{"id":28102,"date":"2024-08-28T08:56:33","date_gmt":"2024-08-28T05:56:33","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/johann-wolfgang-superstar-was-taugt-goethe-heutzutage\/"},"modified":"2024-08-28T08:56:33","modified_gmt":"2024-08-28T05:56:33","slug":"johann-wolfgang-superstar-was-taugt-goethe-heutzutage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/johann-wolfgang-superstar-was-taugt-goethe-heutzutage\/","title":{"rendered":"Johann Wolfgang Superstar: Was taugt Goethe heutzutage?"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Panorama         \t\t                   \t\t               \t\t                    <\/p>\n<figure> \t\t                       \t\t                        <img decoding=\"async\" alt=\"&quot;Sie sind ein Mann&quot;, sagte Napoleon zu Goethe.\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25182347-1724665640000\/16-9\/750\/ac03c02b502ac2357463f055f881d208.jpg\"\/><figcaption>\n<p>&quot;Sie sind ein Mann&quot;, sagte Napoleon zu Goethe.<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Das Interesse am deutschen Nationaldichter Goethe war schon mal gr\u00f6\u00dfer. Taugt ein alter wei\u00dfer Intellektueller nicht mehr f\u00fcr die aktuellen Diskurse? Nachdenken zum 275. Geburtstag &#8211; und doch noch was lernen?<\/strong><\/p>\n<p>Als die Bundeskunsthalle vor ein paar Jahren eine gro\u00dfe Ausstellung zu Goethe organisierte, standen dort am Anfang zwei einfache Holzlatten, eine lange und eine kurze. Auf der langen stand &quot;Goethe&quot;, auf der kurzen &quot;Im Vergleich dazu irgendein Schei\u00dfer&quot;. Der K\u00fcnstler Georg Herold spielte mit diesem Werk darauf an, dass man sich neben Johann Wolfgang Superstar schnell sehr klein f\u00fchlen kann. Zu seinem 275. Geburtstag am 28. August stellt sich allerdings die Frage, ob das \u00fcberhaupt noch so ist. Denn Goethe wird weniger gelesen und weniger gespielt. Ist er \u00fcberhaupt noch relevant?<\/p>\n<h2>Schon zu Lebzeiten internationale Ber\u00fchmtheit<\/h2>\n<p>Lange w\u00e4re eine solche Frage undenkbar gewesen, denn wenn in Deutschland jemand auf einem ganz hohen Sockel stand, dann Goethe. &quot;Des deutschen Volkes besseres Selbst&quot; wurde er genannt. Schon zu Lebzeiten war der Dichter, Naturforscher und Italien-Freund eine internationale Ber\u00fchmtheit.<\/p>\n<p>Am 2. Oktober 1808 wurde er in Erfurt sogar von Napoleon empfangen, der damals auf dem H\u00f6hepunkt seiner Macht stand und den Gro\u00dfteil Europas beherrschte. Der Kaiser sa\u00df gerade beim Fr\u00fchst\u00fcck, blickte auf und begr\u00fc\u00dfte Goethe mit den ber\u00fchmt gewordenen Worten: &quot;Vous \u00eates un homme!&quot; (&quot;Sie sind ein Mann&quot;). Was er damit genau meinte, ist unklar, vielleicht so etwas wie &quot;Wir k\u00f6nnen uns von Mensch zu Mensch unterhalten&quot;, vielleicht aber auch: &quot;Sie sind ein Kerl, von Ihnen hab&#039; ich schon viel geh\u00f6rt!&quot; Die Gen Z w\u00fcrde an der Stelle ein anerkennendes &quot;Slay!&quot; raushauen.<\/p>\n<h2>Napoleon diskutierte mit &quot;Monsieur G\u00f6t&quot; <\/h2>\n<p>Anschlie\u00dfend fragte Napoleon seinen Gast nach dessen Alter, und als Goethe mit &quot;60&quot; antwortete, lobte er: &quot;Sie haben sich gut gehalten.&quot; Dies, obwohl andere Leute fanden, dass Goethe ziemlich dick geworden war. Im weiteren Verlauf des Gespr\u00e4chs kam Napoleon auf Goethes fr\u00fchen Bestseller &quot;Die Leiden des jungen Werther&quot; zu sprechen und \u00e4u\u00dferte sich &#8211; wie zum Beweis daf\u00fcr, dass er das Buch auch tats\u00e4chlich gelesen hatte &#8211; konkret zu einigen Passagen. Eine bestimmte Stelle hatte ihm nicht gefallen, weil sie ihm nicht realistisch erschien. Goethe fand das am\u00fcsant und antwortete darauf, ein Schriftsteller d\u00fcrfe so was eben machen.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/panorama\/Als-ein-Perueckenmacher-das-Grandhotel-erfand-article24678991.