{"id":2833,"date":"2020-09-28T03:50:36","date_gmt":"2020-09-28T00:50:36","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-spurhunde-an-flughafen-hunde-konnten-in-der-pandemie-helfen\/"},"modified":"2020-09-28T03:50:36","modified_gmt":"2020-09-28T00:50:36","slug":"corona-spurhunde-an-flughafen-hunde-konnten-in-der-pandemie-helfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-spurhunde-an-flughafen-hunde-konnten-in-der-pandemie-helfen\/","title":{"rendered":"Corona-Sp\u00fcrhunde an Flugh\u00e4fen: &#8220;Hunde k\u00f6nnten in der Pandemie helfen&#8221;"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/420bfe54-9a42-49ee-8f70-0ccc794024ad_w948_r1.77_fpx69.92_fpy44.88.jpg\" title=\"Beagle H\u00fcndin &quot;Djak&quot; erkennt Proben von coronapositiven Menschen\" alt=\"Beagle H\u00fcndin &quot;Djak&quot; erkennt Proben von coronapositiven Menschen\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Beagle H\u00fcndin &quot;Djak&quot; erkennt Proben von coronapositiven Menschen<\/p>\n<p>  Foto:\u2002localpic \/ imago images  <\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>SPIEGEL<\/strong>: Herr Volk, an den Flugh\u00e4fen in Helsinki und Dubai werden seit Kurzem Corona-Sp\u00fcrhunde eingesetzt. Was tun die Tiere dort?  <\/p>\n<p><strong>Volk<\/strong>: Wir wissen aus Studien, dass Hunde in der Lage sind, Proben von Covid-Infizierten und nicht Infizierten zu unterscheiden. In Finnland werden Tiere eingesetzt, die darauf trainiert sind. Es ist aber nicht so, dass die Hunde durch die Menge laufen und anschlagen, sobald sie einen Infizierten erschn\u00fcffeln. Hunde d\u00fcrfen gar nicht direkt am Menschen eingesetzt werden, das verst\u00f6\u00dft gegen die Genfer Konventionen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL<\/strong>: Wie arbeiten die Tiere dann?<\/p>\n<p><strong>Volk<\/strong>: Soweit ich wei\u00df k\u00f6nnen die Reisenden freiwillig eine Schwei\u00dfprobe abgeben, sie wird mit einem Tuch gewonnen, mit dem man \u00fcber die Haut streicht. In einem separaten Raum riechen die Hunde dann an dem Tuch und reagieren bei einer positiven Probe.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL<\/strong>: Hunde k\u00f6nnen erlernen, Rauschgift oder Sprengstoff zu erkennen. Aber wie trainiert man sie auf Viren?<\/p>\n<p><strong>Volk<\/strong>: Ich habe eine Studie im Fachmagazin &quot;BMC Infectious Diseases&quot; ver\u00f6ffentlicht, f\u00fcr die wir eine besondere Maschine verwendet haben. Die Tiere stecken ihre Nase in mehrere \u00d6ffnungen des Ger\u00e4ts &#8211; dort befinden sich jeweils unterschiedliche Duftproben. Eine davon stammt aus dem Auswurf, dem sogenannten Sputum, einer Covid-infizierten Person. Wenn das Tier daran schn\u00fcffelte, wurde es nach ein paar Sekunden mit Futter belohnt. So wird der Hund motiviert, sich dieses Geruchsmuster zu merken und sp\u00e4ter darauf anzuspringen. Diese Konditionierung ist f\u00fcr die Tiere ein Spiel. Bei solchen Studien muss man aufpassen, dass man dem Tier nicht durch unbewusste Signale versehentlich Hinweise auf den Standort der Corona-Proben gibt. Hunde sind da sehr feinf\u00fchlig. Deshalb wussten auch wir nicht, wo sich die Probe befindet.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL<\/strong>: Wie lange braucht ein Hund, um dieser Geruchsmuster zu lernen?<\/p>\n<p><strong>Volk<\/strong>: Nach sieben bis zehn Tagen Training konnten die Tiere unter mehr als 1000 Proben zu 94 Prozent Corona korrekt erkennen. Aber die Bundeswehr-Hunde, mit denen wir gearbeitet haben, waren schon vorher auf Ger\u00fcche trainiert. Unerfahrene Tiere br\u00e4uchten wahrscheinlich l\u00e4nger.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL<\/strong>: Das Virus selbst k\u00f6nnen Hunde nicht erschn\u00fcffeln. Worauf springen sie dann an?<\/p>\n<p><strong>Volk<\/strong>: Das ist gewisserma\u00dfen die Millionen-Dollar-Frage. Wir wissen es schlicht noch nicht, denn im Gegensatz zu Bakterien sondern Viren keine D\u00fcfte ab. Vermutlich ver\u00e4ndert das Virus in den menschlichen Wirtszellen den Stoffwechsel. Das hat Auswirkungen auf die sogenannten VOCs (Volatile Organic Compounds), fl\u00fcchtige organische Verbindungen. Man findet diese Duftstoffe zum Beispiel in K\u00f6rperfl\u00fcssigkeiten wie Schwei\u00df, Urin oder Speichel.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL<\/strong>: Welche Unsicherheiten bestehen bei den Corona-Sp\u00fcrhunden?