{"id":28491,"date":"2024-10-31T17:26:37","date_gmt":"2024-10-31T14:26:37","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/filmemacherin-des-fuhrers-riefenstahl-triumph-des-starrsinns\/"},"modified":"2024-10-31T17:26:37","modified_gmt":"2024-10-31T14:26:37","slug":"filmemacherin-des-fuhrers-riefenstahl-triumph-des-starrsinns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/filmemacherin-des-fuhrers-riefenstahl-triumph-des-starrsinns\/","title":{"rendered":"Filmemacherin des F\u00fchrers: &#8220;Riefenstahl&#8221; &#8211; Triumph des Starrsinns"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Kino         \t\t                   \t\t               \t\t                    <\/p>\n<figure> \t\t                       \t\t                        <img decoding=\"async\" alt=\"Der F\u00fchrer und seine Filmemacherin: Adolf Hitler und Leni Riefenstahl.\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25326556-1730299035000\/16-9\/750\/05-ONLINE-VERWENDUNG-05-riefenstahl-in-max-600-pixel-veroeffentlichbar-hitler-begruessung-riefenstahl-115587.jpg\"\/><figcaption>\n<p>Der F\u00fchrer und seine Filmemacherin: Adolf Hitler und Leni Riefenstahl.<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>In &quot;Riefenstahl&quot; setzen sich &quot;Black Box BRD&quot;-Macher Andres Veiel und Produzentin Sandra Maischberger mit Adolf Hitlers Haus-und-Hof-Regisseurin auseinander. Nicht die erste Dokumentation \u00fcber Leni Riefenstahl. Bringt sie neue Erkenntnisse?<\/strong><\/p>\n<p>Lassen sich Kunst und K\u00fcnstler voneinander trennen? Kann man noch \u00fcber Bill Cosby lachen, Michael Jacksons Musik h\u00f6ren oder von Harvey Weinstein produzierte Filme gut finden? Fragen, \u00fcber die sich heute manche den Kopf zerbrechen, stellten sich im Falle von Leni Riefenstahl schon viel fr\u00fcher und grunds\u00e4tzlicher. Schlie\u00dflich trat bei ihr der Bruch nicht &quot;nur&quot; zwischen der Person und ihrem Werk auf. Er vollzog sich auch innerhalb ihres Schaffens, indem sie ihre unbestrittene Kreativit\u00e4t unmittelbar in den Dienst der Propaganda stellte. Nicht irgendeiner Propaganda, sondern der von Adolf Hitler, Joseph Goebbels und des Nationalsozialismus. Dagegen muten Cosby, Jackson und Weinstein nat\u00fcrlich geradezu wie Waisenknaben an.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/bilderserien\/panorama\/Leni-Riefenstahl-die-Filmemacherin-der-Nazis-article25328409.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Bundesarchiv_Bild_146-1988-106-29,_Leni_Riefenstahl_bei_Dreharbeiten.jpg\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/11301421-1730375616000\/16-9\/1136\/Bundesarchiv-Bild-146-1988-106-29-Leni-Riefenstahl-bei-Dreharbeiten.jpg\"\/>    74 Bilder  <\/a> <\/figure>\n<p>   Panorama  24.10.24    Der Triumph der Propagandistin Leni Riefenstahl, die Filmemacherin der Nazis    <\/p>\n<p>Es mag vermessen sein, eine Frau, die im Schatten von Diktatur, Holocaust, Deportation, Massenmord und dem \u00fcbrigen NS-Irrsinn ihr Handwerk ver\u00fcbte, in einem Atemzug mit (mutma\u00dflichen) Sexualstraft\u00e4tern der popkulturellen Neuzeit zu nennen. Zumal es den Machern der Dokumentation &quot;Riefenstahl&quot; um Regisseur Andres Veiel und Produzentin Sandra Maischberger, die jetzt in die Kinos kommt, gar nicht in erster Linie um die Frage nach der Trennung von K\u00fcnstler und Kunst geht. Vielmehr fragen sie sich nicht nur auf dem Plakat zu ihrer tiefsch\u00fcrfenden Biografie \u00fcber die Regisseurin: &quot;Vision\u00e4rin? Manipulatorin? L\u00fcgnerin?