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"f39294fc6b25227cb75a3ccc53ca9066.jpg\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24679157-1705910009000\/17-6\/1136\/f39294fc6b25227cb75a3ccc53ca9066.jpg\"\/> <\/a> <\/figure>\n<p>   Panorama  25.01.24    Luxus auf Reisen vor 250 Jahren Als ein Per\u00fcckenmacher das Grandhotel erfand    <\/p>\n<p> Der &quot;Werther&quot; war schon 1774 erschienen und hatte Goethe &#8211; damals noch ein junger Mann von 25 Jahren &#8211; auf einen Schlag in ganz Europa ber\u00fchmt gemacht. Dass sich die Hauptperson am Ende aus Liebeskummer umbringt, soll andere junge M\u00e4nner in \u00e4hnlichen Situationen ebenfalls dazu verleitet haben, ihrem Leben ein Ende zu setzen.<\/p>\n<p>Ob es diesen &quot;Werther-Effekt&quot; wirklich gegeben hat, ist umstritten. Wie viele andere Schriftsteller \u00e4rgerte sich Goethe sp\u00e4ter dar\u00fcber, dass er immer zuerst auf den &quot;Werther&quot; angesprochen wurde. Aber gut, der Kaiser der Franzosen konnte sich das nat\u00fcrlich erlauben. \u00dcbrigens sprach er den schwierigen deutschen Namen &quot;G\u00f6t&quot; aus, und wenn Goethe die Szene sp\u00e4ter nacherz\u00e4hlte, hat er Napoleon wohl auch so persifliert.<\/p>\n<h2>Heute hat &quot;Woyzeck&quot; dem &quot;Faust&quot; den Rang abgelaufen<\/h2>\n<p>Endg\u00fcltig seit seinem Ableben 1832 im damals hohen Alter von 82 Jahren schwebte Goethe gottgleich \u00fcber Deutschland. Mitunter wurde er zwar auch kritisiert &#8211; als Klassenfeind, Sexist, Antisemit und alles M\u00f6gliche andere -, doch das konnte seinem Status nie wirklich etwas anhaben. Aber in den vergangenen Jahren ist nun etwas passiert, was es so vielleicht noch nicht gegeben hat: Das Interesse an Goethe scheint abzuebben.<\/p>\n<p>Schon 2022 ergab eine Umfrage, dass der &quot;Faust&quot; nur noch in wenigen Bundesl\u00e4ndern Pflichtlekt\u00fcre an den Schulen ist. Der Deutsche B\u00fchnenverein stellt fest, dass das St\u00fcck immer weniger gespielt wird. In der Saison 2022\/23 wurden 8 Inszenierungen verzeichnet, vor Corona waren es noch 20.<\/p>\n<p>&quot;Der Hauptgrund ist meiner Meinung nach, dass ein alter, intellektueller wei\u00dfer Mann bei den derzeitigen Diskursen nicht unbedingt als Hauptfigur taugt&quot;, analysiert Detlev Baur, Chefredakteur der Fachzeitschrift &quot;Die Deutsche B\u00fchne&quot;. &quot;Allenfalls f\u00fcr Umschreibungen wie &#039;Doktormutter Faust&#039;, das in der letzten Saison uraufgef\u00fchrt wurde und nun erneut inszeniert wird.&quot;<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/panorama\/Was-kann-man-heute-noch-von-Shakespeare-lernen-article24900091.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"a331e2fe04e4e11d6ad72257048b4ae4.jpg\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24900262-1714030171000\/17-6\/1136\/a331e2fe04e4e11d6ad72257048b4ae4.jpg\"\/> <\/a> <\/figure>\n<p>   Panorama  26.04.24    Bewunderung nicht grenzenlos Was kann man heute noch von Shakespeare lernen?    <\/p>\n<p>Was die Schullekt\u00fcre betreffe, habe Georg B\u00fcchners gesellschaftskritisches Drama &quot;Woyzeck&quot; dem &quot;Faust&quot; den Rang abgelaufen. Das derzeit meist inszenierte Drama an den Theatern ist ebenfalls &quot;Woyzeck&quot;. &quot;Auch zwischen Schullekt\u00fcre und Theaterspielpl\u00e4nen besteht ein Zusammenhang &#8211; auch das hat aber nat\u00fcrlich tiefere inhaltliche Gr\u00fcnde&quot;, so Baur. Bei beiden St\u00fccken besch\u00e4ftigen die Theater derzeit besonders die Frauenfiguren: &quot;Die Opferfiguren Gretchen beziehungsweise Marie werden fast immer umgeschrieben oder uminszeniert.&quot;<\/p>\n<p>Auch Thomas Steinfeld, der gerade eine knapp 800 Seiten dicke Biografie des Schriftsteller-Genies ver\u00f6ffentlicht hat (&quot;Goethe &#8211; Portr\u00e4t eines Lebens, Bild einer Zeit&quot;), konstatiert, dass das Goethe-Wissen gerade im vergangenen Jahrzehnt eingebrochen sei: &quot;Bis vor einigen Jahren konnte man sich darauf verlassen, dass Goethes Leben und Werk in groben Umrissen bekannt waren. Die Bewunderung, die man ihm gegen\u00fcber aufbrachte, setzte vage Vorstellungen von einem allgemeing\u00fcltigen und verehrungsw\u00fcrdigen Denkmal voraus.&quot; Dass heute andere Bedingungen g\u00e4lten, liege vielleicht nicht nur am Schulunterricht, sondern auch an einem allgemein weniger ausgepr\u00e4gten historischen Bewusstsein.