{"id":28288,"date":"2024-09-28T18:15:53","date_gmt":"2024-09-28T15:15:53","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/bravo-madame-pelicot-vom-stolz-der-scham-und-der-richtigen-seite\/"},"modified":"2024-09-28T18:15:53","modified_gmt":"2024-09-28T15:15:53","slug":"bravo-madame-pelicot-vom-stolz-der-scham-und-der-richtigen-seite","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/bravo-madame-pelicot-vom-stolz-der-scham-und-der-richtigen-seite\/","title":{"rendered":"&#8220;Bravo, Madame Pelicot!&#8221;: Vom Stolz, der Scham &#8211; und der richtigen Seite"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Panorama         \t\t                   \t\t               \t\t                    <\/p>\n<figure> \t\t                       \t\t                        <img decoding=\"async\" alt=\"&quot;Bravo Madame&quot; und &quot;Gis\u00e8le, Gis\u00e8le&quot;-Rufe begleiten die 72-J\u00e4hrige, die eine Verhandlung unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit verhindert hatte, &quot;damit die Scham die Seite wechselt&quot;.\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25252262-1727273185000\/16-9\/750\/2539f206238472a11f2ecf6ba389d965.jpg\"\/><figcaption>\n<p>&quot;Bravo Madame&quot; und &quot;Gis\u00e8le, Gis\u00e8le&quot;-Rufe begleiten die 72-J\u00e4hrige, die eine Verhandlung unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit verhindert hatte, &quot;damit die Scham die Seite wechselt&quot;.<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Gis\u00e8le Pelicot ist eine Heldin: Unfreiwillig, m\u00f6chte man sagen, denn was ihr angetan wurde, ist an Grausamkeit kaum zu \u00fcberbieten. Dass sie mit erhobenem Kopf und stolzem Blick in Erinnerung bleiben wird, liegt allein an ihr und ihrer St\u00e4rke. Seit Beginn des Prozesses gegen ihren Ex-Mann und weitere Angeklagte entwickelt sich Gis\u00e8le Pelicot zu einer Ikone der Frauenbewegung.<\/strong><\/p>\n<p>Wir wissen inzwischen sehr genau, was vorgefallen ist, dank Gis\u00e8le Pelicot: Sie hat veranlasst, dass die Videos, auf denen zu sehen ist, wie sie von M\u00e4nnern vergewaltigt oder sexuell missbraucht wird, vor Gericht gezeigt werden. Gis\u00e8le Pelicot m\u00f6chte der ganzen Welt dennoch entgegenrufen, dass sie kein Opfer ist. Auch wenn dies eine naheliegende Bezeichnung w\u00e4re f\u00fcr eine Frau, die in bewusstlosem Zustand von Dutzenden von M\u00e4nnern sexuell missbraucht wurde. Auf ihren ausdr\u00fccklichen Wunsch findet dieser Prozess nicht unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit statt &#8211; jeder soll wissen, was sie erleiden musste. Und das ist viel &#8211; das ist unangenehm intim, das ist kaum auszuhalten. Manche Menschen verlassen den Gerichtssaal, wenn die Videos gezeigt werden. Gis\u00e8le Pelicot w\u00fcnscht jedoch, dass die unglaublichen Taten, die ihr geschehen sind, ans Licht kommen. Vielleicht auch um zu zeigen, dass sie kein Einzelfall sind.<\/p>\n<p>Die Journalistin Johanna Adorj\u00e0n beschreibt f\u00fcr die &quot;S\u00fcddeutsche Zeitung&quot; Szenen aus dem Gerichtsaal. Es sind Szenen, die ersch\u00fcttern: &quot;Es ist totenstill im Gerichtssaal in Avignon. Auf drei gro\u00dfen Bildschirmen wird jetzt ein Video gezeigt, auf dem eine Frau zu sehen ist, die mit geschlossenen Augen auf einem Bett liegt. Aus ihrem offenstehenden Mund kommt ein regelm\u00e4\u00dfiges Schnarchger\u00e4usch. Es ist das einzige Ger\u00e4usch, das zu h\u00f6ren ist. Der Raum, in dem die Frau liegt, ist ein Schlafzimmer, das Licht ist gedimmt, sie tr\u00e4gt nur Unterw\u00e4sche. Ein grauhaariger Mann beugt sich \u00fcber sie. Vorsichtig, als wolle er sie unter keinen Umst\u00e4nden wecken, hebt er ihre Unterhose an und schl\u00fcpft mit seinen Fingern unter den Stoff. Kurz danach ist zu sehen, wie sich sein Kopf zwischen ihren Beinen auf und ab bewegt. Die Frau schnarcht noch immer.