{"id":27862,"date":"2024-07-20T11:37:18","date_gmt":"2024-07-20T08:37:18","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/einmal-ddr-und-zuruck-als-der-verfassungsschutz-chef-die-seiten-wechselte\/"},"modified":"2024-07-20T11:37:18","modified_gmt":"2024-07-20T08:37:18","slug":"einmal-ddr-und-zuruck-als-der-verfassungsschutz-chef-die-seiten-wechselte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/einmal-ddr-und-zuruck-als-der-verfassungsschutz-chef-die-seiten-wechselte\/","title":{"rendered":"Einmal DDR und zur\u00fcck: Als der Verfassungsschutz-Chef die Seiten wechselte"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Politik         \t\t                   \t\t               \t\t                    <\/p>\n<figure> \t\t                       \t\t                        <img decoding=\"async\" alt=\"Otto John (l.), der ehemalige Pr\u00e4sident des Verfassungsschutzes, im Januar 1955 auf einer Pressekonferenz mit dem DDR-Staatssekret\u00e4r Albert Norden in Ost-Berlin. \" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25088299-1721031830000\/16-9\/750\/20e79915328e1c8596296003745d66ec.jpg\"\/><figcaption>\n<p>Otto John (l.), der ehemalige Pr\u00e4sident des Verfassungsschutzes, im Januar 1955 auf einer Pressekonferenz mit dem DDR-Staatssekret\u00e4r Albert Norden in Ost-Berlin.<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Es ist einer der gr\u00f6\u00dften Skandale der deutschen Nachkriegsgeschichte: 1954 setzt sich der Pr\u00e4sident des Verfassungsschutzes in die DDR ab. Nach eineinhalb Jahren kehrt Otto John zur\u00fcck und behauptet, entf\u00fchrt worden zu sein. Doch was ist wirklich passiert? Eine Historikerin ist sich sicher: Moskau steckt hinter der Aff\u00e4re.<\/strong><\/p>\n<p>Der &quot;Spiegel&quot; nennt es damals die &quot;unglaublichste Nachricht seit Bestehen der Bundesrepublik&quot;. Bis heute ist das Ganze fast unvorstellbar. Der Pr\u00e4sident des Bundesamts f\u00fcr Verfassungsschutz setzt sich in die DDR ab. Nach eineinhalb Jahren kommt er zur\u00fcck in die Bundesrepublik. Er selbst sagt, er sei entf\u00fchrt worden. Aber da gibt es Zeugen, die das Gegenteil behaupten. Es geht um Intrigen und angebliche Trunksucht, um Verrat und Moral. Es geht um eine Nachkriegsgesellschaft, die sich mit Altnazis augenscheinlich leichter tat als mit deren Gegnern. Und um eine Beh\u00f6rde, die vor Extremisten sch\u00fctzen soll und dabei selbst immer wieder misstrauisch be\u00e4ugt wird. Aber der Reihe nach. <\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Putin-hat-sich-immer-auf-den-Geheimdienst-gestuetzt-article24805132.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"31254488.jpg\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24805938-1710431776000\/17-6\/1136\/31254488.jpg\"\/> <\/a> <\/figure>\n<p>   Politik  17.03.24    Das &quot;Schattenregime&quot; in der DDR &quot;Putin hat sich immer auf den Geheimdienst gest\u00fctzt&quot;    <\/p>\n<p>Die Geschichte beginnt im Juli 1954, vor genau 70 Jahren. Der 45-j\u00e4hrige Otto John ist seit knapp drei Jahren Chef des neuen westdeutschen Inlandsgeheimdienstes in K\u00f6ln. Zum zehnten Jahrestag des missgl\u00fcckten Attentats auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 reist er nach West-Berlin. Otto John selbst hat dem Widerstand im NS-Staat angeh\u00f6rt, ebenso wie sein Bruder Hans John. W\u00e4hrend Otto sich nach dem Fehlschlag 