{"id":2801,"date":"2020-09-26T18:08:14","date_gmt":"2020-09-26T15:08:14","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/ria-schroder-uber-fdp-sexismus-und-christian-lindner\/"},"modified":"2020-09-26T18:08:14","modified_gmt":"2020-09-26T15:08:14","slug":"ria-schroder-uber-fdp-sexismus-und-christian-lindner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/ria-schroder-uber-fdp-sexismus-und-christian-lindner\/","title":{"rendered":"Ria Schr\u00f6der \u00fcber FDP, Sexismus und Christian Lindner"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/497a0b6a-ff58-41ea-9dba-e25e1607c86e_w948_r1.77_fpx49.75_fpy45.jpg\" title=\"Ex-JuLi-Chefin Ria Schr\u00f6der\" alt=\"Ex-JuLi-Chefin Ria Schr\u00f6der\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Ex-JuLi-Chefin Ria Schr\u00f6der<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Britta Pedersen \/ picture alliance\/dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Frau Schr\u00f6der, haben Sie gelacht, als Ihr Parteichef Christian Lindner sexistisch \u00fcber die geschasste Generalsekret\u00e4rin Linda Teuteberg witzelte?<\/p>\n<p><strong>Schr\u00f6der:<\/strong> Nein.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Schon mit Rainer Br\u00fcderle gab es eine Debatte \u00fcber Sexismus in Ihrer Partei. Hat die FDP ein besonderes Problem? <\/p>\n<p><strong>Schr\u00f6der:<\/strong> Nein, das hat die FDP nicht f\u00fcr sich gepachtet, wir haben vielmehr ein gesamtgesellschaftliches Problem mit Sexismus. Bei uns in der FDP gibt es Sexismus &#8211; wie in jeder anderen Partei, wie in jedem Sportverein und so weiter.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Jetzt machen Sie es sich aber ein bisschen einfach.<\/p>\n<p><strong>Schr\u00f6der: <\/strong>Moment! Unser Problem ist doch ein anderes. Wir leben in einer Gesellschaft, in der ein Mann erwarten darf, f\u00fcr einen sexistischen Witz Lacher zu bekommen. Wenn auf dem Parteitag niemand gelacht h\u00e4tte, dann w\u00e4re deutlich geworden, dass der Satz keine Pointe hat und auch keine Lacher verdient hat.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Hatte es Linda Teuteberg schwieriger in Ihrer Partei, weil sie eine Frau ist?<\/p>\n<p><strong>Schr\u00f6der:<\/strong> Nein.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Bedauern Sie es, dass der Posten nicht wieder mit einer Frau besetzt wurde?<\/p>\n<p><strong>Schr\u00f6der:<\/strong> Ich m\u00f6chte niemanden nur nach dem Geschlecht bewerten. Es geht doch darum, wer welche Kompetenzen mitbringt. Gemischte Teams finde ich grunds\u00e4tzlich gut, denn Frauen bringen eine bestimmte Sichtweise in Teams mit ein. Klar, das kann nicht der allein entscheidende Faktor sein, aber ein wichtiger.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Hei\u00dft, Sie sehen in der FDP derzeit keine Frau, die \u00e4hnliche Qualifikation und Erfahrung wie der neue Generalsekret\u00e4r Volker Wissing mitgebracht h\u00e4tte?<\/p>\n<p><strong>Schr\u00f6der:<\/strong> Es gibt f\u00fcr jeden Posten bei uns geeignete Frauen. Die haben aber teilweise schon andere Aufgaben. Bettina Stark-Watzinger zum Beispiel will im November FDP-Chefin in Hessen werden.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Ihr neuer Generalsekret\u00e4r Wissing ist doch auch noch Parteichef in Rheinland-Pfalz und Wirtschaftsminister.<\/p>\n<p><strong>Schr\u00f6der:<\/strong> Auf ihn wird mit Daniela Schmitt auch eine Frau nachfolgen. Von \u00c4mterh\u00e4ufung halte ich prinzipiell nicht viel. Bei Frauen kommt hinzu, dass sie ohnehin schon oft mehr Aufgaben \u00fcbernehmen, etwa in der Familie oder im Beruf. Im \u00dcbrigen werden Frauen oft mit doppelten Ma\u00dfst\u00e4ben gemessen. Ein Fehler, den eine Frau macht, wird dreimal mehr kritisiert als der Fehler eines Mannes. Ein Erfolg einer Frau zehnmal weniger gefeiert als der eines Mannes. W\u00e4re Andreas Scheuer eine Frau, w\u00e4re er l\u00e4ngst zur\u00fcckgetreten.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Haben Sie selbst Sexismus in der FDP erlebt?<\/p>\n<p><strong>Schr\u00f6der:<\/strong> Nat\u00fcrlich, so wie ich fast jeden Tag Sexismus im Alltag erlebe. Das hat erst mal nichts mit der FDP zu tun, sondern ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das in jeder Partei, jedem Verein, einfach \u00fcberall vorkommt. Etwa wenn ich \u00fcber die Stra\u00dfe gehe und mir jemand hinterherpfeift. Wenn ich Nachrichten wie diese bei Instagram bekomme: &quot;Hey S\u00fc\u00dfe, wollen wir uns nicht mal kennenlernen. Du hast so ein nettes L\u00e4cheln.&quot; Da frage ich mich: Was erdreistet der sich, mich &quot;S\u00fc\u00dfe&quot; zu nennen und mein Aussehen zu bewerten? Antwortet man, dass man kein Interesse hat, folgen schnell Beleidigungen unterhalb der G\u00fcrtellinie. Das erleben Frauen jeden Tag. Es w\u00fcrde uns als Gesellschaft helfen, wenn M\u00e4nner mit ihren Freunden auch selbst zu diskutieren beginnen und ein Veto einlegen, wenn sie Sexismus beobachten.