\u00e4lter wird und im kleinen Deutschland die \u00e4rgste Sommerhitze vergeht. Dieser Tage h\u00e4tten sie wie zu Tausenden das &quot;Oktoberfest des S\u00fcdens&quot; gefeiert, das die Stadt extra erschaffen hat f\u00fcr ihre &quot;Residentes&quot;. <\/p>\n<p>Fast 4000 Deutsche haben in Torrox einen Wohnsitz angemeldet, etwa 3000 weitere besitzen hier eine Immobilie. Damit beherbergt die 19.000-Einwohner-Gemeinde nach eigenen Angaben die gr\u00f6\u00dfte deutsche Kolonie auf der iberischen Halbinsel. Es gibt deutsche B\u00e4ckereien, deutsche Wurst, deutsche Friseure, einen deutschen Seemannslieder-Chor. Und s\u00fcdspanische 2900 Sonnenstunden pro Jahr.<\/p>\n<p>Die meisten Deutschen hier sind Rentner. Sie residieren in Hochhaust\u00fcrmen oberhalb der Strandpromenade, erbaut von einem Bremer Unternehmer in den Siebzigerjahren. Und als die Zeiten normal waren, kamen viele auf einen Kaffee oder ein Bier hinunter zu Rafael L\u00f3pez ins Safari.<\/p>\n<p>Doch dieses Jahr trauen sich nur wenige nach Torrox. L\u00f3pez sch\u00e4tzt, dass sich maximal 200 Deutsche gerade im Ort aufhalten.<\/p>\n<h3>&quot;Wir hatten hier noch keinen einzigen Toten&quot;<\/h3>\n<p>&quot;Wir hoffen, dass die Deutschen bald wieder zu uns kommen&quot;, sagt B\u00fcrgermeister Oscar Medina. &quot;Torrox ist sicher. Wir hatten hier noch keinen einzigen Toten, und wir haben nur wenige F\u00e4lle.&quot;<\/p>\n<p>Die meisten Deutschen werden dieses Jahr nicht mehr kommen, entgegnet Arno Friedrich: &quot;Sie haben Angst.&quot; Der 71-j\u00e4hrige Pension\u00e4r lebt seit mehr als 20 Jahren in Torrox; er kennt Hunderte deutsche Immobilienbesitzer. Einige h\u00e4tten Angst vor dem Virus selbst, erz\u00e4hlt Friedrich. Andere h\u00e4tten Angst davor, in einem zweiten Lockdown in ihren Apartments eingesperrt zu sein, so wie es einigen Deutschen im Fr\u00fchjahr passiert war. Wieder andere w\u00fcrden von ihren Kindern angefleht, blo\u00df nicht nach Spanien zu reisen.<\/p>\n<p>Und Kurzurlauber k\u00f6nnen sich schlicht nicht erlauben, k\u00fcnftig nach ihrer R\u00fcckkehr f\u00fcnf Tage lang in Zwangsquarant\u00e4ne zu gehen, wie Bund und L\u00e4nder Ende August entschieden haben. &quot;Diese neue Vorschrift&quot;, sagt Friedrich, &quot;hat Torrox endg\u00fcltig das Genick gebrochen.&quot; <\/p>\n<h3>Traktoren gegen das Virus<\/h3>\n<p>Dabei hatten sie hier so viel Hoffnung zu Beginn des Sommers. Am 1. Juli \u00f6ffnete die Madrider Regierung die Grenzen f\u00fcr Touristen. Und die Menschen in Torrox gaben sich alle M\u00fche.<\/p>\n<p>Seine Stadt, so erz\u00e4hlt B\u00fcrgermeister Medina, hatte schon in der ersten Welle Spr\u00fchanlagen \u00fcber den Zufahrtsstra\u00dfen installiert, die alle Autos mit Desinfektionsmitteln \u00fcbergossen. Nun schickte die Gemeinde ihre Saubermacher aus, um viermal t\u00e4glich \u00f6ffentliche Duschen zu desinfizieren. Sie heuerte Strand-Sheriffs an, die Badeg\u00e4ste auf die Abstandsregeln hinwiesen.<\/p>\n<p>Traktoren pfl\u00fcgten den Strand um, zur Bek\u00e4mpfung des Virus. Schlie\u00dflich stellten Offizielle ein gr\u00fcnes Schild in den Sand: &quot;playa segura&quot; &#8211; &quot;sicherer Strand&quot;.<\/p>\n<p>Es wurde ein passabler Juli. Bei vier Meter Abstand wurde der Platz am Strand vor L\u00f3pez Safari-Bar zeitweise sogar knapp. So knapp, dass die Gemeinde die Handt\u00fccher und Sonnenschirme abr\u00e4umte, mit denen Touristen fr\u00fchmorgens ihre Lieblingspl\u00e4tzchen reserviert hatten.<\/p>\n<p>Aber dann kam die zweite Corona-Welle. Gefolgt von den Reisewarnungen und Quarant\u00e4neregelungen aus Norwegen, Gro\u00dfbritannien, Deutschland. Und in Torrox wurde es stiller und stiller.