{"id":28581,"date":"2024-11-14T17:47:56","date_gmt":"2024-11-14T14:47:56","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/westjordanland-doku-im-kino-berlinale-aufreger-no-other-land-besatzer-in-bulldozern\/"},"modified":"2024-11-14T17:47:56","modified_gmt":"2024-11-14T14:47:56","slug":"westjordanland-doku-im-kino-berlinale-aufreger-no-other-land-besatzer-in-bulldozern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/westjordanland-doku-im-kino-berlinale-aufreger-no-other-land-besatzer-in-bulldozern\/","title":{"rendered":"Westjordanland-Doku im Kino: Berlinale-Aufreger &#8220;No Other Land&#8221;: Besatzer in Bulldozern"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Kino         \t\t                   \t\t               \t\t                    <\/p>\n<figure> \t\t                       \t\t                        <img decoding=\"async\" alt=\"Auf der Berlinale wurde das israelisch-pal\u00e4stinensische Duo Yuval Abraham und Basel Adra f\u00fcr ihren Film ausgezeichnet und f\u00fcr ihre Rede angegriffen. \" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25359912-1731520882000\/16-9\/750\/487450877.jpg\"\/><figcaption>\n<p>Auf der Berlinale wurde das israelisch-pal\u00e4stinensische Duo Yuval Abraham und Basel Adra f\u00fcr ihren Film ausgezeichnet und f\u00fcr ihre Rede angegriffen.<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Der auf der Berlinale ausgezeichnete Dokumentarfilm &quot;No Other Land&quot;  ist ein ersch\u00fctterndes Zeugnis der israelischen Besatzung im Westjordanland. Zum Kinostart in Deutschland kommen nun erneut haltlose Antisemitismus-Vorw\u00fcrfe auf. Es w\u00e4re angebrachter, hinzuschauen.<\/strong><\/p>\n<p>Wenn die Bulldozer anrollen, geht alles ganz schnell. Soldaten mit Maschinengewehren im Anschlag treiben aufgebrachte Dorfbewohner vor sich her, dr\u00fccken ihnen Gerichtsbeschl\u00fcsse in die Hand und gew\u00e4hren dem Abrisskommando freies Geleit. Noch ein geschrienes, chancenloses Emp\u00f6ren, ein vergebliches Flehen, dann bei\u00dfen Baggerschaufeln in Betonw\u00e4nde, Betten und Badezimmer und machen eine Existenz in k\u00fcrzester Zeit dem Erdboden gleich. <\/p>\n<p>Szenen wie diese sind Alltag in Masafer Yatta. Die pal\u00e4stinensische Siedlung im Westjordanland ist eine Ansammlung von D\u00f6rfern und in der Landschaft verstreuten, sp\u00e4rlich ausgestatteten H\u00e4usern &#8211; und wurde von Israel zur milit\u00e4rischen \u00dcbungszone erkl\u00e4rt. Nach Ansicht von Menschenrechtsorganisationen steckt dahinter Kalk\u00fcl: Der geplanten Vertreibung von rund Tausend Pal\u00e4stinensern soll ein juristischer Anstrich verpasst werden. Vergeblich ziehen die Bewohner bis vor Israels Oberstes Gericht, das der Armee 2022 schlie\u00dflich die Erlaubnis ausspricht, acht pal\u00e4stinensische D\u00f6rfer zu r\u00e4umen. Dabei ist der Besatzungsmacht fast jedes Mittel recht: H\u00e4user und St\u00e4lle werden ohne Ank\u00fcndigung zerst\u00f6rt, Stromleitungen gekappt und Brunnen zubetoniert. Wer sich auflehnt, kann im Gef\u00e4ngnis landen oder mit Schusswunden im Krankenhaus.