&quot; <\/p>\n<p>Doch auch die Macher des Films ziehen bei ihrer Analyse eine Linie ins Hier und Jetzt. &quot;Ich entdeckte die Riefenstahl&#039;sche \u00c4sthetik sehr bald in den gegenw\u00e4rtigen Bildern einer Moskauer Parade: Unterperspektive auf Putin, sein Blick von oben auf die marschierenden Kolonnen. Und in den Aufnahmen der Er\u00f6ffnung der Winterolympiade in Peking fand ich eine \u00e4hnliche \u00c4sthetik wie in &#039;Olympia&#039;&quot;, erkl\u00e4rte Regisseur Veiel etwa in einem Interview mit dem Portal &quot;Kulturport&quot;. Die &quot;erschreckende Permanenz der Riefenstahl&#039;schen \u00c4sthetik&quot; und die zeitlosen Erkenntnisse daraus h\u00e4tten letztlich auch den Anreiz geliefert, den Film \u00fcberhaupt zu realisieren. <\/p>\n<h2>700 Kisten Archivmaterial<\/h2>\n<p>Veiel hat sich als Kulturschaffender l\u00e4ngst einen Namen gemacht &#8211; als Autor, Theaterregisseur und eben Filmemacher. Seine RAF-Dokumentation &quot;Black Box BRD&quot; heimste bereits 2001 viel Lob und Anerkennung ein. Maischberger wiederum ist den meisten nat\u00fcrlich als Moderatorin bekannt, doch auch sie streckt ihre F\u00fchler gerne mal in andere Bereiche aus. 2019 produzierte sie etwa den eindringlichen Spielfilm &quot;Nur eine Frau&quot;, der den &quot;Ehrenmord&quot; an der Deutsch-Kurdin Hatun S\u00fcr\u00fcc\u00fc aufarbeitete.<\/p>\n<p>An Leni Riefenstahl biss sich Sandra Maischberger unterdessen vor \u00fcber 20 Jahren schon einmal die Z\u00e4hne aus. 2002 interviewte sie die Regisseurin, die damals ganze 100 Jahre alt wurde und ein Jahr sp\u00e4ter starb. &quot;Ich bin an ihr zerschellt&quot;, sagt Maischberger r\u00fcckblickend \u00fcber das Gespr\u00e4ch, in dem sie schlicht nicht an Riefenstahl herangekommen sei. Obwohl sie unbestreitbar Hitlers Lieblingsfilmemacherin war und sogar offiziell zur &quot;Reichsfilmregisseurin&quot; auserkoren wurde, beharrte Riefenstahl schlie\u00dflich stets darauf, im &quot;Dritten Reich&quot; nur eine unpolitische K\u00fcnstlerin ohne N\u00e4he zur NS-Ideologie gewesen zu sein.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25326575-1730299449000\/16-9\/750\/02-riefenstahl-RMueller-interview-Kopie.jpg\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"An der Lebensl\u00fcge ihrer angeblichen Unschuld hielt Riefenstahl bis zu ihrem Tod fest.\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25326575-1730299449000\/16-9\/750\/02-riefenstahl-RMueller-interview-Kopie.jpg\"\/> <\/a><figcaption>\n<p>An der Lebensl\u00fcge ihrer angeblichen Unschuld hielt Riefenstahl bis zu ihrem Tod fest.<\/p>\n<p>(Foto: Majestic Filmverleih)<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p> Mit &quot;Riefenstahl&quot; und Andres Veiel an ihrer Seite unternimmt Maischberger nun einen neuen Versuch, die Regisseurin des F\u00fchrers zu dechiffrieren und bestm\u00f6glich als das zu \u00fcberf\u00fchren, was sie so vehement bestritt, gewesen zu sein: eine \u00fcberzeugte Nationalsozialistin, die mitnichten nur Mitl\u00e4uferin oder Opportunistin war. Daf\u00fcr bewaffnete sich die Produzentin bis an die Z\u00e4hne mit Material. Schlie\u00dflich wurde f\u00fcr die Dokumentation erstmals Riefenstahls Privatarchiv systematisch ausgewertet, das sage und schreibe 700 Kisten f\u00fcllt.<\/p>\n<h2>Ein klares Jein<\/h2>\n<p>Der Film kommt dann auch mit wenig Kommentartext und komplett ohne aktuelles Material wie zum Beispiel Gespr\u00e4chen mit Zeitzeugen aus. Stattdessen l\u00e4sst Veiel all das f\u00fcr sich sprechen, was er beim St\u00f6bern in den 700 Kisten entdeckt und f\u00fcr relevant befunden hat: Briefe, Kassetten, Bilder, Fanpost und sonstige Erinnerungsst\u00fccke. Vermengt wird dies mit Sequenzen aus Riefenstahl-Werken wie &quot;Triumph des Willens&quot; oder &quot;Olympia&quot;, privaten Filmaufnahmen der Regisseurin und den diversen Interviews, in denen sie sich in der Nachkriegszeit immer wieder jeder Verantwortung zu entledigen versuchte.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25326583-1730299662000\/16-9\/750\/10-riefenstahl-mitlaeufer.jpg\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Nach dem Krieg kam Riefenstahl als &quot;Mitl\u00e4uferin&quot; davon.