1944 nach England absetzen konnte, wurde Hans von den Nationalsozialisten umgebracht. An diesem zehnten Jahrestag des Hitler-Attentats zeigt sich Otto John beim Gedenkakt emotional und mitgenommen. <\/p>\n<p>Wenige Stunden danach verschwindet er. Zwei Tage sp\u00e4ter, am 22. Juli 1954, bringt der Rundfunk der DDR eine Erkl\u00e4rung Johns: &quot;Es bedarf einer demonstrativen Aktion, um alle Deutschen zum Einsatz f\u00fcr die Wiedervereinigung aufzurufen. Deshalb habe ich am Jahrestag des 20. Juli einen entschlossenen Schritt getan und die Verbindung mit den Deutschen im Osten aufgenommen.&quot; Das Bundeskabinett in Bonn geht trotzdem zun\u00e4chst von einer Entf\u00fchrung aus. &quot;Die W\u00fcrdigung des vorliegenden Materials f\u00fchrte zu dem Schluss, dass sich Dr. John nicht freiwillig au\u00dferhalb des Gebietes der Bundesrepublik und Westberlins aufh\u00e4lt&quot;, hei\u00dft es im Bericht \u00fcber eine Sondersitzung vom 23. Juli. <\/p>\n<h2>Forscherin: &quot;Das hat der KGB eingef\u00e4delt&quot;<\/h2>\n<p>Erst eine Pressekonferenz am 11. August schafft scheinbar Klarheit: John \u00e4u\u00dfert sich pers\u00f6nlich mit einer langen Rechtfertigung seines Seitenwechsels und mit deutlicher Kritik an einer &quot;Wiederbelebung des Nationalsozialismus&quot; in der Bundesrepublik. Vorher und nachher wird John von der DDR-Staatssicherheit und vom sowjetischen Geheimdienst KGB befragt, wie der Potsdamer Zeithistoriker Bernd St\u00f6ver in einem Aufsatz zum Fall schreibt. F\u00fcr die Bundesregierung eine schwere &quot;Schlappe im Kalten Krieg&quot;. Was steckt dahinter? &quot;Das hat der KGB eingef\u00e4delt&quot;, sagt Daniela M\u00fcnkel, Forschungsleiterin beim Stasi-Unterlagen-Archiv. Hintergrund war der damals bevorstehende Aufbau der Bundeswehr und die Einbindung der Bundesrepublik in die NATO. Moskau versuchte, das zu verhindern. <\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Ehepaar-in-Australien-wegen-Spionage-fuer-Moskau-festgesetzt-article25082308.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"0af8256bb2d08a2d4b6d14b13e6ffa6e.jpg\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25082277-1720757173000\/17-6\/1136\/0af8256bb2d08a2d4b6d14b13e6ffa6e.jpg\"\/> <\/a> <\/figure>\n<p>   Politik  12.07.24    Armee-Details verraten? Ehepaar in Australien wegen Spionage f\u00fcr Moskau festgesetzt    <\/p>\n<p>1952 hatten die Sowjets die sogenannten Stalin-Noten \u00fcbermittelt, die eine Wiedervereinigung von BRD und DDR in Aussicht stellten, allerdings unter der Bedingung der Neutralit\u00e4t. Der Westen lehnte ab. John sorgte sich um die Chancen einer deutschen Einheit. &quot;Er hat sich wohl eingebildet, er k\u00f6nnte Geheimdiplomatie machen&quot;, mutma\u00dft M\u00fcnkel. Der ehemalige NS-Widerstandsk\u00e4mpfer war zudem tief frustriert dar\u00fcber, dass in Bonn ehemalige Nazis Karriere machten, auch in seiner Beh\u00f6rde. John habe das Amt nicht im Griff gehabt, res\u00fcmierte der Historiker Michael Wala vor einigen Jahren. &quot;So konnten, an den Alliierten und der Amtsleitung vorbei, zahlreiche ehemalige Mitglieder von Gestapo und SS als &quot;freie Mitarbeiter&quot; dem Amt zuarbeiten.