{"id":27762,"date":"2024-07-03T13:46:29","date_gmt":"2024-07-03T10:46:29","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/experte-zu-stromborsen-panne-es-hat-gezeigt-wie-abhangig-wir-von-nachbarlandern-sind\/"},"modified":"2024-07-03T13:46:29","modified_gmt":"2024-07-03T10:46:29","slug":"experte-zu-stromborsen-panne-es-hat-gezeigt-wie-abhangig-wir-von-nachbarlandern-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/experte-zu-stromborsen-panne-es-hat-gezeigt-wie-abhangig-wir-von-nachbarlandern-sind\/","title":{"rendered":"Experte zu Stromb\u00f6rsen-Panne: &#8220;Es hat gezeigt, wie abh\u00e4ngig wir von Nachbarl\u00e4ndern sind&#8221;"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Wirtschaft         \t\t                   \t\t               \t\t                    <\/p>\n<figure> \t\t                       \t\t                        <img decoding=\"async\" alt=\"Ohne ausreichende Im- und Exportkapazit\u00e4ten f\u00fcr  den Strom k\u00f6nnten die Preisschwankungen zunehmen. \" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/25059671-1719997529000\/16-9\/750\/411888040.jpg\"\/><figcaption>\n<p>Ohne ausreichende Im- und Exportkapazit\u00e4ten f\u00fcr  den Strom k\u00f6nnten die Preisschwankungen zunehmen.<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Durch eine Panne schossen die Strompreise an der B\u00f6rse EPEX in der vergangenen Woche in extreme H\u00f6hen. F\u00fcr Verbraucher mit dynamischen Stromtarifen vervielfachten sich zeitweise die Preise. Der Schaden sei zwar \u00fcberschaubar, sagt Energiemarktexperte Tobias Federico vom Beratungsunternehmen Montel &#8211; Energy Brainpool im Interview mit ntv.de, dennoch gelte es, wichtige Lehren aus der Panne zu ziehen. <\/p>\n<p>ntv.de: Was ist da letzte Woche passiert?<\/p>\n<p>Tobias Federico: Kurzgefasst war es so: Einer der wichtigsten Handelspl\u00e4tze f\u00fcr Strom f\u00fcr Mitteleuropa, die Stromb\u00f6rse EPEX Spot, hat die Preise f\u00fcr Lieferungen am kommenden Tag so berechnet, als ob kein Im- und Export zwischen den L\u00e4ndern stattfinden w\u00fcrde. Das wird &quot;Decoupling&quot; &#8211; also Entkopplung &#8211; der M\u00e4rkte genannt. Das Resultat waren extrem unterschiedliche Preise in Europa, wobei insbesondere Deutschland hervorgestochen ist, mit kurzzeitig sehr hohen Preisen.<\/p>\n<p>Um zu verstehen, was das bedeutet: K\u00f6nnen Sie kurz erkl\u00e4ren, wie dieser Stromhandel funktioniert?<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/ticker\/Rechnungshof-Bundesregierung-ist-bei-Energiewende-nicht-auf-Kurs-article24790070.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"259695439.jpg\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/23658320-1666091547000\/17-6\/1136\/259695439.jpg\"\/> <\/a> <\/figure>\n<p>   Kurznachrichten  07.03.24    &quot;Ungen\u00fcgende&quot; Ma\u00dfnahmen Rechnungshof: Bundesregierung ist bei Energiewende &quot;nicht auf Kurs&quot;    <\/p>\n<p>Der europ\u00e4ische Strommarkt ist so organisiert, dass auf digitalen Handelspl\u00e4tzen Algorithmen Angebot und Nachfrage matchen und anschlie\u00dfend Preise dazu ver\u00f6ffentlichen. Das passiert zun\u00e4chst f\u00fcr ein spezifisches Lieferland, bevor der Algorithmus in einem zweiten Rechenschritt Im- und Exportmengen zwischen den L\u00e4ndern berechnet. Das hei\u00dft, aus L\u00e4ndern, wo wir einen sehr niedrigen Strompreis haben, wird Strom in L\u00e4nder geliefert, wo der Preis hoch ist. Soweit die Im- und Exportkapazit\u00e4ten &#8211; also bildlich gesprochen die Strom-Autobahnen zwischen den L\u00e4ndern &#8211; ausreichen, kommt dabei ein harmonischer europ\u00e4ischer Strompreis heraus. Gibt es Engp\u00e4sse bei den grenz\u00fcberschreitenden Transportkapazit\u00e4ten, bleiben die Strompreise in den verschiedenen L\u00e4ndern unterschiedlich hoch. Dieses Prozedere l\u00e4uft t\u00e4glich ab, immer einen Tag vor der Lieferung des Stroms. Letzte Woche wurde der zweite Teil, die Im- und Exportmengen, nicht mitberechnet. Das war dann das &quot;Decoupling&quot;. <\/p>\n<p>Wie hat sich das auf den Strompreis in Deutschland ausgewirkt?