<\/p>\n<p><strong>Volk<\/strong>: Es ist unklar, ob die Hunde zwischen symptomatischen und asymptomatischen Verl\u00e4ufen unterscheiden k\u00f6nnen. Wie lange so eine Schwei\u00dfprobe \u00fcberhaupt die richtigen Schl\u00fcsse f\u00fcr die Hunde zul\u00e4sst und ob sie nicht irgendwann zu einem falsch positiven Ergebnis f\u00fchrt, wissen wir auch nicht. Und wie und ob sich die verschiedenen Krankheitsphasen auf die Duftstoffe auswirken, ist auch unbekannt. Dazu gibt es bisher nur wenige Untersuchungen, die teils nur vorl\u00e4ufig ver\u00f6ffentlicht sind. Ich gehe aber davon aus, dass in Finnland manche Daten vorliegen, damit die Tiere dort so eingesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL<\/strong>: Laut den Daten der Finnen kommen die Hunde mit viel kleineren Probemengen aus, als man sie f\u00fcr PCR-Tests ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p><strong>Volk<\/strong>: In unserer Studie reichten hundert Mikroliter pro Baumwolltuch aus, damit die Tiere den Duft erkannten. Wir Menschen sind sehr visuell gepr\u00e4gt und k\u00f6nnen uns nicht vorstellen, was Hunde alles riechen k\u00f6nnen. Sie kartieren im Grunde ihre Umgebung \u00fcber Duftstoffe. Der Menschen kann bis zu 10.000 Ger\u00fcche erkennen. Hunde unterscheiden \u00fcber eine Million. Darin liegt aber auch eine Unsicherheit bei Eins\u00e4tzen wie dem in Helsinki.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL<\/strong>: Inwiefern?<\/p>\n<p><strong>Volk<\/strong>: Hunde k\u00f6nnen ganz geringe Molek\u00fclmengen erschn\u00fcffeln. Aber es darf keine Verunreinigungen geben, das k\u00f6nnte die Tiere irritieren. Man muss also ganz sauber arbeiten und jede Probe in einem neuen Gef\u00e4\u00df reichen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL<\/strong>: Kann mein Hund zu Hause auch lernen, eine Corona-Infektion zu erschn\u00fcffeln?<\/p>\n<p><strong>Volk<\/strong>: Prinzipiell ja. Aber bestimmte Rassen tun sich leichter. Vor allem langnasige wie beispielsweise Labrador, Retriever oder Cocker Spaniel. Ein Bloodhound hat bis zu 250 Millionen Zellen in der Riechschleimhaut. Der Mensch nur ungef\u00e4hr f\u00fcnf Millionen. F\u00fcr unsere Studie trainierten wir Beagle.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL<\/strong>: Haben Sie auch untersucht, ob sich die Tiere selbst mit dem Virus anstecken k\u00f6nnen?<\/p>\n<p><strong>Volk: <\/strong>Aus Sicherheitsgr\u00fcnden arbeiteten wir mit inaktivierten Proben, schlie\u00dflich sollten im Umfeld der Studie alle gesund bleiben. Wenn dem Hund aktive Proben zum Schn\u00fcffeln vor die Nase gehalten werden, sollten erforderliche Sicherheitsma\u00dfnahmen getroffen werden. Laut US-Gesundheitsministerium soll es Nachweise von Corona-Antik\u00f6rpern bei Hunden gegeben haben, das sind aber eher Einzelf\u00e4lle und genaueres ist noch nicht erforscht. Es besteht jedoch f\u00fcr Hundehalter kein Grund zur Panik, da bisher nicht vermutetet wird, dass der Mensch sich bei seinem Hund anstecken kann.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL<\/strong>: Welches Potenzial sehen Sie langfristig f\u00fcr Sp\u00fcrhunde in der Corona-Pandemie?<\/p>\n<p><strong>Volk<\/strong>: Obwohl wir in Deutschland einen hohen Entwicklungsstand und ein gut funktionierendes Gesundheitssystem haben, sind wir in der Corona-Krise an Grenzen gekommen, weil sehr viele Menschen getestet werden mussten. Hunde k\u00f6nnten in der Pandemie helfen. Wir k\u00f6nnten sie an Flugh\u00e4fen, in Fu\u00dfballstadien oder bei Veranstaltungen einsetzen, aber nur zus\u00e4tzlich. Wenn die Tiere auf eine Geruchsprobe anspringen, brauchen wir immer noch einen PCR-Test, der sicherer ist. Hunde werden Labore nat\u00fcrlich nicht ersetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL<\/strong>: Daf\u00fcr k\u00f6nnen sie schneller reagieren als Tests.<\/p>\n<p><strong>Volk<\/strong>: Genau. Der Vorteil ist, dass sie innerhalb von Sekunden ein Ergebnis liefern. Auch in Entwicklungsl\u00e4ndern, wo Ressourcen begrenzt sind, k\u00f6nnen die Tiere helfen. Wir hatten bereits entsprechende Anfragen.<\/p>\n<p><strong>Spiegel: <\/strong>Wann werden Hunde an deutschen Flugh\u00e4fen nach Corona schn\u00fcffeln?<\/p>\n<p><strong>Volk: <\/strong>Bis jetzt hatten wir noch keine Anfragen, dem finnischen Beispiel zu folgen. Dort ist der politische Wille f\u00fcr solche Pilotprojekte vielleicht auch gr\u00f6\u00dfer als in Deutschland.Undwir stehen mit unserer Forschung zu Corona noch am Anfang. Am schwierigsten war es, Proben von asymptomatischen Covid-Patienten zu bekommen. Wer uns also unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann sich gerne bei uns melden und eine Probe abgeben. Es gibt noch viele offene Fragen und viel zu erforschen.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Beagle H\u00fcndin &quot;Djak&quot; erkennt Proben von coronapositiven Menschen Foto:\u2002localpic \/ imago images SPIEGEL: Herr Volk, an den Flugh\u00e4fen in Helsinki und Dubai werden seit Kurzem Corona-Sp\u00fcrhunde eingesetzt. 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