&quot; <\/p>\n<p>Der &quot;Spiegel&quot; insinuiert 1954 in einem Artikel in Spielfilml\u00e4nge noch allerlei andere Motive, darunter ein Machtgerangel zwischen John und Reinhard Gehlen, der gerade den Auslandsgeheimdienst aufbaute. &quot;Immer h\u00e4ufiger nahm der labile Mann mit dem ungl\u00fcckseligen Hang die Zuflucht zum Alkohol&quot;, raunt das Magazin \u00fcber John. Der sei weitgehend kaltgestellt gewesen und sein Karriereende absehbar. <\/p>\n<h2>&quot;Riesiger Propagandaerfolg&quot; f\u00fcr die DDR <\/h2>\n<p>Jedenfalls f\u00e4hrt John am Abend des 20. Juli 1954 mit einem Bekannten, dem Arzt Wolfgang Wohlgemut, \u00fcber die Sektorengrenze von West- nach Ostberlin. Wohlgemut ist Mitarbeiter des KGB, wie Forscher heute wissen. Ob John das wei\u00df? Ob er wirklich bleiben will oder nur einen Abstecher machen? Unklar, sagt M\u00fcnkel. Sicher sei aber: &quot;Er wurde nicht entf\u00fchrt, das ist Quatsch.&quot; F\u00fcr die DDR sei es ein &quot;riesiger Propagandaerfolg&quot; gewesen. &quot;Stellen Sie sich vor, der Chef des Bundesamts f\u00fcr Verfassungsschutz w\u00fcrde heute nach Moskau gehen&quot;, sagt die Historikerin. &quot;Das ist schon eine irre Geschichte.&quot; Noch verr\u00fcckter scheint Johns R\u00fcckkehr in die Bundesrepublik im Dezember 1955. Ein Bekannter habe ihm versichert, er m\u00fcsse nicht mit Strafverfolgung rechnen, berichtet M\u00fcnkel. <\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/bilderserien\/politik\/Ein-mittelmaessiger-Spion-erzwingt-Willy-Brandts-Ruecktritt-article24893967.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Guillaume und Brandt neben Zug gut.jpg\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24894317-1713951631000\/16-9\/1136\/Guillaume-und-Brandt-neben-Zug-gut.jpg\"\/>    26 Bilder  <\/a> <\/figure>\n<p>   Politik  24.04.24    50 Jahre Guillaume-Aff\u00e4re Ein mittelm\u00e4\u00dfiger Spion erzwingt Willy Brandts R\u00fccktritt    <\/p>\n<p>Unter konspirativen Umst\u00e4nden kommt er mithilfe eines d\u00e4nischen Journalisten zur\u00fcck und versichert fortan: Er sei nicht freiwillig in die DDR gegangen, er sei bet\u00e4ubt worden. Geglaubt wird ihm nicht. John wird Ende 1956 wegen &quot;landesverr\u00e4terischer F\u00e4lschung&quot; und Konspiration zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Bis zu seinem Tod im M\u00e4rz 1997 bem\u00fcht er sich um Rehabilitation. Vergeblich. Was bleibt? &quot;Der Fall war der Zeit geschuldet, dem Kalten Krieg, der damals erst kurz zur\u00fcckliegenden NS-Zeit, der Weltlage, der Pers\u00f6nlichkeit Otto Johns&quot;, sagt M\u00fcnkel. Und doch hallt etwas nach. <\/p>\n<p>Lange galten die anfangs besch\u00e4ftigten Altnazis als Hypothek f\u00fcr das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz. Der Beh\u00f6rde wurde vorgehalten, auf dem rechten Auge blind zu sein. Nun kommen die Angriffe von der anderen Seite: Die als rechtsextremer Verdachtsfall gef\u00fchrte AfD will das Bundesamt abschaffen. Der fr\u00fchere Verfassungsschutzpr\u00e4sident Heinz Fromm r\u00e4umte einmal ein: &quot;Die Beh\u00f6rde hat immer in der \u00f6ffentlichen Diskussion gestanden, mal selbst verschuldet, mal unverschuldet.&quot; Aber vielleicht nie so sehr wie zu der Zeit, als ihr Pr\u00e4sident die Seiten wechselte. <\/p>\n<p>Quelle: ntv.de, Verena Schmitt-Roschmann, dpa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politik Otto John (l.), der ehemalige Pr\u00e4sident des Verfassungsschutzes, im Januar 1955 auf einer Pressekonferenz mit dem DDR-Staatssekret\u00e4r Albert Norden in Ost-Berlin. 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