<\/p>\n<p>Bei EPEX Spot handeln viele Unternehmen, die dynamische Stromtarife anbieten, auch an Haushalte. Das sind Tarife, bei denen sich der Preis f\u00fcr die Verbraucher st\u00fcndlich entsprechend der Entwicklung an einem bestimmten Referenz-Handelsplatz \u00e4ndert. Infolge des Fehlers vergangene Woche haben manche Stromkunden in der App ihres Anbieters am Mittwoch zwischen sechs und sieben Uhr morgens einen Preis von 2,30 Euro pro Kilowattstunde gesehen. <\/p>\n<p>Dieser Fehler ist zum allerersten Mal aufgetreten?<\/p>\n<p>Es gibt immer wieder Probleme mit solchen Algorithmen. Normalerweise wird die Berechnung einfach wiederholt. Das Besondere ist in diesem Fall, dass der Fehler nicht rechtzeitig behoben werden konnte. <\/p>\n<p>Wie sch\u00e4tzen Sie die Gefahr ein, dass sich das wiederholt? <\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/videos\/wirtschaft\/Bequemlichkeit-kostet-deutsche-Stromkunden-Milliarden-article24953586.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"453429826.jpg\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24953759-1716194402000\/16-9\/1136\/453429826.jpg\"\/>    01:19 min  <\/a> <\/figure>\n<p>   Wirtschaft  20.05.24    Verivox berechnet Tarifwechsel Bequemlichkeit kostet deutsche Stromkunden Milliarden    <\/p>\n<p>Die EPEX Spot und ihre Vorg\u00e4ngergesellschaften mit dem gleichen Handelsalgorithmus gibt es seit mittlerweile 24 Jahren. Ich kann mich an drei Ereignisse erinnern, wo es wirklich zu Problemen kam. Das ist schon eine sehr geringe Ausfallquote. Entsprechend klein ist auch die Wiederholungsgefahr. <\/p>\n<p>Privatkunden mit einem dynamischen Stromtarif haben im schlimmsten Fall an diesem Tag ein paar Euro verloren. Das ist ein \u00fcberschaubarer Schaden. Wie sieht das aber f\u00fcr industrielle Gro\u00dfverbraucher aus?<\/p>\n<p>Bei Industriestromkunden kommt es darauf an, ob sie einen direkten B\u00f6rsenzugang haben oder ihren Strom \u00fcber Dienstleister beziehen, und ob sie den Strom nur an einem Handelsplatz einkaufen. Es waren wohl nicht viele Industriebetriebe betroffen. Aber einige haben echte Probleme gehabt. Es gibt Berichte, dass ein Stahlwerk die Produktion f\u00fcr einen Tag stillgelegt hat, weil der Strom zu teuer war. <\/p>\n<p>Damit k\u00f6nnte man die Geschichte als wahrscheinlich einmaliges Ereignis mit einem begrenzten Schaden abhaken. Oder steckt ihrer Ansicht nach mehr dahinter?<\/p>\n<p>Es war ein singul\u00e4res Ereignis. Einigen tat das zwar weh, aber die Auswirkungen sind begrenzt. Interessant ist es aus einem anderen Grund: Es hat uns vor Augen gef\u00fchrt, wie wir vom Im- und Export her von den Nachbarl\u00e4ndern abh\u00e4ngig sind.<\/p>\n<p>Und das ist ein Problem? Im Normalfall funktioniert das ja offenbar gut. <\/p>\n<p>Langfristszenarien zeigen, dass wir genau solche Schwankungen in Zukunft erwarten m\u00fcssen, wenn wir weiter extrem viel fluktuierende erneuerbare Stromerzeugung ausbauen, aber nicht im gleichen Ma\u00df Im- und Exportkapazit\u00e4ten zu unseren Nachbarl\u00e4ndern schaffen. Oder wenn wir zu wenige Backupkraftwerke bauen, die zur Not einspringen k\u00f6nnen. Dieser Softwarefehler an der Stromb\u00f6rse hat uns auf eine Art Zeitreise in dieses Langfristszenario mitgenommen. Das finde ich spannend.