{"id":2848,"date":"2020-09-28T20:37:49","date_gmt":"2020-09-28T17:37:49","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/der-ewige-krieg-im-kaukasus\/"},"modified":"2020-09-28T20:37:49","modified_gmt":"2020-09-28T17:37:49","slug":"der-ewige-krieg-im-kaukasus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/der-ewige-krieg-im-kaukasus\/","title":{"rendered":"Der ewige Krieg im Kaukasus"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/941783a1-30f8-475f-9dec-f785cde8fda3_w948_r1.77_fpx58.65_fpy50.jpg\" title=\"Armenische und russische Soldaten bei einer Milit\u00e4r\u00fcbung (am 24. September)\" alt=\"Armenische und russische Soldaten bei einer Milit\u00e4r\u00fcbung (am 24. September)\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Armenische und russische Soldaten bei einer Milit\u00e4r\u00fcbung (am 24. September)<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Vagram Bagdasaryan \/ imago images\/ITAR-TASS  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Kaukasusrepubliken Armenien und Aserbaidschan k\u00e4mpfen gegeneinander: Am Sonntagfr\u00fch ist der alte Konflikt um die Region Bergkarabach neu entbrannt, er wird mit schwerer Artillerie, Drohnen und Panzern ausgefochten.<\/p>\n<p>Seit dem Ende der Sowjetunion streiten die verfeindeten Nachbarn um die Region. Aber noch nie seit dem Waffenstillstand von 1994 haben Gefechte dieses Ausma\u00df angenommen. Was ist anders als sonst?<\/p>\n<p>Die Grundstruktur des Konflikts ist seit mehr als zwei Jahrzehnten dieselbe: Bergkarabach ist eine mehrheitlich armenisch besiedelte Region auf aserbaidschanischem Territorium, die sich f\u00fcr unabh\u00e4ngig erkl\u00e4rt hat. Der nicht anerkannte Staat besteht aus dem schon zu Sowjetzeiten autonomen Gebiet Bergkarabach sowie einer weit gr\u00f6\u00dferen Pufferzone, die armenische Truppen faktisch besetzt halten und deren aserbaidschanische Bewohner vertrieben wurden.<\/p>\n<h3>Angriff oder Gegenangriff?<\/h3>\n<p>Der Status Quo beg\u00fcnstigt also Armenien, das den Krieg um die Unabh\u00e4ngigkeit Bergkarabachs gewonnen hat. Die armenische Regierung in Jerewan hat deshalb Interesse an Frieden und Deeskalation entlang der Frontlinie. Aserbaidschan wiederum will den Status Quo \u00e4ndern; mit friedlichen Mitteln ist dem Land das nicht gelungen, die Aussichten daf\u00fcr sind geschwunden, die Versuchung f\u00fcr milit\u00e4rische Operationen daher gro\u00df.<\/p>\n<p>Schon im April 2016 hatte die Regierung in Baku versucht, in einem \u00dcberraschungsangriff Teile Bergkarabachs zu erobern. Das misslang jedoch nach wenigen Tagen, denn Armenien ist zwar \u00e4rmer und kleiner als Aserbaidschan, aber es hat den Vorteil des bergigen Gel\u00e4ndes und konnte seine Linien \u00fcber viele Jahre befestigen. Auch diesmal spricht alles daf\u00fcr, dass der Angriff von Aserbaidschan ausging &#8211; auch wenn Baku seine Operation einen &quot;Gegenangriff&quot; nannte.<\/p>\n<p>Vieles aber hat sich seit 2016 ge\u00e4ndert. Das erkl\u00e4rt die Heftigkeit der Gefechte.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Ver\u00e4ndert hat sich der <strong>innenpolitische Druck in Aserbaidschan<\/strong>. Das Land ist eine von \u00d6l- und Gaseinnahmen getragene Diktatur, aber Pr\u00e4sident Ilham Alijew muss auf die \u00f6ffentliche Meinung achtgeben. Nach Gefechten zwischen Armenien und Aserbaidschan im Juli dieses Jahres demonstrierten Zehntausende in Baku f\u00fcr einen Krieg mit Armenien, es kam zu Ausschreitungen. Die Proteste richteten sich damals nicht nur gegen den Feind Armenien, sondern auch gegen die eigene F\u00fchrung, die als unf\u00e4hig wahrgenommen wurde. F\u00fcr Alijew war das ein Warnsignal. Kurz darauf entlie\u00df er seinen Au\u00dfenminister.