<\/p>\n<h2>\n<figure> <a href=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25182346-1724666568000\/4-3\/750\/5327c315cd18e603bad437f71245374d.jpg\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Damian Malleepree hat einen Faible f\u00fcr Goethe.\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25182346-1724666568000\/4-3\/750\/5327c315cd18e603bad437f71245374d.jpg\"\/> <\/a><figcaption>\n<p>Damian Malleepree hat einen Faible f\u00fcr Goethe.<\/p>\n<p>(Foto: dpa)<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>  Ein Goethe-Influencer geht neue Wege<\/h2>\n<p>Vielleicht sind Lesekreise und Drei-Stunden-Vorstellungen im 21. Jahrhundert aber auch einfach nicht mehr das zeitgem\u00e4\u00dfe Mittel, um sich dem Dichter anzun\u00e4hern. Damian Mallepree aus Essen-Kettwig erprobt seit vier Jahren eine andere Herangehensweise: das Instagram-Format &quot;Alles Goethe!&quot;. Sein Ziel ist es, &quot;\u00fcber Goethe und seine Zeit miteinander im Gespr\u00e4ch zu bleiben&quot;. Daf\u00fcr plaudert der Goethe-Influencer mitunter mehrmals pro Woche mit Menschen, die sich ebenfalls f\u00fcr den Dichter interessieren oder irgendeinen Bezug zu ihm oder seiner Epoche haben.<\/p>\n<p>Zu seinen G\u00e4sten geh\u00f6rten schon ein Krankenpfleger, der gro\u00dfer Goethe-Fan ist, eine Malerin, mit der Goethes Blick auf das Meer untersucht wurde, und ein Chirurg f\u00fcr Stimmb\u00e4nder, der Auskunft \u00fcber Goethes Stimmlage geben konnte. Daneben gibt es Buchvorstellungen mit bekannten Autoren, bei denen die Community im Live-Chat Fragen stellen kann. Immer wieder werden erstaunliche &quot;Fun Facts&quot; zum Weimarer Geheimrat enth\u00fcllt: So gibt es in S\u00fcdkorea und Japan einen Milliardenkonzern mit dem Namen &quot;Lotte&quot; &#8211; nach der Lotte aus den &quot;Leiden des jungen Werther&quot;. Firmengr\u00fcnder Shin Kyuk-Ho war von dem Roman so begeistert, dass er sein Unternehmen nach der weiblichen Hauptfigur benannte.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/leute\/buecher\/Rocko-Schamoni-findet-des-Pudels-Kern-article24976205.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Rocko Schamonis Alter Ego trifft in dem Vierteiler Klaas Heufer-Umlauf, Joy Denalane, Linda Zervakis und Charly H\u00fcbner.\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24804321-1717077162000\/17-6\/1136\/Rocko-Schamonis-Alter-Ego-trifft-in-dem-Vierteiler-Klaas-Heufer-Umlauf-Joy-Denalane-Linda-Zervakis-und-Charly-Hubner.jpg\"\/> <\/a> <\/figure>\n<p>   B\u00fccher  02.06.24    &quot;Die Qual meiner Jugend&quot; Rocko Schamoni findet des &quot;Pudels Kern&quot;    <\/p>\n<h2>&quot;Fangen wir mit Werther an&quot;<\/h2>\n<p>&quot;Ich denke, es muss um Vernetzung und Austausch gehen&quot;, sagt Damian Mallepree. Seine Follower-Zahl ist mit 1600 sicher noch \u00fcberschaubar, doch gerade das erlaubt den intensiven Austausch: &quot;Ich kenne meine Follower ziemlich gut.&quot; Der Marketing-Experte, der seine Abschlussarbeit in Germanistik \u00fcber Goethe geschrieben hat, ist \u00fcberzeugt: &quot;Goethe ist heute nicht mehr jemand, der uns sagt, wo&#039;s lang geht, sondern jemand, der uns verbinden kann, weil er Verkn\u00fcpfungspunkte schafft.&quot; Einmal aufgrund seiner zahllosen Interessen und dann aufgrund seiner Offenheit &#8211; &quot;er passt eben nicht in Schubladen, sondern l\u00e4sst Interpretationsspielr\u00e4ume zu&quot;.<\/p>\n<p>Und wenn man sich Goethe nun doch etwas intensiver zuwenden will, womit sollte man anfangen? Wirklich einfach sei nichts, warnt Biograf Steinfeld: &quot;Man muss den Kopf anstrengen, wenn man seinen Werken etwas abgewinnen will.&quot; Aber dann tue sich ein unglaublicher Reichtum von Gedanken auf. Sein Tipp f\u00fcr den Einstieg: &quot;Fangen wir mit &#039;Werther&#039; an&quot;.<\/p>\n<p>Quelle: ntv.de, Christoph Driessen, dpa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Panorama &quot;Sie sind ein Mann&quot;, sagte Napoleon zu Goethe. Das Interesse am deutschen Nationaldichter Goethe war schon mal gr\u00f6\u00dfer. 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