&quot;<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25254506-1727347115000\/3-4\/750\/e60c01ce3622676bb0857777854c843f.jpg\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Ihr Schicksal bewegt die Welt - dank Gis\u00e8le Pelicot aber trauen sich auch andere Frauen, etwas zu sagen.\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25254506-1727347115000\/3-4\/750\/e60c01ce3622676bb0857777854c843f.jpg\"\/> <\/a><figcaption>\n<p>Ihr Schicksal bewegt die Welt &#8211; dank Gis\u00e8le Pelicot aber trauen sich auch andere Frauen, etwas zu sagen.<\/p>\n<p>(Foto: dpa)<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>W\u00e4hrend dieses Video, das von Gis\u00e8le Pelicots damaligem Ehemann (von dem sie inzwischen geschieden ist), aufgenommen wurde, gezeigt wird, ist sie anwesend. Ihre Haltung: gerade. Ihr Aussehen: selbstbewusst. Wie es in ihr aussieht, kann niemand wissen. Der Eindruck, den sie vor und im Gericht hinterl\u00e4sst, ist auf jeden Fall der einer starken Frau. Eine gut aussehende, etwas \u00e4ltere Dame ist Gis\u00e8le Pelicot, sie k\u00f6nnte direkt vom Brunch mit einer Freundin kommen oder aus dem Tennisklub, wo sie mit ihrem gleichaltrigen Mann eine morgendliche Runde B\u00e4lle geschlagen hat. <\/p>\n<p>Und sp\u00e4ter w\u00fcrde sie dann die Enkel von der Schule abholen &#8211; das w\u00e4ren M\u00f6glichkeiten im Leben einer 72-J\u00e4hrigen, wenn alles gut gegangen w\u00e4re. Ist es aber nicht. Gis\u00e8le Pelicot wird die n\u00e4chsten Wochen in einem Gerichtssaal verbringen, denn sie wurde zehn Jahre lang von ihrem Ehemann unter Drogen gesetzt und in bewusstlosem Zustand, ohne ihr Wissen, von ihm und fremden M\u00e4nnern vergewaltigt, befingert, gefilmt.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25252255-1727344497000\/16-9\/750\/64f05f70a33099dc784b5b2aa3f6b807.jpg\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Pelicot begr\u00fcndet ihren Wunsch nach einer \u00f6ffentlichen Verhandlung mit einem Slogan der franz\u00f6sischen Frauenbewegung: &quot;La honte doit changer de camp&quot; \u2013 die Scham muss die Seite wechseln.\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25252255-1727344497000\/16-9\/750\/64f05f70a33099dc784b5b2aa3f6b807.jpg\"\/> <\/a><figcaption>\n<p>Pelicot begr\u00fcndet ihren Wunsch nach einer \u00f6ffentlichen Verhandlung mit einem Slogan der franz\u00f6sischen Frauenbewegung: &quot;La honte doit changer de camp&quot; \u2013 die Scham muss die Seite wechseln.<\/p>\n<p>(Foto: REUTERS\/)<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Was sind das f\u00fcr M\u00e4nner?<\/h2>\n<p>Die Seite, auf der Dominique Pelicot seine Mitt\u00e4ter fand &#8211; oder sie ihn &#8211; hei\u00dft auf Deutsch \u00fcbersetzt &quot;Ohne ihr Wissen&quot; und impliziert, dass diejenigen, die diese Seiten besuchen, sehr genau wissen, was vor sich geht. Im Gegenteil zu denen, die auf dieser Seite ohne ihr Wissen &quot;angeboten&quot; werden. Pelicot filmte die Taten. 83 M\u00e4nner sind auf seinen Videos zu sehen. 