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Aserbaidschan hat ungewohnt gro\u00dfe R\u00fcckendeckung von seinem engsten Partner, der <strong>T\u00fcrkei<\/strong>. Historisch hat Aserbaidschan immer enge Beziehungen zur T\u00fcrkei gehabt, so wie das christliche Armenien zu Russland. Aber fr\u00fcher hatte Ankara mit R\u00fccksicht auf Russland zur\u00fcckhaltend agiert. In diesem Jahr ergreift es deutlich Partei. Als einzige ausl\u00e4ndische Macht hat es, statt beide Seiten zum Frieden aufzurufen, sich ganz klar auf eine Seite geschlagen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Alijews Hoffnungen auf mehr Nachgiebigkeit in <strong>Jerewan<\/strong> sind geplatzt. Vor zwei Jahren st\u00fcrzte in Jerewan eine friedliche Revolution die Regierung, Protestf\u00fchrer Nikol Paschinjan wurde Premier. Damals wurden m\u00e4chtige M\u00e4nner aus der Jerewaner Politik vertrieben, die selbst aus Bergkarabach stammten. In Baku jubelte man \u00fcber den Abgang des &quot;Karabach-Clans&quot;. Aber nach einer kurzen Ann\u00e4herung stellte sich heraus: In Sachen Karabach ist Paschinjan erst recht Hardliner. &quot;Arzach ist Armenien. Punkt&quot;, sagte er 2019 auf einer Kundgebung in Stepanakert. &quot;Republik Arzach&quot; ist der offizielle Name, den sich der selbsternannte Staat Bergkarabach gegeben hat. Paschinjans Worte sind eine Festlegung, die der armenische Staat juristisch bisher vermieden hat: Armenien hat den unabh\u00e4ngigen Staat Bergkarabach formal nie anerkannt, obwohl es ihn finanziert und verteidigt.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Und schlie\u00dflich scheinen die Umst\u00e4nde f\u00fcr Aserbaidschan gerade g\u00fcnstig, um die Balance mit Gewalt zu ver\u00e4ndern. <strong>Russland<\/strong>, die traditionelle Schutzmacht von Armenien, wird sich wom\u00f6glich mit Worten begn\u00fcgen. Obwohl Moskau eigene Truppen in Armenien stationiert hat und obwohl Armenien zum russisch gef\u00fchrten Milit\u00e4rb\u00fcndnis OVKS (der &quot;Organisation des Vertrags f\u00fcr Kollektive Sicherheit&quot;) geh\u00f6rt, hat Russland anders als die T\u00fcrkei kein Interesse, sich auf eine Seite zu schlagen. <br \/>Armenien mag historisch und kulturell enger mit Moskau verbunden sein, Aserbaidschan hat f\u00fcr Moskau \u00f6konomisch mehr Gewicht. Und seit der friedlichen Revolution in Armenien ist man in Moskau skeptisch, wie loyal Premier Paschinjan und seine Regierung gegen\u00fcber Russland \u00fcberhaupt sind. Einen &quot;Aufmarschplatz f\u00fcr antirussische Kr\u00e4fte im Kaukasus&quot; nannte die Chefin des russischen Propaganda-Senders RT Margarita Simonjan (selbst armenischer Herkunft) Jerewan unter Paschinjans F\u00fchrung. &quot;Nach allem, was ihr gemacht habt, h\u00e4tte Moskau das moralische Recht, auf euch zu spucken&quot;, schrieb sie im Juli auf Facebook, w\u00e4hrend der letzten Gefechte zwischen Armenien und Aserbaidschan.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Vereinigten Staaten sind derweil vom Wahlkampf abgelenkt, die EU ist mit sich selbst besch\u00e4ftigt, die OSZE durch eine F\u00fchrungskrise lahmgelegt. Es wird also am Ende doch vor allem Moskau sein m\u00fcssen, das mit seinem Gewicht die dringend notwendige Deeskalation durchsetzt.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Armenische und russische Soldaten bei einer Milit\u00e4r\u00fcbung (am 24. 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