<\/p>\n<p>Eine Antwort auf diese Schwankungen sind ja gerade diese dynamischen Stromtarife, die Kunden dazu bringen sollen, Strom m\u00f6glichst dann zu verbrauchen, wenn viel Sonnen- und Windstrom erzeugt werden. Die Waschmaschine soll also nicht abends laufen, sondern per Timer auf den n\u00e4chsten Mittag eingestellt werden. Wenn alle das machten, w\u00fcrden die Preisspitzen stark abgefedert. Ist ein solcher Effekt schon zu beobachten? <\/p>\n<p>Das Beispiel mit der Waschmaschine ist sch\u00f6n. Aber wenn man sich anschaut, wie viel eine Waschmaschine verbraucht und wie viele Haushalte es gibt mit Waschmaschinen, dann ist das marginal im Vergleich zu dem, was etwa ein Pumpspeicherkraftwerk speichern und erzeugen kann. Es gibt ein paar Industriekunden, die ihren Stromverbrauch an diese Schwankungen anpassen k\u00f6nnen. Aber die meisten industriellen Prozesse sind nicht so flexibel. Das Potenzial dieser sogenannten verschiebbaren Lasten ist entsprechend begrenzt auf etwa zehn bis 15 Prozent der Stromnachfrage.<\/p>\n<p>  <strong>Mehr zum Thema<\/strong>    Nach Wegfall der EEG-Umlage Bund fehlen 8,8 Milliarden Euro f\u00fcr \u00d6kostrom-F\u00f6rderung       Geplanter Verkauf geplatzt Bund kann sich deutsches Tennet-Stromnetz nicht leisten       Zu faul f\u00fcr Anbieterwechsel Deutsche zahlen Milliarden zu viel f\u00fcr Strom       R\u00fcckkehr zur &quot;Monstertrasse&quot;? Die Erdkabel-Pflicht steht vor dem Aus       Neue Windparks in der Nordsee Offshore-Fl\u00e4chen f\u00fcr drei Milliarden Euro versteigert    <\/p>\n<p>Welche anderen Stellschrauben muss man angehen, um derartige Preisausschl\u00e4ge in der Zukunft zu verhindern?<\/p>\n<p>Zum einen brauchen wir ein Speichersystem, das Strom zu g\u00fcnstigen Preisen einspeichert und zu teuren Preisen dann wieder ins Netz einspeist. Dazu werden unter anderem Batteriespeicher geh\u00f6ren, aber auch Elektrolyseanlagen, die Wasserstoff herstellen, beziehungsweise aus Wasserstoff Strom produzieren, wenn die Preise hoch sind. In den 2040er und 50er Jahren k\u00f6nnte insgesamt die H\u00e4lfte unserer Stromnachfrage preisdynamisch ausgestaltet sein, also in der Lage sein, auf Preisschwankungen zu reagieren. <\/p>\n<p>In den vergangenen Tagen war vielfach zu h\u00f6ren, dass diese Entkoppelung die deutsche Energiewende als eine Art Mogelpackung entlarvt habe. Denn es sei zu sehen gewesen, dass der hohe Anteil erneuerbarer Energieerzeugung in Deutschland nur tragf\u00e4hig ist, wenn Nachbarl\u00e4nder mit Atom- oder Kohlestrom helfen, die Schwankungen auszugleichen. Stimmen Sie dieser Einsch\u00e4tzung zu?<\/p>\n<p>In relativ seltenen F\u00e4llen einer sogenannten Dunkelflaute, wenn weder die Sonne scheint, noch der Wind weht, sind wir auf Nachbarn angewiesen. Aber das Gleiche gilt auch, wenn Frankreich von einer K\u00e4ltewelle erfasst wird. Dann verlassen die sich auf ihren gr\u00f6\u00dften Nachbarn und das sind nun mal wir. Insgesamt glaube ich, dass wir physikalisch sogar in der Lage w\u00e4ren, ohne Im- und Export gut durchzukommen. Kommerziell ist das anders. Ohne Im- und Export h\u00e4tten wir ein h\u00f6heres Preisniveau und teils extreme Ausschl\u00e4ge. Kommerziell brauchen wir diese europ\u00e4ische Durchmischung. Aber das ist nat\u00fcrlich ein Geben und Nehmen. Die Franzosen profitieren ja auch von den niedrigen deutschen Preisen zur Mittagszeit. Morgens und abends verdienen die Franzosen an den hohen Preisen in Deutschland. Mittags verdienen die Deutschen, wenn der Strompreis hier teilweise unter null f\u00e4llt, w\u00e4hrend er Frankreich ohne Import bei 100 Euro pro Gigawattstunde l\u00e4ge, wie wir letzte Woche sehen konnten. <\/p>\n<p>Mit Tobias Federico sprach Max Borowski<\/p>\n<p>Quelle: ntv.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wirtschaft Ohne ausreichende Im- und Exportkapazit\u00e4ten f\u00fcr den Strom k\u00f6nnten die Preisschwankungen zunehmen. 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