50 davon wurden mithilfe von Gesichtserkennungs-Software identifiziert. Diese M\u00e4nner sind nun, zusammen mit Dominique Pelicot, angeklagt. Der Prozess findet in Avignon statt und wird noch Monate dauern. <\/p>\n<p>Man fragt sich: Was sind das f\u00fcr M\u00e4nner? M\u00e4nner, die eine bewusstlose Frau vergewaltigen. Sie eventuell &quot;nur ber\u00fchren&quot;, oder k\u00fcssen. An den intimsten Stellen. Die sich dabei zuschauen, sich filmen lassen. Die sich \u00fcber eine Frau st\u00fclpen, die leicht schnarcht und nichts mitbekommt. Was sagt das \u00fcber diese M\u00e4nner? Nach den Beschreibungen von Prozessbeobachtern sollen es &quot;ganz normale M\u00e4nner jeden Alters, aus allen Schichten&quot; sein. 83. Dreiundachtzig! So viele M\u00e4nner hat der Ehemann von Gis\u00e8le Pelicot angeschleppt, damit sie seine Frau &quot;nehmen&quot;. Und er immer mittendrin. Um die 200 Mal. <\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/panorama\/Prozess-in-Avignon-Ich-bin-ein-Vergewaltiger-article25232642.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"483272548.jpg\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25233670-1726577870000\/17-6\/1136\/483272548.jpg\"\/> <\/a> <\/figure>\n<p>   Panorama  17.09.24    Ehefrau zum Missbrauch angeboten Prozess in Avignon: &quot;Ich bin ein Vergewaltiger&quot;    <\/p>\n<p>Nur 15 von ihnen geben ihre Taten zu. Einer behauptet zum Beispiel, die &quot;schlafende Frau&quot; zwar zwischen den Beinen gek\u00fcsst, keineswegs aber seine Zunge benutzt zu haben, wie Adorj\u00e0n in ihrem Artikel beschreibt. Dieser &quot;feine&quot; Unterschied k\u00f6nnte dar\u00fcber entscheiden, f\u00fcr wie viele Jahre er ins Gef\u00e4ngnis kommt. <\/p>\n<p>Sp\u00e4ter, wenn die M\u00e4nner fertig waren, gab es vielleicht Kaffee und Kuchen bei den Pelicots, oder Abendessen mit Freunden oder den erwachsenen Kindern, denn ihr Leben soll in total normalen Bahnen verlaufen sein, wenn man davon absieht, was der Ehemann seiner Ehefrau \u00fcber Jahre angetan hat. Und Gis\u00e8le hat sich an solchen Tagen oder Abenden vielleicht immer wieder gefragt, warum ihr so schwummrig ist, warum sie ein so komisches Gef\u00fchl zwischen den Beinen hat, warum es sie juckt, kratzt, wehtut. Aber wie sollte sie auch darauf kommen, dass ihr eigener Ehemann ihr antut, was sich niemand vorzustellen vermag?<\/p>\n<p>Also &#8211; was sagt das \u00fcber &quot;die M\u00e4nner&quot;? Von 85 M\u00e4nnern, die bei den Pelicots die Schlafzimmert\u00fcr \u00f6ffneten, sollen nur zwei von ihrem Vorhaben abgelassen haben, als ihnen klar wurde, dass die Frau, die ihnen dargeboten wurde, nicht bei Bewusstsein war. Macht sie das zu besseren M\u00e4nnern? Wohl kaum, aber die erschreckende Zahl von 83 M\u00e4nnern bediente sich an der wie leblos daliegenden Frau. &quot;Weil ihr Ehemann ihnen dazu die Erlaubnis gab?&quot;, fragt Adorj\u00e0n, die einige Tage im Gerichtssaal verbrachte. &quot;Das w\u00fcrde ein Denken voraussetzen, in dem die Frau ihrem Mann geh\u00f6rt. In dem der Mann \u00fcber seine Frau verf\u00fcgen darf wie \u00fcber einen Gegenstand. In dem es nicht der Einwilligung einer Frau bedarf, um sich ihrer sexuell zu bedienen&quot;, konstatiert sie in der &quot;S\u00fcddeutschen&quot;. Und so wirft ein solches Vorgehen die Frage auf: Wie tief steckt das Schlimmste aus jahrtausendealten, patriarchalischen Strukturen in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts? Die Antwort ist leider simpel: Tief. Fest. Unab\u00e4nderbar?