<\/p>\n<p>\u00dcber f\u00fcnf Jahre dokumentierten die Aktivisten und Journalisten Basel Adra und Yuval Abraham f\u00fcr ihren Film &quot;No Other Land&quot; die Lebensrealit\u00e4t in Masafer Yatta, Adras Heimatort. Beide sind etwa gleich alt, doch sie trennen Welten: Als Pal\u00e4stinenser lebt Adra unter israelischem Milit\u00e4rrecht, ist in seiner Bewegungsfreiheit massiv eingeschr\u00e4nkt und der t\u00e4glichen Besatzungswillk\u00fcr ausgesetzt. Der Israeli Abraham besitzt dagegen volle B\u00fcrgerrechte und kann die Grenze nach Israel problemlos \u00fcberqueren. <\/p>\n<p>Eindr\u00fccklich zeigt die Dokumentation, wie die Bewohner von Masafer Yatta ihre zerst\u00f6rten H\u00e4user per Hand wieder aufbauen und w\u00e4hrenddessen in provisorischen H\u00f6hlen und Verschl\u00e4gen leben m\u00fcssen. Wie bewaffnete Siedler-Mobs in ihr Dorf einfallen, einsch\u00fcchtern und demolieren und letztlich sogar t\u00f6ten. In stillen Szenen beleuchtet der Film zudem das zur Freundschaft gewachsene B\u00fcndnis zwischen Adra und Abraham, deren Asymmetrie nie ganz aufgel\u00f6st werden kann. <\/p>\n<h2>&quot;Dann will ich eure Schuld nicht&quot;<\/h2>\n<p>Anlass f\u00fcr eine inhaltliche Auseinandersetzung h\u00e4tte die diesj\u00e4hrige Berlinale geboten, auf der &quot;No Other Land&quot; zum Besten Dokumentarfilm gek\u00fcrt wurde, doch die fand in Deutschland nicht statt. Stattdessen waren Festivalleitung und Preistr\u00e4ger mit Antisemitismus-Vorw\u00fcrfen konfrontiert. Nicht aufgrund des Films, sondern wegen einer improvisierten Dankesrede, in der Israels Besatzungspolitik als &quot;Apartheid&quot; bezeichnet und der 7. Oktober nicht erw\u00e4hnt wurde. Regisseur Abraham, Jude und Nachfahre von Holocaust\u00fcberlebenden, sagte im Nachgang, man d\u00fcrfe ihn f\u00fcr seine Rede kritisieren, aber nicht d\u00e4monisieren. &quot;Wenn ihr das aber macht, mit eurer Holocaust-Schuld im R\u00fccken &#8211; dann will ich eure Schuld nicht.&quot; <\/p>\n<p>Damit l\u00e4uft &quot;No Other Land&quot; bereits vorbelastet in den deutschen Kinos an. Neun Monate nach der Berlinale k\u00f6nnte man nun eine Zur\u00fcckhaltung deutscher Befindlichkeiten erwarten, ein l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lliger Schwenk hin auf das Gezeigte, aber mitnichten. Diesmal riss das offizielle Stadtportal Berlin.de die Debatte mit der unbelegten Behauptung an sich, der Film enthalte &quot;antisemitische Tendenzen&quot;. Zudem finde der Angriff der Hamas auf Israel &quot;in dieser Dokumentation keinen Niederschlag&quot;, wie es in einer Filmbeschreibung auf der Website hie\u00df. <\/p>\n<p>&quot;Es schmerzt mich, zu sehen, wie sie nach der Ermordung eines Gro\u00dfteils meiner Familie im Holocaust das Wort Antisemitismus seiner Bedeutung berauben&quot;, entgegnete Abraham auf X. Es sei ein Versuch, Kritiker der Besatzung im Westjordanland zum Schweigen zu bringen. &quot;Ich f\u00fchle mich als linker Israeli im Berlin des Jahres 2024 unsicher und unwillkommen und werde rechtliche Schritte einleiten&quot;, so der Regisseur. Zur Seite sprang ihm der deutsche Botschafter in Israel, Steffen Seibert. Die Vorw\u00fcrfe seien &quot;einfach falsch&quot;.<\/p>\n<p>Nach einigen Stunden waren die entsprechenden Halbs\u00e4tze vom Hauptstadtportal verschwunden. &quot;Die Bewertung war falsch und unzul\u00e4ssig&quot;, steht nun in einem Vermerk. Das Land Berlin wies jegliche Verantwortung von sich und teilte mit, die Filmbeschreibungen stammten von einem externen Dienstleister und w\u00fcrden automatisiert ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<h2>Radikale Siedler sehen Momentum<\/h2>\n<p>Erw\u00e4hnung findet der 7. Oktober im Film tats\u00e4chlich nur als kurzer Radioschnipsel im Epilog, wenig sp\u00e4ter endeten die Dreharbeiten. Seither spitzt sich die Lage im