<\/p>\n<p>&quot;Es regnet nur noch Stornierungen&quot;, sagt Angela Doge, Betreiberin der Autovermietung Auto 2000. Sie z\u00fcckt ihr Smartphone, scrollt durch die &quot;Es tut uns leid&quot;- und &quot;Absage&quot;-Mails. Zwei Drittel der Flotte haben Doge und ihr Mann stillgelegt und auf einem Grundst\u00fcck abgestellt.<\/p>\n<p>Andere haben schon dichtgemacht: Restaurants, Gesch\u00e4fte &#8211; und Torrox&#039; Vorzeigehotel. Am Eingangstor des Iberostar haben die Betreiber M\u00fcllt\u00fcten \u00fcber die Lampen gezogen, um sie vor Sand und Wetter zu sch\u00fctzen. &quot;Cerrado&quot; \u2013 &quot;Geschlossen&quot;, steht auf einem Zettel. Seit dem 1. September ist es das Vier-Sterne-Hotel zugesperrt, mangels G\u00e4sten.<\/p>\n<p>Laut der Hoteliersvereinigung war an der Costa Del Sol im August nur noch gut ein Drittel der Bettenkapazit\u00e4t belegt. Entlang der K\u00fcste sperren reihenweise Hotels zu. Manche wohl f\u00fcr immer.<\/p>\n<h3>Eine Herbstsaison zum Vergessen<\/h3>\n<p>Bis zur Pandemie war der Tourismus ein Wachstumsmotor der spanischen Wirtschaft, die sich allm\u00e4hlich von der Eurokrise erholte. 84 Millionen ausl\u00e4ndische Besucher kamen 2019 ins Land, mehr als je zuvor.<\/p>\n<p>Dieses Jahr wird Spaniens Tourismusindustrie nach Branchenprognosen fast 100 Milliarden Euro weniger einnehmen. Am Flughafen M\u00e1laga &#8211; Costa del Sol, wo sonst t\u00e4glich Tausende Nordeurop\u00e4er landen, sind viele Gesch\u00e4fte verrammelt. Rot-wei\u00dfes Flatterband versperrt den Weg in eine geschlossene Kaffeebar. Ryanair, Eurowings, TUI &#8211; alle haben ihr Spanien-Angebot zuletzt wieder ausged\u00fcnnt. Es wird eine Herbstsaison zum Vergessen.<\/p>\n<p>Der Kollaps des Tourismus zieht die ganze Volkswirtschaft nach unten. Elf Prozent Schrumpfung sagte die Industriel\u00e4nderorganisation OECD Spanien vor einigen Wochen voraus. Und da lief das Urlaubergesch\u00e4ft noch einigerma\u00dfen. Mehr als eine Million Spanier haben schon im zweiten Quartal ihre Stelle verloren. Laut dem Institut Fedea droht bis zum Jahresende weiteren 1,4 Millionen Menschen der Verlust ihres Arbeitsplatzes.<\/p>\n<h3>Bangen um die M\u00fclljobs<\/h3>\n<p>Besonders hart wird es die Jungen treffen. Mal wieder. Sie waren schon die Verlierer der Finanz- und Schuldenkrisen. Damals schoss die Jugendarbeitslosigkeit zeitweise \u00fcber die 50-Prozent-Marke. Viele der seither geschaffenen Stellen waren &quot;Trabajos Basura<em>&quot;<\/em> &#8211; &quot;M\u00fclljobs&quot;, wie junge Spanier schlecht bezahlte, prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse nennen, etwa in der Hotellerie oder Gastronomie. Jetzt m\u00fcssen sie sogar um diese M\u00fclljobs bangen.<\/p>\n<p>Im Safari herrscht Dauerflaute. Ganze drei Tische sind an diesem Abend besetzt. Und am Strand haben die Mitarbeiter keine zehn Liegen vermietet an diesem Bilderbuch-Sp\u00e4tsommertag. Bald m\u00fcssen sie wom\u00f6glich wieder Sozialleistungen beantragen. Denn der Chef \u00fcberlegt, in den n\u00e4chsten Tagen die Bar zu schlie\u00dfen, f\u00fcr den Rest der Saison.<\/p>\n<p>&quot;Meine Frau und ich haben Geld gespart, wir werden den Winter \u00fcberstehen&quot;, sagt Rafael L\u00f3pez. &quot;Aber wenn es im n\u00e4chsten Fr\u00fchjahr so weitergeht, wissen wir nicht, was wir machen sollen.&quot;<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Buenos d\u00edas, tristeza: Ferrara-Strand von Torrox Foto:\u2002Claus Hecking \/ DER SPIEGEL Es ist ein Septembermontag, wie ihn die Deutschen von Torrox lieben w\u00fcrden. 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