<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25252256-1727276945000\/4-3\/750\/7c2e9bc5bb584cafdacdc845c52df030.jpg\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Sie widme ihren Kampf allen Menschen, die Opfer sexueller Gewalt wurden, sagte sie Anfang letzter Woche vor dem Gerichtsgeb\u00e4ude und bedankte sich f\u00fcr die Unterst\u00fctzung, die sie erhalte. &quot;Dank Ihnen habe ich die Kraft, diesen Kampf bis zum Ende zu f\u00fchren.&quot;\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25252256-1727276945000\/4-3\/750\/7c2e9bc5bb584cafdacdc845c52df030.jpg\"\/> <\/a><figcaption>\n<p>Sie widme ihren Kampf allen Menschen, die Opfer sexueller Gewalt wurden, sagte sie Anfang letzter Woche vor dem Gerichtsgeb\u00e4ude und bedankte sich f\u00fcr die Unterst\u00fctzung, die sie erhalte. &quot;Dank Ihnen habe ich die Kraft, diesen Kampf bis zum Ende zu f\u00fchren.&quot;<\/p>\n<p>(Foto: IMAGO\/ABACAPRESS)<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<h2>H\u00e4tte schlimmer sein k\u00f6nnen &#8230;<\/h2>\n<p>W\u00e4hrend der Prozess nun seit mehreren Tagen l\u00e4uft und Gis\u00e8le Pelicot jeden Tag &#8211; mal mit, mal ohne Sonnenbrille &#8211; das Geb\u00e4ude betritt, wird sie begleitet vom Applaus immer zahlreicher werdenden Frauen. Sie rufen ihr zu, dass sie eine Heldin ist &#8211; und im Gerichtssaal er\u00f6ffnen sich immer weitere, unfassbare Nebenschaupl\u00e4tze:<\/p>\n<ul>\n<li>Ein franz\u00f6sischer B\u00fcrgermeister hat sich mit einer verharmlosenden Bemerkung disqualifiziert: &quot;Es h\u00e4tte schlimmer sein k\u00f6nnen&quot;, sagte er der BBC, &quot;es waren keine Kinder beteiligt, (&#8230;) niemand wurde get\u00f6tet&quot;, so der 74 Jahre alte Louis Bonnet. Er, der B\u00fcrgermeister von Mazan, dem Wohnort des Hauptangeklagten, bat kurz darauf zwar um Verzeihung f\u00fcr seine Worte, aber auch nur, weil er einen solchen Sturm der Entr\u00fcstung ausgel\u00f6st hatte, dass er wahrscheinlich nie wieder auf die Stra\u00dfe h\u00e4tte gehen k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zur\u00fcck in den Gerichtssaal: Dort werden Fotos und Videos gezeigt, die Dominique Pelicot pers\u00f6nlich von den Taten angefertigt hatte. <\/p>\n<ul>\n<li>S\u00e4uberlich, auf seiner Festplatte im Ordner &quot;Missbrauch&quot; angelegt, kommen diverse &quot;Unterordner&quot; zum Vorschein. Die Zuschauer im Gericht sollten den Saal verlassen, Journalisten konnten bleiben. An dieser Stelle w\u00e4re &#8211; erneut &#8211; eine Triggerwarnung angebracht, denn auf den Videos ist zu sehen, wie die bewusstlose Gis\u00e8le auf dem R\u00fccken liegt und sich die M\u00e4nner an ihr vergehen. Immer wieder wird als &quot;Entschuldigung&quot;, angef\u00fchrt, man habe gedacht, es mit einem &quot;freiz\u00fcgigen Paar&quot; zu tun zu haben, und ihre &quot;Regungslosigeit&quot; geh\u00f6re zum &quot;Spiel&quot;. <\/li>\n<\/ul>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/panorama\/Vergewaltigungsprozess-in-Avignon-Auch-Mitangeklagter-betaeubte-seine-Frau-article25237341.