\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25326583-1730299662000\/16-9\/750\/10-riefenstahl-mitlaeufer.jpg\"\/> <\/a><figcaption>\n<p>Nach dem Krieg kam Riefenstahl als &quot;Mitl\u00e4uferin&quot; davon.<\/p>\n<p>(Foto: Majestic Filmverleih)<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p> F\u00f6rdert dies wirklich neue oder gar brisante Erkenntnisse \u00fcber Leni Riefenstahl zutage? Die Antwort ist ein ganz klares Jein. Zwar untermauern die Macher des Films akribisch die Vermutung, dass Riefenstahl wohl nicht nur Zeugin eines Massakers an Juden wurde, sondern dieses wom\u00f6glich sogar angestiftet hat. Doch aus dem Mund der Regisseurin selbst h\u00f6rt man selbstverst\u00e4ndlich auch in &quot;Riefenstahl&quot; nie ein Schuldeingest\u00e4ndnis oder auch nur einen Anflug von Reue. Wenn ihr die Fragen nach ihrer NS-Verstrickung irgendwann zu ungem\u00fctlich wurden, fl\u00fcchtete sich Riefenstahl vielmehr nur allzu gerne in hysterische, w\u00fctende oder auf die Tr\u00e4nendr\u00fcse dr\u00fcckende Ausf\u00e4lle. <\/p>\n<p>Dieser Triumph des Starrsinns wird von Veiel bestens und wahrscheinlich in noch nie dagewesener Tiefe festgehalten. Nur: Daran ist nichts neu. Dokumentationen \u00fcber Leni Riefenstahl gab es nat\u00fcrlich bereits zuhauf. Popul\u00e4re Auseinandersetzungen wie die von ZDF-Chefhistoriker Guido Knopp laufen in TV-Spartenkan\u00e4len nach wie vor rauf und runter. Wer sich daf\u00fcr interessiert, hat so einige, wenn auch vielleicht nicht alle Interviewsequenzen, die Veiel nun noch einmal hervorholt, schon mal gesehen. Dass Riefenstahl ihrer eigenen Lebensl\u00fcge aufgesessen ist, war dabei nicht weniger klar als nach der knapp zweist\u00fcndigen Dokumentation, die nun in die Kinos kommt. <\/p>\n<h2>Ein Film f\u00fcrs Kino?<\/h2>\n<p>Apropos Kino: &quot;Riefenstahl&quot; ist nicht nur ein Film, der wohl in erster Linie ein Publikum mit Interesse an historischen Details ansprechen d\u00fcrfte. So kunstfertig, bedacht und solide er auch montiert ist &#8211; es ist und bleibt auch immer noch ein Dokumentarfilm. Ihn auf die gro\u00dfe Leinwand zu bringen, w\u00e4re alles andere als zwingend gewesen. Vielmehr wirkt es befremdlich, dass es in erster Linie ausgerechnet die \u00c4sthetik der Riefenstahl-Filme ist, die hier erst ihre volle Wirkung entfaltet.<\/p>\n<p>Die Macher von &quot;Riefenstahl&quot; wollen mit dem Film den Bogen in die Gegenwart schlagen, ohne dies jedoch auf der Leinwand auch konkret zu benennen. Die allgemeinen Mechanismen von Propaganda zu erkennen und die gedankliche Br\u00fccke in die heutige Zeit zu bauen, bleibt stattdessen allein dem Intellekt des Publikums \u00fcberlassen. Dass eine derart subtile Botschaft verf\u00e4ngt in Zeiten, in denen selbst offener Rassismus, ein v\u00f6lkerrechtswidriger Angriffskrieg mit Hunderttausenden Toten oder herumgebr\u00fcllte SA-Slogans das Weltbild von Donald-Trump-Anh\u00e4ngern, Wladimir-Putin-Verstehern oder Bj\u00f6rn-H\u00f6cke-Fans nicht ins Wanken bringt, darf dann doch bezweifelt werden.<\/p>\n<p>  <strong>Mehr zum Thema<\/strong>    10.000 Bilder des Naturvolks Erstmals Riefenstahls umstrittene Nuba-Fotos untersucht    <\/p>\n<p>&quot;Riefenstahl&quot; hat als vielleicht bislang intensivste Auseinandersetzung mit der Filmemacherin des F\u00fchrers nat\u00fcrlich allemal seine Berechtigung. Doch f\u00fcr den ganz gro\u00dfen Aha-Effekt taugt die Dokumentation nicht.<\/p>\n<p>&quot;Riefenstahl&quot; l\u00e4uft ab sofort in den deutschen Kinos.<\/p>\n<p>Quelle: ntv.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kino Der F\u00fchrer und seine Filmemacherin: Adolf Hitler und Leni Riefenstahl. 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