Westjordanland weiter zu. Im Schatten des Gaza-Krieges w\u00e4hnen sich radikale Siedler im Aufwind, angespornt von ihren Interessensvertretern in der israelischen Regierung. Der Wahlsieg von Donald Trump und die Ank\u00fcndigung von Israels Finanzminister Bezalel Smotrich, das Westjordanland im kommenden Jahr annektieren zu wollen, l\u00e4sst vorausahnen, dass sich am israelischen Kurs so schnell nichts \u00e4ndern d\u00fcrfte. <\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/leute\/Kritiker-sehen-Berlinale-durch-Israel-Hass-beschaedigt-article24765181.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"449171647.jpg\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24765184-1708988549000\/17-6\/1136\/449171647.jpg\"\/> <\/a> <\/figure>\n<p>   Unterhaltung  27.02.24    &quot;International nicht tragbar&quot; Kritiker sehen Berlinale durch Israel-Hass besch\u00e4digt    <\/p>\n<p>&quot;No Other Land&quot; erhebt allerdings nicht den Anspruch, einen n\u00fcchternen Gesamt\u00fcberblick \u00fcber den Nahost-Konflikt zu geben, sondern nimmt eine klare Perspektive ein: die der Menschen von Masafer Yatta, denen unter der Besatzung Unrecht und Leid widerf\u00e4hrt. Der Film ist ein dezidiert aktivistisches Projekt, realisiert im Kollektiv von Adra, Abraham, der israelischen Kamerafrau Rachel Szor und dem pal\u00e4stinensischen Fotografen Hamdan Ballal. <\/p>\n<p>Eine israelisch-pal\u00e4stinensische Zusammenarbeit, die sich der Feindeslogik widersetzt, jedoch nicht als Vers\u00f6hnungsparabel verstanden werden will. Den Machern geht es um etwas anderes: friedlichen Widerstand. Durch Sichtbarmachung, Aufmerksamkeit, ja, auch durch Kritik an Israel. Die seit Jahrzehnten andauernde Besatzung ist nach internationalem Recht illegal, ihre Auswirkungen unter Lebensgefahr zu dokumentieren, geb\u00fchrt Anerkennung. <\/p>\n<p>Die in &quot;No Other Land&quot; sichtbar gemachte Brutalit\u00e4t schmerzt beim Zusehen. Gerade darum ist es wichtig, hinzuschauen. Als deutscher Kinog\u00e4nger, aber auch als internationale Gemeinschaft: So zeigt eine R\u00fcckblende den Besuch des damaligen britischen Premiers Tony Blair in Masafer Yatta. Eine in Eigenregie der Bewohner errichtete Grundschule war vom Abriss bedroht, weil eine Baugenehmigung fehlte, die so gut wie nie ausgestellt wird. Sieben Minuten lang lie\u00df sich der von Kameras umringte Premier \u00fcber das Schulgel\u00e4nde f\u00fchren. Sieben Minuten, die anscheinend ausgereicht haben, um Israel vom Abrissvorhaben abzubringen, zumindest vorerst. Ein paar Jahre verstrichen, dann kamen die Bulldozer doch.<\/p>\n<p>&quot;No Other Land&quot; l\u00e4uft ab sofort in den deutschen Kinos.<\/p>\n<p>Quelle: ntv.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kino Auf der Berlinale wurde das israelisch-pal\u00e4stinensische Duo Yuval Abraham und Basel Adra f\u00fcr ihren Film ausgezeichnet und f\u00fcr ihre Rede angegriffen. Der auf der Berlinale ausgezeichnete Dokumentarfilm &quot;No Other<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-28581","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28581","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=28581"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28581\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=28581"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=28581"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=28581"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}