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"483468238.jpg\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25237398-1726679099000\/17-6\/1136\/483468238.jpg\"\/> <\/a> <\/figure>\n<p>   Panorama  18.09.24    Aussage zu weiterem Missbrauch Avignon-Mitangeklagter bet\u00e4ubte auch seine Frau    <\/p>\n<h2>Die Gesellschaft \u00e4ndern<\/h2>\n<p>Der Vorsitzende Richter entschied anschlie\u00dfend, weitere Fotos und Videos nicht mehr in Anwesenheit von Journalisten zu zeigen &#8211; wogegen die Anw\u00e4lte von Gis\u00e8le Pelicot protestierten. &quot;Dieser Prozess hat die Macht, die Gesellschaft zu \u00e4ndern. Aber daf\u00fcr braucht es den Mut, sich der Realit\u00e4t der Vergewaltigung zu stellen&quot;, argumentierte St\u00e9phane Babonneau. Die Anw\u00e4lte des Hauptangeklagten stimmten der Vorf\u00fchrung weiterer Videos schlie\u00dflich zu.<\/p>\n<ul>\n<li>Ein anderer Mitt\u00e4ter hatte sich an seiner eigenen Frau in derselben Weise vergangen wie der Hauptangeklagte an Gis\u00e8le Pelicot &#8211; nach dessen Anweisung und unter dessen Beteiligung. Er steht unter Verdacht, zwischen 2015 und 2018 seine eigene Frau mit einem Schlafmittel bet\u00e4ubt zu haben, das er von Dominique Pelicot erhalten habe, um sie anschlie\u00dfend gemeinsam mit Pelicot zu vergewaltigen. <\/li>\n<\/ul>\n<p>Nat\u00fcrlich wird nun nach Erkl\u00e4rungen f\u00fcr das Verhalten der M\u00e4nner, die an den Ungeheuerlichkeiten teilnahmen, gesucht: &quot;Wenn ich Herrn Pelicot nicht kennengelernt h\u00e4tte, w\u00e4re es nicht dazu gekommen&quot;, soll einer der Angeklagten gesagt haben. Aber Pelicot habe ihn an seinen Vater erinnert und das, was dieser ihm angetan habe. Bei allem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das Leid in dieser schrecklichen Kindheit &#8211; ob diese Erkl\u00e4rungen zu mildernden Urteilen f\u00fchren werden, wird sich herausstellen. Seine Frau hatte in der vergangenen Woche bereits ausgesagt, dass sie keine Klage gegen ihren Mann eingereicht habe, um die f\u00fcnf Kinder zu sch\u00fctzen. &quot;Es ist unglaublich, was er getan hat, er war doch so ein wunderbarer Mann&quot;, sagte sie. Sie werde ihm dennoch &quot;niemals verzeihen&quot;.<\/p>\n<h2>Und dann auch noch Verleumdungen<\/h2>\n<p>Gis\u00e8le Pelicot ihrerseits musste sich an einem der Verhandlungstage bereits gegen Aussagen einiger Mitangeklagter wehren.<\/p>\n<ul>\n<li>Sie argumentierten, sie h\u00e4tten gedacht, lediglich an Sexspielen eines freiz\u00fcgigen Paares teilgenommen zu haben. &quot;Seit ich diesen Gerichtssaal betreten habe, habe ich mich erniedrigt gef\u00fchlt&quot;, so Gis\u00e8le Pelicot: &quot;Man hat mich als Alkoholikerin bezeichnet und behauptet, ich sei betrunken gewesen. Man hat mich damit zu einer Komplizin von Herrn Pelicot gemacht.&quot; Sie verstehe mittlerweile im \u00dcbrigen, warum Opfer sexueller Gewalttaten diese nicht anzeigen w\u00fcrden. <\/li>\n<\/ul>\n<p>Sie habe jedoch niemals ihre Einwilligung gegeben, weder ihrem damaligen Mann noch den Fremden, die gekommen waren, sie zu vergewaltigen. &quot;Ich war wie im Koma, das wird auf den Videos zu sehen sein, die gezeigt werden sollen&quot;, betonte sie von Anfang an und unterstreicht: &quot;Eine Vergewaltigung ist eine Vergewaltigung.&quot; Dieser Satz ging an die Adresse des Verteidigers Guillaume De Palma, der die Taten seiner Mandanten herunterzuspielen schien. De Palma bat anschlie\u00dfend um Verzeihung f\u00fcr seine &quot;verletzende&quot; \u00c4u\u00dferung.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25252252-1727276581000\/4-3\/750\/56a202a689f16fc3892929cbf3d74e13.jpg\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"&quot;Ich bin ein Vergewaltiger, so wie die anderen hier im Raum&quot;, sagt Dominique\u00a0Pelicot\u00a0mit Blick auf seine 50 Mitangeklagten. &quot;Sie wussten alle Bescheid, niemand kann das Gegenteil behaupten.