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> K\u00f6nnen Sie ein Beispiel aus der Politik nennen?<\/p>\n<p><strong>Schr\u00f6der:<\/strong> Ich finde die Vorg\u00e4nge im Berliner Bundestagswahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf erstaunlich. In der SPD-Vorauswahl tritt Sawsan Chebli an, und der Regierenden B\u00fcrgermeister Michael M\u00fcller m\u00f6chte ebenfalls und st\u00f6rt sich daran, weil er in seinem Heimatwahlkreis die Kandidatur gegen Kevin K\u00fchnert scheute. Da wird geraunt, Chebli sei dreist und nicht dem\u00fctig genug. Ich denke politisch anders als Frau Chebli, aber ich unterst\u00fctze sie in ihrem Kampf gegen solche Angriffe. Niemand muss sich daf\u00fcr rechtfertigen, in einer demokratischen Wahl anzutreten.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Zuletzt wurde Chebli in einem Rechtsau\u00dfen-Magazin sexistisch beleidigt, insbesondere Frauen solidarisierten sich mit ihr und am Ende musste der Herausgeber dieses Magazins seinen R\u00fcckzug vom Vorsitz der renommierten Ludwig-Erhard-Stiftung ank\u00fcndigen. Sexismus hat also Konsequenzen &#8211; ein Lehrbeispiel f\u00fcr Sie?<\/p>\n<p><strong>Schr\u00f6der:<\/strong> Es passiert leider noch viel zu selten, dass Sexismus Konsequenzen hat. Wir brauchen eine klare \u00dcbereinkunft, dass verbale und t\u00e4tliche \u00dcbergriffe nicht geduldet sind und dass sich Personen, die sich so verhalten, f\u00fcr Wahlen und Listenaufstellungen disqualifiziert haben.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Sie selbst wollten als JuLi-Vorsitzende daf\u00fcr sorgen, dass mehr Frauen in die FDP eintreten. Passiert ist nicht viel. Woran liegt das?<\/p>\n<p><strong>Schr\u00f6der:<\/strong> Als Einzelne in der Politik kann ich langfristige Entwicklungen hin zum Besseren nur mit anschieben. Wir haben als JuLis beispielsweise mit dem &quot;Female Future Forum&quot; ein Format geschaffen, das sich an Frauen richtet und sie in der Partei voranbringen will. Viele Landesverb\u00e4nde haben das \u00fcbernommen, auch die Bundespartei will das tun.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Es gibt inzwischen nicht wenige M\u00e4nner in Ihrer Partei, darunter auch Christian Lindner, die Bereitschaft f\u00fcr eine Frauenquote signalisieren. Warum wird sie aber von vielen FDP-Frauen abgelehnt?<\/p>\n<p><strong>Schr\u00f6der:<\/strong> So kategorisch k\u00f6nnen Sie das nicht sagen. Es \u00e4rgert mich, dass sich die ganze Debatte um die elendige Frauenquote dreht. Wir m\u00fcssen stattdessen bei der Aufstellung der Listen- und Wahlkreiskandidaten &#8211; etwa f\u00fcr die Bundestagswahl &#8211; darauf achten, dass die guten Frauen auf aussichtsreichen Pl\u00e4tzen wieder aufgestellt werden und zudem neuen Frauen die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnet wird zu kandidieren. Die starre Quoten-Debatte in der FDP ist dagegen eine Phantomdiskussion.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Was halten Sie von einer Doppelspitze, wie sie von manchen in der FDP gefordert wird?<\/p>\n<p><strong>Schr\u00f6der:<\/strong> Strukturelle Ver\u00e4nderungen sind eine Chance, aber wir sollten uns da nichts vormachen. Wenn wir das auf dem n\u00e4chsten Parteitag 2021 in unsere Satzung schreiben, w\u00fcrde diese Klausel erst bei der n\u00e4chsten Vorsitzendenwahl 2023 greifen. Ich pl\u00e4diere prinzipiell daf\u00fcr, den Partei- und Fraktionsvorsitz personell zu trennen. Das sollten wir zeitnah umsetzen, rechtzeitig zur Bundestagswahl 2021. Das w\u00fcrde daf\u00fcr sorgen, dass wir in der ersten Reihe mehr Gesichter haben, die mit unterschiedlichem Stil verschiedene Menschen ansprechen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Lindner soll einen Posten abgeben?<\/p>\n<p><strong>Schr\u00f6der:<\/strong> Es geht nicht um Christian Lindner, sondern darum, wie die FDP perspektivisch mehr Aufmerksamkeit bekommen kann. Wir haben doch leider die Erfahrung gemacht, dass nur jene Aufmerksamkeit erhalten, die in der ersten Reihe stehen oder eben besonders laut poltern. Zum Beispiel Wolfgang Kubicki, den finden viele toll und das ist auch in Ordnung. Aber ich w\u00fcnsche mir, dass auch Menschen mit anderem Zungenschlag st\u00e4rker wahrgenommen werden k\u00f6nnen. Die FDP muss sich verbreitern. Frauen sind da, sie m\u00fcssen nur sichtbarer werden.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Ex-JuLi-Chefin Ria Schr\u00f6der Foto:\u2002Britta Pedersen \/ picture alliance\/dpa SPIEGEL: Frau Schr\u00f6der, haben Sie gelacht, als Ihr Parteichef Christian Lindner sexistisch \u00fcber die geschasste Generalsekret\u00e4rin Linda Teuteberg witzelte? 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