&quot;\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25252252-1727276581000\/4-3\/750\/56a202a689f16fc3892929cbf3d74e13.jpg\"\/> <\/a><figcaption>\n<p>&quot;Ich bin ein Vergewaltiger, so wie die anderen hier im Raum&quot;, sagt Dominique Pelicot mit Blick auf seine 50 Mitangeklagten. &quot;Sie wussten alle Bescheid, niemand kann das Gegenteil behaupten.&quot;<\/p>\n<p>(Foto: AP)<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<h2>&quot;Habe ihn 50 Jahre geliebt&quot;<\/h2>\n<p>Gis\u00e8le Pelicot ist in Frankreich zu einem Symbol des Kampfs gegen Gewalt an Frauen geworden. Sie erz\u00e4hlt vor Gericht, dass sie v\u00f6lliges Vertrauen in Dominique Pelicot gehabt und ihn &quot;50 Jahre lang geliebt&quot; h\u00e4tte. Wenn sie in den Pausen den Gerichtssaal verl\u00e4sst, wird sie mit gro\u00dfem Applaus und manchmal mit Blumen empfangen. <\/p>\n<p>Ihr angeklagter Ex-Mann wandte sich vor Gericht inzwischen direkt an sie: &quot;Ich bin schuldig. (&#8230;) Ich bitte um Verzeihung, auch wenn das inakzeptabel ist.&quot; Gis\u00e8le habe das &quot;nicht verdient&quot;, erg\u00e4nzt er. &quot;Sie war wunderbar, und ich war v\u00f6llig neben der Spur&quot;, so Pelicot. Auch er beruft sich, wie bereits andere Angeklagte, auf mehrere traumatische Kindheitserlebnisse &#8211; so sei er mit neun Jahren im Krankenhaus von einem Pfleger vergewaltigt worden. Und wieder die Frage, die jede und jeder f\u00fcr sich am besten selbst beantwortet: Entschuldigt das diese Taten? <\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25252259-1727276725000\/16-9\/750\/07ef011a78201b54f893d3fc6d00a6b4.jpg\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Gis\u00e8les Tochter, Caroline Pelicot, gibt ihr Halt: &quot;Du warst uns Kindern und den Enkeln immer ein Vorbild!&quot;\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25252259-1727276725000\/16-9\/750\/07ef011a78201b54f893d3fc6d00a6b4.jpg\"\/> <\/a><figcaption>\n<p>Gis\u00e8les Tochter, Caroline Pelicot, gibt ihr Halt: &quot;Du warst uns Kindern und den Enkeln immer ein Vorbild!&quot;<\/p>\n<p>(Foto: REUTERS\/)<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Als w\u00e4re es nicht genug, was er seiner Ehefrau angetan hat, fragen sich nun auch andere, wie weit er gegangen ist: Pelicot wies die Vorw\u00fcrfe seiner Tochter zur\u00fcck, die vor Gericht vermutet hatte, dass ihr Vater sie auch bet\u00e4ubt hatte. Bei den Durchsuchungen waren bei ihm auch Nacktfotos seiner offenbar schlafenden Tochter und seiner beiden Schwiegert\u00f6chter gefunden worden. &quot;Caroline, ich habe dich niemals angefasst, niemals bet\u00e4ubt, niemals vergewaltigt. Das ist unm\u00f6glich&quot;, so Pelicot. Ein Vater aber, der Nacktfotos von seiner schlafenden Tochter und seinen Schwiegert\u00f6chtern auf dem Handy mit sich tr\u00e4gt, verdient es, dass das Buch von Caroline Pelicot diesen Titel tr\u00e4gt: &quot;Und ich habe aufgeh\u00f6rt, dich Papa zu nennen (Et j&#039;ai cess\u00e9 de t&#039;appeler Papa).&quot; Der Prozess soll noch bis zum 20. Dezember laufen.<\/p>\n<p>Quelle: ntv.de, mit dpa, Reuters, AFP<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Panorama &quot;Bravo Madame&quot; und &quot;Gis\u00e8le, Gis\u00e8le&quot;-Rufe begleiten die 72-J\u00e4hrige, die eine Verhandlung unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit verhindert hatte, &quot;damit die Scham die Seite wechselt&quot;. 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